Materielle Kultur und die Funktionen der Beutelogistik in der Conquista Amerikas

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Vitus Huber
Erstveröffentlichung: Dezember 2022
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Letzte Überprüfung aller Verweise : 16.12.2022
Empfohlene Zitierweise: Huber, Vitus: Die Ordnung geraubter Dinge. Materielle Kultur und die Funktionen der Beutelogistik in der Conquista Amerikas, in: MEMO Sonderband 2 (2022): Garloff, Mona und Krentz, Natalie (Hgg.): Objektordnungen zwischen Zeiten und Räumen. Verzeichnung, Transport und die Deutung von Objekten im Wandel, doi: 10.25536/2022sb02_05.
Übersicht Abbildungen

Abstract

Wenn die Konquistadoren in Spanisch-Amerika Edelmetalle oder Edelsteine akquirierten, mussten sie königliche Vorgaben für den Umgang mit diesen Objekten befolgen. Die Verwaltungs-, Markierungs-, Besteuerungs- und Distributionsakte beeinflussten die Ordnung(en) der Beute in mannigfaltiger Weise: Sie konnten sie herstellen, auflösen oder modifizieren. Solche Veränderungen der Ordnung finden sich insbesondere in der Conquista, weil es sich da um Objekte handelt, die in einem konfliktiven bis gewaltsamen und in einem interkulturellen Kontext ihren Besitzer wechselten. Im Folgenden soll daher der Frage nachgegangen werden, welche strukturierende Dimension die Beutelogistik während der Conquista enthielt. Ich zeige, dass die Logistik geraubter Dinge in der Conquista eine spezifische Vielschichtigkeit aufwies und die weitreichenden Transformationen prähispanischer Ordnungen förderte.

Abstract (englisch)

When the conquistadors in Spanish America acquired precious metals or gems, they had to follow royal guidelines for handling these objects. The acts of administration, marking, taxation, and distribution influenced the order(s) of the booty in many ways: They could create, dissolve, or modify them. Such transformations of order are found especially in the Conquista because there, the objects changed their owner in a sometimes violent and in an intercultural context. In the following, we will examine the question of what structuring dimension the looting logistics contained during the Conquista. I show that the logistics of looted things in the Conquista had a specific complexity and fostered the far-reaching transformations of pre-Hispanic orders.

Inhaltsverzeichnis

Relikte der Inka, Maya, Nahua, Chibcha etc. gehören heute zu den besonderen Sehenswürdigkeiten europäischer und amerikanischer Museen.1 Viele der edelmetallenen Artefakte stammen dabei aus modernen archäologischen Ausgrabungen prähispanischer Fundstätten, denn während der Kolonialzeit schmolzen die Spanier die meisten davon früher oder später ein.2 (Abb. 1 und Abb. 2) Während diese Transformation von Körperschmuck, Grabbeigaben und sakralen Gegenständen zu Goldbarren oder Silbermünzen simpel erscheinen mag, enthüllt ein genauerer Blick auf dieses Phänomen dessen Komplexität.

Monoton wirkende Vorgänge wie das Registrieren und Markieren, das Verwalten, Aufbewahren oder Transportieren von Objekten können die Ordnung(en) dieser Objekte in vielfältiger Weise beeinflussen, sie also herstellen, auflösen oder modifizieren. Dass eine solche Veränderung der Ordnung geschieht, ist umso wahrscheinlicher, wenn es sich um Objekte handelt, die in einem konfliktiven bis gewaltsamen und/oder in einem interkulturellen Kontext ihren Besitzer wechseln.3 In der Conquista, also dem komplexen Aufeinandertreffen der sogenannten Alten und Neuen Welt in den Amerikas, waren beide Voraussetzungen erfüllt. Sie bietet sich deshalb für eine Analyse an, die auf die materielle Kultur fokussiert und das Verhältnis zwischen (Beute-)Objekt und Ordnung im Zusammenhang mit Praktiken des Verzeichnens, Verwaltens und des Transportierens reflektiert.4 Hier soll also der Frage nachgegangen werden, welche strukturierende Dimension die Beutelogistik in der Conquista enthielt. Mit Blick auf die materielle Kultur drängen sich Fragen nach den materiellen Veränderungen der Beuteobjekte, ihren Ordnungen und den damit einhergehenden Verschiebungen symbolischer und kultureller Deutungsmuster auf. Ich will im Folgenden zeigen, dass die Logistik geraubter Dinge in der Conquista eine spezifische Vielschichtigkeit aufwies und die nachhaltigen Transformationen prähispanischer Ordnungen förderte.
In einem ersten Schritt gilt es nach den präskriptiven Ordnungen zu fragen, die bereits im Vorfeld eines Konquistadorenzuges durch die Spanier hinsichtlich der Beuteobjekte hergestellt wurden. In einem zweiten skizziere ich, wie die Beutelogistik konkret funktionierte. Wie gestalteten sich die Normen und Praktiken, die unter anderem überhaupt erst dazu führten, dass amerikanische Schätze zu Gold- oder Silberbarren geschmolzen wurden? In einem dritten Schritt sind die damit einhergehenden Transformationen der Beuteobjekte und ihrer Bedeutungszuschreibungen zu analysieren. Dass diese Zuschreibungen je nach Kulturkreis und je nach Zustand des Objekts variierten, klingt banal. So erhielt beispielsweise der berühmte Federkopfschmuck, der heute zu den Highlights des Weltmuseums in Wien zählt, für europäische Betrachterinnen und Betrachter eine andere Bedeutung als für die Angehörigen der Nahua-Kulturen.5 (Abb. 3) Was hingegen frappiert und hier dargelegt wird, ist, wie vielschichtig die Ordnungen der Objekte waren und wie bedeutend der Umgang damit für die Conquista war.

Imaginierte Gewinne. Präskriptive Ordnungen durch normative Beuteteilung

Alonso Luis Hernández de Lugo handelte am 22. Januar 1535 für seinen Vater Pedro Hernández de Lugo, spanischer adelantado und Gouverneur der Kanarischen Inseln, mit der spanischen Krone eine capitulación aus. Mit solchen lizenzähnlichen Vereinbarungen erteilte die Krone privaten Lizenznehmern – capitulantes genannt – die Erlaubnis, ein bestimmtes Gebiet der ‚Neuen Welt‘ zu „entdecken“ (descubrir) und/oder zu „erobern“ (conquistar). Die Krone und Hernández de Lugo legten darin die Bedingungen für dessen Expedition nach Südamerika fest, genauer gesagt in die Provinz Santa Marta. Schon vor Beginn eines Unternehmens definierten sie dabei potenzielle Funde von Ländereien und Bodenschätzen als Beute. Zugleich bestimmten sie, wer von ihnen welche Ansprüche auf die erhoffte Beute erheben durfte. Die Befugnis dazu hatte die Krone in den alexandrinischen Bullen vom Papst zugesprochen und im Vertrag von Tordesillas (1494) vom Rivalen Portugal zugestanden bekommen.6 Mit den Kapitulationen wurden also juristische Eigentumsansprüche – gestützt auf europäischer Rechtsgrundlage – auf für die Krone und den Kapitulanten ungewisse Ressourcen übertragen. So konvertierten sie deren Ordnung auf hypothetischer Ebene bereits im Vorfeld eines Eroberungsunternehmens.
Wie bei Handelsverträgen mit unbestimmtem Geschäftserfolg teilten die Parteien die Erträge relational zueinander in Prozent auf. Um die potenziellen Ertragsressourcen semantisch lückenlos abzudecken, wurden nicht nur Kategorien wie Gold oder Handelsware explizit genannt. Eine Klausel proklamierte in totalem Duktus, dass sich die Abgaben auf „alles, was sie haben würden“ (todo lo que hubiereis), beziehe.7 Die Krone, welche die Unterfangen nicht finanzierte, sondern nur legitimierte, forderte in der Regel 20 Prozent als quinto real ein. Dieser königliche Fünfte galt in variierender Form seit den spätmittelalterlichen Beutepraktiken auf der Iberischen Halbinsel als zweifaches Privileg des Königs: zum einen auf allen Bodenschätzen in seinem Reich sowie zum anderen auf Beute – insbesondere auf Edelmetallen und Edelsteinen. 1504 wurde er für Spanisch-Amerika auf „Gold, Silber und Metallen aus Minen oder rescate“ gesetzlich festgeschrieben.8 Bei den späteren Conquista-Unternehmen wie jenem von Hernández de Lugo verlangte der König mehrfach sogar 50 Prozent der Beute zuzüglich der Schmelzrechte und des Fünften der anderen Hälfte, wenn der feindliche Fürst bei der Konfrontation getötet worden war. Hatten ihn die Konquistadoren am Leben gelassen – was die Krone durch diese Maßnahme zu fördern bezweckte –, mussten nur ein Sechstel und der königliche Fünfte abgegeben werden.9 Bei anderen als Hernández de Lugos Kapitulation gestattete die Krone indes oft eine Reduktion des Quinto Reals für die ersten – maximal zehn – Jahre, gewissermaßen als Starthilfe. Der verbleibende Rest, also 80 Prozent, sollte der Anführer unter den Teilnehmern im Sinne der Verteilungsgerechtigkeit (iustitia distributiva), das heißt je nach ihrem Beitrag, aufteilen.10
Um an ihren königlichen Fünften zu kommen, schrieb die Krone in den capitulaciones vor, dass jede Expedition – sogenannte entradas – von mindestens einem Kronbeamten begleitet werden müsse. Im Idealfall sollten es vier sein, die dafür sorgten, dass die Krone ihre Privilegien erhalte. Einem Schatzmeister (tesorero) sollte die Beute anvertraut werden. Ein Buchhalter (contador) musste über die akquirierten Schätze und etwaige Ausgaben Buch führen. Eine Art Tributverwalter und Ausrüster (factor) hatte die Tribute und mögliche Investitionen der Krone zu organisieren. Und schließlich sollte ein Aufseher (veedor) alles und besonders die metallurgischen Schmelzprozesse überwachen.11 Des Weiteren hatten königliche oder öffentliche Schreiber (escribanos reales/públicos/de minas) die Dokumente zu verfassen, wodurch sie nicht nur grundlegende (Schreib‑)Arbeit leisteten, sondern teilweise gleichzeitig als Notare fungierten.12
Diese Amtmänner entsprachen aber nicht dem Weber’schen Idealtypus, sie waren nicht frei von Eigeninteressen. Meistens handelte es sich um Konquistadoren, die ad hoc von der Gruppe oder dem Anführer zum Schatzmeister oder Ähnlichem ernannt wurden. Auch später, als die Kronbeamten direkt von der Krone aus Kastilien und mit einem zugesprochenen Jahreslohn entsandt wurden, speiste sich dieses Gehalt aus lokalen amerikanischen Einnahmen.13 Insofern teilten sie ein Interesse an hohen Einkünften mit den Konquistadoren, die sie theoretisch zu kontrollieren hatten. Man könnte nun vermuten, dass die Konquistadoren Schweigekartelle schlossen und die Krone systematisch um ihren Beuteanteil brachten. Obwohl Einzelfälle dazu bekannt sind und sich weitere nicht ausschließen lassen, sprechen gravierende Punkte dagegen – nicht zuletzt der Umstand, dass die Beuteverteilung eine höchst konfliktive Angelegenheit war, in der sich Anführer durch möglichst korrektes Verhalten abzusichern versuchten.14

Ein weiteres Instrument, um den königlichen Fünften zu konsolidieren und eine normkongruente Beuteverteilung zu garantieren, stellte die arca de tres llaves dar. Die Schlüssel zu dieser sogenannten „Kiste der drei Schlösser“ (Abb. 4) sollten den königlichen Vorschriften zufolge verteilt sein auf den Schatzmeister, den Buchhalter und den Tributverwalter. So ließ sich die Kiste nur in Anwesenheit aller drei öffnen. Es gab auch Varianten davon mit nur zwei Schlössern, die der Generalkapitän (der oberste Anführer) und ein Amtmann besitzen sollten. In dieser Truhe hatte der Schatzmeister die ihm überreichten Schätze sowie wichtige Dokumente und das königliche Prägesiegel aufzubewahren.15 Die Kiste – oder gegebenenfalls mehrere davon – sollte(n) die räumliche Ordnung der Beute signalisieren. Die flüchtigen Güter (fugitive assets), zu denen mobile Beute gezählt wird, galt es durch Aufbewahren und Transportieren in dieser Kiste kontrollierbarer und sicherer zu machen.
Zwei weitere Maßnahmen zur Sicherung des königlichen Fünften bestanden zum einen im Erlass zur Edelmetallschmelzung und zum anderen in der Forderung nach Buchführung und Berichterstattung. Die Krone proklamierte am 14. September 1519, dass alles Gold, das die Spanier in den Amerikas akquirierten, bewertet, eingeschmolzen und geprägt sowie der Quinto Real davon abgezogen werden musste.16 In den Kapitulationen und Instruktionen an die Generalkapitäne verlangte die Krone, dass über alle Einkünfte und Ausgaben Buch geführt werde. Außerdem musste ihr über den Verlauf der Expedition Bericht erstattet werden.17 Auf die Auswirkungen dieser Vorschriften wird weiter unten vertieft eingegangen.
Als Zwischenfazit lässt sich hier festhalten, dass die Krone und Konquistadoren basierend auf spätmittelalterlichen Normen und Praktiken Rechtsansprüche erhoben, die erst auf Erwartungen beruhten und demnach ohne Kenntnis der realen Beute entstanden. Damit machten die europäischen Akteure nach ihrem Rechtsverständnis die Bodenschätze und die Bevölkerung Amerikas bereits im Vorfeld diskursiv zur Beute. Die beiden Vorgaben, die Erze einzuschmelzen und über die Einnahmen Buch zu führen, sollten durch ihre Umsetzung die heutige Überlieferungslage fundamental beeinflussen. Wie funktionierte also die Beutelogistik in der Praxis und wie bemühte sich Hernández de Lugo darum, dass die Instruktionen eingehalten wurden und sowohl die Krone als auch er selbst an die vereinbarten Anteile der Beute kamen?

Gold und Smaragde in Kolumbien. Normen und Praktiken der Beutelogistik

Hernández de Lugo, der durch die Kapitulation von der Krone zum Gouverneur von Santa Marta an der heute kolumbianischen Karibikküste ernannt worden war, verfasste dort am 4. April 1536 eine Instruktion für Gonzalo Jiménez de Quesada. Darin beauftragte er diesen als Generalkapitän eine Entrada ins Landesinnere durchzuführen, wozu er ihm auch befahl, mindestens einen Amtmann zu ernennen. Jiménez de Quesada sollte außerdem der königlichen Vorschrift Folge leisten und die Einkünfte während der Entrada schriftlich festhalten. Sowohl der Aufseher wie auch er selbst hatten Buch zu führen.18 Weil der Schatzmeister in der Regel ebenfalls aufschrieb, was und wie viel ihm überreicht und wieder genommen wurde, lagen im Idealfall drei Listen über die Beuteeinnahmen vor.19 Überliefert sind am Ende meistens weniger, in diesem Fall jene des Generalkapitäns – allerdings mit Indizien dafür, dass damals noch eine zweite existierte.20
Von diesen Rechnungsbüchern – sogenannten cuentas – lässt sich eine relativ detaillierte Route ablesen. Die Bücher verraten nicht nur das zurückgelegte Itinerar, sondern auch, an welchen Orten wie viele Schätze eingenommen oder zumindest registriert wurden. Sie zeichnen gewissermaßen eine – wenn auch unzuverlässige – Topografie der Reichtümer der Chibcha-Bevölkerung im Norden und im Zentrum des heutigen Kolumbiens. Die insgesamt 58 Einträge für die Zeit vom 5. April 1536 bis 13. Juni 1538 enthalten die Art des Objektes, seinen ihm zugeschriebenen Wert und die Menge sowie mehrheitlich auch das Datum und den Ort; wie zum Beispiel: „Am 14. Juni [1537] wurde gewisses Gold gewogen, das der Kapitän Valenzuela aus der Sierra de las Piedras brachte. Es ergab 518 pesos Feingold; außerdem 168 pesos mittelwertiges Gold; und außerdem 72 Smaragde verschiedener Größe.“21 Hier wird nicht immer ersichtlich, unter welchen Umständen die Schätze akquiriert wurden, ob durch Gewalt, Handel oder als Geschenke der lokalen Herrscher. Zwar tauchen gewaltvoll erzwungene Abgaben durchaus explizit auf. Wie zuverlässig die Liste diesbezüglich ist, lässt sich allerdings nicht sagen. So hieß es beispielsweise am 12. März 1537 neutral, dass die Summe Gold und Smaragde aus der Siedlung von San Gregorio „die Indios gaben“22, während zur Menge vom 28. März desselben Jahres ohne Hinweis auf den Herkunftsort steht, dass man sie „von Indios im Krieg (indios de guerra) habe“23.
Infolge dieser Verzeichnungen wurde der Ordnungsanspruch, den die Krone und der Lizenznehmer in der Kapitulation diskursiv proklamiert hatten, wiederholt und auf nun konkrete Objekte angewandt. Gleichzeitig bildeten die Einträge in die Rechnungsbücher nicht nur eine Topografie der mineralischen Reichtümer ab, sondern andersherum betrachtet mithin eine Ordnung des Gebiets nach ökonomischen Werten, also nach einer kastilischen Taxonomie.24
Dass sich diese Taxonomie von den Werteordnungen der vielzähligen Kulturen der Amerikas unterschied, lässt sich nicht zuletzt daran erkennen, dass Letztere Komplementärwährungen wie beispielsweise „Axtgeld“ (Abb. 5) als Zahlungsmittel verwendeten, oder dass etwa Feder- und Lederschmuck sowie Muscheln, Jade, Smaragde, Salz oder fein bearbeitete Textilien teilweise kostbarer waren als Edelmetalle. Nicht nur die Chibcha sprachen Gold eine sakrale Konnotation zu. Sie importierten es im Tauschhandel gegen Salz und Kohle und brachten es als Opfer- oder Grabbeigaben den Göttern dar.25

Am 6. Juni 1538, also rund einen Monat vor der Gründung von Santa Fé de Bogotá, ließ Jiménez de Quesada nach über zweijährigen Eroberungszügen unterwegs die Teilung der Beute anordnen, ein Vorgang, der insgesamt neun Tage dauerte: Zuerst überprüfte der Schreiber Gil López, ob die beiden Bücher des Generalkapitäns und des Aufsehers Diego de Aguilar übereinstimmten. Das taten sie. Danach durchsuchten der Schreiber und Jiménez de Quesadas Bruder Hernán Pérez de Quesada die Schlafplätze und Wäsche der Konquistadoren auf potenziell unterschlagene Beute. Das erwies sich zwar als überflüssig, aber zeigt, dass die Beute nicht immer in Kisten mit drei Schlössern transportiert wurde.26 Sicherlich gingen die Konquistadoren hier sehr pragmatisch vor und transportierten die Schätze auch in Säcken und Kisten mit nur einem oder ganz ohne Schloss. Nach Möglichkeit ließen sie diese von lokalen Trägern schleppen.27 Um also Beuteunterschlagungen zu minimieren, ordneten die Hauptmänner Durchsuchungen (catas) an, und es drohten hohe Strafen auf diesbezügliche Vergehen. Solche wurden unter Umständen aufgedeckt, wenn die Edelmetalle keine offiziellen Prägemarkierungen trugen.28
Bevor die Beute verteilt werden konnte, mussten alle Abzüge ermittelt und subtrahiert werden.29 Die Konquistadoren hatten einen Tag Zeit, um eventuelle Entschädigungsansprüche zu erheben. Solche standen den spätmittelalterlichen kastilischen Gesetzeskodizes Siete Partidas zufolge jenen zu, die gemeinnützige Leistungen wie medizinische Behandlungen, Schmiedearbeiten etc. erbracht oder gewisse Schäden wie verlustig gegangene Pferde erlitten hatten.30 Am 9. Juni wählten alle Konquistadoren, außer der kranken und deshalb abwesenden, im Plenum zuerst zwei Vertreter, die eine Liste der toten Pferde und der angemessenen Kompensationszahlungen für deren Besitzer (memorial/cenço de los cavallos) erstellen sollten. Anschließend wählten sie nach ihren militärischen Rängen gegliedert je einen partidor, der zusammen mit den anderen Vertretern die ‚Schulden der Gemeinschaft‘ bei Ärzten, Schmieden etc. definierte und die Beute zu verteilen hatte. Auf der Grundlage dieser Listen berechneten die partidores die Summe der Ansprüche und den Anteil, der jedem einzelnen zustand.
Zuvor wogen und bewerteten die offiziellen Amtmänner die Gesamtmenge der Beute und kalkulierten die diversen Abzüge.31 Der wichtigste Abzug bestand im bereits erwähnten Quinto Real, der das ganze Unterfangen aus spanischer Logik legitimierte. Indem also die Krone eine gewisse Menge der Beute zugesprochen bekam, war eines der Hauptkriterien erfüllt, damit das Beuteunternehmen der Konquistadoren der spanischen Rechtsordnung entsprach. Insofern handelt es sich hier aus europäischer Sicht um einen für die Conquista fundamentalen, weil legitimierenden Vorgang.
Nachdem die Amtleute der ‚Bruttobeute‘ den königlichen Fünft entnommen und die Kompensationen bezahlt hatten, händigten die partidores am 15. Juni 1538 vor Jiménez de Quesada und zwei Zeugen jedem Konquistador seinen Anteil aus. Während Konquistadoren andernorts die Beute zuerst versteigerten, um dann den Gegenwert zu verteilen, wurden die Beuteobjekte hier direkt gewogen und nach Feingold, mittelwertigem und geringwertigem Gold sowie nach Größe der Smaragde kategorisiert und verteilt. Etwaiger Objektwert scheint gegenüber dem puren Materialwert als sekundär erachtet worden zu sein – ausgenommen waren die joyas (besonders schöne Stücke für den Anführer). In beiden Vorgehensweisen schrieben die Konquistadoren den Beuteobjekten einen bestimmten ökonomischen Wert zu und ordneten sie dabei nach der zeitgenössischen kastilischen Taxonomie.32
Der Beuteverteilung folgte in der Regel ein Schmelz- und Prägeprozess, wodurch die Krone sicherzustellen versuchte, dass sie von allem Edelmetall ihre 20 Prozent erhalte. Zwar liegen zur Beuteverteilung von Jiménez de Quesada keine diesbezüglichen Angaben vor, aber offiziell müsste das verteilte Gold wie erwähnt eingeschmolzen und geprägt worden sein.33 Aus anderen Fällen lässt sich das Prozedere nachvollziehen, wobei die Details mehrheitlich aus normativen Quellen stammen.34 Hier reicht es zusammenzufassen, dass die Krone einem ihrer Sekretäre das Amt des Großschmelzers und -prägers (fundidor y marcador mayor de Indias) verlieh. Dieser war befugt, die Personen für die einzelnen Arbeitsschritte wie Schmelzen, Prüfen, Prägen, Bestimmen des Feingehaltes, Wägen und Dokumentieren zu ernennen. In praxi kamen auch spontan ernannte Schmelzer zum Einsatz, die oft mehrere Arbeitsschritte übernahmen und von indigenen Schmieden unterstützt wurden. Letztere verrichteten nach Bedarf sogar die ganze Arbeit. Wie bei der Buchführung erwähnt, musste den prähispanischen Erzen dabei quasi wortwörtlich der Stempel der kastilischen Taxonomie aufgedrückt werden. Dadurch unterwarfen die Spanier sie gleichsam dieser Werteordnung.35
Durch die Formbarkeit der Edelmetalle erfuhren diese neben diskursiven und symbolischen Neuzuschreibungen mithin materielle Transformationen. Diese erwiesen sich aus spanischer Sicht als polyfunktional und pragmatisch. Sie erlaubten durch Schmelz- und Prägeakte eine minimale Kontrolle über die Besteuerung der Edelmetalle. Außerdem ermöglichten sie es, dass der Feingehalt der Erze geprüft und über Reinheit und Gewicht ihr Wert nach europäischen metallurgischen Vorstellungen festgelegt werden konnte. Mit der Einschmelzung indigener Kulturgüter wurde aber darüber hinaus auch deren symbolischer Gehalt – gezielt oder fahrlässig – negiert und mit neuen Werten aufgeladen. Hierzu folgt im nächsten Kapitel mehr.
Zusammenfassend diente die Beutelogistik erstens der Strukturierung des Plünderungsaktes und zweitens der Stabilisierung der Hierarchien zwischen Konquistadoren und dem König sowie innerhalb der Konquistadorengruppe. Damit ging drittens die Legitimierung der Beuteunternehmen einher, indem – zumindest auf Papier – den königlichen Instruktionen nachgekommen wurde und die Krone ihre Anteile erhielt. Viertens verlangte die Beutelogistik durch geregelte Vorgänge des Registrierens und Markierens, des Verwaltens, Aufbewahrens oder Transportierens der Beuteobjekte nach bestimmten Akten der Aneignung auf diskursiver, symbolischer und/oder materieller Ebene.

Schiffe voller Schätze? Transformationen der erbeuteten Objekte

Der interkontinentale Transport von Schätzen aus den Amerikas nach Europa bildet im Falle mobiler Objekte den hier chronologisch letzten Schritt der Beutelogistik. Er forderte neben hochseetüchtigen Schiffen ebenfalls gewisse Kontrollmechanismen. Die geladene Ware wurde deshalb unter anderem in Frachtbriefen registriert. Jene von Hernán Cortés’ Schiffssendungen von Gold-, Feder- und Lederschmuck der Nahua an den spanischen Hof sind hierfür sehr anschauliche Beispiele. Zudem eignen sie sich, um nach den Konsequenzen dieser Beutelogistik auf die geraubten Dinge und die Conquista insgesamt zu fragen.
Mit den Praktiken der oben behandelten Beutelogistik gingen Transformationen der Beuteobjekte und ihrer Bedeutungszuschreibungen einher. Während diese Tatsache per se nicht sonderlich überrascht, bestehen in der Forschung unterschiedliche Thesen zu ihren Gründen. Dem französischen Semiotiker Tzvetan Todorov zufolge zerstörten Hernán Cortés und seine Gefährten bei der Conquista des zentralmexikanischen Gebiets die kulturellen und insbesondere die religiösen Artefakte wie Statuen indigener Gottheiten und ersetzten sie durch christliche Symbole wie Kruzifixe, um durch die so markierte Dominanz über die Götterwelt den irdischen Herrschaftsanspruch der Spanier zu untermauern.36 Die Herstellung einer neuen spirituellen Ordnung und die damit einhergehende Destruktion indigener Kulturgüter wurde in der Historiografie wiederholt als genialer Schachzug von Cortés dargestellt, doch entsprang sie bekanntlich mehreren Ursachen.37 Mehr noch als eine Diskussion um die Motive und Funktionen lohnt es sich hier, die Vielschichtigkeit der Transformationen erbeuteter Objekte auszuleuchten. Diese sollen im Folgenden auf ihren verschiedenen Ebenen, wie der rechtlichen, politischen, ökonomischen, symbolischen und kulturell-epistemischen, kurz analysiert werden.
Dass sich bei den Schmelz- und Prägeprozessen die Gegenstände physisch, also in ihrer äußeren Form, veränderten, ist unbestreitbar. Zu dieser neuen materiellen Ordnung kommen indes weitere Veränderungen hinzu, allen voran auf der rechtlichen Ebene: Nachdem das Bunt- und Edelmetall zuvor bereits den Besitzer gewechselt hatte, sei dies aus freiem Willen oder unter Gewaltanwendung geschehen, wurde der juristische Eigentumsanspruch auf diese Objekte durch den Schmelz- und Prägeakt offiziell bestätigt.38 Indem der neue Besitzer einen Teil der Beute als Steuer an die spanische Krone zahlte, legitimierte diese stellvertretend durch das königliche Prägesiegel die übrige Beute als rechtmäßiges Eigentum des Konquistadors – zumindest nach europäischem Rechtsverständnis. Diesem wussten sich zumindest einzelne indigene Eliten anzupassen, was sich aus deren Supplikationen um Tributreduktionen etc. punktuell schließen lässt.39
Auf der politischen Ebene hatte die Auffassung von Eigentumsrecht der Konquistadoren entsprechend schwerwiegende Auswirkungen. Denn zugleich manifestierten und konsolidierten die Zahlungen des königlichen Fünften jedes Mal aufs Neue den Herrschaftsanspruch der Krone über die amerikanischen Länder und Bevölkerungen. Diese bedeutende Verbindung von Beuteökonomie und Kolonialreichsbildung habe ich andernorts bereits aufgezeigt.40
Doch nicht alles Gold und Silber wurde eingeschmolzen. Die Generalkapitäne bewahrten die als bemerkenswert empfundenen Stücke vor den Schmelzöfen. Die Transformationen solcher Objekte verliefen dann nicht auf der materiellen Ebene. Sie entsprangen stattdessen den neuen Besitzverhältnissen und den Veränderungen des Kontextes bzw. der Perspektive. Sie bezogen sich neben der rechtlichen besonders auf ihre symbolischen und kulturell-epistemischen Ordnungen. Das lässt sich an den Frachtbriefen von Hernán Cortés’ Schiffssendungen von Schätzen der Nahua an den spanischen Hof bildhaft nachvollziehen.
Cortés führte ohne königliche Erlaubnis den Eroberungszug gegen die Mexica (1519–1521) an. Vor und nach der Einnahme Tenochtitlans, wo heute Mexiko-Stadt liegt, sandte er Schiffe nach Spanien. Davon sind Cortés’ Frachtbriefe und Zolllisten des Handels- und Zollhauses in Sevilla (casa de la contratación) von 1520, 1522 und 1524 erhalten. Die drei Karavellen von 1522 beispielsweise sollten der Krone den königlichen Fünften und weiteren 23 hochrangigen Persönlichkeiten sowie 13 Kirchen und Konventen Geschenke zusammen mit der Nachricht seines Triumpfes überbringen. Im Gegenzug erhoffte sich Cortés die Ernennung zum Gouverneur und Generalkapitän des von ihm als Neuspanien definierten neuen Teilreiches.41
Diese Listen beinhalten die Beschreibungen der Geschenkobjekte: Eine Liste enthält den nach Form, Farbe und Abbildungen beschriebenen Federschmuck mit den jeweiligen Namen der adligen oder klerikalen Adressaten. Eine andere mit den Abgaben für die Krone führt nach den Einträgen zum eingeschmolzenen Edelmetall als königlichen Fünften weitere Kostbarkeiten auf. Es handelt sich um mehrheitlich kleine Schmuckstücke der Nahua aus Gold, Jade und/oder Muscheln. Sofern sie überwiegend aus Gold bestanden, wurde ihr Gewicht und damit verbunden der ökonomische Wert des Artefakts nach europäischem Maßstab in einer Spalte daneben vermerkt; zum Beispiel: „Ein Adler aus Gold mit seinen Anhängern und einem grünen Stein in der Mitte, was insgesamt zwölf pesos wog. 12 pesos42 oder ohne Gewichtsangabe: „Eine weitere rote in Gold gefasste Jakobsmuschel“43.
Geordnet wurden die Objekte in erster Linie nach ihren Herkunftsorten: 44 Objekte aus Tenochtitlan, 222 von den „Herren aus Michoacán“, 52 von den „Herren aus Teguantepeque“ und zwei vergoldete Silberschilder aus Temistitan. Innerhalb dieser Ordnung sind die Objekte lose nach den Kategorien a) Gold, b) Silber, c) verzierte Steine, Muscheln und Schnecken, d) Lederschmuck, e) Federschmuck, f) Kürbisgefäße, g) Textilien aufgelistet. Dies entspricht einer absteigenden Werteordnung nach kastilischer Taxonomie. In den Frachtbriefen enthält die Definition des ökonomischen Werts insofern eine Bedeutungszuschreibung nach europäischen Mess- und Bewertungsmethoden, die sich von der vorangehenden lokalen Definition unterschied, obwohl diese aufgrund der Quellenlage schwierig zu eruieren ist. Gleichzeitig werden lokale Messtechniken, Schmelz- und Goldschmiedepraktiken sowie Bezeichnungen der lokalen Kulturen übernommen – zum Beispiel chalchui für begehrte Edelsteine.44
Das Verzeichnen dokumentiert eine mehrstufige Transformation von einem möglicherweise sakralen Symbol zum Raub- und Beuteobjekt und weiter zum Frachtgut bis schließlich zur Gabe, die für die Eroberungsleistung von Cortés und damit verbunden für die Neue Welt und den spanischen Herrschaftsanspruch über sie steht. Ein Beuteobjekt erhält durch den Raub immer auch einen symbolischen und gegebenenfalls mithin politischen Wert: Es erinnert gewissermaßen als Trophäe, als Zeichen an den Sieg bzw. an die Niederlage oder die Überlistung des Gegners, wie jüngst der Schweizer Mediävist Michael Jucker aufgezeigt hat.45 Durch den Transport nach Europa stieg aufgrund der Rarität und exotischen Attraktion, die ein amerikanisches Kleinod im neuen Kontext in Europa verkörperte, mithin der ökonomische Wert. Sowohl der Marktwert wie auch die semantischen und symbolischen Zuschreibungen an ein Objekt konnten sich also durch die Verschiebung in einen anderen Kulturkreis verändern.46
Cortés bewahrte nicht nur die schönsten Artefakte vor den Schmelzöfen, sondern ließ eigenen Aussagen zufolge sogar neue von lokalen Künstlern herstellen. Moctezuma Xocoyotzin, Herrscher (1502–1520) der Mexica bzw. des sogenannten Aztekischen Dreibundes, habe für Cortés „Bilder, Kruzifixe, Medaillen, Schmuckstücke, Halsketten und viele andere Sachen von uns [Spaniern …] kopieren lassen“ sowie „Teller, Schalen, Tassen und Löffel aus Silber“ für den König.47 Die italienische Kunsthistorikerin Alessandra Russo vertritt die These, dass diese Erzeugnisse sowie die nicht eingeschmolzenen Kleinode ein Narrativ transportierten: Sie sollten in Europa ein greifbares Bild des sich in Eroberung befindenden Neuspaniens verbreiten. Und weil diese Artefakte von hoher handwerklicher Raffinesse zeugten und entsprechend auf eine Hochkultur verwiesen, stellten sie die Errungenschaft von Cortés, der eine solch technisch und künstlerisch hochentwickelte Kultur unterworfen habe, als zutiefst heroisch dar.48
Während ich Russos These grundsätzlich zustimme, muss sie dennoch in den Kontext gesetzt und damit etwas relativiert werden. So ist es erstens offensichtlich, dass ein kleiner Adler aus Gold oder Figuren wie der abgebildete Krieger (Abb. 1) den Empfänger stärker beeindruckt haben dürften, als wenn ihm lediglich der materielle Gegenwert in Form eines eingeschmolzenen Goldkügelchens zum Geschenk überreicht worden wäre. Zweitens gilt es zu berücksichtigen, dass es sich hier um Ausnahmen handelt. Insgesamt gesehen wurde das allermeiste Bunt- und Edelmetall eingeschmolzen, nicht zuletzt weil es dadurch bekanntermaßen für die Krone kontrollierbarer, für den Handel kommensurabel und für den Transport und Export nach Europa handlicher wurde.49 Die Frachtbriefe stellten einerseits – wie Russo zustimmend oben gezeigt wurde – eine Ordnung Neuspaniens her und dienten andererseits dazu, dass unterwegs nichts unbemerkt aus den Kisten entwendet würde und die Bijous zu ihren jeweiligen Empfängern gelangten.50 Die letzteren Funktionen nützten in diesem Fall allerdings wenig, weil der französische Pirat Jean Fleury vor den Azoren zwei der drei Karavellen kaperte.51
Nun muss aber der Vollständigkeit halber ergänzt werden, dass Gold und Silber in der frühen Eroberungsphase den kleineren Beuteanteil ausmachten. Beuteobjekte im weiteren Sinn bildeten nämlich hauptsächlich die unterworfenen Menschen und das eroberte Land. Auch hier veränderten sich die Ordnungen auf diversen Ebenen durch die Praktiken der Beutelogistik. Auf der rechtlichen Ebene verlief die Umdeutung je nach ‚Objekt‘ mittels spezifischer Akte: Die Konquistadoren degradierten etwa gefangene Indigenen zu Sklaven, indem sie sie brandmarkten. Ähnlich wie beim Schmelz- und Prägeakt von Metallen sollte der Markierungsvorgang von einem Schreiber festgehalten werden und dabei der königliche Fünfte für die Krone entrichtet werden. Indem die Konquistadoren den Indigenen ein „G“ für „guerra“, also Spanisch für „Krieg“ (oder regional auch andere Buchstaben) auf die Wange brannten, machten sie die Indios zu Sklaven und damit zu rechtlosen Objekten.52 Während der Eroberungen auf dem amerikanischen Festland wurden aber Einheimische seltener versklavt als noch auf den Antillen. Sie wurden vielmehr in sogenannten mitas oder encomiendas zu Arbeitseinsätzen und Steuerabgaben für die Spanier gezwungen – was de facto oft Sklavenarbeit entsprach. Dazu bedurfte es eines Verteilprozesses, bei dem den Konquistadoren und Siedlern Tributdistrikte zugeteilt wurden. Sie erhielten Bescheinigungen (cédulas de encomienda), die sie zu den neuen Besitzern bzw. Nutznießern dieser Tributdistrikte machten. Für die Realisierung dieser Privilegien waren die Spanier meistens auf lokale Eliten angewiesen, die mit ihnen kooperierten.53
Ähnlich verlief der Vorgang zur Verteilung der Wohn- und Landwirtschaftsparzellen. Ein Schreiber erstellte eine Art Kataster, führte also die Land- und die Encomiendaverteilung in einer Liste auf, die im Stadtrat zentral aufbewahrt wurde.54 So stellten diese Verwaltungsakte eine neue rechtliche Ordnung her – mit nun größtenteils spanischen Besitzern und der Krone als neuer Eigentümerin. Will man so weit gehen und die unterworfenen Teile Amerikas und ihre Bevölkerung insgesamt als Beuteobjekt betrachten, lassen sich zum Schluss eine ganze Reihe von Transformationen aufzählen: Erstens veränderten sich in den eroberten Gebieten außer der rechtlichen auch die institutionellen politischen Ordnungen. Zwar regierten in vielen Gemeinden die einheimischen Herrscher weiter, doch kooperierten sie mit den Spaniern und leisteten ihnen die genannten Abgaben und Arbeitsdienste.55 Verbunden mit diesen Leistungen entwickelte sich vielerorts sukzessive eine neue ökonomische Ordnung, die durch wachsende und veränderte Märkte innerhalb Amerikas sowie Importe und Exporte aus und nach Europa und später über den Pazifik nach Asien geprägt war.56
Einher ging dieser global verflochtene Handel mit einer Transformation der Landschaft, also der materiellen Ordnung. Das Schürfen von Bodenschätzen grub nicht nur Minenstollen ins Gestein, sondern führte auch zu Siedlungsgründungen oder zum Anwachsen neuer Bergbauzentren, wie beispielsweise die Silberstadt Potosí im heutigen Bolivien. Damit verbunden kam es zu Abholzungen von Wäldern, Gewässerverschmutzungen durch das eingesetzte Quecksilber bei der Erzverarbeitung und zu neuen agrarwirtschaftlichen Nutzformen wie Zuckerrohrplantagen. Und generell veränderten der Bau neuer Siedlungen und die europäische Architektur die koloniale Landschaft Amerikas augenscheinlich.57
Ein weiterer materieller Wandel spielte sich auf der ökologischen Ebene ab, der heute als columbian exchange bekannt ist.58 Die jeweilige Einfuhr zuvor fremder Tiere, Pflanzen und Mikroben veränderte die Landwirtschaft, Tierhaltung sowie Ernährungsgewohnheiten beidseits des Atlantiks und forderte das Immunsystem insbesondere der Einheimischen Amerikas heraus.59 Seuchen verursachten gemeinsam mit dem ausbeuterischen Umgang von Konquistadoren und Kolonisten mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der Neuen Welt unter diesen eine demografische Katastrophe. Neben drastischen Bevölkerungsverlusten in diversen amerikanischen Regionen – über die genauen Opferzahlen herrscht Uneinigkeit – wurde die Urbevölkerung der Großen Antillen, vor allem die Taíno, komplett ausgelöscht60 Abgesehen von diesem Massensterben fand auch eine nicht nur destruktive ‚biologische Veränderung‘ statt. Sie wird unter dem kontroversen Schlagwort mestizaje gefasst. „Mestizentum“ steht für die wortwörtliche Geburt neuer ethnischer oder zumindest sozialer Kategorien, die die Vermischung außeramerikanischen und prähispanischen Blutes zu ordnen versuchten.61
Schließlich steht der Begriff „Hispanisierung“ für die kulturelle und religiöse Assimilierung der Indigenen Spanisch-Amerikas, die langfristig ihre Sprachen, Religionen und kulturellen Bräuche stark beeinflusste.62 Dies geschah jedoch situativ sehr unterschiedlich ausgeprägt und durchaus wechselwirkend, man denke etwa an die Revelationsgeschichte der Jungfrau von Guadalupe.63 Dies sind nun nicht mehr Ordnungen, die unmittelbar durch die Beutelogistik der Conquista modifiziert oder etabliert wurden, aber die Veränderungen wurden durch diese Logistik initiiert. Die teils destruktiven teils konstruktiven materiellen Transformationen der Natur und Landschaft, der Wohn-, Ernährungs- und Arbeitskulturen sowie der biologischen Kompositionen der Bevölkerung beeinflussten viele Facetten der indigenen Menschen und ihrer Lebensroutinen stark. Die konkreten Zusammenhänge werden noch immer erforscht und bieten Stoff für weitere Studien.64 Viele dieser Transformationen entwickelten sich kontingent und wurden nicht einseitig von Europa aus angestoßen. Kaum eine hätte ohne kooperierende oder kollaborierende indigene Eliten bewerkstelligt werden können. Dies lässt sich quellentechnisch zwar nicht immer leicht belegen, sollte aber stets mitbedacht werden.

Fazit

Die Conquista Amerikas bietet einen geeigneten Fall, um Ordnungen von Objekten und deren Transformationen zu beobachten. Die Analyse der Beutelogistik an den Beispielen der Entrada Jiménez de Quesadas und der Frachtbriefe von Hernán Cortés hat gezeigt, wie vielschichtig diese Ordnungen waren und wie die spezifischen Praktiken des Verzeichnens, Verwaltens und des Transportierens diese Ordnungen entweder erzeugten, zerstörten und/oder veränderten – wenn auch teilweise nur graduell. Die Beutelogistik entwickelte in der Conquista eine in mancher Hinsicht weitreichende strukturierende Dimension, die zu nachhaltigen Transformationen prähispanischer Ordnungen führte. Nicht zuletzt dadurch, dass die Beutelogistik die Produktion von Textquellen verlangte, hat sie die historiografischen Narrative lange geprägt und prägt sie teilweise weiterhin.65 Insofern lohnt es sich, die Ansätze der materiellen Kultur für alternative Herangehensweisen an diesen welthistorischen Vorgang zu berücksichtigen.

Fußnoten

  1. Entwürfe dieses Aufsatzes stellte ich im Rahmen der Jahrestagung des Arbeitskreises Materielle Kultur in der Vormoderne 2018 organisiert von Mona Garloff, Natalie Krentz und Elke Valentin sowie im Forschungskolloquium von Daniela Hacke und Birgit Näther in Kooperation mit Stefan Rinke an der Freie Universität Berlin 2020 vor. Ich danke allen Organisator:innen und Teilnehmer:innen sowie Roman Bonderer für die hilfreichen Rückmeldungen. Ebenso bin ich der Janggen Pöhn-Stiftung und der Alexander von Humboldt-Stiftung für die finanzielle Unterstützung zu Dank verpflichtet.
  2. Vgl. etwa die Sammlungen im Museo del oro in Bogotá, Museo Nacional de Antropología in Mexiko-Stadt, Museo Nacional de Arqueología, Antropología e Historia del Perú in Lima, Peabody Museum of Archaeology and Ethnology at Harvard University in Cambridge MA, Ethnologisches Museum in Berlin uvm.
  3. Zu ‚verflochtenen Objekten‘ vgl. Thomas 1991. Zu methodischen und theoretischen Überlegungen zur Beute vgl. Jucker 2014 und Rüdiger 2014.
  4. Einführend zur Conquista vgl. Huber 2019; zur materiellen Kultur vgl. Findlen (Hg.) 2013 und Hahn 2014.
  5. Vgl. Weltmuseum Wien, H. 116, B. 175; weiterführend Haag u. a. (Hg.) 2012.
  6. Archivo General de Indias Sevilla (fortan AGI), Indiferente 415, L. 1, f. 51r–57r, ediert in CDIAO 22, S. 406–433 und in Vas Mingo (Hg.) 1986, S. 306–310. Weiterführend zu den Kapitulationen vgl. Vas Mingo (Hg.) 1986; García Martínez 1970 und Damler 2008. Zu den Bullen vgl. Prien 1995.
  7. AGI, Indiferente 418, L. 1, f. 134r–137r.
  8. Recopilación lib. 8, título 10, ley 1 (1504 und 1572). 1502 wurde die letzte Kapitulation mit einer Abgabe an die Krone von mehr als 20 Prozent erstellt. Zu den spätmittelalterlichen Normen vgl. Alfons X., Siete Partidas 3, título 28, ley 5 und 11. Rescate war ein polysemantischer Begriff, der u. a. sowohl friedlicher Tausch- als auch Raubhandel inklusive der jeweiligen ‚Güter‘ bedeuten konnte. Zeuske 2015, S. 685f.
  9. AGI, Indiferente 415, L. 1, f. 55v–56r.
  10. Recopilación lib. 8, título 12, ley 2 (1536, 1540, 1544, 1572, 1579). Etwaige tiefere Abgaben von einem Zehntel auf Gold wurden ab 1508 für ein bis zehn Jahre, ab 1540 fix für zehn Jahre zugesprochen. Vgl. Vas Mingo (Hg.) 1986, S. 75, 95f., 171. Zum Konzept der Verteilungsgerechtigkeit und ihrer Bedeutung für die Conquista vgl. Brendecke 2009, S. 55f. und Huber 2018.
  11. AGI, Indiferente 418, L. 1, f. 36r–38r.
  12. Weiterführend zum Amt der amerikanischen Schreiber siehe Herzog 1996. Zum Zusammenhang zwischen Beute und Staatsbildung in Europa vgl. Contamine 2000.
  13. AGI, Indiferente 418, L. 1, f. 36r–38r; Huber 2018, S. 260f.
  14. Vgl. etwa die Anschuldigungen gegen Cortés in dessen juicio de residencia und die Zugeständnisse seines späteren Feindes Pedro de Alvarado in dessen Amtsführungsprüfung, dass Cortés korrekt gehandelt habe. Martínez (Hg.) 1991 und Vallejo García-Hevia/Martín Blasco (Hg.) 2008. Weiterführend zur Symbiose von Kronbeamter und Konquistador siehe Huber 2018. Ein aufgeflogener Fall von Beuteunterschlagung lieferte z. B. Alonso Luis Hernández de Lugo. Vgl. AGI, Justicia 1089, Prozess zwischen Juan de Agramonte und Alonso Luis Hernández de Lugo vom 1538; Auszüge daraus ediert in Friede (Hg.) 1979, S. 18–23.
  15. AGI, Indiferente 418, L. 1, f. 36r–38r; AGI, Indiferente 421, L. 13, f. 153v–154v, Real Cédula vom 5. Juni 1528.
  16. Recopilación 2, lib. 4, título 22, ley 1 (14. Sept. 1519). 1525 proklamierte die Krone zudem, dass das Gold von da an in den offiziellen Schmelzereien der Krone zu schmelzen und bewerten sei. CDIAO 2, S. 9, Real Provisión vom 30. Juni 1525.
  17. Vgl. exemplarisch AGI, Indiferente 415, L. 1, f. 62r–65r, Kapitulationsergänzung vom 18. März 1525 für Gonzalo Fernández de Oviedo, ediert in Vas Mingo 1986, S. 213–216, hier S. 215.
  18. AGI, Justicia 599, n. 3, f. 3v, ediert in Friede (Hg.) 1956, S. 75–79.
  19. Vgl. etwa die Buchprüfungen der cuentas der ersten Schatzmeister in Mexiko-Stadt: AGI, Contaduría 657, n. 2, f. 11r–22v.
  20. Vgl. AGI, Escribanía 1006A, ediert in Friede (Hg.) 1956, S. 79–91.
  21. Anmerkung und Übersetzung V.H. „En catorce de junio [1537] se pesó cierto oro que trajo el capitán Valenzuela de la sierra de las Piedras, y hubo quinientos diez y ocho pesos de oro fino, 518 pesos [am Rande:] 518 pesos / Más, ciento y sesenta y ocho pesos de oro bajo 168 pesos [am Rande:] 168 pesos / Más, setenta y dos piedras de esmeraldas, chicas y grandes, de todas suertes.“ [Anm. V.H.], AGI, Escribanía 1006A, zit. nach Friede (Hg.) 1956, S. 87.
  22. „En doce de marzo [1537] se hubo en el pueblo de San Gregorio, que dieron los indios veintiún pesos y medio de oro fino [am Rande:] 21 pesos 4 tomines / Más, siete pesos de oro bajo [am Rande:] 7 pesos / Más, cuatro piedras esmeraldas.“ [Anm. V.H.], AGI, Escribanía 1006A, zit. nach Friede (Hg.) 1956, S. 81f.
  23. „Miércoles veintiocho de marzo [1537], se hubo de unos indios de guerra, cuarenta y nueve pesos de oro fino, 49 pesos. [am Rande:] 49 pesos / Más, ochenta y nueve pesos de oro bajo [am Rande:] 89 pesos / Más, veinticuatro piedras de esmeraldas, chicas y grandes, de todas suertes.“ [Anm. V.H.], AGI, Escribanía 1006A, zit. nach Friede (Hg.) 1956, S. 84.
  24. Die Einnahmen wurden nach europäischen metallurgischen Kategorien von hoch- und mittelwertigem Gold eingestuft. Nach dieser Logik brachte die Gefangennahme eines Herrschers (‚Kaziken‘ bzw. zipa oder zaque) aus dem Tal von Tunja die weitaus umfangreichste Beutemenge der ganzen Expedition: „Lunes, a veinte de agosto [1537], se hubo en el valle de Tunja, cuando se tomó el cacique de él, ciento y treinta y seis mil y quinientos pesos de oro fino [am Rande:] 136.500 pesos / Más, se hubo en el dicho pueblo, catorce mil pesos de oro bajo 14.000 pesos [am Rande:] 14.000 pesos / Más, se hubieron doscientos ochenta piedras de esmeraldas, chicas y grandes, de todas suertes, 280.“ [Anm. V.H.],”, AGI, Escribanía 1006A, zit. nach Friede (Hg.) 1956, S. 88.
  25. Vgl. Pillsbury 2017; Castro u. a. (Hg.) 2019 und Russo 2011, S. 236–239.
  26. AGI, Justicia 599, n. 3, ediert in Salazar del Camino 1927, S. 663.
  27. Zur Rolle indigener Träger vgl. etwa AGI, Justicia 291, n. 1, 113v–114v; schon bei Oudijk/Restall 2013, S. 21f.
  28. Vgl. etwa den Prozess gegen Alonso Luis Hernández de Lugo. AGI, Justicia 1089.
  29. Wo nicht anders vermerkt basiert dieser Abschnitt auf AGI, Justicia 599, n. 3, ediert in Salazar del Camino 1927, S. 663–670. Weiterführend zu diesem Prozess der Beuteverteilung siehe Huber 2018, S. 204–210.
  30. Alfons X., Siete Partidas 2, título 26, ley 6, 7, 10–13, 20 und 27.
  31. Der kranke Schatzmeister Antonio de Lebrija wurde von einem Anführer namens Baltasar Maldonado vertreten. Er wog zusammen mit dem Aufseher Diego de Aguilar und dem Buchhalter Juan de San Martín insgesamt 191.294 pesos Feingold (ca. 800 kg), 37.288 pesos mittelwertiges Gold (ca. 155 kg), 18.450 pesos geringwertiges Gold (ca. 77 kg) und 1.815 Smaragde. AGI, Justicia 599, n. 3, ediert in Salazar del Camino 1927, S. 670–673. Die Indikationen in kg bereits bei Simmer 2000, S. 296–300.
  32. AGI, Justicia 599, n. 3, ediert in Salazar del Camino 1927, S. 682–687.
  33. Vgl. Recopilación 2, lib. 4, título 22, ley 1 (14. Sept. 1519); Recopilación 2, lib. 4, título 12, ley 3 (30. Juni 1525).
  34. Mena García 2011, S. 444–513.
  35. Zu den Schmelztechniken der Nahua sowie der Spanier vgl. unter Berücksichtigung des Entstehungskontextes dieser hybriden spanisch-indigenen Quelle Sahagún 2001, Buch 9 und 12. Dass manchmal auch Erze geschmolzen wurden ohne die erforderlichen Prägungen, zeigen seltene Funde wie der Goldbarren von Abb. 1.
  36. Vgl. Todorov 2008 [1982], S. 77f.; weiterführend zum Topos der Zerstörung antiker und außereuropäischer Bilder im christlichen Machtdiskurs der Frühen Neuzeit vgl. Kapustka 2020.
  37. So etwa bei Thomas 2000.
  38. Lamana 2008, S. 67–80.
  39. Vgl. Cunill 2014 und Hinz 2013.
  40. Vgl. Huber 2018, insbesondere S. 259­–286 und 301–357.
  41. Vgl. AGI, Patronato 180, r. 88, f. 1176r–1178r, Frachtbrief des quinto real des Edelmetalls vom 19. Mai 1522. Eine der drei Abschriften davon ist ediert in Martínez (Hg.) 1990, S. 232–238; vgl. Martínez (Hg.) 1990, S. 239–241, Inventar der acht Kisten, die Fleury nicht geraubt hat, von ca. 1522; In einer der Listen verraten die Namen der Adressaten (alles Männer) zudem, welche Personen Cortés für einflussreich hielt, von wem er sich Unterstützung erhoffte oder in wessen Schuld er stand. Vgl. Martínez (Hg.) 1990, S. 242–249, Inventar des Federschmucks und der Schmuckstücke, die Cortés Kirchen, Klöstern und diversen Personen schickte, vom 19. Mai 1522.
  42. „una aguila de oro con sus pinjantes y una piedra verde en el medio que peso todo doze pesos xii pesos“, AGI, Patronato 180, r. 88, f. 1177r.
  43. „otra venera colorada engastada en oro“, AGI, Patronato 180, r. 88, f. 1177r. Dass beim Beschreiben der Objekte Analogien zu Vertrautem gezogen wurden, ist aus der Frühen Neuzeit auch in anderen Bereichen bekannt, etwa in Paracelsus’ Medizinliteratur. Vgl. Benzenhöfer 2005; weiterführend Foucault 2012, S. 46–77.
  44. Vgl. etwa den seltenen Eintrag „una cabeça de oro con una cara de chalchuy con unos pinjantes de oro que peso todo seys pesos vi pesos“, AGI, Patronato 180, r. 88, f. 1177r.
  45. Vgl. Jucker 2013.
  46. Vgl. zu kolonialen Sammelobjekten in europäischen Kunstkammern Collet 2007.
  47. Cortés 1985, S. 130; vgl. schon Russo 2011, S. 239f.
  48. Russo 2011. Zur Bedeutung von Knüpf- und Federwerk in Spanisch-Amerika vgl. Hanß 2019.
  49. Hausberger und Ibarra legen dar, dass die Nachfrage in den Amerikas nach europäischen und asiatischen Konsumgütern und der daraus entstehende Importhandel am effizientesten durch Bunt- und Edelmetallgewinnung als Exportware ausgeglichen wurde. Hausberger/Ibarra (Hg.) 2014, S. 21f.
  50. Frachtbriefe dienten umgekehrt beim Import in Neuspanien zugleich als Kontroll- und Zensurlisten etwa für die eingeführten Bücher, wodurch sie auch vor Ort an der Ordnung Neuspaniens mitwirkten.
  51. Vgl. AGI, Patronato 180, r. 90, f. 1190r–1191v, Abschrift des Frachtbriefs der Wertsachen, die auf der Santa María de la Rábida unter dem Schiffsmeister Juan Bautista für die Krone bestimmt waren, vom 22. Juni 1522, ediert in CDIAO 12, S. 253–268; vgl. AGI, Patronato 180, r. 88, f. 1176r–1187r.
  52. Weiterführend zur kastilischen Sklavereipolitik in Spanisch-Amerika vgl. Schirrmacher 2018, hier S. 318–322.
  53. Vgl. zum Verteilprozedere Kramer 1994; zur Versklavung vgl. Schirrmacher 2018; zu den indigenen Verbündeten Matthew 2012, insbesondere S. 39–131.
  54. Vgl. Kramer 1994 und Huber 2018, S. 214–234.
  55. Vgl. Horn 1997 und Martínez Baracs 2008.
  56. Vgl. Hausberger/Ibarra (Hg.) 2014.
  57. Zum Bergbau in Potosí vgl. Bakewell 1984; zum ökologischen Wandel vgl. Crosby 2003; zur hybriden kolonialen Baukultur am Beispiel des französischen Kolonialreichs vgl. Steiner 2020.
  58. Klassisch: Crosby 2003.
  59. Vgl. Earle 2012.
  60. Vgl. Mira Caballos 1997.
  61. Vgl. Matthew 2012, S. 231–268.
  62. Vgl. Hinz 2005.
  63. Vgl. Poole 2005.
  64. Vgl. etwa Deusen 2015 und demnächst Cañizares-Esguerra/Masters 2021
  65. Zu den indigenen Narrativen vgl. Townsend 2020.

Bibliografie

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