Erstveröffentlichung: Mai 2021
Empfohlene Zitierweise: MEMO 8 (2021): Erzählende Dinge. Funktionen der Objekte in Narrativen in Mittelalter und Frühneuzeit. doi: 10.25536/2523-2932082021.  

ISSN: 2523-2932

 

Titelbild:

REALonline 006465. © IMAREAL.
Martinus Opifex, Antenor führt Friedensverhandlungen mit den Griechen, Guido de Columnis, Historia destructionis Troiae (dt.).
ÖNB Wien, Cod. 2773, fol. 200v, um 1450.

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Inhalt:

Erzählende Dinge

Vorwort zur achten Ausgabe von MEMO


Welche unterschiedlichen Funktionen nimmt materielle Kultur in historischen Narrativen ein und mit welchen Zugängen können die Dinge in den Erzählungen untersucht werden? Diese und mehr Fragen bilden den Ausgangspunkt für die achte Ausgabe von MEMO. Sie sind Ergebnis aus dem Projekt ONAMA – Ontologie der Narrative des Mittelalters, ein Kooperationsprojekt der Mittelhochdeutschen Begriffsdatenbank und der Bilddatenbank REALonline am Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit in Krems, die beide am Interdisziplinären Zentrum für Mittelalter und Frühneuzeit der Universität Salzburg angesiedelt sind.
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Überbordende Gegenstandswelten, zerstörte Objekte und ein erzählendes Schwert

Ein Interview mit Sophie Marshall, Klaus Speidel und Werner Wolf


In MEMO # 8 Erzählende Dinge. Funktionen der Objekte in Narrativen in Mittelalter und Frühneuzeit wird in vier Beiträgen erörtert, in welcher Form Dinge in einer bestimmten Quelle oder einem bestimmten Korpus in die Erzählstrategien eingebunden sind und mit welchen (digitalen) Methoden diese erforscht werden können. Als Ergänzung zu diesen Artikeln haben wir drei Forscher*innen, die sich intensiv mit der Theorie zu Narrativen in Bild und Text bzw. mit Dingtheorie beschäftigt haben, gefragt, welche Rolle sie den Objekten in Narrativen zuschreiben, wie man Narrative definieren kann, welche Bedeutung den Digital Humanities für die Erforschung von Narrativen aktuell oder künftig zukommt und was denn eigentlich ihr Lieblings-Ding in einer Erzählung ist. Sophie Marshall, Juniorprofessorin für Germanistische Mediävistik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena,...
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Die Dinge und das Verschwinden


Ausgehend von der mittelalterlich-kommunikativen Prämisse einer „Kultur der Sichtbarkeit“ widmet sich der Beitrag der oft fragwürdigen oder zumindest hinterfragbaren Rolle von unsichtbaren und unsichtbar machenden Dingen in der mhd. Epik. Exemplarisch werden die bekannte Tarnkappe, die zunächst der Zwergenkönig Alberich und später Siegfried besitzt, Ring und Gürtel des Zwergenkönigs Laurin und schließlich Wigalois’ Gürtel, der zwar nicht unsichtbar macht, aber selbst über weite Strecken des Textes verborgen und narrativ ‚unsichtbar‘ gemacht wird, näher in Augenschein genommen. Herausgearbeitet werden in Konfrontation mit dem Computerspiel insbesondere die Kopplung von Unsichtbarkeit und übernatürlicher Stärke, das destruktive Potenzial der Dinge, das sich in vielen Texten am Ende gegen den Träger wendet, sowie Notwendigkeit und Strategien der Brechung der potenziellen Übermacht unsichtbarer Pro- und Antagonisten.
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Als er bedacte die swarzen lîch, dô wart er einem rîter gelîch

Ein Erzählen mit und über Kleidung in Hartmanns von Aue Iwein


Im Versroman Iwein, der auf 1200 datiert wird, verzichtet der Dichter Hartmann von Aue auf ausführliche Kleiderbeschreibungen. Dort wo die wenigen Textilien jedoch vorkommen, werden sie von Erzähler wie Figuren mit dem gesellschaftlichen Stand und der Übernahme höfischer Werte verknüpft. Mithilfe von (un-)angemessener Kleidung wird über den Wertekanon von Rittern reflektiert. So kann Kleidung höfische Gesinnung versinnbildlichen, aber gleichzeitig ist es unmöglich, dass ein einfaches Gewand die höfische Herkunft verdeckt. Die Kommunikation mit und über Gewand ist im Versroman Ausdruck eines umfassenden Körper-Gesinnungsprogramms.
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Needful Things

Die Relationen der Dinge in einer Ontologie mittelalterlicher Narrative


Das von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften geförderte Digital-Humanities-Projekt ONAMA – Ontology of Narratives of the Middle Ages – bedient sich der umfangreichen Korpora zweier Langzeitprojekte, der Bilddatenbank REALonline und der Textdatenbank MHDBDB, die Bilder und Texte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit systematisch erschließen. Bei der Narrativ-Annotation in ONAMA werden nicht nur Konstanten und Variablen der narrativen Strukturen sichtbar, sondern auch die einzelnen Bezugspunkte, die ein spezifisches Narrativ ausmachen. Wie sich im Rahmen der Forschungsarbeit zeigt, sind dies neben Figuren und Handlungen in besonderem Ausmaß auch die typischen Dinge der Erzählungen. Der Beitrag rückt in den Fokus, wie Dinge in ONAMA modelliert sind und welche Potenziale ihre Analyse für das Verständnis von Narrativen von Bildern und Texten des Mittelalters haben kann.
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Anknüpfungspunkte

Erzählende Dinge im Netz der Graphdatenmodellierung einer digitalen Edition von Giovanni Domenico Tiepolos Bildzyklus Divertimento per li Regazzi


Der Beitrag beschäftigt sich mit der Rolle erzählender Dinge in Giovanni Domenico Tiepolos Bildzyklus Divertimento per li Regazzi. Das Divertimento lässt sich als narrativ strukturierte Bildfolge verstehen, bei der die Anordnung der einzelnen Blätter allerdings nur lose vorgegeben ist und sich zu unterschiedlichen Geschehensabläufen zusammenfügen lässt. Neben der chronologischen Anordnung kommt dabei einzelnen Gegenständen besondere Bedeutung zu, die in den Blättern als Bildmotive immer wiederkehren und es erlauben, das Material nach Kohärenzmustern zu sortieren, die Ähnlichkeiten zu Praktiken des Repertoirespiels der Commedia dell’Arte aufweisen. Der Beitrag zeigt zudem, dass sich diese Sinnpotenziale des Divertimento am besten in einer auf einem Graphdatenmodell beruhenden Digitaledition darstellen lassen.
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