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MEMO #13: Tinte

Erstveröffentlichung: 02.2026
Herausgeber:
Johannes Deibl
Kontakt: johannes.deibl@stiftmelk.at
Institution: Benediktinerstift Melk, Bibliothek
Matthias Däumer
Kontakt: matthias.daeumer@plus.ac.at
Institution: IMAREAL Krems
Empfohlene Zitierweise: MEMO 13 (2026): Tinte. doi: 10.25536/2023-2932132026

ISSN: 2523-2932

Titelbild: Schreibutensilien. Ausschnitt aus: Matteo di Giovanni, Heiliger Hieronymus im Gehäuse, 1482, Harvard Art Museum (Foto:  © Havard Art Museum, Cambridge Mass. USA)

Tinte ist mehr als nur ein Schreibstoff. In MEMO #13 geht es um einen alltäglichen Gegenstand: die flüssige Substanz, mit der über Jahrhunderte hinweg von Hand geschrieben wurde. Die Autor*innen der vorliegenden Ausgabe untersuchen diesen historischen Schreibstoff aus unterschiedlichen Blickwinkeln und berühren hierbei Perspektiven, die das IMAREAL seiner Erforschung materieller Kulturen zugrunde legt: Objektverbindungen, sinnlich wahrnehmbare Materialeigenschaften, überliefertes Materialwissen wie auch Bedeutungszuschreibungen und -verschiebungen.

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Inhalt

Einleitung

Johannes Deibl
Die Beiträge der vorliegenden Ausgabe öffnen den Blick für historische Diskurse um das Substrat, mit welchem das geschriebene Wort fixiert werden kann und das ihm ein 'Gesicht' verleiht. Die Zugänge sind bestimmt von einer großen disziplinären Breite: in den historisch orientierten Beiträgen von Johannes Deibl und Doris Oltrogge werden Konnotationen und Diskurse um Tintenrezepturen beleuchtet, Pol Edinger interpretiert gemalte Darstellungen von Schreibakten, die, ebenso wie Annett Martinis Aufsatz über koschere Tinten, eine heilsgeschichtliche Komponente beinhalten. Im Gemeinschaftsbeitrag von Christa Hofmann, Dubravka Jembrih-Simbürger, Maurizio Aceto und Federica Cappa verbindet sich das interdisziplinäre Potenzial von Wissenschaft und Restaurierung in der Erforschung historischer Gold- und Silbertuschen.

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Tintenrezepte als Quelle für Schreiberwissen und materielle Kultur in Mittelalter und Früher Neuzeit
Doris Oltrogge
Von der Antike bis in die jüngere Neuzeit waren Eisengallustinten das wichtigste Medium der (hand-)schriftlichen Kommunikation. Ihre Bedeutung für die Schriftkultur dokumentieren auch zahllose mittelalterliche und frühneuzeitliche Herstellungs­rezepte. Der Artikel untersucht exemplarisch anhand handschriftlicher und gedruckter Rezeptsammlungen des 15. und 16. Jahrhunderts aus dem deutschsprachigen Raum das Wissen der Schreibenden über die Herkunft und Eigenschaften der Rohstoffe und über Verfahren, daraus Tinten mit bestimmten Qualitäten zu produzieren, sowie ferner die Kontexte und Wege des Wissenstransfers.

Das rabbinische Ideal einer koscheren Tinte

Annett Martini
Die Herstellung der sogenannten STaM – Akronym für Sefer Torah, Tefillin, Mezuzot – ist seit der Antike zahlreichen rabbinischen Regeln unterworfen. Diese betreffen die Beschaffenheit des Pergaments, die materialen Eigenschaften der Schreibgeräte, das festgelegte Layout, die kanonisierten Buchstabenformen sowie die Zusammensetzung einer koscheren Tinte zum Schreiben einer rituell reinen Torarolle und der kleinen Schriftrollen in den Tefillin und Mezuzot. Dieser Artikel wird sich auf der Grundlage ausgewählter halachischer – d.h. religionsgesetzlicher – Quellen mit der Frage beschäftigen, was eine solche Tinte ausmacht und in welchem Verhältnis dieses halachische Ideal zur Praxis steht.

Die Tinte als Gegenstand gelehrter frühneuzeitlicher Betrachtung

P. Caneparius‘ De atramentis cuiuscunque generis (1619)
Johannes Deibl
Der folgende Beitrag beleuchtet die historische Materialität von Tinte anhand einer frühneuzeitlichen Monografie des venezianischen Arztes Petrus Caneparius (Ende 16. Jhdt./Anfang 17. Jhdt.). In De atramentis cuiuscunque generis (1619) wird diese nicht wie gebräuchlich durch eine reine Wiedergabe von Rezepten vermittelt. Der Autor eröffnet stattdessen einen Gegenstand gelehrter Betrachtung, der mittels Formen spezifischer Präsentation (historische Dimension, Autoritätenreferenzen, Diskurspolemik, Autorinszenierung) über den gewöhnlichen Zugang hinausreicht, in diesem Ansatz aber beinahe singulär bleibt. Gleichzeitig zeigt sich anhand der Ausführungen die stärker werdende Geltung von Erfahrungswissen als ein Paradigma gelehrter Naturbetrachtung. Die gewonnene Wahrnehmung im Experiment wird zum berücksichtigten Argument.

Federkiel und Gotteswort

Zu Schreiben und Schrift in Darstellungen des Heiligen Hieronymus
Pol B. Edinger
Als wichtigster Übersetzer der Bibel ist die Figur des Heiligen Hieronymus aufs engste mit der Tätigkeit des Schreibens und der (Heiligen) Schrift verknüpft. Unzählige Darstellungen in der bildenden Kunst zeigen ihn medienübergreifend in Innen- wie Außenräumen schreibend oder meditierend. Die visuellen Darstellungsvarianten von Schrift ermöglichen dabei eine Vielzahl von Interpretationen zwischen Ikonizität, Semiotik und Materialität des sichtbaren Wortes. Ihr Ziel ist dabei dasselbe: Darstellung Schrift und Schriftträger ikonisch aufs engste mit dem Kirchenvater Hieronymus zu verbinden.

Gold- und Silbertuschen

Drei Beispiele aus drei Jahrhunderten
Christa Hofmann | Dubravka Jembrih-Simbürger | Maurizio Aceto | Frederica Cappa
Die Gold- und Silbertuschen von drei Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek – der Wiener Genesis, dem Dagulf-Psalter und dem Stundenbuch des Galeazzo Maria Sforza (Schwarzes Gebetbuch) – wurden mit verschiedenen Methoden untersucht. Die Kombination von visueller Beobachtung, Materialanalyse (FORS, RFA, Raman-Spektroskopie) und Rekon­struktionen half die Herstellung und den Zustand der Kunstwerke besser zu verstehen. Auf Basis dieser Erkenntnisse wurden Konservierungsmaßnahmen entwickelt. Die Arbeiten an der Wiener Genesis und am Dagulf-Psalter sind abgeschlossen, jene am Stundenbuch werden fortgesetzt.