Objekte aus der württembergischen Kunstkammer und ihre Erwähnungen in den zeitgenössischen Inventaren

Abb. 11: Wissenschaftliche Instrumente aus der Kunstkammer. Landesmuseum Württemberg, Stuttgart.

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Erstveröffentlichung: Dezember 2022
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Letzte Überprüfung aller Verweise : 16.12.2022
Empfohlene Zitierweise: Küster-Heise, Katharina/Müsch, Irmgard und Ohm, Matthias: Pagoden – Mathematica – Goldmedaillen: Objekte aus der württembergischen Kunstkammer und ihre Erwähnungen in den zeitgenössischen Inventaren, in: MEMO Sonderband 2 (2022): Garloff, Mona und Krentz, Natalie (Hgg.): Objektordnungen zwischen Zeiten und Räumen. Verzeichnung, Transport und die Deutung von Objekten im Wandel, doi: 10.25536/2022sb02_04.

Abstract

Die württembergische Kunstkammer wurde von Herzog Friedrich I. an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert gegründet. Im Dreißigjährigen Krieg fast vollständig verloren, begann in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert der Wiederaufbau. Rund 4.000 Objekte können heute noch den herzoglichen Sammlungen zugewiesen werden, auch weil sich mehr als 120 Inventare und Inventarfragmente zu den Beständen der Kunstkammer erhalten haben. Am Beispiel dreier Sammlungen – der Exotica, der wissenschaftlichen Instrumente und des Münzkabinetts – stellt dieser Beitrag die Ansprache und Ordnung der Kunstkammer-Objekte in den Verzeichnissen vor.

Abstract (englisch)

The Wuerttemberg art chamber was founded by Duke Frederick I at the turn of the 16th and 17th centuries. Almost completely lost during the Thirty Years‘ War, reconstruction began in the second half of the 17th century. About 4,000 objects can still be attributed to the ducal collections today, partly because more than 120 inventories and inventory fragments relating to the art chamber’s holdings have been preserved. Using the example of three collections – the Exotica, the scientific instruments, and the coin cabinet – this article presents how Kunstkammer objects were addressed and ordered in the inventories.

Inhaltsverzeichnis

Pagoden – Mathematica – Goldmedaillen

An der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert gründete Herzog Friedrich I. (reg. 1593–1608) in Stuttgart die württembergische Kunstkammer. Nachdem nur wenige Jahrzehnte später die Bestände im Dreißigjährigen Krieg fast vollständig verloren gegangen waren, begann in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert der Wiederaufbau. Für die Neueinrichtung und die Erweiterung der Bestände stellen die Herzöge Experten ein, deren Aufgaben immer genauer definiert wurden.
Heute können rund 4.000 Objekte den herzoglichen Sammlungen zugewiesen werden, auch weil sich mehr als 120 Inventare und Inventarfragmente zu den Beständen der Kunstkammer erhalten haben. Die Verzeichnisse enthalten zunächst quantitative Erfassungen und Wertangaben, dann detaillierte Beschreibungen und systematische Ordnungssysteme.
Am Beispiel dreier Sammlungen – der Exotica, der wissenschaftlichen Instrumente und des Münzkabinetts – stellt dieser Beitrag die Ansprache und Ordnung der Kunstkammer-Objekte in den Verzeichnissen vor.

Geschichte der Kunstkammer der Herzöge von Württemberg

Katharina Küster-Heise

Die Gründung unter Herzog Friedrich I.

Als in der Regierungszeit Herzog Friedrichs I. von Württemberg (reg. 1593–1608) erstmals schriftliche Quellen eine herzogliche Kunstkammer in Württemberg erwähnten, verfügten die großen europäischen Höfe der Habsburger und der Wittelsbacher sowie auch die Herzöge von Sachsen schon seit mehreren Jahrzehnten über kostbare Sammlungen.
Aus dem Jahr 1596 stammt der erste schriftliche Hinweis des Basler Arztes und Sammlers Felix Platter, in seinen Lebensbeschreibungen berichtet er von seinem Besuch in Stuttgart: Es hat mir der Hertzog sein kunst khamer gezeigt, darin vill köstlichs und fremder stuckhen von tischen, kesten, instrumenten, abgüssen von goldt, silber, edellgestein.1

Herzog Friedrich I. bemühte sich, offensichtlich angeregt durch seine Reisen an zahlreiche Fürstenhöfe, wo er auch die Kunstkammern besuchte, Kunstwerke, Münzen und exotische Objekte zu erwerben. Die Grabungen, die er in seiner Herrschaft Mömpelgard (heute Montbéliard, Département Doubs) veranlasste, zeugen vom Interesse des Herzogs an antiken Gegenständen. Bereits sein Vorgänger Herzog Ludwig (reg. 1568–1593) hatte römische Funddenkmäler seines Landes gesammelt.
Unter Friedrichs I. Sohn, Johann Friedrich (reg. 1608–1628), der an seiner Stuttgarter Residenz eine besonders aufwendige Hofhaltung pflegte, erlebte die Kunstkammer eine Blütezeit. Wie sein Vater vermehrte Johann Friedrich den Bestand durch zahlreiche Ankäufe, wobei er kunstvolle Steinschnittgefäße und Elfenbeinarbeiten bevorzugte. Als der Herzog anlässlich der Tauffeierlichkeiten für seinen Sohn Friedrich im Jahr 1616 persönlich seinen Gästen die Schätze präsentierte, bezeichnete er damit die zentralen Funktionen der Kunstkammer als Medium der Kommunikation und der fürstlichen Repräsentation.
Der ausführlichste Bericht aus dieser frühen Zeit stammt von dem Augsburger Kaufmann und Kunstagenten Philipp Hainhofer, der im Jahr 1616 die Kunstkammer im (Alten) Schloss besichtigen konnte und sie ausführlich beschrieb:

inn [den] Thurm hinauf gefüerth, zwej Zimmer geöffnet: darjnnen 2 indianische Harnisch, 2 geflochtene Trühlen, Dolch, Trinkgeschirr, Schnekken, Muschlen, Riesenbeiner, eine ganze Menschenhaut, ein Hirschgeweih […] in einn ander Zimmer gefiert […] auf einer andren langen Tafel stehet ein grosse Anzahl kleiner vnd grosser Geschürr aus edlen Gestainen, alle inn iren Futteralen, alles vnder anderem eine grosse Schüssel mit lauter silbernen [haydnischen] Pfenningen versezt […] Ein grosser Altar mit 6 Thren […] ist von Mömperlgart nach Stuttgart gebracht worden […] In der Höche hangen Schildkroten, Crokodil, Fisch und unterschiedliche Tier […] Und liegt und hangt in summa so viel schönes Ding über einander, dass es wohl ein lang Zeit erforderte, alles zu sehen […].2

Während des Dreißigjährigen Krieges erlitt die Kunstkammer große Verluste. Nach der Schlacht von Nördlingen im Jahr 1634 und während der folgenden vierjährigen Besetzung des Landes wurde der Kunstbesitz der württembergischen Herzöge großenteils von den siegreichen habsburgischen und bayerischen Truppen weggeführt. Die Verteilung der Beute geschah nach einer festen Quote, die von den katholischen Mächten vorab festgelegt worden war: Zwei Drittel gingen an den Kaiser und ein Drittel an den bayerischen Kurfürsten. So sind einige Stücke der württembergischen Kunstkammer noch heute in Wien und München nachweisbar.3

Wieder-/Neueinrichtung nach Ende des Dreißigjährigen Krieges: die Sammlung Guth von Sulz und die Anstrengungen Herzog Eberhards III.

Herzog Eberhard III. (reg. 1633–1674) musste zudem in angespannter finanzieller Lage verbliebene Teile der herzoglichen Kunstschätze veräußern, so dass nach den kriegerischen Unruhen nur noch ein bescheidener Bestand der Kunstkammer verblieb.
Erst die Erbschaft des Kammermeisters Ludwig Guth von Sulz (1589–1653), der seine umfangreiche Sammlung dem Herzogshaus vermacht hatte, brachte im Jahr 1654 einen nennenswerten Zuwachs für die Stuttgarter Kunstkammer. Mit dem Zugang dieses Erbes wandelte sich allerdings der bisherige Charakter der repräsentativen herzoglichen Sammlung kostbarer Werke, denn die Sammlung des Kammermeisters Guth von Sulz hatte mit ihren großen Konvoluten von Gemmen, Münzen und Naturalien eine weniger prachtvolle, dafür stärker wissenschaftliche Ausrichtung.
Herzog Eberhard III., der zunächst Interesse für das Sammeln von Münzen und Nachbildungen von Antiken zeigte, übergab in seiner späten Regierungszeit einen wesentlichen Teil seines persönlichen Kunstbesitzes an die Kunstkammer.

Unter ihm wurde die Kunstkammer im ersten Stock des Alten Lusthauses neu geordnet und systematisiert aufgestellt. Durch Ankäufe und Aufträge an auswärtige Künstler mehrte Eberhard III. zudem vor allem die Bereiche der Gemälde und des Steinschnitts. Wie an anderen Höfen seit der Mitte des 17. Jahrhunderts zu beobachten, betrieb auch Herzog Eberhard III. eine Systematisierung der Sammlungsbestände.

Die große Dokumentations-, Inventarisierungs- und Ordnungskampagne im frühen 18. Jahrhundert

Die nach Sammlungsgruppen geordneten Inventare belegten nun die Neuaufstellung der als Pretiosen, Naturalien, Exotica, Gemälde und Mathematica gefassten Bereiche.4 Die anhaltende Tendenz zur Systematisierung und Verwissenschaftlichung der Kunstkammer belegt auch die Tätigkeit des besonders in den Naturwissenschaften qualifizierten Antiquars Johann Schuckard (1640–1725), der zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein Inventar anlegte, das detailliertere Beschreibungen der Objekte und ihrer Standorte bot als die Inventare seiner Vorgänger.
Während die Fürsten einerseits aufwendige Schlossbauten errichteten, wandelten schon vor der Mitte des 18. Jahrhunderts einige fürstliche Sammler in Kassel, Braunschweig und Dresden ihre Kunstkammern in öffentlich zugängliche Schau- und Lehrsammlungen um und errichteten eigene Gebäude für Kunst-, Münz- und Naturalienkabinette. Für die württembergische Kunstkammer lassen sich für die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts in den mehrfachen räumlichen Verlagerungen und den Differenzierungen der Sammlungsbereiche veränderte Identifikationen der Herzöge mit den Sammlungen erkennen.5 Während nur noch wenige Zugänge in die Kunstkammer gelangten, wurden zahlreiche Gemälde und Kupferstiche aus ihren Beständen an das Ludwigsburger Schloss übermittelt. Die Bibliotheksbestände wurden 1765 herausgelöst und in Ludwigsburg als Herzogliche Öffentliche Bibliothek einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Seit den 1780er Jahren wurden zunächst die Bestände des Naturalien-, später des Münzkabinetts und der Mathematica an die Stuttgarter Hohe Carlsschule verbracht, wo sie als Lehrsammlungen dienten.
Ein Großteil der ursprünglichen Sammlung befindet sich im Landesmuseum Württemberg. Weitere Objekte sind auf verschiedene Institutionen verteilt: völkerkundliche Objekte gelangten ins Linden-Museum und ein Bestand an Mineralien und Fossilien wird im Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart bewahrt. Weitere Pretiosen befinden sich in der Staatsgalerie Stuttgart, der Württembergischen Landesbibliothek, im Hauptstaatarchiv Stuttgart, in den Schlössern Ludwigsburg und Bebenhausen, im Privatbesitz des Hauses Württemberg sowie im Bayerischen Nationalmuseum München und im Kunsthistorischen Museum Wien.

Die Forschungsprojekte der Jahre 2010 bis 2017

1976 veröffentlichte Werner Fleischhauer, damaliger Direktor des Landesmuseums, seine kenntnisreiche Publikation zur württembergischen Kunstkammer, an deren Ende der Wunsch nach einer „Gesamtpublikation der Kunstkammer“ stand.6 Eine solche bedurfte jedoch eines umfangreichen Forschungsprojektes, an dem alle im Zusammenhang mit der Stuttgarter Kunstkammer relevanten Institutionen mitarbeiten. Dieses Projekt wurde 2010 in Angriff genommen. Ziel des Forschungsvorhabens war es, ein Bild von der Kunstkammer der Herzöge von Württemberg zu entwerfen, das heißt, eine der bedeutendsten historischen Kunstkammern Europas in ihrem Kontext zu rekonstruieren und zu charakterisieren. Die Ausgangslage hierfür war günstig und eine Herausforderung zugleich: Mit mehr als 4.000 erhaltenen Objekten (davon circa 2.000 Münzen und Medaillen) und mit mehr als 120 überlieferten Inventaren und Inventarfragmenten gehört die Stuttgarter zu den am besten dokumentierten frühneuzeitlichen Kunstkammern überhaupt.
In einem ersten Schritt konnte, finanziert von der Stiftung Kulturgut, eine ausführliche Registrierung der einschlägigen Archivalien im Hauptstaatsarchiv Stuttgart durchgeführt werden. Als Grundlage für die wissenschaftliche Arbeit mit den reichen Originalquellen wurde daher zunächst ein umfassendes Findbuch der Kunstkammer-Inventare im Hauptstaatsarchiv erstellt.7

In einem zweiten Schritt förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft von Dezember 2012 bis November 2015 das Projekt „Die Kunstkammer der Herzöge von Württemberg. Erforschung von Bestand, Geschichte und Kontext“. Als Ergebnis konnte 2017 ein dreibändiger Katalog mit 1.100 Seiten veröffentlicht werden. Mehr als 30 einführende Essays und Einführungen beleuchten die Geschichte von 29 Sammlungsbereichen, 337 Katalognummern stellen ausführlich fast 400 Objekte vor.8

Weitere Forschungsergebnisse wurden digital veröffentlicht: Im Online-Katalog des Landesmuseums Württemberg sind über 4.000 Objekte – fast alle mit neuen Fotos und zum Großteil mit Quellennachweisen versehen – abrufbar. Die Schuckard-Inventare aus dem frühen 18. Jahrhundert mit einem Umfang von insgesamt 661 Seiten wurden transkribiert und stehen open access zur Verfügung. Darüber hinaus ergab sich die wunderbare Situation, erste Forschungsergebnisse in die Neuaufstellung der Kunstkammer-Bestände einfließen zu lassen. Seit Mai 2016 werden in der Schausammlung „Wahre Schätze“ auf rund 350 m² etwa 1.400 Kunstkammer-Objekte präsentiert.

Die Exotica in der Kunst- und Wunderkammer der Herzöge von Württemberg

Katharina Küster-Heise

Gegenstände aus fernen Erdteilen kündeten von der Aufgeschlossenheit württembergischer Herzöge, die damit Anteil an der Entdeckung der Welt hatten: Reisende brachten faszinierende Zeugnisse fremder Kulturen mit und übergaben sie der Stuttgarter Kunstkammer. Die Herzöge erwarben solche Importe und bereicherten damit ihre Sammlungen.9

Herzog Friedrich I. interessierte sich für ethnografische und naturkundliche Objekte: auf seiner Rückreise aus England besuchte er die Raritätenkammer des weit gereisten niederländischen Autors Bernard Paludanus (1550–1633) in Enkhuizen bei Amsterdam und ließ eine Beschreibung der dortigen Objektgruppen anfertigen.10

1605 dankte der Herzog seinem Sohn Johann Friedrich für ein aus China stammendes Neujahrsgeschenk; zwei Jahre später schenkte dieser ihm etliche indianische Sachen für seine Wunderkammer11, wobei indianisch bis ins 18. Jahrhundert als Sammelbegriff für ostasiatische und amerikanische, bisweilen auch afrikanische Exotica verwendet wurde.

Großer Beliebtheit erfreuten sich Kleidungstücke fremder Völker oder Zeugnisse ihrer Lebensgewohnheiten wie ein armenicanisch Beth aus brasilianischem Gras gemacht, welches diselbige Einwohner an zween Baum pflegen anzubinden und darinnen ligen und ruohen12, sprich eine Hängematte, die in den Kunstkammer-Inventaren aufgeführt ist: Solch ein bauwell garn gestrickht, darin man sy, ligt uß amenea13 hatte schon Platter 1596 bei seinem Besuch in der Stuttgarter Kunstkammer gesehen.

Auch Philipp Hainhofer, sah

indianischen Wöhren [Wahren] ein Indianischer grosser Schreibtisch mit Jaspis, Agaten und Lapslazolj Blatlen eingelegt, Arbeit aus Federwerkh, Indianische Löffel, Schlaen, Körben und Trühlen.. ein Tisch voller Carallen vunderschiedlichster Farben und thails geschnitten […] ain Ay von Straussen, ein Haufen Indianische Gewächs. Indianische cymbolae […] Damschenische eingelegte Schisseln […] Haidtnische Götter, oder Idola.14

Zu den berühmtesten Stücken zählen diese aztekische Götterfigur aus Grünstein und zwei erhaltene Federschilde (s. Abb. 2). 15

In der Stuttgarter Kunstkammer staunten die Besucher über Fabelwesen, wie einen gehörnten Hasen, über von Tieren „geschaffene“ Objekte, zum Beispiel eine Silbermünze, die von einem dressierten Eichhörnchen geprägt wurde, und über heute verlorene Kuriositäten, wie Seidenfäden in der Länge der Jungfrau Maria oder schwimmfähige Eisennägel16. Es gab Meerschnecken, die in Ostindien als Zahlungsmittel galten, Schnitzereien in einer Walnussschale, menschlichen Haarproben (von indigenen Frauen vom Kap der guten Hoffnung, mitgebracht durch Hauptmann Seitz), Reiseandenken und Reliquien wie Schleim aus dem Nil, Pfeffer aus Java oder Pech aus dem Toten Meer.17

Ebenso von Interesse waren Zeugnisse der Weltentdeckung, wie ein Stück Holz von Franci Draco Schiff, welches umb die ganze wellt gefahren18.

Ein Beispiel weitgereister Souvenirs, die sich erhalten haben, ist das Straußenei, welches der Straßburger Jakob Wurmser, Ritter des Heiligen Grabes (gest. 1593) der Äbtissin von S. Odilienberg im Elsass, Amalie von Oberkirch, aus Jerusalem mitgebracht und geschenkt hatte. Schenker, Beschenkte, Herkunft und das Jahr der Schenkung (1562) sind auf den goldenen Spangen, die das Ei umfangen, festgehalten und direkt am Objekt dokumentiert. Es gelangte wohl erst am Ende des 17. Jahrhunderts in die Stuttgarter Kunstkammer und wird im Inventar von Johann Schuckard für den Kasten K erwähnt.19

Mit dem Erwerb der Guthschen Sammlung 1653 kamen unter Herzog Eberhard III. viele Ethnographica in die württembergische Kunstkammer. Das Inventar von 1624 verzeichnet allerley Indianischen, Türckhischen, auch anderen außländischen Sachen, so zum Haußrath, Klaydern, Zierathen gehören.20 Aufgrund des intensiven maritimen Austauschs zwischen Asien und Europa im 16. und 17. Jahrhundert gelangten vermehrt asiatische Luxusgüter in die Sammlungen. Feine chinesische Arbeiten aus Jade und fragiles Porzellan waren sehr begehrt.

L’engouement pour la Chine

Die Schwärmerei für China begann im 16. und 17. Jahrhundert. Besonders Porzellan und Lackobjekte wurden in großen Mengen per Schiff aus Ostasien, bevorzugt aus China, nach Europa transportiert, zum Schmuck der Kabinette in den neuen Schlössern der Zeit. Vor der Erfindung des europäischen Porzellans 1710 waren die Importe besonders wertvoll und wurden entsprechend mit Metallfassungen nach der neusten Mode montiert. Stellvertretend seien hier eine chinesische Porzellanschale mit einer Nürnberger Fassung und ein Lackgefäß, das aus zwei Lackkopchen mit einer französischen Fassung zusammengesetzt wurde, genannt.21

Wie beliebt Porzellane bei den württembergischen Fürsten und Fürstinnen waren, zeigt ein Blick in die Hinterlassenschaftsakten der Herzogin Maria Augusta von Württemberg (1706–1756) aus dem Jahr 1756.22 Dort werden im Gesamtvermächtnis der Juwelen, Kunstwerke, dem Pretiosenkabinett etc. mehrere hundert Positionen für das Porcelaine Cabinete aufgeführt. Dieses ist unterschieden nach Dresdner gemahlt Porcelaine, d.h. Meißner Porzellan, Allerley Porcelaine unterschiedlicher Herkunft und Chinesische und Japanische, also original asiatischen Porzellanen.23

Teile dieser Erbschaft aus den Kabinetten der Pretiosen und Porzellane gingen an ihren Sohn, den ab 1744 regierenden Herzog Carl Eugen (reg. 1744–1793). Wahrscheinlich gehörten dazu auch Pagoden aus Böttcherporzellan, die zu den Chinesen-Darstellungen des 18. Jahrhundert zählen. Sowohl in der Kunstkammer als auch in einem jüngst für das Landesmuseum Württemberg erworbenen Schachspiel finden sich kleinformatige, farbig gefasste Pagoden-Figuren. Einerseits als Schaft unter Rubinglasschälchen, anderseits als König- und Dame-Figuren im Schachspiel.24 Das silberne K, das die Schaftfigur in ihrer Rechten hält, kann als Indiz gelten, dass auch diese Pagoden-Figur zuvor als Schachfigur umgestaltet wurde und als König in einem Schachspiel zum Einsatz kommen sollte.
Diese Beispiele zeigen den Weg, den Einzelobjekte genommen haben und welchen Wandel sie unter Umständen durchlaufen haben. Ursprünglich als Zierde des Porzellankabinetts, in Zweitverwendung als Schaftfiguren oder Spielfiguren mit den jeweiligen Verlagerungen in andere Sammlungsbereiche oder den privaten Gebrauch.

Die Wertschätzung für asiatische Arbeiten hielt noch an, als die Kunstkammer ihren Charakter gewechselt hatte und im 19. Jahrhundert zu einem Auffangbecken für Kostbarkeiten, die nicht benutzt wurden, geworden war. So schenkte Königin Katharina von Württemberg (1788–1819) 1817 virtuose chinesische Schnitz- und Sägearbeiten in die Kunstkammer.25 Sie waren Geschenke, die der russische Admiral Adam Johann von Krusenstern (1770–1846) ihr aus China mitgebracht hatte. Im Auftrag Zar Alexanders I., des Bruders der Königin, hatte er 1803 bis 1806 die erste russische Erdumsegelung durchgeführt.

Von der quantitativen Erfassung der Sammlung zur qualitativen Beschreibung des Einzelstücks – Die Mathematica-Inventare

Irmgard Müsch

Inventare und Instrumente

Inventare sind Quellen, aus denen sich Informationen für zahlreiche Fragestellungen gewinnen lassen.26 Wann kamen die wissenschaftlichen Instrumente in die Kunstkammer und woher? Wie lange blieben sie Teil der Sammlung und warum wurden manche ausgesondert? Hinweise zu Ordnungsprinzipien und Präsentationsformen finden sich ebenso wie Bedeutungszuweisungen an die Objekte und deren Wandel. Im Folgenden wird der Frage nachgegangen, wie sich die Beziehung zwischen den Inventaren als Texte über die Objekte und den Objekten als solche gestaltete? Und wer waren die Hersteller dieser speziellen Textform?

Abb. 11: Wissenschaftliche Instrumente aus der Kunstkammer. Landesmuseum Württemberg, Stuttgart.

Zur Sammlung wissenschaftlicher Instrumente im Landesmuseum Württemberg gehören heute noch gut 100 Objekte, die sich mittels der Inventare zweifelsfrei auf die Kunstkammer zurückführen lassen. Den Schwerpunkt bilden zahlreiche Winkelmesser für geodätische, astronomische und ballistische Zwecke. Des Weiteren haben sich einige optische Instrumente, Sonnenuhren, Zeichengeräte und Rechenhilfen sowie Geräte zur Erforschung der Naturgesetzte wie Magnete erhalten.
Die Anfänge waren jedoch bescheiden.27 Nach dem Dreißigjährigen Krieg begann in Stuttgart der Wiederaufbau. Herzog Eberhard III. kehrte 1638 in die Stadt zurück. Was an Kunstkammergegenständen den Zerstörungen und Beutezügen der Kaiserlichen entgangen war, wurde in das Schloss gebracht, um dort den Grundstock einer neuen Kunstkammer zu bilden. In der entsprechenden Liste von 1642 werden für den hier relevanten Bereich, den wissenschaftlichen Instrumenten, genau zwei genannt: Zwey Astronomische Instrumenta, von Mössing.28 Aufgrund der wenig detailreichen Beschreibung lassen sich die beschriebenen Instrumente nicht mit erhaltenen Objekten identifizieren.
Herzog Eberhard III. verfolgte den Wiederaufbau der Kunstkammer nach Kräften. Vor allem die ererbte Sammlung Guth von Sulz half dabei. Im ersten Nachkriegsinventar von 1654 listete der Kunstkammerverwalter Johann Betz neben den beiden schon 1642 vorhandenen Stücken ein drittes auf, das als erstes von einer ganzen Reihe von Objekten aus der Sammlung Guth von Sulz eingearbeitet worden war. Das Objekt – eine Tafel kabbalistischen Inhalts – hat sich erhalten.

Der Inventareintrag lautet Ein Tafel von Kupffer, darauff die Elementa sindm Planeten, und anderere Sachen Cabalistischer Weiß geetzet.29

Neben Zuwachs durch Erbschaften, Überweisungen des Herzogs und durch Ankäufe kam nach und nach eine beachtliche Sammlung zusammen, so dass im Jahr 1705 bis 1723 von dem Antiquar Johann Schuckard angefertigten Inventar knapp 200 Objekte unter den Mathematica subsumiert wurden.30 Die Sammlung, die es zu ordnen und zu verzeichnen galt, hatte sich vervielfacht und differenziert.

Die Betreuer – Personen und Aufgaben

Der erste Kurator der württembergischen Kunstkammer, der von 1609 bis 1611 tätig war, ist zwar namentlich bekannt31, seine genauen Aufgaben und Tätigkeiten sind jedoch nicht dokumentiert. In Bezug auf den Nachfolger im Amt wird der Augsburger Kunstagent Philipp Hainhofer, der Kunstkammer 1616 besucht hatte, etwas konkreter. Hainhofer berichtet: Hat mich allso der von Laymingen, vnd der KunstCammerer, inn den Thurm hinauf gefüerth, zwei Zimmer geöffnet.32 Der Kunstcammerer war also zumindest dabei, wenn durch die Kunstkammer geführt wurde.
Was die Aufgaben eines Kurators der Stuttgarter Kunstkammer waren, geht aus drei erhaltenen Dienstanweisungen hervor, Staat und Ordnung betitelt: Die erste Dienstanweisung, ausgestellt von Herzog Eberhard III., muss vor 1654 entstanden sein.33 Die zweite Dienstanweisung wurde für Adam Ulrich Schmidlin ausgestellt, der 1669 sein Amt antrat. Die erste und eine dritte Dienstanweisung, die 1729 aufgesetzt wurde, ähneln sich im Aufbau und Umfang sehr. Auf jeweils 1½ Seiten werden dem Betreuer der Kunstkammer, Inspektor oder Antiquarius genannt, im Wesentlichen drei Aufgaben übertragen. Bei Eid verpflichtete er sich, Schad und Abgang zu verhüten, die Objekte einem Inventarii einzuverleiben und in guter sicherer Verwahrung zu halten.
Die zweite Dienstanweisung von 1669 richtet sich an den neu bestellten Adam Ulrich Schmidlin. Sie umfasst zehn Seiten mit zwölf Abschnitten und differenzenziert das Stellenprofil deutlich. Zum Beispiel wird, wie Carola Fey dargestellt hat, der Bildungsgrad des zukünftigen Antiquars bestimmt.34 Dieser solle laut Dienstanweisung in den Historien und alten Geschichten belesen, von den Güldinen, Silberlin und metallinen Kunst: und raren Stückhen einen guthen Verstand und Wissenschaft habe[n].35 Auch an die Weiterbildung ist gedacht. So solle der Antiquar mit Betreuern anderer Kunstkammern korrespondieren, um Objekte akquirieren zu können, aber auch, um mehr über die vorhandenen Objekte zu erfahren.
Eine umfassendere Arbeitsplatzbeschreibung war als notwendig erachtet worden, da im Frühjahr desselben Jahres, also 1669, der Arbeitsleistung des amtierenden Antiquars Johann Betz und dem Zustand der Kunstkammer von Gutachtern ein negatives Zeugnis ausgestellt worden war. Neben der ungeordneten Aufstellung moniert dieser Revisionsbericht36 den Zustand des Inventars. So seien Objekte falsch benannt oder so beschrieben, dass sie nicht identifizierbar seien. Hieraus ergebe sich die Gefahr, dass Objekte verwechselt würden.
Auf diese Kritik reagierte die Dienstanweisung von 1669 mit dem formulierten Vorhaben, dass die Antiquitäten und Raritäten in besserer construction und Ordung alß bishero gewesen37 geordnet werden sollten. Als zentrale Aufgabe des einschlägig vorgebildeten Antiquars wurde die Dokumentation der Sammlung in einem Inventar festgeschrieben.
Bei den Antiquaren handelte es sich – wie Niklas Konzen zusammenfasste – zumeist um Verwaltungsbeamte aus der Kanzlei38 mit „akademischer Grundausbildung“, z.T. mit einer Profilierung in Naturwissenschaften, die zum Ende ihrer Karriere hin das Amt des Antiquars übernahmen.

Dagegen hatte Johann Schuckard39, bevor er 1690 Antiquar in der Kunstkammer wurde, als Professor für Mathematik am Stuttgarter Gymnasium illustre gearbeitet. Das Porträt von 1717 führt ihn in beiden Funktionen vor – er zeigt sich direkt vor der Tür zur Kunstkammer sitzend, hat die mathematische Grundlagenliteratur wie Euklids Geometriebuch ebenso zur Hand wie originale Objekte.
Schuckard schlug dem Herzog um 1700 die Neuordnung der Kunstkammer vor und fertigte ab 1705 das schon mehrfach genannte Inventar an. Hatte Hainhofer 1616 bei seinem Besuch der Kunstkammer bemerkt, die sachen stehn, hangen, vnd ligen, aber inn keiner Ordnung40 und sah dies laut des zitierten Revisionsberichts von 1669 immer noch oder wieder so aus, so stellt sich das auf der Darstellung Soms anders dar.
Auch wenn es sich hier um eine Idealansicht handelt, wird darin eine neue Ordnungsvorstellung einer aufgeräumten Sammlung deutlich. Die ab 1705 entstehenden Inventare Schuckards folgen der räumlichen Ordnung der 24 Schränke, in denen die Objekte nach Gattungen, Materialien und Funktion systematisch aufgestellt sind.
Um nun den Aufbau der Inventare bzw. vor allem den Konnex zwischen Objekt und beschreibenden Text zu analysieren, ist ein Blick auf die Anfänge sinnvoll.

Kennzeichnung der Objekte und Systematik der Inventareinträge

Dieses Hirschgeweih aus der Kunstkammer trägt seine Beschreibung auf sich selbst.41 Aufgezeichnet sind mit der Formulierung 1600. FOSSILE. zwei interessante Aspekte: der fossilierte Zustand und eine Jahreszahl, vermutlich das Jahr des Fundes.
Weitere Objekte tragen vergleichbare Aufschriften, darunter ein Hosenknopf, der auch als Balsambüchse zu gebrauchen war. Mit der Aufschrift EX MANILA wird seiner besonderen Herkunft Rechnung getragen.42 Auf einem erhaltenen Unterkiefer wurde sein hervorstechendes Merkmal, dass er nämlich von einem Flusspferd stammt, mit der Bezeichnung HIPPOPOTAMI vermerkt.43 Auch eine neuartige Rechenhilfe, die RABDOLOGIA NEPERI, also Rechenstäbe nach John Napier (1550–1617), ist per Inschrift auf dem Futteral als solche erkennbar.44

Eingedenk der überlieferten Tatsache, dass zu dieser Zeit die Herzöge selbst oder hochgestellte Hofbeamte etwaige Gäste durch die Kunstkammer führten,45 erscheinen diese Beschriftungen wie Spickzettel – die wesentlichen Informationen sind in äußerster Verknappung gut leserlich notiert.
Erhalten haben sich nur wenige Objekte mit solchen Inschriften. Nach Philipp Hainhofers Bericht von 1616 war jedoch ein grosse Anzahl kleiner vnd grosser Geschürr aus edlen Gestainen, alle inn iren Futteralen verwahrt.46 Wie bei den Rechenstäbchen waren auf diesen Futteralen Aufschriften, die in den Inventaren des späten 18. Jahrhunderts auch noch genannt werden.47 Allerdings sind diese Futterale nicht mehr vorhanden.

Die wissenschaftlichen oder mathematischen Instrumente erscheinen – wie schon oben erwähnt – zum ersten Mal in einer Liste 1642 und im Inventar von Johann Betz 165448. Es handelt sich hierbei um eine reine Auflistung – noch ohne nummerierendes Zählen der Objekte, was bei der Zahl von drei auch nicht notwendig war. Sie sind ohne Standort und mit einer rudimentären Beschreibung gelistet.

Mitte der 1670er Jahre fertigte Daniel Moser, seit 1669 Assistent des Antiquars Adam Ulrich Schmidlin, eine Liste der Kunstkammerbestände an.49 Wenn auch die Objekte einer Gruppe zusammen aufgelistet werden und gelegentlich eine eigene Überschrift erhalten, wie hier die Mathematica, handelt es sich um eine Aufzählung. Die Zahlenwerte berücksichtigen Objektgruppen nur punktuell und den Lagerort gar nicht. Sie steigen kontinuierlich an und beschreiben ein Mengengerüst. Diese Zahlen sind nicht Teil der Objektbeschreibung oder -kennzeichnung, sind keine Inventarnummer oder Signatur im heutigen Sinne. Sie sind rein quantifizierend, sie schaffen keinen Konnex zwischen dem Inventareintrag und dem realen Objekt im Schrank.

Im Inventar Schmidlins, das dieser bald nach seinem Amtsantritt 1669 begann, zeichnet sich ein Systemwechsel bei der Beziehung zwischen Inventareintrag und Objekt ab. Die zunehmend systematische Anordnung der gesamten Sammlung im Raum spiegelt sich auch im Inventar. Mit Angabe des Lagerorts sind die Bestände in 42 Gruppen geordnet und knapp beschrieben.
Mit Buchstaben, die nicht primär der Zählung dienen, schafft Schmidlin eine neue Verbindung zwischen Inventar und Objekt. Diese dem Alphabet folgenden Buchstaben sind fein am Rand notiert. Dies markiert den Anfang eines Umbruchs. Die Kodierung der Inventareinträge mit Buchstaben anstelle von Zahlen dient nicht mehr der Mengenerfassung, sondern der potentiell zweifelsfreien Identifizierung der im Inventar beschriebenen Objekte.

Von 1705 bis 1723 fertigte Johann Schuckard ein neues Inventar an. Die etwas früher entstandenen Vorarbeiten weisen wieder eine Neuerung auf.50 Dem System Schmidlins, die Inventareinträge mit Buchstaben zu kennzeichnen, wohnt ein gravierendes Problem inne: das Alphabet hat entschieden zu wenige Buchstaben für eine wachsende Sammlung. Da die Buchstaben im Schmidlinschen Inventar bei jeder Schublade erneut mit a beginnen, wiederholen sie sich vielfach und stellen keine spezifische Kennzeichnung eines Objektes dar.
Schuckard machte schon in den Vorarbeiten den Versuch, nun eine eindeutige Kennzeichnung des einzelnen Objektes zu entwickeln und führte etwas ein, was als ‚sprechende Signatur‘ bezeichnet werden kann: Der Antiquar schuf eine individuelle Bezeichnung jedes einzelnen Objektes mit zwei, zumeist lateinischen Worten. Die Initialen der beiden Worte ergeben zusammengenommen die Objektkennzeichnung, die ‚sprechende Signatur‘. So wurde ein Proportionalzirkel, benannt als Circinus Proportionalis, mit den Kürzel C.P. bezeichnet, ein Winkelmessinstrument, Instrumentum Goniometricum, mit den Buchstaben I.G.

Diese Kürzel der Objektbezeichnung wurden auch auf den Objekten aufgetragen, beispielsweise auf zwei Zylindersonnenuhren, Cylindri Horodictici, deren Kennung C.H. sich bis heute erhalten hat. Damit war die Kennzeichnung fixiert, es bestand eine dauerhafte Kongruenz zwischen Inventareintrag und realem Objekt.
Die vergebenen sprechenden Signaturen behielt Schuckard auch in dem großen, 1705 begonnenen Inventar weitestgehend bei, obwohl er in diesem neuen Inventar das System noch einmal modifizierte.51 Ob die ‚sprechenden Signaturen‘ kein in sich logisch aufgebautes System ergaben oder das Generieren von Kürzeln angesichts von nicht kanonisierten Objektbezeichnungen nicht so sprechend war wie erhofft, oder ob diese Kennung mit zwei Buchstaben zum Beispiel dann keine Lösung bot, wenn Objekttypen wie die Cylindri horodictici mehrfach vorkamen – es mag mehrere Gründe für eine weitere Modifikation gegeben haben.

Neben die sprechenden stellte Schuckard jedenfalls nun abstrakte oder neutrale Signaturen – einzelne Buchstaben, die weder eine Mengenerfassung noch eine inhaltliche Information zum Objekt darstellten. Er referierte die alten Bezeichnungen, wie G.B. für Gradbogen zwar noch, ersetzte die sprechende Signatur jedoch durch den neutralen Buchstaben M.52, das heißt, das neue System bestand aus einer durchgehenden Folge einzelner Buchstaben.
In der 35-jährigen Amtszeit Schuckards bzw. in den 20 Jahren, in denen sein Inventar entstand und das maßgebliche Arbeitsinstrument darstellte, veränderte sich die Verortung der Objekte im Raum und im Inventar mehrfach. Die Objekte behielten aber ,ihren‘ Buchstaben und nahmen ihn zu ihrem neuen Platz im Inventar mit, wodurch die alphabetische Buchstabenfolge aufgelöst wurde. Um das unproblematische Auffinden der Objekte mit Signaturen außerhalb der alphabetischen Buchstabenfolge zu gewährleisten, fertigte Schuckard mehrfach Konkordanzen von Buchstabensignatur und Seitenzahl im Inventar an.
Die einem Objekt unveränderlich zugewiesenen Buchstaben wurden gut sichtbar aufgetragen, wie an der kabbalistischen Tafel sichtbar. Hinzuweisen ist auf die sich vervielfachende Textlänge des bei Betz noch dreizeiligen Inventareintrags. Schuckard strebte eine detaillierte Beschreibung an, die auch inhaltliche Aspekte einschloss.

Die abstrakte Signatur mittels Buchstaben findet sich noch auf einer ganzen Reihe von Gegenständen der Kunstkammer, zum Beispiel auf dem Modell einer Wasserspritze und auf einem Vermessungsinstrument.53 Auf Holz und bemalter Oberfläche ist die Signatur mit einer Art von Ölfarbe je nach Untergrund in Weiß oder Schwarz aufgetragen worden.

Auf den Oberflächen einiger Metallobjekte, zum Beispiel zwei artilleristischen Instrumenten, finden sich die Buchstaben als Korrosionsspuren.54

Die Kongruenz zwischen Text strukturierenden Buchstaben und Objektkennzeichnung, die Schuckard dauerhaft herstellte, hatte allerdings einen entscheidenden Nachteil. Das Nutzen von einzelnen Buchstaben impliziert – wie schon bei Schmidlin gesehen – zu viele Wiederholungen. Schuckard suchte einen Ausweg und fand, zumindest für einen Teil der Objekte, eine Lösung:

Er fügte der Buchstabenkennzeichnung eine Farbcodierung hinzu. Auf einem mittelalterlichen Elfenbeinkästchen ist noch schwach ein grünlicher Buchstabe zu erkennen.55 Mit grüner Tinte ist der entsprechende Buchstabe auch im Inventar eingetragen.56 Einige andere Einträge sind ebenfalls mit grünen Buchstaben überschrieben. Diese Farbcodierung findet sich jedoch (wohl) nur in Grün. Ob nicht genug Farben zur Verfügung standen, ob Schuckard angesichts verblassender Buchstaben auf den Objekten an diesem System zweifelte?
Als Johann Friedrich Vischer in den Jahren 1762 bis 1764 das nächste Inventar in Angriff nahm, blieb er vorerst bei dem Schuckardschen System der ‚sprechenden Signaturen‘ kombiniert mit den, fix einem Objekt zugeordneten Einzelbuchstaben. Als der Antiquar in den 1780er Jahren jedoch ein weiteres Inventar anfertigte, straffte er die Untergliederung und ordnete die Objekte (nun schon ohne die drei ausgegliederten Naturreiche) in fünf Abteilungen an – Schmidlin hatte 42 – und nummeriert diese jeweils komplett durch, was bei den Mathematica eine Zahlenreihe von 1 bis 195 umfasste.57 Diese Zahlen gaben jedoch nicht nur die Gesamtmenge an, sondern waren die individuellen, feststehenden Inventarnummern der Objekte.
Als sein Nachfolger Karl Friedrich Lebret 1792/93 ein neues Inventar schrieb, blieben in der Nummernfolge die Zahlen frei, deren Objekte nicht mehr vorhanden waren, sodass sich die Nummernfolge nicht verschob.

Die Vischerschen bzw. Lebretschen Nummern wurden mittels Zettel auf den Objekten befestigt, wie am Beispiel der nun schon bekannten Tafel sichtbar wird.

Die Beziehung zwischen Objekt und Inventartext

Aus Einzelstücken der Sammlung, durch die der Fürst persönlich oder durch einen hochgestellten Beamten vertreten durchführte, wurde eine schier unüberschaubare Vielzahl von Objekten. Fungierte die direkte Aufschrift auf dem Objekt – zu erinnern ist an die Aufschriften Ex Manila oder Rabdologia Neperi – quasi als Spickzettel für den führenden Fürsten, dienten die mit einer Zählung versehenen Objektlisten in den ersten Inventaren primär der mengenmäßigen Erfassung. Eine eindeutige Indexierung, die eine zweifelsfreie Verbindung zwischen Objekt und Inventar schuf, war weder erreicht noch angestrebt.

Die zur individuellen Codierung gedachten, aber sich zu häufig wiederholenden Buchstaben, die Schmidlin verwendete, baute Schuckard dann zum System der ‚sprechenden Signaturen‘ aus, indem er aus den Objektbezeichnungen Buchstabenkombinationen zu einer individuellen, potentiell permanenten Kennzeichnung generierte, bevor er dann erneut zu einem abstrakten System der Einzelbuchstaben, teils farblich differenziert, überging. Wenn auch Vischer 1785 noch einmal eine vereinfachte Neufassung der Systematik mit fünf Großgruppen und durchgehenden Zahlen einführte, war das Prinzip der individuellen, fixen Kennzeichnung der Objekte durch Inventarnummern sowie die Kongruenz zwischen Inventar und Objekt erreicht.

allerley alte Numismata, Müntzen und Schaupfenning, von Gold, Silber und anderen Metallen. Gliederungsprinzipien in Inventaren der Münz- und Medaillensammlung

Matthias Ohm

Zur Geschichte der Münz- und Medaillensammlung

Die Münzsammlung der württembergischen Herrscher ist mehr als ein Jahrhundert älter als ihre Kunstkammer.58 Schon Eberhard im Bart sammelte Münzen, wie sein Exemplar des Fasciculus temporum, einer 1481 erschienenen Weltchronik, beweist.59 Eberhard brachte bei jeder Person, von der er eine Münze zu besitzen glaubte, ein Zeichen an: einen Kreis mit einem Strich.60

Insgesamt 45 Herrscher wurden gekennzeichnet: Alexander der Große, 34 römische Herrscher vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis zum ausgehenden 4. Jahrhundert n. Chr., vier byzantinische sowie zwei karolingische Kaiser und die vier römisch-deutschen Könige von Wenzel bis Albrecht II.61

Vermutlich nutzte Eberhard im Bart seine Ausgabe des Fasciculus temporum als ein Pannini-Album de luxe: Wenn er sich den Abschnitt mit einer bestimmten historischen Person zu Gemüte führte, legte er das passende Objekt aus seiner Sammlung in Rolevincks Werk. Die Kreise mit dem Herrschernamen boten sich für die runden Münzen gerade zu an.
Die Stuttgarter Münz- und Medaillensammlung wurde im 16. und frühen 17. Jahrhundert weiter ausgebaut. Von den Objekten, die vor der Schlacht von Nördlingen 1634 in den Inventaren genannt werden, sind nur noch wenige in den Stuttgarter Beständen nachweisbar. Darunter ist eine Schale aus dem frühen 16. Jahrhundert, in deren Boden, Wände und Handhebe keltische, römische und zeitgenössische Münzen eingelassen sind.62 Der größte Teil der numismatischen Objekte ging jedoch im Dreißigjährigen Krieg verloren.

Nach dem Westfälischen Frieden ging Eberhard III. von Württemberg daran, in Stuttgart wieder eine Kunstkammer aufzubauen, die Münz- und Medaillensammlung stand dabei besonders im Fokus. Nur fünf Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs fiel die Sammlung Guth von Sulz als Erbe an den Herzog. Diese Kollektion umfasste rund 20.000 Objekte, darunter etwa die Hälfte Münzen und Medaillen. Sie bildeten den Grundstock für den Wiederaufbau des Stuttgarter Münzkabinetts.
Im 18. Jahrhundert gelangten die Münz- und Medaillensammlungen zweier württembergischer Nebenlinien nach Stuttgart. Die Herrscher aus der Nebenlinie Neuenstadt des Hauses Württemberg trugen bedeutende Kollektionen zusammen:63 neben Skulpturen und Büchern auch eine rund 8.000 Objekte umfassende Münz- und Medaillensammlung von hoher Qualität, von der das Stuttgarter Münzkabinett bis heute profitiert.64 So befand sich in den Neuenstädter Beständen etwa eine goldene Medaille, die auf die Hochzeit der Eltern des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn (1548) ausgegeben wurde. Diese Medaille ist ein Unikat. Neben dem Stuttgarter Exemplar ist nur ein einseitiges Stück im British Museum in London bekannt.65

Auch die Münzsammlung eines weiteren Zweiges des Hauses Württemberg kam im frühen 18. Jahrhundert nach Stuttgart: die Sammlung der linksrheinischen Nebenlinie Mömpelgard, die 1723 mit dem Tod von Herzog Leopold Eberhard ausstarb.66 Von den ursprünglichen Beständen waren nach diversen Plünderungen des Mömpelgarder Schlosses durch die Truppen Ludwigs XIV. nur gut 550 Münzen und Medaillen übrig geblieben, darunter aber einige spektakuläre goldene Objekte, wie eine Muntz von alchemistischem Gold.67

Inventare der numismatischen Bestände

Die Sammlungen von Münzen und Medaillen, die durch Erbfall oder Ankauf nach Stuttgart kamen, sind in handschriftlichen oder gedruckten Inventaren dokumentiert. 1620 wurden die Objekte der Sammlung Guth von Sulz in einer 287 Seiten umfassenden Handschrift nachgewiesen. Die numismatischen Bestände finden sich an zwei Stellen: zu Beginn der Handschrift sind allerley alte Numismata, Müntzen und Schaupfenning, von Gold, Silber und anderen Metallen aufgeführt,68 etwa in der Mitte des Inventars sind neun astrologische Amulette und Medaillen in der Rubrik Von allerhandt Sigillen von golldt, silber und gemengten Metallen genannt.69

Die Münz- und Medaillensammlung der Herzöge von Württemberg-Neuenstadt wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts versteigert.70 Zu diesem Zweck wurde 1710 ein 140 Seiten starker Katalog gedruckt. Seine ersten 82 Seiten dokumentieren antike Münzen, von der römischen Republik (Nummi Consulares) bis zu Prägungen der Völkerwanderungszeit (Nummi Hispanici). Unter den Nummi Moderni sind die Reichsstände von den Kaisern bis zu den Reichsstädten, die ausländischen Münzherrschaften sowie schließlich EMBLEMATA, MISCELLANEA und Nachträge nachgewiesen.71

Nachdem die Nebenlinie Württemberg-Mömpelgard 1723 ausgestorben war, gelangte deren Sammlung nach Stuttgart und wurde in zwei handschriftlichen Listen erfasst: in der Verlassenschaft Herzog Carl Alexanders von Württemberg und in der Consignation von denen Mömpelgardischen Antiquitaten.72

Zwei Gliederungsprinzipien – nach dem Alter und nach dem Material

Die gedruckten und handschriftlichen Inventare des 17. und 18. Jahrhunderts lassen für die Münzen und Medaillen zwei Gliederungsprinzipien erkennen: Zum einen sind die numismatischen Objekte nach dem Alter und zum anderen nach dem Material angeordnet. Das Cimeliarchium, das gedruckte Auktionsverzeichnis der Neuenstädter Sammlung, erwähnt im Untertitel „sehr alte und neue Stücke“: thesaurus nummorum tam antiquissimorum quam modernorum.73

Auch die Auflistung der Mömpelgarder Sammlungen nennt antique Münzen und die modernen.74 Unterschieden wird also zwischen Prägungen der griechischen und römischen Antike auf der einen Seite sowie zeitgenössischen Münzen und Medaillen auf der anderen.

Mittelalterliche Prägungen spielten in der Münzsammlung der württembergischen Herzöge kaum eine Rolle. Zu den wenigen Münzen des Mittelalters der Sammlung Guth von Sulz zählte ein Denar König Alfons‘ I. von Aragon.75 Auch in anderen Münzsammlungen des Barocks finden sich nur wenige mittelalterliche Prägungen, da sie aus einer zu dieser Zeit „als ‚kunstlos‘ geltenden Epoche der Numismatik“ stammten.76

Das Inventar der Sammlung Guth von Sulz unterscheidet zwar auch zwischen alt und modern, wählt aber als oberstes Gliederungsprinzip nicht die Zeit, zu der die Objekte entstanden, sondern das Material, aus dem sie bestehen. Die Auflistung ist nach den (Edel-)Metallen geordnet: Die einzelnen Abschnitte sind mit Von Goldt, Von Silver, Von Ertz und Mettal (aus unedlem Metall), Von Bley und Von schwebel sowie Notgeld aus Pappe (Von Pavier) überschrieben.77

Mit dieser Gliederung folgte das Inventar der Sammlung Guth von Sulz der seit Jahrtausenden gültigen Hierarchie der Münzmaterialien. An der Spitze stand und steht Gold als „Königin der Metalle“, gefolgt vom Silber, das „seit der Antike das bekannteste und beliebteste Münzmetall“ war. Die dritte große Gruppe bilden schließlich die Objekte aus Kupfer bzw. einer Kupferlegierung.78

Diese Hierarchie der Materialien – nach ihrer Verfügbarkeit und damit nach ihrem Preis – Gold (gelb), Silber (weiß) und Kupfer (rot) zeigt auch die Einträge im Cimeliarchium. Hier sind die Münzen und Medaillen der innerhalb der einzelnen Münzherren und -stände nach dem (Edel-)Metall gegliedert: Links der Einträge finden sich die Kürzel AV (aurum – Gold), AR (argentum – Silber) oder Æ (aes – unedles Metall, Kupfer, Bronze, Messing usw.). So sind zur Domitia, der Frau des Kaisers Domitian, fünf Münzen aufgelistet: eine aus Gold, drei aus Silber und eine aus Bronze.

Die Neuenstädter Herzöge wollten also nicht nur möglichst vollständig die römischen Kaiser und Kaiserinnen in ihrer Sammlung vertreten wissen, sondern zudem jede dieser Personen mindestens jeweils einmal in einer goldenen, einer silbernen und einer kupfernen Münze.79

Möglichkeiten und Grenzen der Zuordnung

In den Inventaren der Sammlung Guth von Sulz und der Mömpelgarder Sammlung sowie im Cimeliarchium sind rund 20.000 numismatische Objekte nachgewiesen. Doch nur in wenigen Fällen ist es möglich, den Inventareinträgen des 17. und 18. Jahrhunderts heute im Stuttgarter Münzkabinett bewahrte Stücke zweifelsfrei zuzuordnen.
Dies hängt damit zusammen, dass wichtige Dokumentationen verloren sind. Die 1.289 Silbermünzen der römischen Kaiser80 wie auch die 4.337 römischen Kupfermünzen81 der Sammlung Guth von Sulz sind im Inventar deshalb nur ganz knapp erfasst, da sie fleissig unnd ordenlich mit iren Zetteln unnd Indice beschriben sind. Bedauerlicherweise haben sich diese Unterlegezettelchen und Übersichtslisten nicht erhalten.
Auch die Sammeleinträge erschweren die Zuordnung. So nennt das Inventar der Sammlung Guth von Sulz Acht Zehen Schawpfenning von allerhandt geistlichen Historien, ohne weitere regionale oder ikonographische Bestimmungen.82 In der Auflistung der Mömpelgarder Sammlung findet sich an erster Stelle ein Eintrag mit 426 Silbermünzen der Antike: An antiquen, griechischen, Consularibus und Imperatoriis Nummis, von Silber. Vierhundert zwanzig Sechs Stück.83 All diese Einträge sind so knapp gehalten, dass eine Zuordnung unmöglich ist.
Wenn die Objekte allerdings besonders ausführlich beschrieben oder extrem selten sind, kann eine Zuweisung erfolgen.84 Dies gilt zum Beispiel für die Müntz von alchemistischem Gold, rund, mit einem Löwen auf dem Altar und einem Henckel, die in der Mömpelgarder Auflistung genannt ist.85

Diese Medaille ist ein Unikat, so dass dem Inventareintrag aus dem frühen 18. Jahrhundert ein heute noch vorhandenes Objekt zweifelsfrei zuzuordnen ist.
Ein weiteres Beispiel für eine eindeutige Zuordnung: Im Inventar der Sammlung Guth von Sulz sind zwölf Münzen aus süd- und südwestdeutschen sowie Schweizer Städten zusammen aufgelistet. Bei elf dieser Objekte ist wegen der knappen Beschreibung keine Zuordnung möglich. Eine Münze aber ist mit einem Zusatz besonders charakterisiert: Sie wird als gar dickh bezeichnet.86

Unter den 38 frühneuzeitlichen Kemptener Prägungen, die heute im Stuttgarter Münzkabinett aufbewahrt werden, ist nur eine, auf die diese Beschreibung passt: der Dickabschlag87 eines Halbbatzens von 1512.88

Wertangaben in den Inventaren

Neben der Angabe von Alter und Material ist bei Sammlungen, die nach Stuttgart gelangten, und bei einzelnen Objekten auch der Wert angegeben. Die Sammlung Guth von Sulz mit ihren knapp 21.000 Objekten taxierte man im Jahr 1624 auf 28.500 Gulden. Die numismatischen Bestände wurden auf 3.600 Gulden geschätzt.89

Auch bei einzelnen Objekten finden sich Wertangaben. Die Mömpelgarder Sammlung wurde während der 1740er Jahre in zwei Inventaren erfasst. In einer der beiden Listen finden sich Nachträge, in denen der Wert der Münzen und Medaillen angegeben wurde. So trägt eine heute im Bestand nicht mehr nachweisbare viereckigte alchymistische Medaille mit einem Monogrammate die Wertangabe pro 27 Gulden.90

Diese Wertangaben sind keine Besonderheit des Stuttgarter Münzkabinetts. Auch anderenorts wurde die Auflistung der numismatischen Objekte genutzt, um den materiellen Wert von einzelnen Stücken, einzelnen Beständen oder der ganzen Sammlung zu bestimmen. Die Inventare belegen, dass die fürstlichen Sammler Münzen und Medaillen als historische Zeugnisse, aber auch als materielles Vermögen ansahen.91

Exotica
-, Mathematica– und Numismatica-Sammlung bildeten ganz verschiedenartige Bereiche der württembergischen Kunstkammer. Diese drei Bestände weisen große Unterschiede auf, etwa in Hinblick auf die Anzahl, das Alter und die Herkunft der Objekte. Umfasste die Mathematica-Sammlung knapp 200 wissenschaftliche Instrumente, wurde im Münzkabinett eine fünfstellige Anzahl von Objekten aufbewahrt. In dieser Sammlung spielten antike Stücke – insbesondere aus der römischen Kaiserzeit – eine große Rolle, während bei den Mathematica und Exotica zeitgenössische Instrumente und Porzellanfiguren aus China gesammelt wurden.
Bei allen Unterschieden der drei Sammlungsbereiche lassen sich doch bei der Inventarisierung der Bestände gemeinsame Entwicklungen feststellen. Seit dem letzten Drittel des 17., vor allem aber mit Beginn des 18. Jahrhunderts werden die Objekte systematischer und wissenschaftlicher erfasst. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die württembergischen Herzöge ausgewiesene Experten für die Betreuung der Kunstkammer beschäftigten. So bedienten sich die Herzöge der Stuttgarter Hauptlinie wie der Neuenstädter Nebenlinie für die Inventarisierung und Erweiterung der Hilfe des französischen Numismatikers Charles Patin (1633–1693), eines europaweit anerkannten Fachmanns.
In den Inventaren der württembergischen Kunstkammer lässt sich die Entwicklung zu einer strukturierten und wissenschaftlichen Erfassung der Sammlung ablesen. Standen zunächst vor allem die Mengenermittlung und die Werterfassung der Bestände im Vordergrund, so finden sich nun – insbesondere in den Verzeichnissen der Antiquare Johann Schuckard (1640–1725) und Johann Friedrich Vischer (1726–1811) sowie des Bibliothekars Karl Friedrich Lebret (1764–1829) – detaillierte Beschreibungen und systematische Einordnungen jedes einzelnen Objektes.

Quellen

Hauptstaatsarchiv Stuttgart (HStAS)

A 20 a Bü 4 – Inventar einer Kunstkammer (Guth von Sulz), ohne Verfasserangabe, o. D. (um 1624).
A 20 a Bü 5 – Protocoll-, Inventur-, Decret-, Quittiv-, Lifferungs Sachen, mehrere Verfasser, 1642–1665.
A 20 a Bü 6 – Bei der Inventur und Übergabe an den Hofregistrator und Antiquar Johann Betz aufgestelltes Inventar der Kunstkammer zu Stuttgart, Johann Betz, 1654.
A 20 a Bü 7 – Übergabe von Pretiosen, Kunstwerken, Büchern, Naturalien aus dem herzoglichen Kabinett und Gewölbe an die neue Kunstkammer …, Johann Meyer, 1669–1671 und 1684.
A 20 a Bü 12 – Inventar der Stücke der Kunstkammer, die sich im Zimmer über dem Gemach der Fürstin von Mömpelgard befinden, Daniel Moser, o. D. (um 1680)–1690.
A 20 a Bü 13 – Kleinere undatierte Verzeichnisse, mehrere Verfasser, o. D. (1699).
A 20 a Bü 20 – Inventare Unterfasz. 5: Kasten K, Johann Schuckard, 1708?, 1705–1723.
A 20 a Bü 22 – Inventare Unterfasz. 7: Kasten M, Johann Schuckard, 1708?, 1705–1723.
A 20 a Bü 23 – Inventare Unterfasz. 8: Kasten N und O, Johann Schuckard, 1708?, 1705–1723.
A 20 Bü 55 – 2 Dublettenverzeichnisse, Wilhelm F. Schönhaar, 1756 und o. D. (1756).
A 20 a Bü 130 – Akten zum Kunstkammersturz 1784/85, Unterfasz. 11: Hauptinventar von 1785 mit Ergänzungen bis 1792 (Exemplar des Oberhofmarschallamts), Johann F. Vischer, 1784-1791 und o. D. (1784/85).
A 20 a Bü 151 – Akten zum Kunstkammersturz 1791/92, Unterfasz. 20: Hauptinventar von 1792 (Exemplar des Antiquars Lebret), Karl F. Lebret, 1792.
A 20 Bü 199 – Personalangelegenheiten, mehrere Verfasser, o. D. (um 1650)–1858.
A 202 Bü 2849 – Annahme des Landschaftsekretärs Schmidlin zu einem Oberrat Antiquarien & Inspektor über das Archiv, 1678.
A 21 Bü 18b – Hofstaat der Herzoginnen, 1757–1759.
G 197 Bü 22 – Akten betr. die Hinterlassenschaft der Herzogin Maria Augusta. Fasz. I, 1756.

Anhang: Die Standorte der württembergischen Kunstkammer

1616 Augsburger Kunstagent Philipp Hainhofer (1578–1647) besucht die Kunstkammer im Alten Schloss im Turm, der zum Lustgarten weist, und drei angrenzenden Räumen im ausgebauten Dachgeschoss; außerdem Besuch der Rüstkammer im 1. Obergeschoss im Neuen Bau, das 2. Obergeschoss im Neuen Bau ist zu diesem Zeitpunkt als Ort für die Kunstkammer geplant, jedoch ist dieses noch nicht gebaut und der Plan wird nicht zeitnah ausgeführt.
1620/21 Die Rüstkammer als Aufbewahrungsort von Gebrauchs- und Prunkwaffen im Neuen Bau, 1. Obergeschoss. Umzug der Kunstkammer aus dem Turmraum im Alten Schloss in eine Kammer in der Nähe zur Reittreppe, die drei anderen Räume bleiben bestehen.
1634 Flucht der herzoglichen Familie nach Straßburg ins Exil (bis 1638).
Plünderung der Kunstkammer durch kaiserliche und bayerische Truppen.
1642 Unterbringung der wenigen nach den Plünderungen übrig gebliebenen Kunstkammer-Objekte im Alten Lusthaus.
Sommer: Überführung der Kunstkammer ins Altes Schloss.
1669/70 Umzug der Kunstkammer aus dem Alten Schloss in das Alte Lusthaus, im Obergeschoss neu aufgestellt, auch wenn sich bis in die 1680er Jahre noch Bestände der Kunstkammer in alten Räumen im Alten Schloss befanden.
1676 Bestände der Kunstkammer lagern im Alten Schloss und im Alten Lusthaus; Verwahrung besonders wertvoller Objekte im fürstlichen Kleinodiengewölbe im Alten Schloss.
1678 Kriegsbedingt vermutlich Evakuierung der Kunstkammer, Ort der Verlagerung nicht bekannt.
1688 Kriegsbedingte Verlagerung von Teilen der Kunstkammer und der Ausstattung nach Regensburg.
1689 Kriegsbedingte Verlagerung von Teilen der Kunstkammer auf die Festung Hohenurach, zusammen mit der Rüstkammer.
vermutlich 1690 Vom Hohentwiel und aus Basel werden einige Kunstkammer- Objekte zurück nach Stuttgart geholt.
1698 Aus Regensburg werden Bestände der Kunstkammer zurück nach Stuttgart gebracht.
1703 Letzte Kunstkammerstücke kehren aus den kriegsbedingten Verlagerungen zurück.
1705–vermutlich 1716 Die Bestände des Münzkabinetts sind im Alten Schloss und Alten Lusthaus in zwei Schränken untergebracht.
1729–1743 Lagerung der Neuenstädter Sammlung im Alten Schloss.
ab 1743 Lagerung der Neuenstädter Münz-Sammlung im Neuen Bau.
ab 1746 Lagerung der Münzsammlung der Hauptlinie im Neuen Bau.
1750/52 Für Einrichtung eines Pretiosenkabinetts werden viele Kunstkammer-Objekte aus der Kunstkammer im Alten Schloss geholt.
1750 Abriss des Alten Lusthauses, damit Beginn der ,Wanderschaft‘ der Kunstkammer durch verschiedene Gebäude und Verteilung der Kunstkammer-Bestände.
November 1750 Unterbringung der Kunstkammer im Erdgeschoss des Großen Lusthauses.
Ende 1750 Unterbringung der Kunstkammer im Neuen Bau.
1751 Das gesamte Münzkabinett kehrt aus dem Neuen Bau zurück ins Alte Schloss zurück.
Sommer 1751 Umzug des größeren Teils der Kunstkammer in das Gesandtenhaus, den späteren Prinzenbau am Schillerplatz, 3. Obergeschoss, in drei Räumen; ein kleinerer Teil der Kunstkammer im Neuen Bau, im unteren Saal; die Aufstellung der Kunstkammer ist unklar, möglich ist eine Deponierung der Bestände.
22. Dezember 1757 Brand des Neuen Baus, dadurch Zerstörung eines großen Teils der Waffensammlung, Verbringen der wenigen übrig gebliebenen Waffen ins Zeughaus.
1762 Umzug der Kunstkammer in das Gesandtenhaus, Dachgeschoss.
1763 Wiedereinrichtung eines Pretiosenkabinetts im Alten Schloss.
1764–1771 und während der Verwahrung im Herrenhaus ab 1776 Mehrfache Verlagerungen von Sammlungsbereichen der Kunstkammer ins Ludwigsburger Schloss (1764 Kupferstiche und Zeichnungen; 1766 ein großer Teil der Bronzen; 1776 zahlreiche Gemälde an die Gemäldegalerie; 1778 wissenschaftliche Instrumente zur Einrichtung eines mathematischen Kabinetts; außerdem Verwendung von Kunstkammer-Pretiosen in den Häusern Franziskas von Hohenheim (1748–1811), ab 1784 zweite Ehefrau des Herzogs.
1770–1776 Umzug des Münzkabinetts in das Ludwigsburger Schloss.
1776 Rückkehr des Münzkabinetts aus Ludwigsburg nach Stuttgart ins Herrenhaus, Anschluss des Münzkabinetts an die Bibliothek.
1776 Umzug der Kunstkammer vom Gesandtenhaus in das Herrenhaus (Überlassung der Räume im Dachgeschoss an das Regierungskollegium); Aufgrund von Platzmangel ist nur eine Teilaufstellung der Kunstkammer möglich, viele schadhafte und minderwertige Kunstkammer-Objekte werden in die „Rumpelkammer“ im Prinzenbau eingelagert, die Aufstellung und Ordnung entspricht anscheinend der alten Aufstellung.
1783 Umzug der Naturaliensammlung in die Hohe Carlsschule im Prinzenbau, hier in zwei Sälen zur Benutzung für die Lehrsammlung.
zwischen 1785 und 1792 Weitere Sammlungsbereiche werden in die Hohe Carlsschule ausgegliedert.
ab 1785 Angliederung der Münzsammlung an die Stuttgarter Akademie (Gebäude hinter dem Neuen Schloss) zu Lehrzwecken in der Hohen Carlsschule.
1791 Offizielle Herauslösung des Münzkabinetts aus der Kunstkammer.
1790er Jahre Einzelner Teil der Kunstkammer erhält mehrfach neue Bezeichnungen (Münz-, Medaillen- auch Naturalienkabinettsammlung, 1795 Münz- und Medaillensammlung, auch Kunst- und Naturalienkabinett).
18. Juli 1796 Besatzung Stuttgarts von französischen Truppen, in deren Folge Evakuierung vom Naturalienkabinett; Objekte gingen entweder beim Transport verloren oder wurden als Beute mitgenommen.
nach Ende der Besatzung Umzug des historischen und der drei naturwissenschaftlichen Bereiche in die ehemalige katholische Hofkapelle im Alten Schloss und in die anliegenden vier Zimmer.
20. Oktober 1796 Verkaufsbeschluss der im Zeughaus gelagerten Waffen mit vorheriger Separierung der seltenen und kunstvollen für Integration in die Kunstkammer.
frühes 19. Jahrhundert Einige der Waffen aus der Kunstkammer werden im Alten Schloss gezeigt.
1808 Abgaben von Bronzen und Steinschnittarbeiten und Waffen für Ausschmückungen im Stuttgarter Neuen Schloss und für die Dekoration einer künstlichen Ruine im Schlosspark Ludwigsburg.
17. Februar 1817 Herauslösung aller Sammlungsbereiche aus dem Zuständigkeitsbereich des Hofes, Eingliederung aller Sammlungen in die Staatsverwaltung und mehrfache Bezeichnungen der Sammlungen als Kgl. Münz-, Medaillen- auch Kunstsammlung, später Münz-, Medaillen auch Kunst-, und Altertümersammlung zusammen mit der Naturaliensammlung und der Kgl. Öffentlichen Bibliothek, schließlich heißt die gesamte Sammlung Königliches Kunstkabinett; im gleichen Jahr Umzug der Sammlungen in die Alte Kanzlei.
1819, 1820, 1831 Zuteilung der physikalischen und mathematischen Instrumente an das Stuttgarter Gymnasium, die Gewerbeschule Stuttgart und an das Landwirtschaftliche Institut in Hohenheim.
1822 Umzug der Naturaliensammlung, zusammen mit dem Archiv, in einen Neubau.
1823/24 Umzug der restlichen Sammlung in Räumlichkeiten eines gekauften Hauses, am nordöstlichen Flügel der Landesbibliothek.
1862 Gründung der Staatssammlung vaterländischer Altertumsdenkmale.
1870 Viele Objekte aus dem Kunstkabinett zur Einrichtung des Schlosses nach Bebenhausen bei Tübingen transferiert.
1886 Neue Aufstellung des verbliebenen Kunstkammerbestands im Erdgeschoss der Landesbibliothek.
1922 Umzug der ehemaligen Kunstkammer-Objekte ins Neue Schloss (1. Obergeschoss des nordöstlichen Flügels und des Gartenflügels) zusammen mit den Objekten aus Bebenhausen.
1939–1945 Zweiter Weltkrieg, kriegsbedingte Auslagerung der Sammlungen im August 1939 in das ehemalige Kloster Schöntal an der Jagst.
ab 1949 Ehemalige Kunstkammer-Objekte werden im Alten Schloss gezeigt und sind Teil der Schausammlungen.
1971 Kunstkammer zusammen mit dem Kronschatz im Südwestturm im Alten Schloss ausgestellt.
ab 2010 Interimsausstellung der Kunstkammer in der Dürnitz im Alten Schloss.
21.05.2016 Eröffnung der Neuaufstellung der Kunstkammer im Alten Schloss, 1. Obergeschoss, als Teil der Schausammlung „Wahre Schätze“.

Fußnoten

  1. Lötscher 1976, S. 481.
  2. Reisetagebuch Hainhofers, zitiert nach von Oechelhäuser 1891, S. 306–309.
  3. Fleischhauer 1976, S. 17, Anm. 60, S. 24, Anm. 109; Fey 2017, S. 79, Anm. 35, Hauptstaatsarchiv Stuttgart [HStAS] A 21 Bü 18b, fol. 34v-42v; Maurer 1972.
  4. Ausst.-Kat. Stuttgart 2017, Bd. 1, S. 103f., zu den Archivalien S. 45f.
  5. Vgl. dazu im Anhang die Auflistung der Kunstkammer-Standorte.
  6. Fleischhauer 1976, S. XI.
  7. Es steht auf der Homepage des Hauptstaatsarchivs auch online zur Verfügung.
  8. Die drei Bände sind online abrufbar: Band 1, Band 2, Band 3
  9. Zu den Exotica in Kunstkammern vgl. ausführlich Bujok 2004, in der Kunstkammer der Herzöge von Württemberg zuletzt Volker-Saad 2017 , S. 135f.
  10. Hesse 2010, S. 143.
  11. Sauer 2003, S. 181.
  12. HStAS A 20 a Bü 4, (119) Findbuch S. 86, Sammlung. G. v. Sulz, A 20 a Bü 55, Bü 130 fol. 97v.
  13. Lötscher 1976, S. 482.
  14. Reisetagebuch Hainhofers, zitiert nach von Oechelhäuser 1891, S. 306, 308 und 309.
  15. Diese prominenten Objekte wurden bereits ausführlich in der Literatur besprochen und standen zuletzt im Mittelpunkt der Ausstellung „Azteken“ 12. Okt. 2019 bis 3. Mai 2020, Lindemuseum Stuttgart, vgl. Ausst.-Kat. Stuttgart/Wien/Leiden 2019–2021, S. 155–161, S. 163-169 Kat.-Nr. 97, a, b; 139. Im Katalog wird irrtümlich davon ausgegangen, die Objekte wären 1911 Gründungsbestand des Lindenmuseums, ausweislich einer Leihliste des Landesmuseums Württemberg [LMW] waren sie immer als Leihgaben zu verschiedenen Präsentationen in Ausstellungen des Lindenmuseums und wurden während des Zweiten Weltkrieges zusammen mit den übrigen Kunstkammerobjekten ausgelagert. Das ist auch der Grund, weshalb sie im Gegensatz zu den meisten ehemals existierenden aztekischen Objekten des Lindenmuseums, die bedauerlicherweise im Krieg zerstört wurden, noch vorhanden sind.
  16. HStAS A 20 a Bü 20, S. 18, aufbewahrt in Kasten K, drittes Fach.
  17. HStAS A 20 a Bü 22, S. 11-13, Kasten M, drittes Fach.
  18. HStAS A 20 a Bü 22, S. 11-13, Kasten M, drittes Fach.
  19. HStAS A 20 a Bü 20, S. 2-6, vgl. Ausst.-Kat. Stuttgart 2017, Bd. 2, Kat.-Nr. 126 (Katharina Küster-Heise).
  20. HStAS A 20 a Bü 4, S. 24.
  21. Vgl. zur Porzellanschale Ausst.-Kat. Stuttgart 2017, Bd. 2, Kat.-Nr. 135 (Katharina Küster-Heise) und zum Lackgefäß Inv.-Nr. E 1172.
  22. HStAS G 197 Bü 22.
  23. HStAS G 197 Bü 22, S. 89–117. Allein zu den asiatischen Porzellanen sind 206 Positionen aufgeführt.
  24. Inv.-Nr. KK blau 103 und Inv.-Nr. 2018-35. Vgl. Küster-Heise/Ohm 2019, Küster-Heise/Ohm 2019.
  25. Inv.-Nr. KK braun- blau 50 und Inv.-Nr. KK braun-blau 52.
  26. Zu den wissenschaftlichen Instrumenten vgl. Müsch 2017, Müsch/Hamel 2017
  27. Grundlegend zur Geschichte der Kunstkammer in Stuttgart vgl. Fleischhauer 1976; Fey 2017.
  28. HStAS A 20 a Bü 5, S. 8.
  29. HStAS A 20 a Bü 6, S. 5 und 48. Die etwas längere Beschreibung übernimmt die Formulierung bei Guth von Sulz.
  30. HStAS A 20 a Bü 7, f. 9ff. (Auflistung Mathematische Instrumenten, von 1–43 durchnummeriert).
  31. Vgl. Konzen 2017, S. 46.
  32. Reisetagebuch Hainhofers, zitiert nach von Oechelhäuser 1891, S. 306.
  33. Vgl. Konzen 2017, S. 47. HStAS A 20 Bü 199 Nr. 9.
  34. Vgl. Fey 2017, S. 87.
  35. Vgl. Fey 2017, S. 109.
  36. Vgl. Fey 2017, S. 86.
  37. HStAS A 202 Bü 2849; vgl. Fey 2017, S. 87.
  38. Konzen 2017, S. 47.
  39. Zu Schuckard s. Fey 2017, S. 92f., und Fey 2017, S. 126, sowie Konzen 2017, S. 46.
  40. Reisetagebuch Hainhofers, zitiert nach von Oechelhäuser 1891, S. 307.
  41. Vgl. den Katalogeintrag von Reinhard Ziegler, in: Kat. Stuttgart 2017, Bd. 1, S. 201.
  42. Vgl. den Katalogeintrag von Kerstin Volker-Saad, in: Ausst.-Kat. Stuttgart 2017, Bd. 1, S. 154.
  43. Vgl. den Katalogeintrag von Reinhard Ziegler, in: Ausst.-Kat. Stuttgart 2017, Bd. 1, S. 212.
  44. Vgl. den Katalogeintrag von Irmgard Müsch, in: Ausst.-Kat. Stuttgart 2017, Bd. 2, S. 839.
  45. Vgl. Fey 2017, S. 121.
  46. Zitiert nach von Oechelhäuser 1891, S. 307.
  47. Vgl. z.B. HStAS A 20 a Bü 130, f. 174v. oder HStAS A 20 a Bü 151, f. 260.
  48. HStAS A 20 a Bü 6.
  49. HStAS A 20 a Bü 12.
  50. HStAS A 20 a Bü 13.
  51. HStAS A 20 a Bü 23.
  52. Das als Gradbogen bezeichnete Instrument war auch als Jakobsstab oder Gradstock bekannt. Die Kennzeichnung G.B. ist somit nicht eindeutig. Im Inventar von 1705-1723 erscheint die ‚sprechende Signatur‘ nur noch am Textende, zudem wurde eine neue Signatur vergeben, vgl. HStAS A 20 a Bü 23, S. 4.
  53. KK braun 47; KK rosa 56. Vgl. Ausst.-Kat. Stuttgart 2017, Bd. 2, Kat.-Nr. 315, 283.
  54. KK rosa 47; KK rosa 20. Vgl. Ausst.-Kat. Stuttgart 2017, Bd. 2, Kat.-Nr. 296, 289.
  55. KK braun 63. Vgl. Ausst.-Kat. Stuttgart 2017, Bd. 2, Kat.-Nr. 251.
  56. HStAS A 20 a Bü 20, S. 16.
  57. HStAS A 20 a Bü 130.
  58. Zur Geschichte des Stuttgarter Münzkabinetts vgl. Klein 1984 und Ohm 2017.
  59. Zur Münzsammlung Eberhards im Bart vgl. Klein 1994.
  60. Welcher namen müncz ich hab, fint man mit einem sellichen ceichen demselben namen zugecogen; vgl. das Digitalisat.
  61. Vgl. den Abschnitt zu König Ruprecht von der Pfalz.
  62. Vgl. Ohm/Hommen 2016; Ausst.-Kat. Stuttgart 2017, Bd. 2, Kat-Nr. 109 (Matthias Ohm und Sonja Hommen) und den digitalen Katalogeintrag.
  63. Vgl. Fleischhauer 1974, S. 209–211, 215f. und Fleischhauer 1984, S. 582–589.
  64. Vgl. Klein 2013, S. 150.
  65. Vgl. Ohm/Groß 2016, Kat.-Nr. 1, Ausst.-Kat. Würzburg 2017, Kat.-Nr. II.3 (Matthias Ohm) und den digitalen Katalogeintrag.
  66. Vgl. Fleischhauer 1976, S. 116-119, Fleischhauer 1984, S. 577–582.
  67. Vgl. Ohm 2014, S. 322 und 325, Ausst.-Kat. Stuttgart 2017, Bd. 2, Kat.-Nr. 99 (Matthias Ohm) und den digitalen Katalogeintrag.
  68. Die numismatischen Einträge im Inventar der Sammlung Guth von Sulz sind bei Ohm/Groß 2015, S. 399–404, ediert.
  69. Vgl. Ohm 2013, S. 317–320 mit einer Edition der Inventareinträge.
  70. Vgl. Klein 2013, S. 149f.
  71. Cimeliarchium 1710.
  72. Die beiden Auflistungen der Mömpelgarder numismatischen Bestände sind bei Ohm 2014, S. 320–324, ediert.
  73. Cimeliarchium 1710.
  74. Ohm 2014, S. 321, Inventareinträge 5a und b sowie 4 a und b.
  75. Ohm/Groß 2015, S. 401 und 405, Inventareintrag 37 und Kat.-Nr. 4; vgl. den digitalen Katalogeintrag.
  76. Wallenstein 2007, S. 117.
  77. Vgl. die Edition bei Ohm/Groß 2015, S. 399, 404f.
  78. Klüßendorf 1995, S. 108f.
  79. Ausst.-Kat. Stuttgart 2017, Bd. 2, Kat.-Nr. 84 (Sonja Hommen), vgl. den Nachweis im Cimeliarchium und den digitalen Katalogeintrag.
  80. Eintausend zweyhundert achtzig neun Stuckh silberne Numismata unnd Müntzen der römischen Kaysern, vom Cneo Pompeio ann, so weytt mann hatt kennen khounden. Dise Müntzen alle sein gar fleissig unnd ordenlich mit Ihren Zettelln unnd Indici beschriben, Ohm/Groß 2015, S. 400, Inventareintrag 10.
  81. Viertausend dreyhundert dreyssig siben Romanische Numismata unnd Münzen vonn Pompeio Magno ann, so weytt mann hatt konnen kennden. sein gar fleissig unnd ordenlich mit iren Zetteln unnd Indice beschriben, Ohm/Groß 2015, S. 404, Inventareintrag 93.
  82. Ohm/Groß 2015, S. 402, Inventareintrag 78.
  83. Ohm 2014, S. 320, Inventareintrag 1a und b.
  84. Vgl. Klein 2013, S. 150 und Ohm 2017 S. 354f.
  85. Ohm 2014, S. 322, Inventareintrag 21b.
  86. Zwo Nürnbergische, 2. Straßburgische, 1 Bisantzische,1 kemptische, gar dickh, 1 Baselische, 2 Bernische Münz, daruff Berchtholdi Herzogen zu Zeringen Nahmen, 1 Cöllnische, 1 Regenspurgische unnd 1 ulmische Münz, Ohm/Groß 2015, S. 402, Inventareintrag 59.
  87. Ein Dickabschlag ist eine Prägung, die mit einem deutlich dickeren Schrötling für Sammler oder als Geschenke hergestellt wurde.
  88. Vgl. Ausst.-Kat. Stuttgart 2017, Bd. 2, Kat.-Nr. 88 (Matthias Ohm) und den digitalen Katalogeintrag.
  89. Fleischhauer 1976, S. 49.
  90. Ohm 2014, S. 322, Inventareintrag 22b.
  91. Vgl. die Wertangaben zur Gottorfer Münzsammlung bei Waschinski 1942, S. 538f., zur Sammlung des Fürsten Anton Günther II. von Schwarzburg-Arnstadt, die 1712 für das Gothaer Münzkabinett erworben wurde, bei Wallenstein 2007, S. 114, und zur kurpfälzischen Sammlung bei Heß 1982, S. 38.

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