Ingrid Matschinegg

EDV-gestützte Methoden der Informationsverarbeitung ka­men am IMAREAL sehr früh zum Einsatz. Dies ist mit der Person von Gert Adamek verbunden, der als promovierter Kunsthistoriker ab Februar 1969 der erste fest angestellte Mitarbeiter des Instituts war. Er suchte zur Erstellung eines digitalen Thesaurus für die Bilddatenbank (heute REALonline) die Zusammenarbeit mit Expert*innen aus den Bereichen Medizin und Rechtswesen, die sich mit ähnlichen Systematisierungsfragen beschäftigten. Auf diesem Weg entstanden auch schon sehr früh Kontakte zur Firma IBM.

Als Speichermedium kamen anfangs Sichtlochkarten zum Einsatz:
„Zur Zeit ist die Wahl auf das System der Sichtlochkarten gefallen. Innerhalb der großen Kategorien […] wird jedes Objekt nach dem Inhalt in ein Zahlensystem eingefügt, sodann erhält es eine Reihe weiterer Zahlen zugeordnet, die sich auf Material und einige andere Kriterien beziehen. Auf gerasterten Karten werden nun die jeweils zu einem Objekt gehörigen Zahlen gelocht. Will man nun nach diesem oder jenem Kriterium zusammengehörige Objekte finden, so muss man nur die Karten auf einer Leuchtplatte übereinanderlegen und dort, wo die Löcher einander decken, einhaken.“ (Bericht über die Aktivitäten des Instituts in der Tageszeitung „Die Presse“, 10. Juli 1970)

Von der Sichtlochkarte zum Datenterminal

Am 7. November 2019 wird in der Kremser Dominikanerkirche eine am IMAREAL aufgefundene Lochkarte zum Star im „Museum für eine Nacht“ – sie wird anlässlich der Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen des Instituts dem interessierten Publikum in einer Vitrine präsentiert. (Foto: IMAREAL; Grafik: C. Paris.)

Mit der rasch anwachsenden Anzahl der fotografisch erfassten Kunstwerke, die nach der am Institut entwickelten Systematik sehr detailliert verbal beschrieben wurden, entstand bald die Notwendigkeit von effizienteren Speicherlösungen und Auswertungsmöglichkeiten.

Mitte der 1970er Jahre wurde der Ankauf eines sogenannten intelligenten (= programmierbaren) Datenterminals ins Auge gefasst, mit dem Sortiervorgänge und einfache Abfragen auch direkt vor Ort durchgeführt werden konnten. Die Beschaffung verzögerte sich aufgrund der hohen Kosten und wegen finanzieller Engpässe der Österreichischen Akademie der Wissenschaften immer wieder; schließlich wurde um 320.000 Schilling eine Datenverarbeitungsanlage der Firma IBM (Modell 3741) angeschafft. Das damals brandaktuelle Gerät umfasste bereits zwei Diskettenlaufwerke für große 8-Zoll-Disketten (= 20cm) .

Um den gesamten damaligen Bestand von ca. 2000 Dokumenten auswerten zu können, mussten weiterhin ca. 12.000 Lochkarten gestanzt werden. Diese wurden am Institut angefertigt und im nächsten Schritt über ein Lochkartenlesegerät auf Magnetband übertragen. Da das Institut selbst keines besaß, wurden die Lochkarten zuerst in der „Hütte Krems“¹, später an der Technischen Universität Wien weiterverarbeitet. Die Lochkarte wurde in den 1980er Jahren von der Diskette abgelöst, die mittlerweile ebenfalls bereits Geschichte ist.

Im Zuge der Institutssanierung in den 1990er Jahren wurde das alte EDV-Equipment entsorgt. Die einzige noch übrig gebliebene Lochkarte, die  später zufällig am Institut gefunden wurde,  hatte sich über lange Jahre in einem Buch versteckt gehalten, wo sie als Lesezeichen eingelegt war.


 ¹In der Hütte Krems Ges.m.b.H. (im Konzern der Vereinigten Österreichischen Eisen- und Stahlwerke – Alpine Montan Aktiengesellschaft) befand sich in den 1970er Jahren das nächstgelegene Lochkartenlesegerät.

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