Archäologische und prähistorische Objekte in Inventarverzeichnissen frühneuzeitlicher Sammlungen am Beispiel der Württembergischen Kunstkammer

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Kirsten Eppler
Kontakt: kirsten.eppler@uni-erfurt.de
Website: https://www.uni-erfurt.de/forschungszentrum-gotha/studium-promotion/mitglieder/promovierende/kirsten-eppler
Institution: Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt (FZG), Schlossberg 2, 99867 Gotha
Erstveröffentlichung: Dezember 2022
Lizenz: Sofern nicht anders angegeben Creative Commons License
Medienlizenzen: Medienrechte liegen, sofern nicht anders angegeben, bei den Autoren.
Letzte Überprüfung aller Verweise : 16.12.2022
Empfohlene Zitierweise: Eppler, Kirsten: Aus der Erde ins Inventar: Archäologische und prähistorische Objekte in Inventarverzeichnissen frühneuzeitlicher Sammlungen am Beispiel der Württembergischen Kunstkammer, in: MEMO Sonderband 2 (2022): Garloff, Mona und Krentz, Natalie (Hgg.): Objektordnungen zwischen Zeiten und Räumen. Verzeichnung, Transport und die Deutung von Objekten im Wandel, doi: 10.25536/2022sb02_10.
Übersicht Abbildungen

Abstract

Relikte vergangener Zeiten, die in der Frühen Neuzeit zufällig oder intentionell aus dem Boden zum Vorschein kamen, fanden aufgrund ihres erkannten Werts als Geschichtszeugnisse häufig Eingang in zeitgenössische Sammlungen. In der Kunstkammer der Herzöge von Württemberg in Stuttgart lassen sich Objekte dieser frühen archäologischen Aktivitäten über eine komplexe Überlieferung zahlreicher Inventare nachweisen. Diese Verzeichnisse brachten Funde aus dem Boden nicht nur in Ordnungszusammenhänge, sondern bildeten mit dieser Einordnung zugleich das zeitgenössische Wissen über archäologische Objekte und ihre angenommenen (prä-)historischen Kontexte ab. Da dieses Wissen, wie auch die Praktiken des Inventarisierens, über die Zeiten hinweg Veränderungen unterworfen waren, lassen sich über die Inventare Prozesse des Sammelns und der damit verbundenen Wissensbestände nachvollziehen. Damit stellen die Inventare als Instrumente einer interdisziplinär und historisch ausgerichteten materiellen Kulturforschung eine bislang wenig ausgeschöpfte Quelle für die archäologische Fachgeschichte dar.

Abstract (englisch)

During the early modern period archaeological artifacts and relics of the past found by chance or intentionally were often transferred to contemporary collections due to their acknowledgement as historical objects. In the Kunstkammer of the Dukes of Württemberg in Stuttgart, objects of early modern archaeological activities can be traced in inventories dating from the early 17th to the late 18th century. These lists did not only arrange archaeological objects into sometimes fluctuating and changing orders and contexts of knowledge, but also reflected ancient concepts or even theories of those objects and their assumed (pre-)historic contexts. Since that knowledge as well as the practice of ‘inventorying’ have been subject to change over time, the processes of collecting and the associated bodies of knowledge can be traced via inventories. Thus, these records as instruments of interdisciplinary and historical material culture research represent a source for the study of the history of archaeology little considered so far.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Zur Erforschung der Archäologiegeschichte der Frühen Neuzeit stellen Inventarverzeichnisse eine unverzichtbare Quelle dar. Da die meisten archäologischen Objekte1 frühneuzeitlicher Sammlungen heute zerstreut oder aus konservatorischen Gründen verloren sind, bieten Inventare häufig den einzigen Zugang zu diesen Kollektionen bzw. dieser Objektgruppe und ihrer frühneuzeitlichen Betrachtungsweise sowie ihrer damaligen Sammlungslogik. Sie brachten Funde aus dem Boden in Ordnungszusammenhänge und bildeten mit dieser Einordnung den zeitgenössischen Umgang mit ihnen und die Wahrnehmung über sie ab. Dabei spielten das zeitgenössische Wissen über die Objekte ebenso eine Rolle wie die Praxis des Inventarisierens derselben, die über die Zeiten hinweg veränderlich waren. Diese Prozesse möchte ich im Folgenden thematisieren und näher untersuchen.

Inventare als verkannte Quellen der Archäologiegeschichte: Anmerkungen zu Forschungsgeschichte und Forschungsstand

Gegenwärtig werden Inventare von der historischen Archäologie2 zur Untersuchung vergangener materieller Sachkultur(en) herangezogen und bilden eine wichtige komplementäre Quelle, um das ergrabene Fundgut kulturhistorisch einordnen, vergleichen und kontextualisieren zu können.3 Für die eigene Fachgeschichte spielen sie hingegen bislang eine eher untergeordnete Rolle. Während archäologische Forschungsfragen, die Inventare einbeziehen, stark von sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Aspekten geleitet sind und sich etwa für die Haushaltsausstattung in einer bestimmten Region der Frühen Neuzeit im Spiegel materieller und schriftlicher Quellen interessieren, kann man auch die archäologischen Aktivitäten der Frühen Neuzeit und damit einen Teil der Archäologiegeschichte anhand von Inventaren untersuchen. Denn zwischen 1500 und 1800 wurden Relikte der Vergangenheit aus dem Boden befördert und in Sammlungen oder Kunstkammern transferiert, wo sie bewahrt und inventarisiert wurden.
Obwohl Inventaren und Verzeichnissen dieser Sammlungen ein hohes Potenzial in der Erforschung archäologischer Aktivitäten zwischen dem 16. und frühen 19. Jahrhundert zukommt, haben sie in dieser Hinsicht bislang vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit in der fachinternen Forschung erfahren. Die Historiographie, speziell zur Ur- und Frühgeschichte, würdigt frühneuzeitliche Sammlungen als wichtige Institution der Fachentwicklung. Es wäre zusätzlich lohnend, die Kollektionen stärker in ihren einzelnen Elementen und besonders in ihrer praxeologischen Dimension zu betrachten und näher zu untersuchen. Auf die Inventare bezogen gilt es zum einen denjenigen Praktiken nachzuspüren, die bei der Erstellung der Verzeichnisse sowohl in der Schreibpraxis als auch der Systematisierung einer Sammlung wirksam wurden. Zum anderen spiegeln die Inventare die Art von Praktiken wider, mittels derer in der Frühen Neuzeit mit archäologischen Bodenfunden umgegangen wurde und wie diese ihren Weg in die Sammlungen fanden: Was wurde wie aufgeschrieben, dokumentiert und interpretiert, welche Akteur*innen waren beteiligt, welche Objekte wurden berücksichtigt bzw. vernachlässigt? Was kam überhaupt in die Sammlungen und was ging verloren bzw. interessierte nicht oder war aus konservatorischen Gründen nicht sammelbar?4

Klassische Standortbestimmungen des Fachs5 erwähnen Kunst-, Kuriositäten- und Raritätenkabinette bzw. -kammern als Aufbewahrungsorte der ausgegrabenen Objekte eher beiläufig ohne ihren epistemologischen Wert adäquat hervorzuheben, der sich besonders in einer praxeologischen Perspektive bietet. Damit bleiben auch Sammlungsverzeichnisse, Inventare und Kataloge außerhalb des Forschungsinteresses. Dies hängt mit der bis heute stark wissenschafts- statt wissenshistorischen Ausrichtung der fachinternen Archäologiegeschichtsschreibung zusammen, der ein im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert ausgebildetes Theorie- und Methodenspektrum archäologischen Arbeitens als Maßstab zugrunde liegt. Im Vordergrund steht dabei an erster Stelle die Entwicklung der Ausgrabungstechnik,6 dem zentralen Werkzeug archäologischer Quellenerschließung unter Berücksichtigung taphonomischer7 Formationsprozesse, um somit die Interpretation und Dokumentation archäologischer (Boden-)Befunde nachzuvollziehen. Das Sammeln von Bodenartefakten nimmt einen nachgeordneten Rang ein, da diese nur im Zusammenhang mit den Grabungsbefunden einen umfassenderen epistemologischen Aussagewert erhalten. Zudem erfordert eine sowohl kulturhistorische als auch objektbezogene Auswertung von Inventaren verhältnismäßig große interdisziplinäre Kompetenzen.

Ältere und neuere Übersichtswerke zur Geschichte der Archäologie in der Vormoderne betonen die Wichtigkeit und Relevanz von Sammlungen für die Entwicklung der Archäologie als Wissenschaft. Dabei werden die betrachteten Sammlungen aber selten auf der Ebene von Inventaren, Auflistungen oder Katalogen erfasst.8 Nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen und Beiträge mit spezifischen Fragestellungen zur vormodernen Archäologie tauchen dabei tiefer in die Inventare ein, wie zum Beispiel die Untersuchungen zur Sammlung der Leipziger Apothekerfamilie Linck9 (heute im Naturalienkabinett Waldenburg, Sachsen) oder zur Zürcher10 Kunstkammer.

Ebenso haben sich besonders die Fächer, die sich traditionell mit materieller Kulturforschung beschäftigen, wie die Kunstgeschichte, Museum Studies usw., aus einem wissenschafts- sowie kulturhistorischen und nicht zuletzt museologischen Interesse mit dem Phänomen der frühneuzeitlichen Kunstkammer auseinandergesetzt. Die vormodernen Sammlungen wurden dabei als Vorläufer und Basis heutiger Museumssammlungen entdeckt und erforscht. In diesem Zuge sind zahlreiche Inventare ediert worden, wie beispielsweise diejenigen der Münchner11 oder Dresdner12 Kunstkammer. Dabei stehen nicht nur die über die Inventare erfassten Sammlungen in ihrer Gesamtheit im Mittelpunkt der Betrachtung, sondern vor allem moderne Objektkategorien und Sammlungsbereiche, wie Gemälde, Münzen, Mineralien, Ethnologica etc. Fragen nach der Praxis des Inventarisierens oder der wissensgeschichtlichen Kontexte sind thematisiert worden,13 um die jeweiligen Sammlungen bzw. Inventare in ihrer Entstehung, Struktur und Logik einordnen zu können. Dabei treten Fragen nach Objektidentifizierungen und Sammlungsrekonstruktionen eher in den Hintergrund.

Daneben haben vor allem die Europäische Ethnologie bzw. Volkskunde und die Geschichtswissenschaften im Rahmen der Material-Culture-Studies14 Inventare als aussagekräftige Quellengruppe erkannt und genutzt. In diesen konsumgeschichtlich und ethnologisch orientierten Untersuchungen stehen weniger ,proto-museale‘ oder gelehrte Sammlungen, als vielmehr Besitz-, Vermögens-, Ehe- und Nachlassinventare breiter Bevölkerungsschichten im Mittelpunkt. Dabei geht es um die Erschließung von Alltags- und Lebenswelten. Vor allem für das Herzogtum bzw. dann Königreich Württemberg sind solche Verzeichnisse, die sogenannten Inventuren und Teilungen,15 in großer Zahl aus dem 16. bis 19. Jahrhundert erhalten.16 Für Fragen des Inventarisierens archäologischer Objekte lohnt es sich daher in Württemberg zu bleiben und den Blick auf das herrschaftliche Milieu zu richten.17

Archäologische Objekte in der herzoglich württembergischen Kunstkammer: Die Inventare – theoretisch-methodische Aspekte

Im Folgenden möchte ich die Kunstkammer der Herzöge von Württemberg in Stuttgart18 beispielhaft betrachten, da die Quellenlage zu dieser Sammlung als außergewöhnlich günstig einzustufen ist. Die meisten Inventare der Stuttgarter Kunstkammer bestehen nämlich nicht nur aus bürokratisch gehaltenen Aufzählungen der einzelnen Gegenstände. Vielmehr sind die einzelnen Objekte in zahlreichen Inventaren in unterschiedlicher Intensität mit Zusatzinformationen versehen worden, die vielfältige Fragestellungen möglich machen. Damit gilt für die Stuttgarter Inventare, was Giorgio Riello der Quellengattung im Allgemeinen bescheinigt, nämlich nicht einfach nur deskriptiv zu sein, sondern anhand der Rubrizierung der Objekte Aufschlüsse über ihre Organisationsprinzipien, ihren Zustand und ihre Funktion widerzuspiegeln und dahinter auch die Praktiken des Inventarisierens nachvollziehbar zu machen oder zumindest Schlaglichter darauf zu werfen.19 So bieten die Bestandsverzeichnisse wichtige Informationen, die im Sinne der materiellen Kulturforschung und der Wissensgeschichte relevant sind. Neben Aspekten zu den Fundumständen, Raum und Zeit, scheinen die Akteur*innen des Sammelns genauso auf, wie auch die Einordnung der Bodenfunde unter Sammlungskategorien Erwähnungen finden, die wiederum Rückschlüsse auf die mit ihnen verbundenen zeitgenössischen Interpretationen und teilweise Anordnungen im Sammlungsraum erlauben. Auch Material, Form, Funktion und Oberfläche der archäologischen Objekte werden beschrieben.20 Da die Inventare über längere Zeiträume anlässlich von Kunstkammerstürzen bei Herrscherwechseln oder Erbgängen aktualisiert worden sind und sie somit gewissermaßen seriell vom frühen 17. bis zum späten 18. Jahrhundert vorliegen, lassen sich Entwicklungen nachvollziehen und Veränderungen beobachten, denen die materiellen Relikte der Vergangenheit bzw. das Wissen über sie unterworfen waren.21 Hinzu kommt, dass auch die wissenshistorischen und praxeologischen Prozesse des Inventarisierens nicht stabil blieben, sondern temporären Veränderungen unterworfen waren.22 In den Inventaren spiegeln sich somit die Spielarten und Varianten vormoderner Sammlungs- und Inventarisierungspraktiken materieller Überreste vergangener Zeiten aus dem Boden.

Bei der Auswertung ergeben sich methodische Hürden. Es bleibt oftmals schwierig, physisch reale Gegenstände, die uns heute in den Museumssammlungen überliefert sind, mit den in den Schriftquellen genannten Objekten zweifelsfrei in Einklang zu bringen.23 Fehlende Objektbeschriftungen und vage bzw. für uns heute unspezifische Beschreibungen in den Inventaren setzen hier klare Grenzen. Darüber hinaus sind es aber vor allem die terminologischen Eigenheiten der Inventartexte selbst, die naturgemäß an die Sprache und die Sinnbedeutungen ihrer Zeit gebunden bleiben. Man wird hier also, um mit Annette Cremer zu sprechen, mit „einer unterbrochenen Informationskette aus wechselnden sprachlichen Kodierungen“24 konfrontiert. Dies gilt natürlich auch für diejenigen Objekte, die nur über die Inventare fassbar und physisch nicht mehr erhalten sind.

Zu bedenken ist auch, dass Inventare mit unterschiedlichen Intentionen angelegt wurden und das Verzeichnen unter vielschichtigen Perspektiven erfolgte. Verschiedene Faktoren bestimmten die Praktiken des Inventarisierens. So gelten für die Stuttgarter Verzeichnisse dieselben quellenkritischen Bemerkungen, die Riello zu dieser Quellengattung im Allgemeinen gemacht hat. Demnach ist zu berücksichtigen, dass jedes Inventar unter bestimmten sozialen, rechtlichen und kulturellen Werten, Konventionen sowie Überzeugungen, und nicht zuletzt auch Strategien, angelegt worden ist und somit genuin subjektiv bleiben muss.25 Dabei spielte es eine Rolle, ob der Verfasser – im Fall der Stuttgarter Kunstkammerinventare – der Antiquar selbst war, der womöglich mehr oder weniger spezifisches Fachwissen besaß, oder ob weitere Personen mit juristischer oder administrativer Funktion, etwa Hofschreiber, in die Abfassung involviert waren. Auch pragmatische Gesichtspunkte und Fragen der Abhängigkeit der Texte untereinander sind in Rechnung zu ziehen, wenn zum Beispiel frühere Verzeichnisse wörtlich abgeschrieben oder sogar gekürzt wurden. Ein solches Vorgehen konnte rein rechtlich gesehen genügen, wenn es darum ging, die Unversehrtheit und das Vorhandensein der Objekte, zum Beispiel bei einem Herrschaftswechsel, zu dokumentieren. Vor diesem Hintergrund plädiert Riello dafür, Inventare als subjective representations zu verstehen und sie als Texte zu begreifen.26 Als solchen kann ihnen nur in ihrer kontextuellen Gesamtheit Sinn entlockt werden, wobei es nicht ausreicht, einzelne Wörter und Begriffe der Inventareinträge herauszugreifen und zu transkribieren bzw. zu übersetzen. Anhand einiger ausgewählter Beispiele aus den Stuttgarter Kunstkammerinventaren soll das Inventarisieren dieser Objekte zwischen den Zeiten in den Blick genommen werden.

Terminologisch-chronologische Eigenheiten der Inventare

Materielle Relikte der Vergangenheit, die aus dem Boden zu Tage kamen, wurden in der Frühen Neuzeit aufgrund ihres angenommenen hohen (und) historischen Alters und damit auch Seltenheitswerts aufgehoben und gesammelt. Dabei kam es weniger auf den materiellen als auf den ideellen Wert an, denn neben Gegenständen aus (Edel-)Metallen kamen auch viele Dinge aus geringwertigem Material, wie beispielsweise Keramik, Ton, Bein und Holz in die Kunstkammer. Diese Wertschätzung drückt sich ebenfalls in der Terminologie der Inventareinträge aus, indem die Objekte mit den Adjektiven alt oder uralt bezeichnet werden. Mit der Betonung des Alters wurden die Objekte weniger einer präzisen chronologischen Einordnung unterzogen, wie sie die modernen archäologischen Fächer seit dem 19. Jahrhundert entwickelt haben. Stattdessen wurde damit vielmehr ein Charakteristikum hervorgehoben, das sie als eigene Objektgruppe, nämlich als Antiquitäten, auswies. Ebenso muss man in Betracht ziehen, dass zeitgenössische Expert*innen und Sammler*innen wussten, welche Art von Objekten sie vor sich hatten und eine derartige Expertise und derartiges Wissen auch bei anderen Kenner*innen voraussetzten. Man kannte die einschlägigen Werke der frühneuzeitlichen Gelehrten und die Identifizierung antiker Objekte war eine Selbstverständlichkeit. Für die administrativen Akteure, wie Gehilfen, Schreiber oder Hofangestellte genügte vermutlich die (heute als ungenau empfundene) Bezeichnung, um sie als der Kategorie der Antiquitäten zugehörig zu beschreiben und ihr Vorhandensein zu registrieren und notariell festzuhalten.27 Die Termini alt oder uralt markierten auch die zeitliche Alterität der Bodenfunde zur eigenen Gegenwart und Kultur der Frühen Neuzeit.28 Dies wurde auch mit Formulierungen erzielt, die die Herkunft der Objekte aus Bodenkontexten und damit einer mehr oder weniger weit zurückliegenden bzw. ,tiefen‘ Vergangenheit betonten. Spezifisch für die Stuttgarter Inventare sind Formulierungen wie in einem tiefen Grab oder in der Erden gefunden, wie sie in anderen Sammlungsinventaren, wie etwa in Dresden, Gotha oder den habsburgischen Sammlungen in Ambras, Prag und Wien, nicht bzw. nur sehr selten zu finden sind, eine Ausnahme bietet dagegen München.29

Die Sammlung Guth von Sulz – verkaufsstrategische Überlegungen

Dass der Aspekt des hohen Alters und damit des Altertumswerts durchaus auch aus wirtschaftlichen Gründen betont wurde, legt vor allem das Stuttgarter Kunstkammerinventar aus dem Jahre 165430 nahe, das in seinem Wortlaut auf die archäologischen Objekte bezogen weitgehend identisch ist mit einem Verzeichnis von 162431. Dieses wiederum bildete die Sammlung des Kammerherrn Johann Jakob Guth von Sulz-Durchhausen (1543–1616) ab, die eine wichtige Grundlage der Kunstkammer werden sollte und gilt damit als ältestes ‚Vor-Inventar‘ der württembergischen Kunstkammer.

Die Art und Weise, mit der die Guth von Sulz‘sche Sammlung 1624 aufgenommen und im nahezu gleichen Wortlaut später 1654 inventarisiert wurde, hatte – neben der zeitgenössischen Konvention – auch mit ihrem beabsichtigten Verkauf zu tun, was die Gliederung der archäologischen Objekte innerhalb des Inventars nahelegt: Diese sind nach Material und Größe und damit ihrer Wertigkeit aufgeführt. Die Auflistung beginnt zunächst mit den metallenen Objekten, denen dann gläserne und schließlich keramische Gegenstände folgen. Innerhalb der Keramik rangieren irdene (Öl-) Lampen, aus der römischen Antike, vor der Gefäßkeramik, die größtenteils als Urnen bezeichnet werden. Die Liste schließt mit kleinen Ringlein und Peterlein, also Perlen aus Ton, die aus Grabkontexten stammen.32

Wahrscheinlich um den Kaufpreis hoch zu halten, wurden die Bodenfunde ausführlich und im Detail aufgelistet, was ihre Anzahl erhöhte. Der Zusatz alt bzw. uralt untermauerte ihren Altertumswert – eine Verkaufsstrategie, die bis heute gerne angewendet wird. Diese relative Altersangabe unterstreicht die Seltenheit und damit Wertigkeit der zum Kauf angebotenen Objekte. Trotz dieser Bemühungen kam ein Kauf der Guth‘schen Sammlung durch den württembergischen Herzog vorerst nicht zustande. Erst mit dem Tod des Sohnes von Johann Jakob Guth, nämlich Ludwig Guth von Sulz (1589/90–1653), kam die Kollektion schließlich an das Herzogshaus. Testamentarisch hatte Johann Jakob nämlich verfügt, seine Sammlung solle an die Württemberger übergehen, falls sein Sohn kinderlos bleiben würde.33 Damit bereicherte die Guth‘sche Sammlung und damit auch deren archäologische Objekte ab 1654 die herzogliche Kunstkammer nach den Verlusten des Dreißigjährigen Krieges ganz wesentlich. Aus diesem Anlass wurde besagtes Inventar von 1654 durch den ersten offiziellen Antiquar der Stuttgarter Kunstkammer Johann Betz (tätig bis 1669)34 angefertigt.

Das (Vor-)Inventar von 1624 setzte für die nachfolgenden Verzeichnisse der Kunstkämmerer Adam Ulrich Schmidlin (tätig 1669–1686) und Daniel Moser (tätig 1686–1690)35 Maßstäbe, indem es als Vorlage diente und der Text häufig wortgleich abgeschrieben, wenn nicht sogar zusätzlich aus Praktikabilitätsgründen gekürzt wurde, ohne im Gesamten eine neue Ordnung vorzunehmen. So verzeichnet das zwischen 1670 und 1690 angelegte Inventar von Schmidlin bzw. seinem Noch-Assistenten Moser summarisch 7 und 20 Vasa sepulcralia und urna mortuorum, deßgleichen alte Häfen und Geschirr,36 die noch im Inventar von 162437 differenzierter und in ihren Details aufgeschlüsselt wurden.

Kontinuität und Wandel: Die Inventare Johann Schuckards

Ein deutlich sichtbarer Wandel ergab sich mit den zwischen 1705 und 1723 erstellten Inventaren des Antiquars Johann Schuckard (tätig 1690–1723), der die gesamte Kunstkammer betraf (Abb. 1). Die Beschreibungen der Bodenfunde wurden nun um Details und Attribute ergänzt, die zuvor keine Erwähnung gefunden hatten.38 Anlass für die Neuaufstellung und damit Neuinventarisierung der Kunstkammer durch Johann Schuckard war deren Rückkehr aus Regensburg 1698, wohin sie angesichts des Pfälzischen Erbfolgekrieges und dem befürchteten Einmarsch französischer Truppen in Sicherheit gebracht worden war.39 Dies ging gleichsam mit einer nun vermehrt empirischen Betrachtung und auch Erfassung von Objekten in Sammlungen einher, die allgemein für das frühe 18. Jahrhundert postuliert wird und die auch für die Stuttgarter Kunstkammer und die Tätigkeiten von Schuckard zu beobachten sind.

Die Archäologika wurden jetzt nach ihrem Aufbewahrungsort im Schrank Kasten J40 und ihrem genauen Standort in den insgesamt fünf Gefachen inventarisiert. Bereits im Inventar von Daniel Moser aus der Zeit um 1680 werden unter anderem archäologische Objekte in einem Antiquität Kasten aufgeführt.41 Allerdings sind sie darin noch mit ethnologischen Gegenständen, wie zum Beispiel Exotika aus China und Amerika vergesellschaftet. Im Schuckard‘schen Inventar werden die Bodenfunde zusätzlich mit einer alphanumerischen Nomenklatur lateinischer Groß- und Kleinbuchstaben und römischer bzw. arabischer Ziffern versehen und ihr genauer Ablageort im Schrank angegeben. So können Vorstellungen über die damalige räumlich-thematische Aufstellung gewonnen werden. Ebenso sind Maßangaben in württembergischen Zoll ergänzt. Dabei nehmen das oberste Fach hangend Sporen mit langem Sporn ein, sowie stehend wertvolle Metallgefäße, überdimensional große Urnen und solche aus Glas.42 Gerade größere Gegenstände konnten im obersten Schrankfach von unten noch gut gesehen und betrachtet werden und fanden deshalb dort ihren Platz. Im darunter liegenden zweiten Gefach befinden sich ebenfalls hangend kleinere Metallfunde wie Fibeln, Beil, Instrument, Keul‘, Messer, Pfeile, Corollae und aufgestellt fünfzehn Urnen a bis p (der Buchstabe j wurde ausgelassen). Das dritte Gefach füllen ebenso kleine filigrane Gegenstände, wie zehn Gefäße q bis z, Lampades – kleine Öllämpchen, weitere Urnen aus verschiedenen Materialien, teils aus württembergischem Territorium und Urnulae Lachrymarum (,Thränengefäße‘, vermutlich Unguentarien oder Aryballoi), Schüsseln und kupferne Geschirre aus.43 Fach drei und vier befanden sich vermutlich auf Augenhöhe und somit konnten die kleinteiligen und vielzähligen Objekte einfach gesehen und herausgenommen werden. Im nächsten vierten Gefach finden wieder große und robuste Gegenstände, wie Riesengebeine (fossile Knochen) und zwei Inschriften- bzw. Bildsteine ihren Platz, die laut Randvermerk später im Schlosshof aufgestellt wurden.44 Das unterste fünfte Gefach schließt mit mittelalterlichen Objekten, die allerdings nicht als solche erkannt werden bzw. als solche gekennzeichnet werden: Einer Monstranz, einem Leuchter mit Drachenfüßen (Abb. 2), der als antik römisch interpretiert wird, einem Rauchfaß und einem metallinen Becken. Laut Inventar sollen diese aus alten Gräbern stammen,45 was archäologisch nicht ausgeschlossen scheint, aber ungewöhnlich selten wäre.46 Es ist zu vermuten, dass der Fundkontext aus älteren Inventaren übernommen, wenn nicht gar abgeschrieben wurde und keine präzise Neueinordnung und Untersuchung dieser Objekte erfolgte. In diesem Fall unterschied man in der Inventarisierungspraxis auch nicht zwischen mittelalterlich alt und römisch-antik alt.

Besonders bemerkenswert sind die detailreichen Objektbeschreibungen in Wort und teilweise sogar Skizze, die in früheren Inventaren nicht zu finden sind und noch tiefergehende Informationen liefern. So erwähnt Schuckard zum Beispiel eine Urna: In form eines kleinen krügleins, schwartz von Erden hoch 4 ½ Zoll. […] stehen zwischen zwey gemodelten weissen streifen, die buchstaben P · I · E und zwischen solchen buchstaben 4 weiße Große puncta, in größe einer landmüntz47 (Abb. 3 und 4).

Bei der hier erwähnten Keramik handelt es sich um ein Exemplar der so genannten Trierer Spruchbecherkeramik, die ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. im römischen Trier produziert wurde, Trink- und Segenssprüche trug und sich in den römischen Provinzen allgemeiner Beliebtheit erfreute.48 Zwei von drei angeführten Spruchbechern befinden sich bis heute im Landesmuseum in Stuttgart (Inv. Nr. RFU 131, 126). Eine Identifikation ist deshalb leicht möglich, weil das Inventar die oben genannten affirmativen Informationen bietet, die von heutigen Kurator*innen und Archäolog*innen eindeutig zugeordnet werden können. Im Inventar hat Schuckard die Inschriften der Becher genau wiedergegeben und die Verzierung mit Objekten seiner eigenen materiellen Gegenwart und Erfahrungswelt verglichen, in diesem Fall württembergischen Münzen.49 Neben den präzisen Größenangaben in Zoll wirkt die Sentenz des Vergleichs mit der Landmünze kaum merklich anachronistisch. Es ist zwar für viele Sammlungsinventare besonders in der Zeit vor dem 18. Jahrhundert charakteristisch, Vergleichsgrößen (‚klein wie eine Erbse‘, ‚groß wie ein Kindskopf‘) oder Näherungswerte (‚eine Hand breit‘) anzugeben,50 im Verlauf des 18. Jahrhunderts wird diese Vorgehensweise aber von den Zeitgenoss*innen und Expert*innen zusehends als unwissenschaftlich angesehen und kritisiert.51 Schuckard bewegt sich mit seiner Methodik des Inventarisierens in einem Übergang zwischen universalistischer Sammlungsordnung renaissancezeitlicher Tradition und empirischer Objektaufnahme des 18. Jahrhunderts.

Auch an anderer Stelle findet sich die detaillierte Beschreibung von Farbe, Form und Oberfläche eines Objekts durch Text und Skizze. Es handelt sich um eine als Urna bezeichnete Gefäßkeramik, die […] eines schuchs hoch, unten spitzicht [ist]/ Und im Diametro des Bodens darauf sie steht/ 3 Zoll umfasst hat. […] im eusersten Umbkreiß, wo sie am/ dückesten, halt sie 3 schue undt im Orificio/ inwendig 4 Zoll im Diametro. Das Gefäß Ist schwartz/ Von farb, und außwendig ringst herumb durch/ etliche waisse streife in unterschiedliche thail/ außgetheilt, so nicht alle mehr kentbahr, zwischen/ solchen streifen seind die spatia mitt Vielen/ gemodelten streifenvon oben an biß unten/ Zum fuß außgetheilt, wie diese figur zeiget.52 Im Anschluss an den Text folgt wie angekündigt die Zeichnung der gestreiften Oberflächenstruktur der Keramik (Abb. 5). Die Maßangaben, die nun fast alle Keramikgefäße und Objekte aufweisen, machen die Artefakte untereinander vergleichbar und offenbaren erneut die sich entwickelnden empirischen Tendenzen der Objektbeobachtung.

Funde und Befunde, Kontextualisierungen und Interpretationen in den Inventaren

Darüber hinaus wurden nicht nur die Funde, sondern auch Befunde geschildert, also die Kontexte, in denen die Objekte im Boden angetroffen wurden. Bei drei aus dem 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. stammenden latènezeitlichen Knotenringen (Abb. 6) die unweit des Hohenaspergs bei Ludwigsburg entdeckt wurden, führen die Inventare aus, dass sie bei einem toten Körper gefunden worden seien, wobei die zwei kleineren Ringe um die Arme, der größere hingegen um den Hals gelegen hätten. Diese Beschreibung wird fast wortwörtlich über nahezu 200 Jahre bis ins späte 18. Jahrhunderts hinein beibehalten.53

Allerdings erschöpfen sich die Inventare nicht allein in der deskriptiven Wiedergabe der jeweiligen Objekte und Fundumstände, sondern sie versuchen diese auch in ihre ursprünglichen Funktionszusammenhänge zu stellen bzw. zu erklären. So werden mössing54 und metallen55 Instrumenten, die gekrümmten Messern ähneln und in Winterlingen im Amt Balingen 1609 ausgegraben wurden, in Verbindung mit heidnischen Opferzeremonien gebracht (Abb. 7 und 8).

Bereits die frühen Inventare von 1624 bzw. 1654 mutmaßen, dass damit die Haiden die Thier getöttet haben uffgeopfert,56 während Schuckard daran anschließt und schreibt, dass […] solches alles heidnische instrumenta victimaria sacrificata, so sie beij schlachtung des Opferviehes gebraucht, gewesen seind.57 Mit der Nennung der Heiden wurden die Objekte mit den antiken Römern und ihren Gebräuchen assoziiert, gemäß den Aussagen antikenrezeptorischer Traktate. Die moderne Archäologie identifiziert die Winterlinger Objekte als bronze- bzw. genauer urnenfelderzeitlichen Bronzedepotfund des 9. Jahrhunderts v. Chr.58
Speziell die Römer dienten immer wieder als Projektionsfläche für die archäologischen Objekte (auch für die heute als sicher prähistorisch erschlossenen), die vor allem mit antik-heidnischen Kulthandlungen verknüpft wurden. Neben Waffen, die als Opferwerkzeuge interpretiert wurden, sind Keramikgefäße regelhaft mit dem Totenkult in Verbindung gebracht und vornehmlich als Urnen bezeichnet und gedeutet worden. Soweit in diesen noch Reste von Leichenbrand vorhanden waren, ist dies eine schlüssige Deutung. Aber auch ohne solche Relikte schien dies eine allgemeine Praxis der frühneuzeitlichen Ansprache von Keramikgefäßen zu sein. Die Kontextualisierung von Objekten erfolgte auch unter Einbeziehung zeitgenössischer Literatur und Nachschlagewerke, wie etwa des Altertumsforschers Hubrecht d. J. Goltzius (1526–1583).59 So wurden gestempelte Ziegel nicht nur als römisch identifiziert, sondern die eingeprägten Buchstabenkürzel mit Hilfe von Goltzius‘ Thesaurus, der sich ebenfalls in der Kunstkammer und später der Bibliothek befand,60 aufgelöst und somit derjenigen Legion zugewiesen, die sie einst hergestellt hatte inklusive eines Literaturvermerks.61

Objekte zwischen Rubriken und das Sammeln von Gegenständen aus dem eigenen Erfahrungshorizont

Was aufbewahrt, in die Kunstkammer transportiert und schließlich dort inventarisiert wurde, umfasste ein breites Spektrum. Grundsätzlich gelangten Objekte aus Bodenkontexten in die Sammlung, die nahezu jede Epoche tangierte, mit der sich auch die heutigen archäologischen Teildisziplinen befassen – von der Steinzeit über die Bronze- und Eisenzeit hin zur Römerzeit, wie auch dem Früh-, Hoch- und Spätmittelalter und sogar der damaligen Gegenwart, nämlich der Frühen Neuzeit, bis etwa zum Dreißigjährigen Krieg.
Daneben häufen sich die Eintragungen von in der Erde gefundenen Schwertern, Schwertknäufen und Sporen. Dies hing vermutlich damit zusammen, dass diese Gegenstände für die Zeitgenoss*innen formenkundlich klar identifizierbar und auch im eigenen frühneuzeitlichen Erfahrungshorizont präsent waren, da sie eine Verbindung zum ritterlichen und somit herrschaftlichen Milieu darstellten. In Anlehnung an die Untersuchungen von Dominik Collet62 ist hier in Bezug auf diese Art der Bodenfunde das Sammeln von „Fremdvertrautem“ naheliegend. Demzufolge wird gesammelt, was aus der eigenen Um- und Objektwelt vertraut ist bzw. vertraut scheint und bekannt bzw. vermeintlich bekannt ist, und trotzdem eine Differenz ausweist, in diesem Fall durch die Herkunft aus dem Boden das Alter bzw. die Antiquität der Funde. Somit wurden solche Objekte nicht immer wie die übrigen Funde unter den Antiquitäten eingeordnet, sondern teils auch mit den Waffen und Rüstzeug inventarisiert. So verfuhr zum Beispiel das Schuckard’sche Inventar63 mit einem Paar goldener Sporen (Abb. 9), die einem spanischen Ritter gehörten und in einem Grab in einer Kirche unweit von Ulm gefunden worden waren.64

Geschliffene neolithische Steinbeile, die als Strahlsteine bezeichnet wurden, klassifizierte man auch in Stuttgart als Naturalia, da man davon ausging, dass es sich bei diesen Objekten um materialisierte Blitze bzw. Donnerschläge und somit nicht um Artefakte, sondern um Naturprodukte handelte. Diese auf antike Autoritäten wie Plinius d. Ä. zurückgehende Vorstellung sah in ihnen den Ort im Erdreich markiert, wo der Blitz eingeschlagen hatte. Obwohl bereits im 16. Jahrhundert, etwa durch Georg Agricola und Michele Mercati, die nicht natürliche und menschliche Herkunft dieser Objekte erkannt worden war, bestand ihre Deutung als Cerauniae oder Donnerkeile parallel weiterhin fort. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts konnte sich die Erklärung als menschengemachte Werkzeuge auf breiterer Ebene durchsetzen.65 Dass sich dieser Wissenswandel nicht auch in der Stuttgarter Kunstkammer niederschlug, lässt sich mit den Praktiken des Inventarisierens und Ordnens erklären. Bereits das von Guth‘sche Inventar von 1624 führt mindestens sieben solcher Strahlsteine auf.66 Bemerkenswerterweise lassen die Beschreibungen einiger dieser Steinobjekte durchaus auf einen anthropogenen Ursprung schließen, denn sie berichten davon, dass etwa ein Stein mit einem weÿtten Loch durchbohret67 und andere auf der einen Seite geschnitten und poliert seien. Trotzdem wurden die Objekte als Gewittererzeugnisse eingeordnet und bei zweien genau berichtet, wann und wo dieselben aus dem Himmel kamen bzw. wo sie gefunden worden waren. Über 100 Jahre später, im Inventar von Johann Friedrich Vischer68 aus dem Jahr 1771 wird dann zwar ihre Ähnlichkeit mit einer Keule oder Axt herausgestrichen, aber nichtsdestotrotz bleiben die Objekte unter der Rubrik der Gesteine und werden als Lapides Fulminares bezeichnet.69 Dass diese zu jenem Zeitpunkt nicht nur für Expert*innen offenkundig fragliche Einordnung beibehalten wurde,70 mag mit der Aufbewahrung der Objekte in den beschrifteten Kästen zu tun haben, deren überkommene Ordnung man nicht durcheinander bringen wollte, als auch mit der Art und Weise, wie das Inventar erstellt wurde. In diesem Fall muss davon ausgegangen werden, dass Vischer, wie im Fall der mittelalterlichen Objekte im Antiquitätenschrank Schuckards, ältere Verzeichnisse übernahm. Entscheidend war dabei der juristische Nachweis und die Erfassung der Objekte, nicht deren wissenschaftliche Deutung oder das Einbringen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und die Aufrechterhaltung einer traditionellen Sammlungsordnung.

Im Objekt und den Inventaren über die Zeiten ,ruhendes‘ Wissen

Dass das Auffinden und der Transfer von archäologischen Objekten mitunter komplex vonstatten ging, zeigt ein Fund, der gegen Ende des Jahres 1789 in einem Weinberg in Untertürkheim bei Stuttgart gemacht wurde. Bei der Aufdeckung eines Grabes kam unter anderem ein kleines dünnes gemodeltes Gold blechlein zum Vorschein. Obwohl die ehemalige Bestimmung dieses sonderbaren Gegenstands nimmer zu errathen war, wie es in den Aktenvermerken zum Kunstkammersturz von 1791/92 heißt, wurde das kleine Goldblech zur Verwahrung auf das Cabinet71, also an den herzoglichen Hof geschickt, wo es schließlich in die Kunstkammer überführt wurde. Fünf Monate später folgten zwei weitere Fragmente gemodelten Goldblechs aus dem besagten Grab (Abb. 10 und 11).

Da weder die ursprüngliche Form noch die Funktion dieser Objekte erkannt worden waren, verzeichnete man sie nicht wie andere Objekte, die aus der Erde oder aus Grabkontexten stammten, unter der Rubrik der Antiquitäten, sondern aufgrund ihres Materialwerts und ihrer kunstvollen Herstellungstechnik unter den Artefacta neben geschnittenen Kameen. In einem mit Gold überzogenen Uhrengehäuse, überdauerten die Goldblechfragmente in der kunsthistorischen Sammlung die Zeit, bis der Archäologe Oskar Paret die Objekte in den 1930er Jahren als Reste eines alamannischen Goldblattkreuzes des 6./7. Jahrhunderts deutete. Diese Goldblattkreuze beschäftigen bis heute die moderne Frühmittelalterarchäologie und stellen eine wichtige Quelle zu Fragestellungen um Christianisierungsprozesse dar.72 Man könnte sagen, das aus der Tiefe der Erde und der Tiefe der Zeit kommende Objekt barg gewissermaßen schlafendes oder ruhendes Wissen, das in anderen Kontexten wieder neu interpretiert und eingeordnet wurde. Das Objekt wechselte in seiner Rolle als Sammlungsgegenstand die Bedeutung vom kunsthandwerklichen Artefakt zum frühmittelalterarchäologischen Forschungs-Objekt.

Finden, Transportieren und Bewahren: Die Akteur*innen in den Inventaren

Zudem lassen die Inventare die Akteur*innen des Findens, Transportieren und Bewahrens von archäologischen Objekten erkennen. Sie beschreiben, auf welche Art und bei welcher Gelegenheit die Objekte von wem aus der Erde befördert wurden. So waren es Bauern, die beim Pflügen von Äckern oder Arbeiten in Weinbergen auf Hinterlassenschaften der Vergangenheit gestoßen sind. Auch bei Baumaßnahmen wurden entsprechende Funde getätigt. In Neuenstadt am Kocher wurden Keramikgefäße von Maurern bei Abbrucharbeiten entdeckt. Im Rahmen von Schanzarbeiten förderten Soldaten bei Rheinzabern im Spanischen Erbfolgekrieg römische Gefäße zu Tage, deren sich der persönlich anwesende württembergische Herzog Eberhard Ludwig annahm und ihre Überstellung in die Stuttgarter Kunstkammer verfügte.73 Solche direkten Transportwege über die Inventare nachzuvollziehen ist die Ausnahme. Es waren häufig eher indirekte Kanäle, auf denen die Bodenfunde in die Sammlung gelangten. Als in der Ruine Weinsberg 1710 ein mittelalterlicher Henkelkrug zum Vorschein kam (Abb. 12), verkaufte der Finder, ein Maurer, denselben zunächst an den lokalen Schulbedienten. Aus dessen Händen ging das Objekt dann an die Kammerrätin Göbel über, die Affection zu dem Gegenstand verspürt haben soll, wie die Inventare vermelden.74

Die Kammerrätin wiederum verehrte den Krug schließlich an den Herzog und seine Kunstkammer, sicher nicht zuletzt, um sich der herzoglichen Gunst zu versichern.75 Häufig waren es die herzoglichen Beamten, die die Funde nach Stuttgart schickten. Dazu waren sie auch angehalten, denn in einem Reskript aus dem Jahre 1670 ordnete Herzog Eberhard III. an, solche Antiquitäten umgehend an die Kunstkammer weiter zu leiten.76
Dass der Transport und Transfer von Bodenfunden mitunter auch unvollständig sein konnte, findet in den Inventaren ebenso ein Echo: So bemerkt Antiquar Johann Schuckard verärgert in seinem Inventar, dass im Jahre 1705 in Neuenstadt am Kocher Urnen aufgedeckt wurden, die aber durch die Unvorsichtigkeit eines Maurers nicht nur zerbrochen, sondern auß Unverstand desselben auch noch die darin befindlichen Gebeine und Asche ausgeschüttet worden seien.77 Somit kam lediglich nur eine Urne in die herzogliche Sammlung bzw. in ihr Inventar, ohne den von Schuckard genauso wertvoll und wichtig erachteten Inhalt, nämlich den Leichenbrand.

Fazit

Auch wenn archäologische Objekte nur einen vergleichsweise geringen Umfang im Gesamtbestand von frühneuzeitlichen Sammlungen und Kunstkammern einnahmen, lassen sich an ihnen die Praktiken vormodernen Auffindens, Aufbewahrens und Inventarisierens anschaulich nachvollziehen. Anhand ihrer Verzeichnung in den Inventaren werden die zeitgenössischen Sinn- und Bedeutungszuweisungen sichtbar. Damit verbunden spiegelt sich in den Inventaren die Mobilität bzw. Immobilität der Objekte wider, nicht nur innerhalb der jeweiligen Ordnungskategorien, sondern auch über Zeiten und Räume hinweg.
Dabei lassen sich ansatzweise Objektbiographien bzw. -itinerare78 entwerfen, die die Relikte der Vergangenheit aus dem Boden einerseits dekontextualisieren, aber auch jeweils neu einordnen: In ihrem ursprünglichen prähistorischen, frühgeschichtlichen oder mittelalterlichen Gebrauchszusammenhang wurden sie zufällig oder intentionell sedimentiert, ehe sie ebenfalls aus Zufall oder gezielt im 16., 17. oder 18. Jahrhundert entdeckt und ausgegraben wurden, nach bestimmten Wissensbeständen und damit Ordnungszusammenhängen in Sammlungen bewahrt wurden (die mitunter auch wechseln konnten), ehe sie im 19. und 20. Jahrhundert häufig den Grundstock für moderne Museen und Sammlungen bildeten und bis heute Gegenstand der Archäologie sind, die nun im beginnenden 21. Jahrhundert mit ganz neuen Fragestellungen an sie herantritt und auch diese zukünftig wohl immer wieder modifizieren wird. Damit ist der Prozess des Dekodierens und Kodierens von archäologischen Objekten kein abgeschlossener Vorgang – er dauert an, von der Frühen Neuzeit bis in unsere Gegenwart.
Über die Inventare sind die Deutungs- und Aneignungsprozesse fassbar, mit denen die aus dem Erdreich stammenden materiellen Relikte einer mehr oder weniger weit entfernten Vergangenheit in die Welt der Frühen Neuzeit eingepasst und wahrgenommen wurden. Die mitunter ausführlichen Inventareinträge bemühten sich die Objekte in ihre historischen Gebrauchs- und Funktionszusammenhänge zu stellen. Leitend waren dabei die zeitgenössischen Wissensbestände über diese Antiquitäten bzw. vergangenen Zeiten. Innerhalb dieser Vorgänge änderten die Objekte entsprechend ihren Status, der mit sozialen Praktiken zu tun haben konnte: Archäologische Funde wurden als Träger historischen Wissens und Erinnerns, als begehrte Ware, angekauft, oder aus dem Territorium durch herzogliche Amtsträger oder gesellschaftliche Eliten verehrt, um sich dem Stuttgarter Hof zu empfehlen.
Wenn man die Inventare danach befragt, inwieweit über das Sammeln und Ordnen der Archäologika neues Wissen generiert wurde, ergibt sich ein differenziertes Bild.79 Während einige Objekte ungeachtet des damals jeweils gültigen Wissensstandes weiterhin in ,falschen‘ Objektkategorien verharrten, schafften es andere Funde in eine weitere Rubrik des Inventars zu wandern. Dies korreliert offensichtlich mit den Praktiken des Inventarisierens. Darauf ausgelegt, die Sammlung in Zeiten des Übergangs in erster Linie in ihrem Ist-Zustand zu dokumentieren und rechtlich zu fixieren, erwiesen sich die Inventare häufig als nur bedingt flexibel, neue Erkenntnisse zu beachten. Im Zuge dessen konnten Informationen verloren gehen, aber auch bis dato nicht Genanntes konnte in späteren Verzeichnissen Erwähnung finden. Für die Stuttgarter Kunstkammer und ihre archäologischen Objekte ergibt sich über das 17. und 18. Jahrhundert betrachtet ein komplexes Beziehungsgeflecht aus Wissen und Inventarisierungspraktiken, die eng miteinander verschränkt sind.

Fußnoten

  1. Mit archäologischen Objekten ist die Vielfalt materieller Relikte gemeint, die heute Gegenstand der Fächer Ur- und Frühgeschichte, Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, Klassische und Provinzialrömische Archäologie sind. Diese heutige fachliche Ausdifferenzierung war in der Frühen Neuzeit nicht gegeben. Es galten andere, meistens weiter gefasste Wissenskategorien, die auf die Archäologika bezogen, Objekte jedweder Epoche berücksichtigten, vgl. Schnapp 2013, S. 145.
  2. Die historische Archäologie beschäftigt sich mit denjenigen Epochen, in denen neben archäologischen auch historische Quellen zur Verfügung stehen. Den deutschsprachigen Raum und Inventare betreffend, ist dies in erster Linie das Fach der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie.
  3. Vgl. dazu exemplarisch Bedell 2000.
  4. Vgl. zu einem breiten Verständnis frühneuzeitlicher Praktiken den Sammelband Brendecke 2015.
  5. Wie etwa Eggers 2006, S. 30f.; Eggert 2006, S. 37; Trachsel 2008, S. 20; englischsprachige Einführungen folgen diesem Erzählmuster ebenso, vgl. Renfrew/Bahn 2004, S. 22; Renfrew/Bahn, 2009, S. 16.
  6. Z. B. Eberhardt 2011.
  7. Klassiker zu dieser prozessualen Herangehensweise an archäologische kulturelle Formationsprozesse: Schiffer 1987; Sommer 1991.
  8. Stellvertretend sei z. B. auf die aktuelle zweibändige archäologiehistorische Studie von Barbara Sasse verwiesen, die sich an mehreren Stellen mit Sammlungen und auch Inventaren auseinandersetzt. So erkennt sie in der enzyklopädischen Sammlung der Renaissance eines der wichtigsten Foren für die Entwicklung der naturwissenschaftlichen Fächer und auch der Archäologie, vgl. Sasse 2017, S. 345. Auch für das 17. und 18. Jahrhundert schreibt Sasse 2018, S. 20–22, den Sammlungen diese wichtige Rolle zu. Die nun erfolgte Weiterentwicklung der Systematisierung sei durch Inventare vorangetrieben worden. Schnapps ideengeschichtlicher Ansatz einer universellen Archäologiegeschichte nimmt Sammlungen als Orte wahr, die Hand in Hand mit antiquarischer Forschung einhergehen und stellt dort v. a. die antiquarischen Akteure und deren Denkmuster und Methodik in den Vordergrund, Schnapp 2011, S. 178, S. 183–195.
  9. Kreienbrink 2010; Veit/Wöhrl 2014.
  10. Rütsche 2010.
  11. Sauerländer 2008.
  12. Syndram/Minning 2010.
  13. Z. B. für die Münchner Kunstkammer Diemer P. 2004; Syndram/Minning 2012.
  14. Für die Geschichtswissenschaft exemplarisch Schmidt-Funke 2019, bes. S. 24, S. 15 Anm. 14.
  15. Besitzverzeichnisse, die bei Eheschließung und Tod in den württembergischen Territorien, juristisch verpflichtend, angelegt werden mussten und in ihrer Überlieferung eine hohe Dichte und Systematik aufweisen.
  16. Vgl. hierzu Bidlingmaier 2005, S. 21–27 und Mannheims 1991.
  17. Archäologika sind selbstverständlich nicht nur Bestandteil adliger, sondern auch gelehrter privater, bürgerlicher bzw. gemeinschaftlicher Kollektionen von Sozietäten. Auf den ersten Blick sind die Sammlungen in Grundzügen ähnlich. Aber im Detail bezüglich des Umgangs mit dieser Objektgruppe ist doch jede wieder individuell, was Verfügbarkeiten und Zufällen beim Erwerb der Objekte und Interessen der Sammler*innen geschuldet ist, vgl. Collet 2010.
  18. Zur württembergischen Kunstkammer auch Fleischhauer 1976; Landesmuseum Württemberg 2019.
  19. Riello 2013, S. 139.
  20. Es bestätigt sich Riellos Beobachtung, dass auch sehr knapp ausgeführte Inventare entscheidende Informationen, beispielsweise zu Farbe, Zustand (Hauptstaatsarchiv Stuttgart [HStAS] A20a Bü 19, S. 17 Randvermerk: zerbrochen/ zugegen), aufweisen können, vgl. Riello 2013, S. 129.
  21. Allgemein zu seriellen Quellen im deutschen Südwesten, vgl. aus archivwissenschaftlicher Sicht Keitel/Keyler 2005.
  22. Riello 2013, S. 138.
  23. Vgl. Matuschek 2004, S. 333 f.; Sauerländer 2008, S. IX.
  24. Cremer 2017, S. 72.
  25. Riello 2013, S. 127, 136. Zu den Entstehungsprozessen von Inventaren siehe auch die Monographie von Mannheims 1991, die aus der volkskundlichen Sicht weniger facettenreich vor allem auf die juristischen Entstehungsbedingungen abhebt.
  26. Riello 2013, S. 136, 139f.
  27. Speziell auf die Objektkategorie der Bronzen der Münchner Kunstkammer bezogen geht z. B. Diemer D. 2008, S. 267 sowohl von einer situativen als auch kontextgebundenen Verwendung des Begriffs alt aus, die ihrer Ansicht nach keine genaue Datierung beinhalten muss. Mannheims 1991, S. 36–54 weist auf die Rolle der Schreiber bzw. Verfasser hin, deren Ausbildung, Prägung und Persönlichkeit wesentlichen Einfluss auf die Entstehung der Inventare nimmt.
  28. Zu einem ähnlichen Phänomen, der Korrelation des „exotisch Fremden“ und des „historisch Fremden“ s. Collet 2007, S. 195–202.
  29. Vgl. Eppler 2019, S. 252 mit Anm. 21.
  30. HStAS A20a Bü 6, S. 29–33.
  31. HStAS A20a Bü 4, fol. 50v–51r, 95r–138r.
  32. HStAS A20a Bü 4, fol. 95r–96r (Metall), 96v (Glas), 96v–97v (Keramik), 96v (Lampen), 97v–98r (Ringe und Perlen).
  33. Fleischhauer 1976, S. 48f.
  34. Konzen 2019, S. 48.
  35. Fleischhauer 1976, S. 77; Konzen 2019, S. 48.
  36. HStAS A20a Bü 204, S. 403.
  37. Vgl. HStAS A20a Bü 4, fol. 97r: Zwölff alte haidnische Geschürrlein von schwarzer erden, welche zum Thail Buchstaben, zum Thail sunsten Charakters haben, sindt under der Erden, und inn allten gräbern gefunden worden. […] / Ein allter haidnischer Krug mit zwom handtheben, von rother Erden, ist eine Urna / Dreÿ allte haidnische Geschürrlein von ganz rother Erden / Ein alltes Schüsselein, von Erden / Sechs Urna mortuorum, oder häfen von Erden, mit handthaben, unden gar sehr zugespitzt, under welchen in einem noch Asche, und kleine beinlein seindt, sein anno 1574 nicht weijt von Straßburg in haidnischen gräbern gefunden worden / Ein zimblich großes Häfe[lin] […] grab gefunden. Ist auch eine urna / Dreÿ Urna oder große Häfen, so […] sein, und under der erden gefunden.
  38. Johann Schuckard (1640–1725) lehrte als Professor Mathematik und Naturwissenschaften am Gymnasium Illustre in Stuttgart, als er 1690 zum Kunstkammerantiquar berufen wurde. Vgl. dazu Konzen 2019, S. 49. Zum Inventar, s. HStAS A20a Bü 19.
  39. Konzen 2019, S. 48.
  40. Einem von insgesamt 23 Schränken der Kunstkammer mit zusätzlich frei im Raum aufgestellten Objekten.
  41. HStAS A20a Bü 12, S. 59.
  42. HStAS A20a Bü 19, S. 2–4.
  43. HStAS A20a Bü 19, S. 5–11, 13–18.
  44. HStAS A20a Bü 19, S. 19f.
  45. HStAS A20a Bü 19, S. 21, 22.
  46. Kelche, Bischofsstäbe und Patenen wurden v. a. Gräbern kirchlicher Würdenträger beigegeben s. Brandt 1988.
  47. HStAS A20a Bü 19, S. 6.
  48. Willburger 2019, S. 290f.
  49. Bei einer so genannten Landmünze handelte es sich um Geld, das nur in dem jeweiligen ausgebenden Territorium angenommen werden musste und keine zwingende Akzeptanz auf Reichsebene besaß. Zu den württembergischen Münzen s. Klein/Raff 1992 und Klein/Raff 1993.
  50. Diemer P. 2004, S. 13.
  51. Mencfel 2008, S. 357.
  52. HStAS A20a Bü 19, S. 3.
  53. HStAS A20a Bü 4, fol. 95r; Bü 6, S. 29; Bü 204, S. 403; Bü 19, S. 10; Bü 83, S. 17.
  54. In den Inventaren, die vor 1700 datieren HStAS A20a Bü 4, fol. 95r und Bü 6, S. 29f. sind diese aus Mössing.
  55. In den Einträgen nach 1680/90 werden diese als metallen bezeichnet HStAS Bü 12; Bü 19, S. 9; Bü 83, S. 16.
  56. HStAS A20a Bü 4, fol. 95r f. und Bü 6, S. 29f. nahezu gleichlautend.
  57. HStAS A20a Bü 19, S. 9 Lit: γ.
  58. Hoppe 2019, S. 269f.
  59. Goltzius 1579.
  60. Ab 1684 ist dieser in den Inventaren der Kunstkammer nachgewiesen: HStAS A20a Bü 30, fol. 17r Huberti Goltziÿ Thesaurus rei antiquaria. Antverpia 1579.
  61. HStAS A20a Bü 4, fol, 97r; Bü 6, S. 32.
  62. Collet 2007, S. 334, führt anhand ethnographischer Objekte vor, dass bevorzugt solche gesammelt wurden, die „als fremdartig wahrgenommen wurden, gleichzeitig aber mit vergleichbaren europäischen Objekten korrespondierten.“ Er bezieht sich hierin auch auf Kiening 2006.
  63. HStAS A20a Bü 25, S. 7.
  64. Vgl. Eppler 2019, S. 969f.
  65. Goodrum 2002; Meinecke 2014.
  66. HStAS A20a Bü 4, fol. 57r.
  67. HStAS A20a Bü 4, fol. 57r.
  68. Zu Vischer, siehe Konzen 2019, S. 49f.
  69. HStAS A20a Bü 89. Paret 1929, S. 29f.
  70. So wird im Zedlerschen Universal-Lexicon 1734, Sp. 1282f. die Deutung als Donner-Keile als Aberglauben bezeichnet.
  71. HStAS A20a Bü 134, Nr. 87, 89, 21, 25; Bü 130, fol. 29v; Bü 151, fol. 38v–39r. Vgl. auch Eppler 2019, S. 298–301.
  72. Dazu jüngst Terp-Schunter 2018.
  73. Vgl. HStAS A20a Bü 19, S. 10, 12f., 18.
  74. HStAS A20a Bü 19, S. 18.
  75. Eppler 2019, S. 305f.
  76. HStAS A20a Bü 183.
  77. HStAS A20a Bü 19, S. 2f.
  78. Vgl. dazu Siebenhüner 2018, S. 25.
  79. Zu diesem Aspekt vgl. Collet 2007, S. 329.

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Schmidt-Funke, Julia A.: Zur Sache. Materielle Kultur und Konsum in der Frühen Neuzeit. In: Schmidt-Funke, Julia A. (Hg.): Materielle Kultur und Konsum in der Frühen Neuzeit. Göttingen 2019, S. 11–36.
Wird erwähnt in Fußnote: [14]

Schnapp, Alain: Die Entdeckung der Vergangenheit. Ursprünge und Abenteuer der Archäologie. 3. Aufl. Stuttgart 2011.
Wird erwähnt in Fußnote: [8]

Schnapp, Alain: The Antiquarian, the Collector, and the Cultural History of the Material World. In: Miller, Peter N. (Hg.): Cultural Histories of the Material World. Ann Arbor 2013, S. 144–150.
Wird erwähnt in Fußnote: [1]

Siebenhüner, Kim: Die Spur der Juwelen. Materielle Kultur und transkontinentale Verbindungen zwischen Indien und Europa in der Frühen Neuzeit. (Ding, Materialität, Geschichte, 3) Köln/Weimar 2018.
Wird erwähnt in Fußnote: [78]

Sommer, Ulrike: Zur Entstehung archäologischer Fundvergesellschaftungen. Versuch einer archäologischen Taphonomie. In: Mattheußer, Elke/Sommer, Ulrike (Hg.): Studien zur Siedlungsarchäologie I. Bonn 1991, S. 51–174.
Wird erwähnt in Fußnote: [7]

Syndram, Dirk/Minning, Martina: Die Kurfürstlich-Sächsische Kunstkammer in Dresden. Die Inventare von 1587, 1619, 1640, 1741. 4 Bände. Unter Mitarbeit von Jochen Vötsch. Dresden 2010.
Wird erwähnt in Fußnote: [12]

Syndram, Dirk/Minning, Martina (Hg.): Die kurfürstlich-sächsische Kunstkammer in Dresden. Geschichte einer Sammlung. Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Dresden 2012.
Wird erwähnt in Fußnote: [13]

Terp-Schunter, Martina: In signo crucis. Eine vergleichende Studie zu den alamannischen und langobardischen Goldblattkreuzen. Büchenbach 2018.
Wird erwähnt in Fußnote: [72]

Trachsel, Martin: Ur- und Frühgeschichte. Quellen, Methoden, Ziele. Zürich 2008.
Wird erwähnt in Fußnote: [5]

Veit, Ulrich/Wöhrl, Matthias (Hg.): Donnerkeil – Opfermesser – Thränengefäß. Die archäologischen Objekte aus der Sammlung der Leipziger Apothekerfamilie Linck (1670-1807) im Naturalienkabinett Waldenburg (Sachsen). Leipzig 2014.
Wird erwähnt in Fußnote: [9]

Willburger, Nina: Zeugnisse römischer Zeit, In: Landesmuseum Württemberg (Hg.), Die Kunstkammer der Herzöge von Württemberg. Bestand, Geschichte, Kontext. Bd. 1. Heidelberg: arthistoricum.net, 2019, S. 272–291. online.
Wird erwähnt in Fußnote: [48]

Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges/ Universal/-Lexicon/ aller Wissenschafften und Künste,/ Welche bißhero durch menschlichen Verstand und Witz/ erfunden und verbessert worden. Bd. 7. Halle/Leipzig 1731-1754, Sp. 1282–1283. online.
Wird erwähnt in Fußnote: [70]