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MEMO geht 2022 in das fünfte Jahr seines Bestehens. Die erste Ausgabe des Jahres, MEMO#10, wird dem Thema Emotionen gewidmet sein und dieses – getreu der breiten Ausrichtung des Journals – aus verschiedenen fachlichen Blickwinkeln, auf Basis unterschiedlicher Quellen und auf vielfältige Aspekte hin untersuchen.  Wie immer richtet sich die Einladung zur Einreichung von Beiträgen ausdrücklich an alle mediävistisch arbeitenden Disziplinen, und wie stets sind sowohl Quellenanalysen als auch theoretisch-methodische Beiträge willkommen. Den zeitlichen Rahmen bilden dabei das Mittelalter und die Frühe Neuzeit, eine geografische Einschränkung besteht nicht.

Die vielfältigen Beziehungen zwischen Objekten und Akteuren und die beziehungsstiftenden Qualitäten der Objekte wurden bereits 2018 in MEMO#3 – Object Links thematisiert. Nun soll die Frage nach den Beziehungen weiter spezifiziert werden hinsichtlich deren emotionalen Qualitäten: Wie wirken sich Emotionen auf die Beziehungen zwischen Akteuren und Objekten aus, und wie wirken Objekte auf die Emotionen der Akteure ein? Dabei kann die teils umfangreiche bisherige Forschung zu Emotionen in den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen um den Faktor materielle Kultur erweitert und damit perspektiviert werden.

Emotionen können dabei in ihrer ganzen Bandbreite von Trauer, Zorn, Schmerz, bis hin zu Mitleid, Liebe, Freude, Glück usw. thematisiert werden. Auch kurzfristige Gefühlsreaktionen und Affekte können in den Fokus rücken, auch wenn diese in den Quellen schwerer fassbar sein dürften. Ebenso können unterschiedliche gesellschaftliche Kontexte von Emotionen und Affekten beleuchtet werden: interpersonale Beziehungen wie die Liebe zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und Kindern oder unter Freunden, aber auch das weite Feld religiöser Gefühle, wie auch jene Gefühle und Affekte, die durch die ästhetische Erfahrung in der Rezeption von Kunstwerken ausgelöst werden.

Folgende allgemeine Fragen erscheinen uns (neben anderen) besonders interessant:

  • Welche Emotionen können von bestimmten Objekten beim Gegenüber ausgelöst werden? Wie werden emotionale und/oder affektive Reaktionen auf Objekte fassbar? Wie werden sie beschrieben (in Schriftquellen) oder gezeigt (in visuellen Kunstwerken)?
  • Welche Unterschiede bestehen zwischen der Darstellung emotionaler Mensch-Objekt-Beziehungen auf/in Kunstwerken / Texten und den in deren Rezeption ausgelösten Emotionen?
  • Was sagen zeitgenössische Diskurse zur Verbindung von materieller Kultur und Emotionen?
  • Gibt es spezifische Objekte, die mit speziellen Emotionen verbunden werden (z.B. mit Trauer etc.)?
  • Was sind überhaupt „Gefühlsdinge“? Was kennzeichnet sie? Was müssen sie leisten können?
  • Ist es methodisch gesehen möglich, den Emotionen historischer Akteure über die Objekte und deren Kontexte auf die Spur zu kommen? Wie werden Objekte mit Emotionen „aufgeladen“?

Vertiefend könnte beispielsweise gefragt werden nach

  • religiösen Gefühlsdingen
  • ungeliebten Dingen, weggeworfenen Dingen, vernachlässigten Dingen
  • den emotionalen Qualitäten von Objekten der Memoria.

Wir laden alle interessierten Forscherinnen und Forscher ein, ihre Abstracts in deutscher oder englischer Sprache und im Umfang von maximal einer Seite bis zum 31. Jänner 2022 an memo@plus.ac.at zu senden.

Die Einladung zur Übermittlung der ausgewählten Beiträge wird 2 Wochen später erfolgen, die fertigen Beiträge erwarten wir bis zum 30. April 2022.

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