Hinführung
Im Zentrum dieser Ausführungen steht das Druckwerk De atramentis cuiuscunque generis (1619) des venezianischen Arztes Petrus Caneparius (Lebensdaten unbekannt). Das atramentum, in dessen Bedeutungsvielfalt die Tinte einen zentralen Aspekt bildet, wird in seiner materiellen Beschaffenheit und Funktionsvielfalt beschrieben und reflektiert. Die breite Anwendbarkeit von Tinte wird ihrerseits an Fragen der Herstellung, Aufbewahrung, Transportfähigkeit und Haltbarkeit rückgebunden. Die Leserschaft wird mit einer komplexen Thematik vertraut gemacht, deren Kenntnis der Autor für vermittelbar hielt. Für diesen Zweck beließ er es nicht bei der geläufigen Form des Rezeptes, sondern stellte eine Beschäftigung darüber hinaus bereit: Durch spezifische Formen der Präsentation (historische Dimension, Autoritätenreferenzen, Diskurspolemik, Autorinszenierung) wurde aus einem Gegenstand der praktischen Anwendung und Vermittlung einer von gelehrter Betrachtung.
Caneparius‘ De atramentis cuiuscunque generis kam zuerst 1619[1] auf den Markt, weitere Ausgaben folgten 1660[2] und 1718[3]. Gerade aus Italien war eine intensive praktische Auseinandersetzung von Ärzten und Alchemisten mit dem Schreibstoff Tinte vor und zu Lebzeiten des Autors bekannt. Eine mit De atramentis vergleichbare Publikation, die sich dem Gegenstand ähnlich elaboriert und mittels gelehrter Techniken gewidmet hätte, gab es nicht. Der Nebentitel „Opus Sanè nouum hactenus à nemine promulgatum in sex Descriptiones digestum“ preist nicht umsonst ein noch nie in dieser Weise erhältlich gewesenes Werk an.[4] Caneparius, noch im 20. Jahrhundert als „the most outstanding ink scientist of the seventeenth century“[5] angepriesen, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, das atramentum in einem knapp 400 Seiten umfassenden Werk auszubreiten. Alleine die Schreibtinte sollte zwei Großkapitel füllen und mehr als 80 Seiten umfassen – das alles in spezifischer Aufbereitung.
Um von einem Gegenstand gelehrter Betrachtung der Frühen Neuzeit[6] sprechen zu können, ist zunächst abzuklären, was darunter zu verstehen ist. H. Jaumann umfasst die Gelehrenkultur zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert allgemein wie folgt:
Darunter wird nicht nur die intellektuelle und theoretische, sondern auch die soziale und materielle Kultur verstanden, in der der gelehrte Autor lebt und für die er schreibt. In der europäischen Frühen Neuzeit ist ein Gelehrter eine Person, die in der Regel Institutionen des gelehrten Unterrichts durchlaufen hat und mit bedeutenden Schriften hervorgetreten ist.[7]
Caneparius durchlief seinen gelehrten Unterricht an der medizinischen Fakultät der Universität Venedig. Seine publizistische Tätigkeit beschränkte sich, soweit überliefert, auf die genannte Schrift. Diese aber hatte unmittelbaren Einfluss, wie Neuausgaben der folgenden hundert Jahre nahelegen. Bedeutende Gelehrtenbibliotheken führten Exemplare des Textes, was seine Rezeption in intellektuellen Kreisen Europas bezeugt.[8] Noch die Neuauflage von 1718 wurde in einschlägigen Publikationsorganen weiterer Sprachräume rezensiert.[9] Allgemeine barocke Gelehrtenlexika (Jöcher/Mencke) und medizinische Fachlexika (Kestner) wiesen Caneparius und seine Schrift durch Einträge aus.[10] Auch wenn die erweiterten chemischen Kenntnisse zum Gegenstand im Laufe der folgenden Jahrhunderte (unter anderem durch R. Boyle, W. Lewis, C. W. Scheele und A. Leonhardi) manche Expertisen des Arztes hinfällig gemacht haben,[11] bleibt der Referenzstatus des Textes in Fragen des historischen Umgangs mit dem Gegenstand bis heute aufrecht.[12]
Damit die Tinte bei Caneparius als ein Objekt gelehrter Betrachtung festgemacht werden kann, müssen Zugang und Präsentation, also der grundsätzliche Umgang mit dem Gegenstand in Text- und Buchform, auf spezifische Weise gestaltet sein. Dass auch die materielle Kultur im unmittelbaren Wirkungsbereich eines Gelehrten (die Tinte als obligatorischer Bestandteil der Schreibausstattung) in den Fokus intellektueller Betrachtung rücken konnte, bildet einen besonderen Reiz von De atramentis.
Schon die Titelblattillustration der Erstausgabe verweist mit der Abbildung einer stilisierten gleicharmigen Waage und dem eingefassten Spruch „Aequali lance librata nil clarius chaos“ auf die klärende Wirkung eines objektiven Blicks auf die Welt.[13] Die Ausgabe von 1660 führt keinen Kupferstich mehr, das Titelblatt ist schmucklos-funktional gestaltet. In der Ausgabe von 1718 wurde wiederum eine Illustration platziert, die aber einen anderen Weg wählt: Der antike Gott Hermes/Merkur (Flügelhelm, Hermesstab) schwebt über dem Planeten, während Bücher, die er in seinem Füllhorn mit sich trägt, auf der Erde verstreut werden. Der Spruch „Terrarum ubique munera spargit“ korrespondiert sinngemäß mit diesem Akt einer weltumspannenden Demokratisierung von Buchwissen.
Wahrscheinlich bezieht sich das Motiv dabei stärker auf die tatsächliche Distribution der Werke (Merkur als Gott der Händler) als auf die ‚geistige Urheberschaft‘ der Texte. Nicht umsonst findet sich die Illustration vermehrt bei Druckerzeugnissen des Leipziger Verlagsbuchhändlers Caspar Fritsch, der auch für diese Ausgabe verantwortlich zeichnete.[14] Beide Kupferstiche (1619, 1718) suggerieren der Leserschaft, mit dem vorliegenden Band tief in nutzbringende Lektüre einzutauchen.
Aufbau der Gegenstandsvermittlung
Damit gelehrte Lesepraktiken jener Zeit (intensives Lesen, organisiertes Exzerpieren, Memorieren des Geschriebenen) ihre Wirkung entfalten können, braucht es eine nachvollziehbare Ordnung im Werk.[15] Caneparius‘ Text wurde gemäß den Angaben auf dem Titelblatt in sechs Großkapitel unterteilt, denen im Weiteren noch 155 Abschnitte unterstehen. Die oberste Ebene ist paratextuell bereits vor dem Haupttext aufgelistet („Elenchuus descriptionum, quae in opere continentur“). Hier wird die Leserschaft mit der Bedeutungsvielfalt des Begriffs atramentum vertraut gemacht, die weit mehr als nur die Schreibtinte (atramentum scriptorium) umfasst. Schon in der antiken Handhabung des Begriffes finden sich darin auch die Schusterschwärze (atramentum sutorium) und die Tusche (atramentum tectorium) wieder. Caneparius eröffnet dabei ein vergleichsweise weites Feld.
In der „Descriptio Prima“ wird zunächst der mineralische Pyrit abgehandelt, der als Ursprung der atramenta und der Metalle ausgemacht wird („de lapide Pyrite Metallorum, & Atramentorum stirpe“). Mit der „Descriptio Secunda“ spricht Caneparius vorzugsweise über den Calcit als ein ‚metallisches Atrament‘ („de Atramento Metallico, praesertim Chalcity“), wobei sich ihm gerade Fragen der Verwendung für das Allheilmittel Theriak aufdrängen. Hier tritt beim Autor deutlich der Arzt hervor. In der „Descriptio Tertia“ nimmt Caneparius die Schusterschwärze in den Fokus („Atramento Sutorio, vulgo Vitriolo“). Erneut beschäftigt ihn die medizinische Anwendung des Gegenstandes, vorzugsweise im Fall der Kupferrose („cum expositione Coparosae“).[16] Die „Descriptio Quarta“ widmet sich nun der Schreibtinte („de Atramento scriptorio“) in ihrer vielfältigen Beschaffenheit. Dass sich dieser Begriff beim Autor nicht in schwarzen Substanzen erschöpft,[17] zeigt sich in der „Descriptio Quinta“, in der verschiedenfarbige Schreibtinten behandelt werden („cum alijs pigmentis diuersicoloris, scriptoris“). Den Schluss machen mit der „Descriptio Sexta“ zahlreiche Ausführungen zu Anwendungsmöglichkeiten rund um das Vitriolöl („de varijs operationibus ex Vitriolo gerendis“), wobei hier das experimentell-alchemistische Interesse des Gelehrten besonders hervortritt.
Die Großkapitel sind strukturell homogen aufgebaut: Sie werden jeweils von Abschnitten eingeleitet, die sich als grundsätzliche Hinführungen zum behandelten Gegenstand präsentieren. So startet etwa die „Descriptio Quarta“ mit Ausführungen zur Notwendigkeit und Herkunft der Schreibtinte („Atramenti scriptorij necessitas, & Origo“).[18] Erst im Anschluss wird auf Unterschiede in ihrer Beschaffenheit eingegangen („Plurimae Atramenti Scriptorij sunt differentiae“).[19] In der weiteren Spezifizierung reichen die Abschnitte von der sympathetischen Tinte („Plerique modi scribendi literas latentes“)[20] über Eigenheiten der Druckfarbe („Typographorum, Calcographorumve atramentum“)[21] bis hin zu Erklärungen, wie man weiße Buchstaben auf schwarzem Beschreibstoff fixieren könne („Duplici modo literae fiunt albae in nigro paginae agro“).[22]
Nimmt man an dieser Stelle einschlägige frühneuzeitliche Bände in den Blick, die Passagen zur Materialität von Tinte führen, so zeigen sich im Abgleich mit De atramentis deutliche Unterschiede im Zugriff. Da der Gegenstand meistens im Rahmen von thematisch breit gefächerten Kompilationsschriften aufscheint, bildet etwa die Hausväterliteratur eine Referenzgattung dafür: Im Rahmen der Ökonomik des Adels ist der Umgang mit der Tinte unmittelbar notwendig (Buchhaltung, Kontrakte, Korrespondenz, Kennzeichnung, Notate etc.). Die entsprechenden Publikationen bilden diese Relevanz aber kaum ab: J. Colers Oeconomia Ruralis et Domestica (Ausg. 1645) stellt zwar Tintenrezepte für unterschiedliche Gebrauchssituationen bereit, doch enden die Informationen dazu bereits nach wenigen Spalten.[23] Bezeichnend ist dabei vor allem die Rubrik, unter der die Ausführungen laufen: das Quodlibet („Quodlibeticus“). Dieser aus der Musikpraxis entlehnte Begriff des ‚scherzhaften Allerleis‘ umschreibt passend, welche Funktion die Tinte im Werk einnimmt: jene eines Versatzstückes, das beliebig eingestreut werden kann. Gut sichtbar wird dieser Modus auch anhand eines späteren Beispiels derselben Buchgattung: T. Franz‘ Der treue Rathgeber in der Haus= und Landwirthschaft (1798) setzt den Beitrag „Rothe Dinte zu machen“ zwischen die Abschnitte „Von dem Kerzenziehen, und wie man in einem Tage 500 Kerzen oder Unschlittlichter verfertigen kann“ und „Sicheres Mittel gegen Verrenkung der Pferde im Knie oder Unterschenkel“.[24]
Im natur- und heilkundlichen Bereich verhält es sich kaum anders: Beim Bestseller De secreti del R. D. Alessio Piemontese (1555) des Arztes und Alchemisten Girolamo Ruscelli (1500/1504−1566) sind die Rezepte zur Tinte innerhalb weniger Seiten abgehandelt.[25] Das ist insofern bemerkenswert, als das Werk als eine der frühneuzeitlichen Hauptquellen zum Gegenstand bekannt ist. Ein Fokus, wie ihn Caneparius an den Gegenstand anlegt, ist hier nicht gegeben. C. Wirsungs New Artzney Buch (Ausg. 1592) stellt auf 850 Druckseiten lediglich ein Tintenrezept bereit, um an anderer Stelle als Ingredienz für ein Präparat gegen Brandwunden genannt zu werden.[26] Dieser Band steht in Fragen der Tintenbehandlung beispielhaft für die Kräuterbücher jener Zeit.
Ausführlicher wird der Gegenstand naturgemäß in genuinen Rezeptbänden durchexerziert. Der durch den Mainzer Buchdrucker Peter Jordan hervorgebrachte Erfolgstext Schreyberey (1532)[27] bündelt differenzierte Informationen zur Materialität von Tinte, die sich quantitativ mit Caneparius‘ Kapiteln zur Schreibtinte messen lassen. Trotz aller Expertise bleiben gelehrte Formen der Präsentation, bedingt durch die Textgattung, Fehlanzeige. Selbiges lässt sich für die unüberschaubare Anzahl an handschriftlich überlieferten Tintenrezepten seit dem Mittelalter behaupten. Diese oft anonym überlieferten Texte erschöpfen sich als reine Anleitungen darin, gangbare Wege der Herstellung und Aufbewahrung bereitzustellen. Modi der diskursiven Praxis (Sichtbarmachen entgegengesetzter Meinungen, Stärkung von Positionen, Strategien der Autorisierung etc.) spielen dabei keine Rolle.
Autorinszenierung
Caneparius‘ akademisches Fach war die Medizin. Darin hatte er jenen Einfluss, der die im Band vorgebrachten Inhalte in ihrer Wirkung steigern sollte. Entsprechend intensiv wurde die Autorinszenierung betrieben: Der Venezianer sollte als ein Großer seiner Zunft präsentiert werden.[28] Das gewandelte Verständnis vom heilkundlichen Fortschritt – neben die antike Autorität tritt der Gelehrte der Gegenwart, der empirische Beobachtungen rational bewertet und einbezieht[29] — benötigt spezifische Formen der Vermarktung und Einflussbildung auch im Zuge schriftlicher Veröffentlichungen.
Schon das Titelblatt der Erstausgabe weist Caneparius als „Medico, & Venetijs Philosopho, Medicinam Profitenti“ aus. Um den Einfluss im Fach nachdrücklich zu illustrieren, werden zwei weitere Druckseiten darauf verwendet, dem Autor poetisch zu huldigen.
Ein Sonett des Dichters A. Venzato in italienischer Volkssprache macht dabei den Anfang („All illvstre & Eccell.mo Signore Pietro Maria Canepario Dott. Medico Fisico“). Mit der gewählten Reimform (a-b-b-a / a-b-b-a / c-d-e / c-d-e) schleicht sich von struktureller Seite F. Petrarca ins Werk, der unter den zitierten Autoritäten außen vor bleibt. Im Text werden Caneparius‘ Fähigkeiten in überhöhter Weise besungen („Chiaro ›Gran Canepari‹ ogni gentile|Spirto del Mondo hai di tua luce impresso“). Sein Ruhm sollte ewig bestehen bleiben.
Wendet man das Blatt, so stehen drei weitere Texte bereit: Ein Epigramm des Rechtsgelehrten A. Parisio bringt acht Verse hervor, denen ein zweizeiliges Distichon folgt. Auch hier wird Caneparius‘ Gelehrsamkeit deklamiert, wobei dieser sie wie einen Samen kunstvoll streut („Semina doctrinae spargens Caneparius arte“). Der patriotische Einschlag kommt dabei nicht zu kurz, wenn der Autor als Zierde der Heimat besungen wird („O decus eximium patriae“). Ähnlich verhält es sich mit dem abschließenden Vierzeiler, der dem Mediziner F. Rodiseus zugeschrieben wird. Darin wird die Überlegenheit des Autors gegenüber der antiken Naturkunde ausgedrückt („CEdite vos Arabes, vos Graeci, vosque Latini“), wenn dieser sich in seinem Forscherdrang leicht wie eine Feder zu den Sternen aufschwingt („Hac volucri penna scandit Caneparius astra“).
In durchdachter Weise wurden Vertreter aus drei der vier Fakultäten aufgeboten, um die fachlichen Qualitäten des venezianischen Gelehrtenkollegen zu glorifizieren. Lediglich die Theologie wurde außen vor gelassen.
Es überrascht nicht weiter, dass im Anschluss auch Caneparius selbst rhetorisch-poetische Zitate aufnimmt: Die umfassende Gelehrtheit, die in den Huldigungstexten behauptet wurde, muss entsprechend unter Beweis gestellt werden. Parallel dazu belegt die akademische Textform der medizinischen Dissertation in der Frühen Neuzeit einen durchaus üblichen Gebrauch literarischer Kleinformen (Sprichwörter, Sentenzen, Exempla) in genau jenem Fach, in dem Caneparius akademisch sozialisiert wurde.[30] Überhaupt muss eine starke Durchlässigkeit zwischen den damaligen Disziplinen festgehalten werden. Entsprechend lautet eine Anmerkung im Werk, die den Nutzen des Textes für unterschiedliche Wissensfelder ausweisen soll: „His sparsim multa penitiora tum medicinae, arcana, cum alijis facultatibus commoda leguntur.“
Sowohl in den Paratexten als auch im Haupttext kommen Dichterworte zur Anwendung. So findet sich das zum Sprichwort gewordene „Non omnia possumus omnes“ des Vergil gleich im Vorwort – eingerückt und exponiert. Eine argumentative Notwendigkeit gibt es für diese parenthetische Phrase keinesfalls. Es handelt sich dabei um ein demonstrativ platziertes Autoritätenzitat.
Auch die griechische Vergleichsgröße Homer kommt mehrfach zum Einsatz. Spricht der Autor etwa in seiner „Descriptio Quinta“ über die Herkunft goldgelber und grüner Tinten („De Luteo, atque Virenti Colore“),[31] dann bringt er im Zuge botanischer Begriffsklärungen und -abgrenzungen den im neunten Buch der Odyssee vorgebrachten Lotosbaum zur Sprache („loto arbore magna in Africa“) – inklusive Quellenausweis.[32] Im Gegensatz zum vorherigen Beispiel fügt sich diese Angabe argumentativ ein, erfüllt also keinen bloßen Selbstzweck.
Unter die Autorinszenierung fällt auch Caneparius‘ Positionierung in der Widmungsvorrede. Diese richtet sich an niemand Geringeren als Antonio Priolo (1548−1623), den venezianischen Dogen. Je einflussreicher der Adressat war, desto eher versprach sich der Autor Erfolge bei der Durchsetzung seiner Positionen. In der Widmung rückt Caneparius vor allem eine heilkundliche Thematik in den Vordergrund, die alles andere als zufällig gewählt scheint: Er möchte mit seiner Schrift falsche und letztlich gesundheitsschädliche Zubereitungsformen des Allheilmittels Theriak aufdecken, die er mit den metallischen Atramenten Sory und Calcit in Zusammenhang bringt.
Bei diesen Ausführungen ist die besondere Konkurrenzsituation mitzubedenken, die zwischen gelehrten Ärzten/Apothekern und Heilkundlern aller Art bestand. Gerade für die Städte Venedig und Rom ist im Übergang zum 17. Jahrhundert ein reges Kurpfuschertum belegt: Die hohen Besucherzahlen, im Falle von Venedig, auch durch den Karneval befeuert, ließen „Gaukler und Heilkundler“[33] öffentlich in Personalunion auftreten. Rund um den Theriak bestanden besondere wirtschaftliche Interessen und eine entsprechende Aufregung: So machten Theriakkrämer die Jahrmärkte unsicher, indem sie ihre Rezepturen abseits der in Apotheken erhältlichen Präparate marktschreierisch anpriesen, zur Schau gestellt etwa „bei Tier- und Selbstversuchen“.[34]
Wie wirkungsvoll sich Legitimierungsstrategien studierter Ärzte und Apotheker auf lange Sicht erweisen würden, zeigt die Vorrangstellung der Schulmedizin in den Jahrhunderten danach.[35] Im Fokus stand die „individuelle und kollektive Behauptung ärztlicher Geltungs- und Statusansprüche in der Auseinandersetzung mit den zahlreichen Konkurrenten auf einem pluralen Gesundheitsmarkt.“[36]
Caneparius prangert falsche Rezepturen an, die rund um den Theriak kursieren. Ihre (un-) geistigen Väter sind die Feindbilder, die in Vorworten der Frühen Neuzeit gebraucht wurden – sofern die Schrift entsprechende Wirkung zeigen sollte. Es ist weiters anzunehmen, dass der Thematisierung des Theriak mehr Aufmerksamkeit zugetraut wurde als der im Haupttext ebenfalls prominent vorgebrachten Expertise zur Materialität der Tinte. Caneparius nutzt seine medizinische Autorität rund um ein aufsehenerregendes Thema, in dessen Sog auch die Behandlung der Tinte mehr Aufmerksamkeit erhalten soll.
Auctoritates et Experientia
Ein konstitutiver Ansatz des gelehrten Zugriffs liegt im ausgewiesenen Einbezug von Autoritäten aus dem Gegenstandsfeld. Noch vor der eigentlichen Abhandlung werden bei Caneparius 191 Personennamen aufgelistet („Authores in Opere citati“). Da keine Seitenzuweisung erfolgt, handelt es sich dabei um kein eigentliches Suchregister als Einstiegshilfe. Vielmehr wird der Leserschaft eine umfassende Wissenstradition vor Augen geführt, in die der Gegenstand eingebettet wird. Die ausgewiesenen Bezugsgrößen reichen vom griechisch-römischen Altertum bis in die Gegenwart des Autors. Dass es sich dabei ausschließlich um Männer handelt, überrascht aufgrund der historischen wissenspolitischen Gegebenheiten kaum.
Ein Blick auf das Vorwort an den geneigten Leser („Ipse Auctor Benevolo Lectori s.“) verdeutlicht die Bereitschaft des Autors, sein Quellenstudium breit anzulegen: So werden die biblischen Figuren Adam und Henoch sowie die transgenerationalen Familienbande antiker Mythologie zwischen Apoll, Äskulap, Podaleirios und Machaon aufgegriffen. Weiters kommen Melampus, Hermes Trismegistos, das Untier Cheiron, die historischen Ärzte Hippokrates und Galen, der Philosoph Aristoteles (wie auch sein Zögling Alexander der Große), der Redner Cicero (mit dem von ihm rhetorisch vorgebrachten Philosophen Phormio), der Dichter Vergil wie auch die spätmittelalterlichen/frühneuzeitlichen Humanisten Nikolaus von Kues und Conrad Gessner (als Euonymus Philiater) zur Sprache.
Die gemeinsame Klammer der meisten dieser Figuren und Autoritäten liegt – dahin steuert das Vorwort – in ihren Berührungspunkten mit der Heil- und Naturkunde. Bei der Durchsicht der zitierten Autoritäten im Haupttext fällt darüber hinaus eine Entwicklung ins Auge, die mit dem Humanismus Einzug gehalten hat: Während der arabischen Tradition weitgehend der Rücken zugewandt wird, liegt der Fokus auf den Lehren Galens und weiterer okzidentaler Autoritäten.[37] Es lässt sich ein Schwerpunkt auf antikem Buchwissen feststellen, das der Autor wiederholt im Beleuchten der historischen Dimension zum Gegenstand nutzt („Quale Antiquorum fuerit Scriptorium Atramentum“).[38] Dieser Ansatz unterscheidet seine Ausführungen signifikant vom überwältigenden Teil der frühneuzeitlichen Publikationen zur Tinte. Diese präsentieren sich als gänzlich unhistorisch.
Im Haupttext konkretisiert sich der Modus des Autors, Kenntnisse und Positionen mit Namen in Verbindung zu bringen. Berichtet er beispielsweise darüber, wie am Körper fixierte Tinte entfernt werden könne („Quibus modis tollantur iterae, characteres, caeteraq[ue]; signa carni impressa“),[39] dann wird pflichtschuldig mit „Primus est modus Alexis Pedemontanis“[40] eröffnet. Ob Caneparius hingegen jene Expertisen des Florentiners Antonio Neri (1546-1614), die sich durch das Werk ziehen sollen,[41] bewusst nicht mit diesem in Verbindung gebracht hat, bleibt Spekulation.
Dabei verschließt Caneparius sich keinesfalls davor, rezente Stimmen einzubeziehen: In der „Descriptio Quarta“ berichtet er von einer instant-Tinte, die transportiert werden könne („Alter puluis in itinere accomodus ad faciendum statim encaustum“).[42] Für die Reise zu Pferd wird ein Pulver aus Sandarak und Chalcant genannt, das in Wein oder Essig gelöst werden könne, um für den Schreibakt zur Verfügung zu stehen. Vor der Nennung des Rezeptes verweist der Autor explizit auf die Quelle: Angegeben werden Hieronymus Cardanus (1501−1576), seine entsprechende Schrift sowie die daraus gezogene Passage („Cardanus lib 13, de rerum varietate, pag. 859“).[43] Das exakte Ausweisen der Referenzstelle schafft sowohl eine Überprüfbarkeit der Wiedergabe gemäß der verwendeten Quelle als auch das Einschreiben der eigenen Ausführungen in eine konkrete Wissenstradition. Durch diesen Modus gelehrter Vertextung konnte der Autor für die Betrachtung des Gegenstandes leisten, was bis dahin weitgehend ausgeblieben war: Anschlussfähigkeit durch ein Verweissystem, das verstreute Quellen zum Gegenstand bündelt und nachvollziehbar macht.
In der Auseinandersetzung mit Autoritäten übernimmt Caneparius nicht zwingend (und vor allem nicht unkritisch) deren Standpunkte. Er zeigt Kante, wenn er Positionen für nicht vertretbar hält: Abschnitt V der „Descriptio Secunda“ führt den unverblümten Titel „Aduersus Georgium Agricolam; ac ejus Sectam“.[44] Der Autor bezieht darin gegen keinen Geringeren Stellung als Georg Agricola (1494−1555). Ausgerechnet der ‚Vater der Mineralogie‘ gerät mit seiner Bestimmung des Calcits („Chalcity“) in Kritik: So habe er die zutreffende Farbe dafür nicht gekannt – sie wäre schließlich nicht rot, sondern weiß.[45] Caneparius argumentiert weiter, Agricola habe die antike Autorität Dioskurides nicht ausreichend gekannt, wie auch Plinius in dieser Frage ein ungünstiger Gewährsmann gewesen sei. Er stützt seine eigene Position auf weitere antike Autoritäten und damit auf das sorgsame Studium klassischer Referenzschriften. Seinem Gegenpart spricht er dieses hinsichtlich der Bestimmung des Calcits ab.
Dass der Autor solche Angriffe vornimmt, trägt dazu bei, seine Positionen in einschlägigen Diskursen zu platzieren oder solche überhaupt erst anzustoßen. Polemische Anwürfe bilden in der durchaus dissensuell geprägten Gelehrtenauseinandersetzung eine Art „Motor der wissenschaftlichen und literarischen Kommunikation“.[46] Sie sind ein großteils akzeptierter oder sogar gewünschter Bestandteil der epistemischen Ordnung.[47] Gerade in der Betrachtung der Materialität von Tinte betritt Caneparius mit Diskursivierungsvorstößen aber Neuland.[48]
Die Reaktionen auf Anwürfe durch Kollegen aus der res publica litterarum fielen nicht unbedingt weniger zimperlich aus: J. F. Henckel (1678−1744) griff die erwähnte Passage mehr als hundert Jahre später in seiner Pyritologia (1725) auf.[49] Er umschreibt Caneparius‘ Versuch, Agricola fachlich vorzuführen, als methodisch mangelhaft, vermessen und irrelevant. Überhaupt bescheinigt er ihm „italiänischen Eifer“ – der deutsche Arzt und Naturkundler richtet dem Venezianer nichts Gutes ins Jenseits aus.[50]
Die Betrachtung des Gegenstandes der Tinte endet bei Caneparius nicht mit dem Studium von Autoritäten. Das in der Frühen Neuzeit prosperierende Argumentationsparadigma der Empirie – unter Einbezug der Vernunft – ist auch bei ihm ausgeprägt vorhanden. Als Beispiel dafür eignen sich seine in der „Descriptio Quinta“ vorgebrachten Ausführungen zum roten Karmin („De colore cremesino“),[51] der aus der Cochenillen-Schildlaus mitunter für die Färbung von Tinte gewonnen wurde. C. F. Richters Phisicalischer Tractat von der raren Conzenille (1703) beschreibt, wie Caneparius die aus Amerika importierte Cochenille entgegen aktueller Mehrheitsmeinung „mit hefftigen und bittern worten“ als Beere klassifiziert, nicht aber als Lebewesen (oder Korn). Der Venezianer stellt sich mit weiteren Mitstreitern gegen eine mehrheitlich vertretene Ansicht, „weil ja die EXPERIENZ und erfahrung darwider wäre / indem nemlich die Conzenille / ob sie auch noch so trucken / dennoch / wenn sie nur eine kleine weile in laulicht wasser geworfen würde / aufs neue aufschwelle / und zusehens ihre vorige gestalt und die form einer beere wieder bekäme.“[52] Eine Augenzeugenschaft von der optischen Veränderung der Cochenille nach Einweichen soll die Position der widerstreitenden Gelehrtengruppe an Geltung übertreffen. Das Berufen auf visuelle Wahrnehmung findet sich in naturkundlich-medizinischen Abhandlungen jener Zeit verstärkt als Argumentationslinie.[53] Dass der Autor in diesem Fall daneben lag, steht auf einem anderen Blatt.
Caneparius‘ empirischer Zugriff führt mitunter zu Informationen, die Neuigkeitswert[54] besitzen – so etwa bei Erfahrungen zur Schriftverstärkung. In seiner „Discriptio Quarta“ berichtet der Autor knapp über die Auffrischung von nur noch schwer entzifferbarer Tintenschrift („Ad instaurandas literas ex antiquitate fere abolitas“).[55] Er holt die Leserschaft dabei rhetorisch ins Boot („videamus“) und legt aufgrund der Gefährdungslage um die Substanzsicherung der Tintenschrift einen entsprechenden Modus offen. Zum Einsatz kommen geriebener Gallapfel und Weißwein, wobei die Lagerung in einem geschlossenen Glasgebinde empfohlen wird („Cape gallam tritam quantumlibet, eamque infundas in vino albo per diem naturalem repositis omnibus in boccia vitrea cujus orificium claudatur“).[56] Die betroffenen Stellen des Textträgers sollen mit dem hergestellten Extrakt behutsam angefeuchtet werden, damit Ergbnisse sichtbar werden. Weil unmittelbarer Nutzen durch die Manipulation zu erkennen war, wollte Caneparius die Methode seiner Leserschaft weiterempfehlen. Leider zeigt die Langzeitwirkung dieser noch lange eingesetzten Behandlungsmethode einen gegenteiligen Effekt: Der Extrakt selbst verfärbt sich mit der Zeit braun und lässt die Schrift gänzlich unleserlich werden.[57]
Additum: Handschriftliche Einträge im Exemplar der Melker Stiftsbibliothek (Ausg. 1718)
Aussagekräftig sind die Benutzerspuren, die sich in einem Exemplar der Ausgabe von 1718 des Benediktinerklosters Melk befinden. Im Anschluss an den Drucktext wurden Tintenrezepte handschriftlich eingetragen. Sie reichen über mehrere Blätter bis an die Unterkante des Hinterdeckelspiegels und beanspruchen damit den Abschluss des Bandes für sich. Der Text – von einer Hand abgefasst – lässt sich unterteilen: So folgen auf mehrere deutschsprachige Rezepte zwei knappe lateinische Absätze zur gold- und silberfarbenen Tinte. Zu Letzteren wurde mit „Ex pedemontano“ eine Quelle angegeben, die auch von Caneparius vielfach herangezogen wurde. Die deutschsprachigen Rezepte wurden nicht ausgewiesen, doch lässt sich ein Teil davon („Die schwarze berühmte Dreßdner Dinte“, „Ein gutes Tinten-Pulver“) beinahe buchstabengetreu in der weit verbreiteten Druckschrift des Fritando finden.[58]
Dank eines doppelt ausgeführten handschriftlichen Eintrages auf dem Vorderdeckelspiegel und dem Titelblatt („Comparavit P. Julius Prof. Mellicensis“, „Ad usum P. Julii Mellicensis“) lässt sich P. Julius Radinger (1706−1784) als Besitzer[59] des Exemplares identifizieren. Die systematischen Aufzeichnungen zum geistlichen Personalstand des 18. Jahrhunderts weisen die monastischen Aufgaben des Mönches aus: P. Julius hatte im Stift das Amt des Küchenmeisters (praefectus culinae) inne, bevor er für die Pfarren Haugsdorf und Ravelsbach als Vikar (vicarius) bestellt wurde. Nachdem er zwischenzeitlich als Küchenmeister ins Kloster zurückgekehrt war, wirkte er als Pfarrer (parochus) in Gettsdorf.[60] Diese Funktionen, die allesamt verwaltende Vorgänge mit sich brachten, bedingten den häufigen Umgang mit Tinte. Ein weiterer Band, der P. Julius zugeordnet werden kann (Holzbewirtschaftung, Praxis in herrschaftlichen Küchen)[61] untermauert sein Interesse an jenem Buchwissen, das der Erweiterung seines Handlungswissens im Rahmen der Ämter dienen konnte.[62] Die Tintenherstellung und -lagerung schlägt als eine Notwendigkeit der Alltagsbewältigung in Klöstern und Pfarren in dieselbe Kerbe. Die lateinischen Kenntnisse des Geistlichen machten die Lektüre von De atramentis grundsätzlich möglich.
Caneparius‘ Drucktext wurde durch die manuelle Ergänzung von klassischen Rezepten für den persönlichen Gebrauch weitergeschrieben.[63] Exzerpte aus dem diskursivierenden Drucktext wurden hingegen nicht hinterlassen, was symptomatisch scheint: Der Versuch des Venezianers, die Materialität der Tinte durch gelehrten Zugriff und spezifische Formen der Vertextung besonders gründlich zu vermitteln, vertrug sich wohl nur bedingt mit den Bedürfnissen nach einer formal reduzierten Anleitung für den Alltagsgebrauch.
Conclusio
Trotz der Wirkung von De atramentis, die sich im weiteren Aufgreifen enthaltener Positionen durch Gelehrte wie auch durch die vorfindbare Praxis („Schriftverstärkung“) äußern sollte, dominierten weiterhin schlichte Formen der Gebrauchsvermittlung zur Tinte. Weder die historische Dimension zur Erforschung und Anwendung des Gegenstandes, noch intellektuelle Streitfragen ihrer materiellen Bestimmung waren für den alltäglichen Umgang mit gebräuchlicher Tinte von unmittelbarem Belangen. So blieb Caneparius‘ gehobener Ansatz der Gegenstandsvermittlung beinahe singulär. Der gewählte Modus des Venezianers, die Materialität von Tinte nicht nur über Verweise auf Autoritäten abzuhandeln, sondern ebenso Erfahrungswissen und Experimente (auch korrigierend) einzubeziehen, zeugt hingegen bereits vom Übertritt in die gelehrte Naturbetrachtung der Frühen Neuzeit, die der Empirie relevanten Erkenntniswert zugestand. Die im Werk forcierte Inszenierung eines verdienten Mediziners, der sich dem Gegenstand zugleich quellenkundig und praxiserfahren widmet, bedeutete Vermarktungsstrategie und akademische Standesbehauptung in Zeiten breiter Konkurrenz. Eine tiefergehende Beforschung dieses ambitionierten historischen Versuches über die Tinte scheint daher auch von epistemologischer Seite wünschenswert zu sein.
Fußnoten
- Caneparius 1619. Aus dieser Ausgabe wird im folgenden Beitrag zitiert. ⬆
- Caneparius 1660. ⬆
- Caneparius 1718. ⬆
- In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass frühneuzeitliche Titelblätter formelhaft auf die Neuartigkeit des Werkes pochen. Darin liegt eine Verkaufsstrategie am umkämpften Buchmarkt, die wiederum mit einem Streben nach wissenspolitischen Vorteilen in Verbindung steht. ⬆
- Vgl. Barrow 1948, S. 291. ⬆
- Um Anachronismen der Benennung zu vermeiden, werden für diese Ausführungen Termini aus der Wissenschaftstheorie wie ‚Erkenntnisobjekt‘ oder ‚Forschungsgegenstand‘ ausgespart. ⬆
- Jaumann 2011, VIII. ⬆
- Die in London gedruckte Ausgabe von 1660 fand sich unter anderem in der Privatbibliothek von Isaac Newton, wobei der Band auch Lesespuren aufweist (vgl. Harrison 1978, S. 115). ⬆
- Vgl. etwa die ausführliche deskriptive Besprechung im französischen Journal des sçavans 1718, Juillet-Déc, S. 320−324 (O. V. 1718) Rezension 1718. ⬆
- Vgl. Jöcher/Mencken 1732, Sp. 615; Kestner 1740, S. 172. ⬆
- Martell 1913, S. 197−199. ⬆
- Drei rezente Beispiele aus unterschiedlichen Ebenen der Beschäftigung und Vermittlung folgen: 1.) Wissenschaftliche Auseinandersetzung: Bis heute ist Caneparius‘ Text, der nie in die Volkssprachen übertragen wurde, Forschungsquelle in Fragen der historischen Materialität von Tinte geblieben; vgl. dazu den auf dem 36. Weltkongress der CIHA (Lyon 2024) gehaltenen Vortrag Medicine ac picturae commodum: the study of black and colour ink recipes in Caneparius‘ ›De atramentis cuiuscunque generis‹ (1619) von S. Kroustallis und A. Sánchez Hernampérez. Leider standen bei Redaktionsschluss dieses Bandes keine Forschungsergebnisse zur Verfügung. 2.) Open-content-Enzyklopädie: In der deutschsprachigen Version von Wikipedia findet sich De atramentis zum Eintrag „Tinte“ an erster Stelle in der Rubrik der weiterführenden Literaturangaben angeführt. Online-Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Tinte (letzter Zugriff: 3. Juni 2025). 3.) Schulunterricht: Einem Rezept aus De atramentis folgend, wird historische Tinte unter Anleitung im Rahmen des Unterrichts hergestellt. Vgl. Farusi 2007, S. 36−40. Online. (letzter Zugriff: 3. Juni 2025). ⬆
- Zur lateinischen Terminologie betreffend Waagen/wägen vgl. Rohmann 2017/1, S. 83−110. ⬆
- Ein weiterer Band wäre etwa: Heineccius 1736. ⬆
- Vgl. Zedelmaier 2011, S. 11−30. ⬆
- Neben heilkundlichen Funktionen, die der Tinte zugestanden wurden, war auch die berufliche Alltagsbewältigung frühneuzeitlicher Ärzte eng mit ihrem Gebrauch verbunden, etwa beim Notieren von Beobachtungen und Rezepten (vgl. Schlegelmilch 2015, S. 100−110). ⬆
- Caneparius wird in der Forschung punktuell für die Verwirrung rund um den Begriff atramentum verantwortlich gemacht, da dessen breite Anwendung „ambiguous“ sei (vgl. Gombrich 1963, S. 90−93, hier S. 90). Sehr wohl findet sich eine Bindung des Begriffs an die Schwärze bei aktuellen popkulturellen Projekten wieder, etwa der Hamburger Death Metal-Formation Atramentum (TeufelsZeug Records). Auf persönliche Anfrage für die Beweggründe der Namenswahl wurde mit der ‚schwarzen Grundstimmung‘ der Musik argumentiert. ⬆
- Caneparius 1619, S. 163f. ⬆
- Caneparius 1619, S. 165f. ⬆
- Caneparius 1619, S. 182−184. ⬆
- Caneparius 1619, S. 168. ⬆
- Caneparius 1619, S. 188f. ⬆
- Coler 1645, S. 686f. ⬆
- Vgl. Weissenbruch 1798, S. 86−88. ⬆
- Vgl. Ruscelli 1555, S. 186−192. ⬆
- Vgl. Wirsung 1592, S. 639, 841. ⬆
- Schreyberey 1532. ⬆
- Die gewählte Passivform ist deshalb angemessen, weil gerade für die paratextuelle Gestaltung eines Bandes nicht zwingend oder ausschließlich der Autor selbst federführend wirkt. ⬆
- Ein prominentes Beispiel dafür stellte die Arbeitsweise der botanischen Autorität Leonhart Fuchs (1501−1566) dar, vgl. etwa Habermann 2001, vor allem S. 115f. ⬆
- „Bezüglich der Ursachen dieses regen Austausches kann an dieser Stelle nur auf die gemeinsame europäisch-lateinische Bildungstradition, sei sie nun scholastisch oder humanistisch geprägt, und auf das Ideal des polyhistorischen Gelehrten verwiesen werden, dessen Kenntnisse eben nicht vor der Fakultätsgrenze haltmachten.“ (Vgl. Schäfer 2008, S. 131). ⬆
- Caneparius 1619, S. 197‒199. ⬆
- Caneparius 1619, S. 199. ⬆
- Burke 1987, S. 183f. ⬆
- Dubbi 2011, S. 156‒177, 166. ⬆
- Vgl. Stolberg 2003, S. 215f. ⬆
- Stolberg 2003, S. 205. ⬆
- Vgl. Bylebyl 1979, S. 335–370. ⬆
- Caneparius 1619, S. 166–168. ⬆
- Caneparius 1619, S. 186−188. ⬆
- Caneparius 1619, S. 187. ⬆
- Vgl. Carvalho 1904, S. 104. ⬆
- Caneparius 1619, S. 177f. ⬆
- Caneparius 1619, S. 177. ⬆
- Caneparius 1619, S. 91. ⬆
- Kurioserweise tauchen im Melker Exemplar von 1718 am Ende dieses Kapitels rote Farbrückstände auf – die einzige Spur dieser Art. ⬆
- Vgl. Spoerhase/Bremer 2011, S. 111−122, hier S. 115. ⬆
- Für Fallbeispiele der Grenzüberschreitung in der gelehrten Polemik vgl. Mulsow 2007. ⬆
- Für ein Beispiel desselben Jahrhunderts vgl. die frühneuzeitliche Dissertation Schöpffer 1691. Herzlichen Dank an dieser Stelle für die Bestimmungshinweise via Mail durch Hanspeter Marti (Arbeitsstelle für kulturwissenschaftliche Forschungen/Engi). ⬆
- Vermutlich war ihm das Werk wegen der rezenten Neuauflage von 1718 gut in Erinnerung. ⬆
- Vgl. Henckel 1725, S. 800 ff, S. 793. Dass Henckel Vertretern des italienischen Sprach- und Kulturraumes eine besondere Affinität zum Eifern unterstellt, steht der Idee eines transnationalen Gelehrtennetzwerkes entgegen. Wie so oft klaffen Vorstellung und Praxis auseinander. ⬆
- Caneparius 1619, S. 211−213. ⬆
- Richter 1703, S. 26f. ⬆
- De Angelis 2011, S. 211−253. ⬆
- Nicht umsonst werden im paratextuellen „Elenchus Descriptionum“ zum Kapitel der Schreibtinte mitunter Neuigkeiten („recentiorum“) angekündigt. ⬆
- Caneparius 1619, S. 179. ⬆
- Caneparius 1619, S. 179. ⬆
- Vgl. Fuchs 2003, S. 159−170; Rabin u. a. 2015, S. 34−45, S. 34f. ⬆
- Eisler 1731. ⬆
- Im monastischen Kontext kann die gängige Form „ad usum“ wörtlicher genommen werden als anderswo, bleibt doch der Buchbestand des einzelnen Mönches (neben anderem Hab und Gut) Eigentum der Klostergemeinschaft. Angeschafft wurde das Exemplar durch P. Julius, wie der Vorderdeckelspiegel verrät („Comparavit P. Julius Prof. Mellicensis“). ⬆
- StiB Melk, Cod. 493, Hueber/Steyrer 1782, f. 81v. ⬆
- Krezschmer 1746, StiB. Melk, Sign. 30.603. Das obligatorische „Ad usum P. Julii“ umsäumt zutreffenderweise den Anhang des Werkes, der von der Küchenpraxis handelt. ⬆
- Da die deutschsprachigen Rezepte aus dem Fritando übernommen wurden, können die händischen Einträge nicht vor den 1730ern platziert worden sein, was zeitlich wiederum gut mit der Ausübung der monastischen Ämter des P. Julius zusammenfällt. ⬆
- Zur Auffächerung möglicher Funktionen manueller Einträge in frühneuzeitlichen Druckwerken vgl. Brockstieger/Hirt 2023, S. 3−19. ⬆
Bibliographie
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