
MEMO #16 – Schrift fühlen – Klang sehen: Materielle und virtuelle Aspekte schrifttragender Objekte
Call for Papers
Deadline: 14. September 2026
Schrift erscheint nicht nur auf klassischen Trägermedien wie Pergament oder Papier, sondern in vielfältiger Weise auf mobilen und funktionalen Objekten: Glocken, Kanonen, Textilien, liturgische Geräte oder Schwerter verbinden Materialität und Schrift. Sowohl das Objekt selbst als auch die in ihm verankerte Schrift sind materiell verfügbar. Vor diesem Hintergrund stellen sich Fragen nach der Wirksamkeit schrifttragender Objekte: Wie wird Schrift durch den Gebrauch und die Kontextualisierung von Objekten aktiviert? Ist sie primär Informationsträger oder entfaltet sie weitere Ebenen der Wirksamkeit – performative, rituelle, symbolische oder rechtlich-normative? Und wenn ja, wie wird diese Wirksamkeit durch das Zusammenspiel von Material, Form und Nutzungspraxis konkret aktualisiert? Die geplante Ausgabe widmet sich dem Verhältnis von Materialität und Virtualität schrifttragender Objekte.
Ein besonderer Fokus liegt auf den sinnlich wahrnehmbaren Aspekten dieser Konstellation. Schrifttragende Objekte werden nicht nur visuell wahrgenommen, sondern sind in komplexe Sinneserfahrungen eingebettet: das Klingen einer beschrifteten Glocke, das Berühren von Inschriften auf Textilien oder Reliquiaren, das Sehen und gleichzeitige Hören von Schriftbändern in liturgischen Aufführungen. Ebenso erzeugen virtuelle oder dargestellte Schriftträger – wie gemalte Bänder oder gravierte Simulationen von Stofflichkeit – einen sensorischen Eindruck, der Materialität erfahrbar macht, obwohl sie nur als Bild existiert. In diesem Zusammenspiel von haptischer, akustischer und visueller Dimension entsteht eine erweiterte Form von Wirksamkeit, die über den bloßen Informationsgehalt hinausgeht.
Besonderes Augenmerk gilt zudem der Bedeutung der verwendeten Materialien. Metall, Holz, Stein, Stoff, Edelmetall oder organische Substanzen prägen die Semantiken der eingeschriebenen Schrift in spezifischer Weise. Welche Rolle spielen die den Materialien zugeschriebenen Eigenschaften – etwa die Formbarkeit von Bronze, die Glanzwirkung von Gold oder die Textur von Textilien – für die Semantik und Aktivierung von Schriftzeichen?
Anders gelagert ist die Darstellung von Schriftbändern in visuellen Medien, wo sie als Objekte aufscheinen, die textile oder pergamentene Träger imitieren und zugleich ihre eigene Logik entfalten. Ihre dargestellte Materialität prägt die Semantik der Schrift ebenso wie die Zuschreibung von Stimme, Autorität oder performativer Präsenz. Damit veranschaulichen sie exemplarisch die Schnittstelle von Materialität und Virtualität.
Der Call lädt Beiträge ein, die anhand von Fallstudien und theoretischen Ansätzen die Dynamik zwischen Objekt und Schrift, Materialität und Virtualität beleuchten. Ziel ist es, über interdisziplinäre Perspektiven ein vertieftes Verständnis dafür zu gewinnen, welche Rolle Materialität und deren sensuelle Wahrnehmung für die Aktivierung virtuell verfügbarer Inhalte spielen und wie schrifttragende Objekte dabei nicht nur Information transportieren, sondern aktiv soziale, religiöse und politische Ordnungen mitgestalten.
Ihren Vorschlag senden Sie bitte an: memo@plus.ac.at
Zeitlicher Ablauf:
Bis Mitte September 2026: Einsendung von Abstracts
Anfang Oktober 2026: Zusage an die Autorinnen und Autoren
Ende Jänner 2027: Einsendung der Beiträge; Weitergabe der Beiträge in die Begutachtung Anfang Mai 2027: Abgabe der überarbeiteten Beiträge
Mitte Juli 2027: Erscheinungsdatum online

