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Karin Kühtreiber
Kontakt: karin.kuehtreiber@gmx.at
Website: https://www.imareal.sbg.ac.at/team/karin-kuehtreiber/
Institution: Universität Salzburg | IZMF| Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit (IMAREAL)
GND: 1154051439
Regine Puchinger
Kontakt: regine.puchinger@gmx.at
Website: https://www.imareal.sbg.ac.at/
Institution: Universität Salzburg | IZMF| Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit (IMAREAL)
Erstveröffentlichung: April 2022
Lizenz: Sofern nicht anders angegeben Creative Commons License
Medienlizenzen: Medienrechte liegen, sofern nicht anders angegeben, bei den Autoren.
Letzte Überprüfung aller Verweise : 15.04.2022
Empfohlene Zitierweise: Kühtreiber, Karin/Puchinger, Regine: Wallfahrt und Regionalität im niederösterreichischen Zentralraum im Spiegel religiöser Medaillen und schriftlicher Quellen, in: MEMO Sonderband 1 (2022): Kühtreiber, Thomas (Hg.): Wallfahrt und Regionalität in Mitteleuropa in der Frühen Neuzeit (17.–18. Jahrhundert), S. 19–92, Pdf-Format, doi: 10.25536/2022sb01_02.

Abstract

Dieser Beitrag geht der Frage von Regionalität frühneuzeitlicher Wallfahrt im niederösterreichischen Zentralraum ausgehend von einem Fundbestand religiöser Medaillen aus St. Pölten und seriellem Verwaltungsschriftgut der Wallfahrtsorte Maria Taferl und Maria Langegg nach. Die aus dem ehemaligen Stadtfriedhof von St. Pölten stammenden Wallfahrts- und Heiligenmedaillen werfen ein Schlaglicht auf potenzielle Pilgerziele der Stadtbevölkerung und geben Auskunft zu religiösen Akteuren (vor allem Orden) sowohl innerhalb der Stadt als auch im niederösterreichischen Umland bis nach Wien. Die Entwicklungen der Wallfahrten von Maria Taferl und Maria Langegg im 17. und 18. Jahrhundert, insbesondere die Frage der Einzugsgebiete der Prozessionen, der externen Prediger und Votivgaben, lässt für beide Orte räumliche Orientierungen anhand serieller Schriftquellen nachvollziehen. In der Zusammenschau eröffnen beide Mediengruppen für sich jeweils Wallfahrtsräume, deren Vergleich sowohl Gemeinsames als auch Trennendes zeigt.

Keywords: Wallfahrt, Regionalität, Frühe Neuzeit, Niederösterreich, Religiöse Medaillen, Serielle Schriftquellen, Rechnungsbücher, Verwaltungsschriftgut

Abstract (englisch)

This paper examines the question of regionality of early modern pilgrimage in the central region of Lower Austria on the basis of a collection of religious medals from St. Pölten and serial administrative documents from the pilgrimage sites of Maria Taferl and Maria Langegg. The pilgrimage and saint medals from the former city cemetery of St. Pölten shed light on potential pilgrimage destinations of the city’s population and provide information on religious actors (especially religious orders) both within the city and in the Lower Austrian environs as far as Vienna. The developments of the pilgrimages of Maria Taferl and Maria Langegg in the 17th and 18th centuries, in particular the question of the catchment areas of the processions, external preachers and votive offerings, allows spatial orientations to be traced for both places on the basis of serial written sources. In the synopsis, both groups of media open up spaces of pilgrimage for themselves, a comparison that reveals both common and divisive features.

Keywords: Pilgrimage, Regionality, Early modern period, Lower Austria, Religious medals, Serial written sources, Account books, Administrative records

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Ausgangspunkt für den nachfolgenden Beitrag zum Thema „Wallfahrt und Regionalität“ ist das am Institut für Realienkunde des Mittelalters und der Frühen Neuzeit (Universität Salzburg, Standort Krems) durchgeführte Projekt „Religiöse ‚Wearables‘ als materielle Zeugen neuzeitlicher Mobilität (17./18. Jahrhundert)“ als Themenbereich II des vom FTI-Programm des Landes Niederösterreich finanzierten Bündelprojekts „Mobile Dinge, Menschen und Ideen. Eine bewegte Geschichte Niederösterreichs“,1 in dem auf Grundlage der religiösen Medaillen aus den Gräbern des ehemaligen Stadtfriedhofs von St. Pölten und schriftlichen Quellen von Wallfahrtsorten im Großraum der Stadt – allen voran Maria Taferl und Maria Langegg – Fragen zu frühneuzeitlicher religiöser Mobilität behandelt werden (Abb. 1). Einen wesentlichen Schwerpunkt nimmt das Wallfahrtswesen ein, darüber hinaus wird der Mobilität religiöser Ideen und Strömungen und den sowohl mit dem Pilgerwesen als auch mit der Verbreitung barocker Glaubensinhalte verbundenen sozialen Institutionen und Personengruppen nachgegangen.

Abb. 1: Geografische Lage des Arbeitsgebietes. Datengrundlage: OpenStreetMap Humanitarian Data Model [© Open­StreetMap-Mitwirkende; www.openstreetmap.org]; Kartierung: Karin Kühtreiber.

Die Quellenlage, allen voran mangelnde Schriftquellen zu St. Pölten (Stadt, Klöster und Pfarre), erforderte eine Annäherung an das Thema und die Fragestellung von zwei verschiedenen Blickpunkten:

  1. Auf Grundlage der religiösen Medaillen aus dem 1779 aufgelassenen Stadtfriedhof von St. Pölten wird ein Blick aus der Stadt auf die mithilfe der archäologischen Funde fassbaren Wallfahrtsorte geworfen. Des Weiteren wird die Frage nach den sozialen Institutionen (Orden, Bruderschaften) gestellt, die sich im Medaillenspektrum ablesen lassen. Anhand der Medaillenfunde aus St. Pölten wird versucht, Wallfahrtsziele und -regionen und mögliche mit dem Wallfahrtswesen verbundene Akteure des 17./18. Jahrhunderts zu ermitteln (Karin Kühtreiber, Abschnitt 2).
  2. Die Blickrichtung auf die Region und die Stadt St. Pölten erfolgt aus der Perspektive der Wallfahrtsorte Maria Taferl und Maria Langegg, beides Pilgerziele, die in ein bis zwei Tagen Gehzeit von St. Pölten aus erreichbar waren und welche nachweislich von St. Pöltner Prozessionen aufgesucht wurden. Grundlage für diese Untersuchung sind serielle Schriftquellen (Regine Puchinger, Abschnitt 3).

Der Blick aus der Stadt: Wallfahrtsziele und Wallfahrtsregionen im Spiegel der religiösen Medaillen aus dem ehemaligen Stadtfriedhof von St. Pölten

Der ehemalige Stadtfriedhof von St. Pölten wurde in den Jahren 2010–2019 im Vorfeld der Neugestaltung des Domplatzes großflächig freigelegt und stellt mit über 22.000 dokumentierten Skelettindividuen eine europaweit exzeptionelle Fundstelle dar. Die Bestattungstätigkeit setzt spätestens im 9. Jahrhundert ein und endet mit der Auflassung des Friedhofs bzw. seiner Verlegung im Jahr 1779.2 Die neuzeitliche Belegungsphase ist durch zeittypische Beigaben wie Rosenkränze, Sterbekreuze und Totenkronen gekennzeichnet, zudem wurden die Verstorbenen in Tracht und mit Schmuck beigesetzt, wovon Kleidungsaccessoires (Knöpfe, Gürtelschnallen u.a.) und Fingerringe zeugen. Diesem Bestattungshorizont entstammen mehr als 250 religiöse Medaillen3, die vorrangig als Bestandteile von Rosenkränzen zu vermuten sind, darüber hinaus wäre auch eine Verwendung als Anhänger von Halsketten oder Applikationen auf Breverln denkbar.4 Die Aufnahme der Objekte ist noch nicht abgeschlossen, als Grundlage für die nachfolgende Auswertung dient der aktuelle Bearbeitungsstand im Umfang von 146 Medaillen. Für die Auswertung berücksichtigt wurde überdies eine sogenannte Schabmadonna (aus Keramik) aus dem Kloster Einsiedeln (Schweiz).

Übersicht zum Fundbestand

Die Medaillen sind trotz der 200–400 Jahre währenden Bodenlagerung durchwegs sehr gut erhalten. Vor der fotografischen Aufnahme und Katalogisierung wurden die Stücke eingehend restauriert und die Oberflächenkorrosion soweit als möglich entfernt, sodass Bildmotive und Schriften gut erkenn- und lesbar sind. Die Materialansprache der Stücke erfolgte ausschließlich makroskopisch und ließ allgemein Kupferlegierungen von Silber unterscheiden.5 Dabei erwiesen sich 82 % der Stücke als Kupferlegierungen und 17 % aus Silber (Tabelle 1). Eine Medaille zeigte eine Oberflächenvergoldung6, drei Stücke wiesen einen Silberüberzug über dem Kupferkern auf7. 80 % der Medaillen wurden durch Guss erzeugt, 19 % durch Prägung (Tabelle 2). Ein Exemplar gehört darüber hinaus einer für einige Gebiete Süddeutschlands (Schwäbisch Gmünd, Nürnberg) als typisch erachteten Herstellungsvariante an, bei welcher zwei einseitige Prägungen mittels Fassung zusammengesetzt wurden.8

Material Anzahl Anteil in %
Kupferlegierung 116 79%
Silber 25 17%
Kupferlegierung, versilbert 3 2 %
Kupferlegierung, vergoldet 1 1 %
Emailbemalung auf Buntmetallschrötling 1 1%
Gesamt 146 100%

Tabelle 1: St. Pölten, ehemaliger Stadtfriedhof, verwendete Materialien religiöser Medaillen und Anhänger.

Herstellung Anzahl Anteil in %
Guss 96 80%
Prägung 23 19%
zwei einseitige Prägungen in Fassung 1 1
Gesamt 120 100%

Tabelle 2: St. Pölten, ehemaliger Stadtfriedhof. Herstellungsmethoden religiöser Medaillen (nur sichere Bestimmungen, exklusive Gittergüsse und figürliche Anhänger).

Nur wenige Stücke können anhand von Herstellerinitialen namentlich bekannten Produzent*innen zugeordnet werden. Zu nennen sind eine Wallfahrtsmedaille vom Heiligen Berg/Svatá Hora bei Příbram mit dem Herstellersigel Alberto Hameranis (in Rom tätig ca. 1640–1677; Abb. 6/1), ferner signierte Stücke der Salzburger Medailleure Paul Seel (Abb. 3/7) und Georg Messenlechner sowie von Jakob Neuß aus Augsburg (Abb. 3/4).9 Zu möglichen örtlichen Produzent*innen liegen bisher keine Hinweise vor. Ob die zwischen 1624 und 1626 in St. Pölten existierende Münzstätte10 möglicherweise im Auftrag religiöser Institutionen Medaillen oder Andenken herstellte, ist nicht bekannt.

Wallfahrtsziele im Medaillenbestand

Etwas mehr als die Hälfte der Stücke des Datensamples zeigen Gnadenbilder von Wallfahrtsorten, konkret 79 Medaillen, des Weiteren liegt eine Schabmadonna aus Einsiedeln als Hinweis auf eine Wallfahrtsunternehmung vor. Darüber hinaus wurden zwei Medaillen berücksichtigt, für die ein Zusammenhang mit einer Wallfahrt noch nicht abschließend geklärt werden konnte (Madonna d’Itria) (Abb. 2–6).

An dieser Stelle ist auf die Aussagemöglichkeiten dieser Quellengruppe im Allgemeinen hinzuweisen. Mit Wallfahrtsmedaillen können jene Pilgerorte erfasst werden, die grundsätzlich Andenken beziehungsweise Kopien des am Gnadenort verehrten Kultobjektes auf Metallträgern herausgaben. Vor allem kleinere Wallfahrtsdestinationen beschränkten sich hingegen auf die Produktion von gedruckten Andachtsbildern auf Papier und eventuell Textilien (vor allem Seide), sodass diese Pilgerorte im Fundspektrum demgemäß nicht aufscheinen. Überdies können auch die für Medaillen verwendeten Metalle „Fundlücken“ hervorrufen. Während Kupferlegierungen (Messing, Bronze) und Edelmetalle einer Bodenlagerung im Wesentlichen gut standhalten, ist etwa das für Medaillen ebenfalls häufig verwendete Zinn deutlich korrosionsanfälliger, wodurch allfällige Grabbeigaben aus diesem Material unter Umständen im Boden nicht überdauern können. Im Hinblick auf die Aussagekraft von religiösen Medaillen zum Wallfahrtswesen ist daher insgesamt zu berücksichtigen, dass das Fehlen von Andenken bestimmter Wallfahrtsorte in einem Fundkomplex nicht gleichbedeutend sein muss mit nicht unternommenen Wallfahrten. Im Falle St. Pöltens bietet das Beispiel Maria Langegg ein eindrucksvolles Zeugnis für dieses Überlieferungsproblem (siehe Abschnitt 2.3 und 3.4).

Der mit großem Abstand am häufigsten im Medaillenbestand11 vertretene Wallfahrtsort am Stadtfriedhof von St. Pölten ist Mariazell, das nach Belegzahlen mehr als 50 % aller Wallfahrtsziele umfasst. Die Mariazeller Medaillen zeigen in den meisten Fällen auf der Rückseite eine Ansicht der gotischen Kirche12 (ab 1644 barockisiert; Abb. 3/3), des Weiteren mehrfach die Ludwigslegende (dem im Zelt schlafenden König Ludwig von Ungarn erscheint Maria), seltener das Schatzkammerbild. Ein überaus häufiges Motiv auf den Rückseiten ist die Rückkehr der Heiligen Familie aus dem Exil in Ägypten („Heiliger Wandel“), darüber hinaus begegnen der hl. Josef, der hl. Johannes von Nepomuk sowie der hl. Georg gekoppelt mit dem Gnadenbild. Die Dreiortewallfahrt Mariazell – Maria Taferl – Sonntagberg13, welche frühestens mit der Approbation Maria Taferls im Jahr 1660 installiert wurde (siehe Abschnitt 3.1), findet ihren Niederschlag mit entsprechenden Zwittermedaillen Mariazell – Maria Taferl bzw. Mariazell – Sonntagberg auch in den Funden vom Stadtfriedhof. Die Koppelung der Mariazeller Madonna mit der Dreifaltigkeitssäule in Wien dürfte hingegen weniger mit Wallfahrtsunternehmungen nach Wien in Verbindung stehen, sondern auf die Funktion bzw. den Titel Mariazells als Patrona Viennensium zurückzuführen sein. Diese Schutzfunktion erhielt in der Folge das 1697 in den Wiener Stephansdom überführte und dort bis heute verehrte Gnadenbild Maria Pötsch.14

Abb. 3: St. Pölten, ehemaliger Stadtfriedhof. Medaillen von Wallfahrtsorten auf dem Gebiet des heutigen Österreich. Funde: Stadtmuseum St. Pölten, Grabungen Domplatz. Fotos: Peter Böttcher, IMAREAL.

Die Dominanz der Mariazeller Medaillen lässt den Schluss zu, dass der insbesondere vom habsburgischen Kaiserhaus propagierte und als gemeinsamer katholischer Kultort des Vielvölkerstaates politisch instrumentalisierte Wallfahrtsort tatsächlich von den Gläubigen angenommen wurde.15 Die geringe Medaillenpräsenz16 des ebenfalls von den Habsburgern geförderten Leopold III./des Heiligen17, dessen Grabstätte im Stift Klosterneuburg dieses spätestens ab dem Spätmittelalter auch zur Pilgerstätte erhob, kann im Umkehrschluss jedoch nicht als Beweis für eine fehlende Akzeptanz bei den Gläubigen herangezogen werden. Anders als ‚klassische‘ Wallfahrtsmedaillen wurden die Leopoldspfennige18 direkt vom Stift als Armenspende oder in Form von Geschenken verteilt; darüber hinaus fungierten die Pfennige im Stiftsbereich zeitweise auch als Geldmittel. Dass Leopold mittelfristig als Heiliger und Schutzpatron bei den Gläubigen akzeptiert wurde, macht sein Erfolg als Landes- und Namenspatron deutlich.

Nach Mariazell weit abgeschlagen rangieren mit je acht Nachweisen Maria Taferl und Loreto an zweiter Stelle. Medaillen zu Maria Taferl liegen im Datensample ausschließlich in Form von Zwittermedaillen mit Mariazell vor und weisen damit auf eine unternommene Mehrortewallfahrt hin. Der Gnadenstuhl von Sonntagberg begegnet hingegen nur einmal in Kombination mit Mariazell, die beiden weiteren Stücke nehmen entweder Bezug auf die Legendenüberlieferung oder zeigen das Benediktuskreuz als Referenz auf das mit der Wallfahrt betraute Benediktinerstift Seitenstetten. Ein weiterer auf dem Gebiet des heutigen Österreich befindlicher und mit Medaillen vertretener Pilgerort ist das ehemals ungarische, heute im Burgenland liegende Loretto19 (Abb. 3/8).

Anhänger mit der charakteristischen Loretomadonna (flankiert von hängenden Lampen und/oder Kerzen tragenden Engeln) erscheinen acht Mal und sind in vier Fällen mit dem im benachbarten Numana-Sirolo verehrten Kreuz gekoppelt, womit zumindest für diese Stücke Hinweise auf eine tatsächlich absolvierte Pilgerreise an die italienische Adriaküste vorliegen. Ob bei lokalen Loreto-Andachtsstätten des 18. Jahrhunderts in St. Pölten, wie in der Franziskanerkirche20 und im Karmelitinnenkloster21, ebenfalls entsprechende Medaillen zur Verteilung kamen oder erworben werden konnten, ist unklar.

Loreto steht jedoch nur an der Spitze einer Reihe von weiteren nach Italien weisenden Wallfahrtszielen und Medaillen, die im Fundbestand des Stadtfriedhofs bemerkenswert häufig zu beobachten sind (Abb. 4/1–8). Neben der Loretomadonna gehören dazu drei Medaillen zu den Heiligen Jahren in Rom (1625, 1650, ein Exemplar ohne Jahresangabe)22 und ein Anhänger mit der Darstellung des im Mailänder Dom verehrten Heiligen Nagels (Il Santo Chiodo)23. Des Weiteren enthält das Inventar Kanonisationsmedaillen von 162224 und 167125 (letztere mit italienischer Umschrift) sowie einige in Italien bzw. in Rom beheimatete Gnadenbilder. Dazu zählen zwei Medaillen mit der Darstellung der Madonna d’Itria26, ein in Süditalien weit verbreitetes Kultbild, sowie ein Anhänger mit Darstellung der Santa Maria in Vallicella27, dem Gnadenbild der Kongregation vom Oratorium des hl. Philipp Neri am Generalat in Rom (Abb. 12/2). Die Rückseite letztgenannter Medaille trägt einen Gebetsspruch in italienischer Sprache, wodurch eine Provenienz aus Italien als gesichert gelten kann. Eine weitere Medaille mit Hinweis auf eine italienische Provenienz nennt Franz von Assisi mit italienischem Namen „Francesco“. Die in der Literatur unterschiedlich gedeutete Herkunftsbezeichnung ROMA28 erscheint im Datensample mit zwölf Belegen, worunter etwa zwei der bereits erwähnten Heilig-Jahr-Medaillen und die Kanonisationsandenken von 1622 und 1671 fallen.

Abb. 4: St. Pölten, ehemaliger Stadtfriedhof. Medaillen aus Italien und Belgien. Funde: Stadtmuseum St. Pölten, Grabungen Domplatz. Fotos: Peter Böttcher, IMAREAL.

Auf das generell relativ hohe Vorkommen von Loreto-Andenken im Spektrum der religiösen Medaillen im österreichischen Fundmaterial wies bereits Fassbinder hin und brachte diesen Befund mit der starken Loreto-Verehrung des habsburgischen Kaiserhauses und einer entsprechenden Förderung in Verbindung,29 eine Vermutung, der angesichts der Häufung nun auch in St. Pölten wohl zuzustimmen iSt. Allerdings beantwortet dies nicht die über Loreto hinausgehenden und an den Medaillen deutlich ablesbaren Verbindungen zwischen St. Pölten und Italien. Welche sozialen Institutionen oder Personenkreise für diesen Austausch verantwortlich zeichnen (Orden? Bruderschaften? Wirtschaftliche Hintergründe?), ist derzeit offen.

Eine weitere Region, die in St. Pölten als Wallfahrtszielgebiet deutlich in Erscheinung tritt, ist Bayern, das mit insgesamt sieben Medaillen aus Altötting, Dorfen, Neukirchen beim Heiligen Blut sowie Wessobrunn vertreten ist (Abb. 5/1–4). Das prominenteste Heiligtum der Schweiz, das Kloster Einsiedeln, ist mit einer Schabmadonna sicher identifizierbar (Abb. 5/5), eindeutig dem Wallfahrtsort zuweisbare Medaillen fehlen jedoch. Das Bild, welches Fassbinder bereits anhand seiner Analyse gewonnen hatte, wonach dieses Schweizer Benediktinerkloster von Pilger*innen aus den österreichischen Ländern des Habsburgerreiches als Kultort offenbar wenig attraktiv war, bestätigen die geringen Nachweise hier durchaus.30

Abb. 5: St. Pölten, ehemaliger Stadtfriedhof. Wallfahrtsmedaillen und Wallfahrtsandenken aus Bayern und der Schweiz. Funde: Stadtmuseum St. Pölten, Grabungen Domplatz. Fotos Nr. 1–4, 6: Peter Böttcher, IMAREAL. – Nr. 5: Andreas Rausch.

Neben Italien und Bayern weisen die Wallfahrtsmedaillen des Weiteren in den Norden, nach Böhmen, Mähren und Schlesien, woher sechs Andenken von fünf Pilgerorten vorliegen. Vertreten ist Böhmen mit dem Svatá Hora/Heiligen Berg bei Příbram und dem Prager Karmeliterkloster Maria vom Siege (Maria Immaculata/Prager Jesulein)31, Mähren mit Svatý Kopeček/Heiligenberg in Olmütz (zwei Exemplare) und Bílá Voda/Maria Weisswasser sowie Schlesien mit dem heute in Polen gelegenen Bardo/Wartha (Abb. 6).

Abb. 6: St. Pölten, ehemaliger Stadtfriedhof. Wallfahrtsmedaillen aus Böhmen, Mähren und Schlesien. Funde: Stadtmuseum St. Pölten, Grabungen Domplatz. Fotos: Peter Böttcher, IMAREAL.

Einen gleichsam geografischen ‚Ausreißer‘ stellt das letzte hier zu nennende Wallfahrtsandenken dar, eine Medaille mit der Darstellung (und Titulierung) des in Notre Dame in Hal/Halle in Belgien32 verehrten Mariengnadenbildes (Abb. 4/9). Das Vorkommen dieses Anhängers sowie zweier weiterer Stücke33 aus den ab 1714 den österreichischen Habsburgern zugeschlagenen „Österreichischen Niederlanden“34 (Belgien und Luxemburg) steht wohl direkt mit der territorialpolitischen Entwicklung Österreichs im 18. Jahrhundert in Zusammenhang.

‚Wallfahrtsräume‘

Um eine Übersicht zu den Zielrichtungen und Entfernungen der Wallfahrten für die Stadt St. Pölten auf Grundlage der Medaillen zu gewinnen, wurden neben einer Kartierung der Wallfahrtsdestinationen (Abb. 7) auch die Gehstrecken35 und durchschnittlichen Gehzeiten36 für die einzelnen Pilgerorte, jeweils hin und retour, ermittelt (Abb. 8, 9).

Abb. 7: Kartierung der im Medaillenbestand (Sample) vom ehemaligen Stadtfriedhof von St. Pölten belegten Wallfahrtsorte. Datengrundlage: OpenStreetMap Humanitarian Data Model [© Open­StreetMap-Mitwirkende; www.openstreetmap.org]; Kartierung: Karin Kühtreiber.

Wie die Reihung der Gehdistanzen zeigt (Abb. 8), lassen sich drei Entfernungscluster voneinander differenzieren: Die am nächsten zu St. Pölten liegenden Destinationen (Entfernungskategorie 1), zugleich alle auf dem Gebiet des heutigen Österreich situierten Wallfahrtsorte, sind zwischen 40 km und 85 km von St. Pölten entfernt und nehmen reine Gehzeiten zwischen rund 2,5 Tagen und einer Woche in Anspruch; suchten die Wallfahrer*innen diese Orte auf, musste eine Abwesenheit vom Wohnort bis zu einer Woche veranschlagt werden (Abb. 9). Auch für das nach Ausweis der Medaillen am nächsten liegende Maria Taferl war zumindest eine Übernachtung einzurechnen.37 Die nächstgrößere Entfernungskategorie 2 weist Wegstrecken zwischen 235 und 400 km auf und umfasst die im Medaillenbestand von St. Pölten fassbaren Wallfahrtsorte einerseits in Böhmen, Mähren und Schlesien und andererseits in Bayern. Um diese Ziele zu erreichen, waren Gehzeiten von zwei bis vier Wochen erforderlich und – Rastzeiten und der Aufenthalt am Zielort eingerechnet – ein Fernbleiben von mindestens mehr als zwei Wochen bis zu mehr als einem Monat zu veranschlagen. Die am weitesten entfernt liegenden Destinationen (Entfernungskategorie 3) erfordern Wegstrecken in eine Richtung zwischen 615 und 1020 km und umfassen alle Ziele in Italien (Rom, Mailand, Loreto/Numana-Sirolo) sowie Einsiedeln in der Schweiz und Hal/Halle in Belgien. Für eine Pilgerreise in diese Regionen mussten eineinhalb bis zweieinhalb Monate Gehzeit in Kauf genommen werden und – abermals Pausen berücksichtigt – der Wohnort für mindestens zwei bis drei Monate verlassen werden.

In einem weiteren Schritt wurden die ermittelten Entfernungskategorien mit der Häufigkeit der Belege für die einzelnen Wallfahrtsorte verschränkt (Abb. 10). Das Diagramm zeigt, dass Wallfahrtsziele der Entfernungskategorie 1 und damit alle auf dem Gebiet des heutigen Österreich liegenden Orte mit Abstand am häufigsten vertreten sind. An zweiter Stelle folgen allerdings nicht, wie vielleicht zu erwarten wäre, die Ziele der Entfernungskategorie 2 in Böhmen, Mähren, Schlesien und Bayern, sondern der italienische Raum (Entfernungskategorie 3), also jene Gebiete, für die eine Abwesenheit vom Wohnort von zwei bis drei Monaten erforderlich war. Für dieses Ergebnis zeichnen nicht nur die Loretomedaillen verantwortlich, sondern auch die vergleichsweise hohen Belegzahlen für Rom, ein Andenken aus Mailand sowie die weiter oben bereits genannten Verweise nach Italien.

Vorerst unbeantwortet bleibt die Frage nach den Personengruppen, welche als Pilger*in für die jeweiligen Wallfahrtsregionen in Betracht kommen.38 Ein Fernbleiben vom Arbeitsort war sicher nur wenigen sozialen Gruppen möglich. Allerdings ist es mit archäologischen Methoden aktuell nicht möglich, den sozialen Status von Beigaben führenden Bestattungen am Domplatz von St. Pölten zu bestimmen, da Gräber mit wenigen bis keinen Beigaben Ausdruck eines Bescheidenheitsgestus im Bestattungsritus sein können. Darüber hinaus ist zu fragen, ob und in welchem Ausmaß die durch Medaillen repräsentierten Wallfahrtsorte tatsächlich im Rahmen von Pilgerreisen besucht wurden oder welche anderen Hintergründe für das Vorkommen der Medaillen in St. Pölten in Betracht zu ziehen wären. Möglich wäre etwa auch eine lokale Verbreitung durch Händler*innen, Prediger, Ordensgeistliche und Bruderschaften, oder dass Medaillen von Verwandten und Angehörigen als Pilgergeschenke überbracht wurden.39

Die Antworten werden jedenfalls – abhängig von den Wallfahrtszielen – unterschiedlich ausfallen. Für die Nahwallfahrtsorte (Entfernungskategorie 1) kann angenommen werden, dass Pilgerunternehmungen einerseits im Rahmen der Dreiortewallfahrt nach Mariazell – Maria Taferl – Sonntagberg und andererseits in die östliche Region des Viertels unter dem Wienerwald nach Klosterneuburg und ins westungarische Loretto am Leithagebirge für größere Teile der örtlichen Bevölkerung möglich waren.

Eine verpflichtende „Zellerfahrt“ ist seit 1636 für die St. Pöltner Stadtbevölkerung überliefert, zu der unter Androhung von Strafen jeder Haushalt zumindest eine Person entsenden musste.40 Zu den St. Pöltner Mariazellwallfahrten im 18. Jahrhundert ist aus den Aufzeichnungen des Ober-Grafendorfer Pfarrers Aquilin Joseph Hacker (1701–1764) bekannt, dass sie jährlich am Sonntag nach dem Festtag des hl. Augustinus (28. August) stattfanden und insgesamt fünf Tage in Anspruch nahmen: Die 40 km lange Route des ersten Tages verlief über Wilhelmsburg und Lilienfeld nach Türnitz, wo genächtigt wurde. Die zweite Etappe führte über Annaberg, Joachimsberg, Wienerbruck, Josefsberg und St. Sebastian nach Mariazell und umfasste 32 km. Nach einem Tag Aufenthalt wurde die Rückreise auf derselben Wegstrecke angetreten.41

Wallfahrtsbezüge von St. Pölten nach Sonntagberg lassen sich anhand einer Votivgabe festmachen. 1684 stifteten der St. Pöltner Stadtrat und die Bürgerschaft ein Votivbild zum Dank für den Schutz während der Türkeneinfälle. Das Bild wurde 1757 erneuert und um den Dank zum Beistand gegen Seuchengefahren erweitert.42

Ob und allenfalls in welcher Anzahl die neuzeitlichen Mirakelbücher für Mariazell, Maria Taferl und Sonntagberg St. Pöltner Bürger*innen nennen, ist unklar. Zu allen drei Orten liegen Untersuchungen und Auswertungen dieser Quellengattung vor, die Herkunftsgebiete der Pilger*innen wurden jedoch in allen Fällen zu Großräumen zusammengefasst, detaillierte Angaben zu einzelnen Herkunftsorten fehlen.43

Abb. 11: Maria Langegg, Wallfahrtsmedaille mit Gnadenbild (Vorderseite) sowie Philippus Benitius (Rückseite), einem Mitgründer des Servitenordens. (aus Höfken 1918, S. 86)

Abb. 11: Maria Langegg, Wallfahrtsmedaille mit Gnadenbild (Vorderseite) sowie Philippus Benitius (Rückseite), einem Mitgründer des Servitenordens. (aus Höfken 1918, S. 86)

Die zu St. Pölten am nächsten liegenden und von den Gläubigen der Stadt auch nachweislich aufgesuchten Wallfahrtsorte, wie Mank (ab 1645)44, Maria Langegg und Pyhra, spiegeln sich hingegen nicht in den Medaillenfunden wider. Für Maria Langegg sind metallene Pilgerandenken sogar nachweisbar – einerseits über die Rechnungsbücher45 und andererseits in Form einer anno 1918 von Rudolf Höfken veröffentlichten Medaille aus einer Sammlung46 (Abb. 11). Abseits dieses Stückes ist den Verfasserinnen bis dato kein weiterer Nachweis bekannt geworden, weder aus Sammlungsbeständen noch aus archäologischen Zusammenhängen. Dieses in St. Pölten signifikante Fehlen von Langegger Wallfahrtsmedaillen ist im Spiegel der nachweislich zahlreichen Prozessionen von St. Pölten nach Maria Langegg daher überaus überraschend. Dass den Rechnungsbüchern zufolge die Andenken aus Zinn hergestellt wurden, könnte ein Grund für diesen Befund sein, ist dieses Metall doch korrosionsanfällig und läuft damit Gefahr, einer Bodenlagerung nicht standhalten zu können. Damit wird insgesamt das bereits oben angesprochene Überlieferungsproblem deutlich: Fehlende Nachweise von Wallfahrtsandenken können nicht als Beweis für eine nicht stattgefundene Produktion herangezogen werden.

Soziale Institutionen und regionale Beziehungen im Medaillenbestand von St. Pölten

Im Anschluss soll der Frage nachgegangen werden, welche sozialen Institutionen in St. Pölten mit Wallfahrtsunternehmungen in Verbindung gebracht werden können. Eine Übersicht der im Medaillenbestand vertretenen Wallfahrtsorte und die sie im 17. und 18. Jahrhundert betreuenden Orden zeigt sowohl Gemeinschaften, die in St. Pölten mit Niederlassungen präsent waren, wie die Augustiner Chorherren, die Franziskaner, die Englischen Fräulein und die Piaristen sowie den Karmeliterorden, als auch solche, die keinen örtlichen Standort hatten, aber sowohl mit Wallfahrtsandenken als auch mit Heiligenmedaillen (siehe unten) im Fundbestand fassbar sind (Tabelle 3). Besonders in Erscheinung treten einerseits der Benediktinerorden (Mariazell, Sonntagberg, Einsiedeln, Wessobrunn) und andererseits die Jesuiten, die an prominenten Wallfahrtsorten wie Loreto (Italien), Svatá Hora/Heiliger Berg bei Příbram (Tschechische Republik) und in Altötting im 16.–18. Jahrhundert präsent waren. Für die hier nachweisbaren, eher außergewöhnlichen Wallfahrtsdestinationen, wie das in Nordmähren liegende Bilá Voda/Maria Weisswasser, bietet sich an, die Medaillennachweise entweder mit vom Orden organisierten Wallfahrtsunternehmungen oder mit einem ordensinternen überregionalen Austausch (z.B. von Geistlichen) in Verbindung zu bringen.

Wallfahrtsort betreuender Orden im 17./18. Jahrhundert
Klosterneuburg (AT) Augustinerchorherren
Loretto (AT/ehem. HU) Serviten
Mariazell (AT) Benediktiner
Sonntagberg (AT) Benediktiner
Einsiedeln (CH) Benediktiner
Svatá Hora/Heiliger Berg bei Příbram (CZ) Jesuiten
Svatý Kopeček/Heiligenberg in Olmütz (CZ) Prämonstratenser
Bílá Voda/Maria Weisswasser (CZ) Piaristen
Prag, Maria vom Siege (CZ) Karmeliterorden
Altötting (DE) Jesuiten, Franziskaner, Englische Fräulein
Neukirchen beim Heiligen Blut (DE) Franziskaner
Wessobrunn (DE) Benediktiner
Loreto (IT) Jesuiten
Roma/Rom (IT) Niederlassungen aller Orden

Tabelle 3: St. Pölten, ehemaliger Stadtfriedhof. Übersicht der im Medaillenbestand (Datensample) fassbaren Wallfahrtsorte und die sie im 17./18. Jahrhundert betreuenden Ordensgemeinschaften.

Doch nicht nur anhand von Wallfahrtsmedaillen lassen sich Informationen zu ortsbezogenen religiösen Orientierungen ablesen, auch andere Funktionsgruppen religiöser Medaillen liefern örtliche Anhaltspunkte und damit Informationen zu Regionalität (Tabelle 4 und 5).

An erster Stelle, da nach der Anzahl vergleichbar häufig wie Wallfahrtsmedaillen, sind Heiligenmedaillen zu nennen, die in der Mehrzahl kanonisierte Ordensangehörige abbilden und für die angenommen werden kann, dass die Herstellung und Verbreitung von Medaillen von den Orden gefördert und betrieben wurde.47 Das bekannteste Beispiel und zugleich die am weitesten verbreitete religiöse Medaille des 17./18. Jahrhunderts ist der Benediktuspfennig, der im zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts ausgehend vom Kloster Metten vom Benediktinerorden entwickelt wurde und seine große Beliebtheit der zugesprochenen Schutzwirkung als Pestamulett und apotropäisches Mittel verdankte.48 Als bekannte Herstellungsorte für Benediktusmedaillen nennt Fassbinder St. Georgenberg bei Fiecht in Tirol, Salzburg, Augsburg und St. Maximin in Trier, darüber hinaus ist mit zahlreichen regionalen Kleinproduktionen zu rechnen.49 Im relativen Nahbereich von St. Pölten sind vor allem die großen Benediktinerstifte Göttweig und Melk als Distributoren dieser Medaillen anzunehmen.

Orden/Heilige Belege
Benediktiner 11
Benedikt 8
Sebastian 3
Jesuiten 10
Ignatius von Loyola 4
Franz Xaver 3
Aloysius von Gonzaga 1
Stanislaus Kostka 1
Franz von Borgia 1
Karmeliterorden 7
Teresa von Ávila 3
Anastasius der Perser 2
Albertus Siculus/von Trapani/von Messina 1
Johannes vom Kreuz 1
Franziskaner 6
Franziskus von Assisi 3
Antonius von Padua 3
Dominikaner 5
Dominikus von Caleruega 2
Pius V. (Papst) 1
Rosa von Lima 1
Luis Beltrán 1
Erlöserorden/Birgitinnen 2
Katharina von Schweden 1
Birgitta von Schweden 1
Hieronymiten 2
Hieronymus 2
Oratorianer 2
Philippus Neri 2
Serviten 2
Philippus Benitius 2
Piaristen 1
Joseph von Calasanza 1
Theatiner 1
Kajetan von Thiene 1
Trinitarier 1
Ludwig IX. von Frankreich 1
Paulaner 1
Franz von Paola 1
Gesamt 51

Tabelle 4: St. Pölten, ehemaliger Stadtfriedhof. Ordenzugehörigkeiten der auf Medaillen dargestellten Heiligen einschließlich Kanonisationsmedaillen (Sample n=36).

Institutionen (Orden, Bruderschaften) Anzahl
Karmeliterorden oder Skapulierbruderschaft (Maria vom Berg Karmel) 3
Jesuiten (Ordenszeichen) 1
Piaristen (Maria San Pantaleo) 1
Kongregation des Oratoriums des hl. Philipp Neri (Santa Maria in Vallicella) 1
Mercedarierorden (Maria de la Merced, Ordenszeichen) 1
Michaelsbruderschaft (Berg am Laim) 1
Gesamt 8

Tabelle 5: St. Pölten, ehemaliger Stadtfriedhof. Medaillen mit direktem Institutionsbezug.

Benediktinische Heilige, allen voran der durch die Benediktusmedaille repräsentierte Ordensgründer, begegnen in der vorgestellten Medaillenauswahl aus St. Pölten am häufigsten – ein Ergebnis, das den Untersuchungen aus Südwestdeutschland und jüngst auch aus Wien 1, St. Stephan, entspricht.50 Neben Benedikt kann auch die Verehrung des hl. Sebastian mit einem benediktinischen Umfeld in Verbindung gebracht werden.51 Zu Sebastian liegen drei figürliche Anhänger aus dem Stadtfriedhof vor, die das Martyrium des Heiligen zeigen: Der nur mit einem Lendenschurz bekleidete Heilige ist an einen Pfahl gebunden und mit Pfeilen durchbohrt (Abb. 12/5–7). Möglicherweise stehen diese Anhänger auch mit einer im 16. und 17. Jahrhundert genannten Sebastiansbruderschaft in St. Pölten in Verbindung.52

Häufig nach Beleganzahl erscheinen weiters Medaillen von kanonisierten Angehörigen des Jesuitenordens, der in Krems, St. Bernhard-Frauenhofen und Wien die nächstliegenden Niederlassungen hatte. Nach Herrmann waren jesuitische Prediger auch in St. Pölten präsent, der Wunsch des Stadtrats, 1623 ein Jesuitenkolleg in der Stadt anzusiedeln, scheiterte allerdings an den benötigten Geldmitteln.53 Das hohe Vorkommen dieser Devotionalien folgt den Ergebnissen der Auswertung der religiösen Medaillen in Südwestdeutschland und auch jüngst in Wien 1, St. Stephan, wo in gleicher Weise Jesuitenmedaillen nach dem Benediktuspfennig die zweithäufigste Gruppe darstellten.54

Die nach den Belegzahlen nächstfolgende Ordensgemeinschaft, die im Fundbestand des Friedhofs fassbar wird, ist der ab dem frühen 18. Jahrhundert in der Stadt ansässige Karmeliterorden.55 Die Gründung eines Klosters der Unbeschuhten Karmelitinnen 1706/1707 in St. Pölten geht auf die Stiftung der Maria Antonia Josepha von Montecuccoli zurück. Die Grundsteinlegung des Klosters erfolgte 1708, die Fertigstellung fiel in die Jahre 1711/1712. Gleichzeitig mit dem Frauenkonvent kamen Patres des Karmeliterordens nach St. Pölten, deren Klostergründung in der Stadt allerdings erst zur Mitte des 18. Jahrhunderts die landesfürstliche Bewilligung erhielt. 1757 wurden die Bauarbeiten des Männerklosters in Angriff genommen und bis 1773 abgeschlossen, die Errichtung der Kirche kam 1779 zum Abschluss. Beide Konvente wurden allerdings 1782 im Zuge der Reformen Josephs II. aufgehoben. „Karmelitermedaillen“ sind einerseits mit der Darstellung der Maria vom Berg Karmel (drei Belege) fassbar und andererseits in Form von kanonisierten Ordensangehörigen, allen voran der Gründungspersonen des Reformzweiges, Teresa von Ávila und Johannes vom Kreuz. Die Zuschreibung Anastasius des Persers an den Karmeliterorden folgt dem Umstand, dass er im Orden große Verehrung genoss,56 eine Beobachtung, zu der auch im Medaillenbestand des Stadtfriedhofs in St. Pölten Hinweise in Form von Koppelungen mit Maria vom Berg Karmel57 vorliegen. Medaillen mit dem Gnadenbild der Maria vom Berg Karmel deutet Fassbinder als Abzeichen von den dem Karmeliterorden angeschlossenen Skapulierbruderschaften von Unserer Lieben Frau vom Berg Karmel.58 Eine entsprechende Zuordnung wird für die hier vorliegenden Maria-vom-Berg-Karmel-Medaillen aber nicht getroffen, da in keinem Falle eine Nennung der Bruderschaft aufscheint.

Auch das bereits im Zusammenhang mit Wallfahrtsmedaillen aus Böhmen genannte Prager Jesulein ist eng mit dem Karmeliterorden verbunden. Je eine Kopie der ursprünglich aus Spanien stammenden und 1628 dem Prager Karmeliterkloster geschenkten Wachsstatue kam 1738 in das Frauenkloster und 1740/1756 zu den Karmeliterpatres in St. Pölten; wöchentlich wurden zu Ehren des Gnadenbildes zwei Messen gelesen. Überliefert ist weiters, dass die Ordensschwestern Kupferstiche des Prager Jesuleins an die bäuerliche Bevölkerung in der Umgebung zum Schutz vor Bedrohungen verteilten. Die Klosterchronik berichtet von wundersamen Abwendungen von Gefahren und von Heilungen, die sich durch das Anvertrauen an das Gnadenbild zugetragen hätten.59

Für die Verbreitung von Medaillen mit der Darstellung des Franziskus von Assisi und Antonius von Padua, die vielfach auch miteinander gekoppelt auf Medaillen aufscheinen,60 bietet sich das seit der Mitte des 15. Jahrhunderts in St. Pölten ansässige Franziskanerkloster61 als distribuierende Institution an.

Der zur Erweiterung des Schulangebots 1753 nach St. Pölten gerufene Piaristenorden62 findet ebenfalls einen Niederschlag im Fundbestand. Die auch als „Piaristenmedaillen“ in der Literatur bekannten und jedenfalls weit verbreiteten Medaillen zeigen stets auf einer Seite das am Generalat in San Pantaleo in Rom verehrte Gnadenbild und auf der Rückseite entweder das Ordenszeichen (Marienmonogramm im Strahlenkranz) oder, wie hier, in einer Schulszene (Abb. 12/1) den Ordensgründer Josef von Calasanz, dem auch die Kapelle der Niederlassung in St. Pölten geweiht war.63 Letztgenannter wird auf der Medaille vom Stadtfriedhof als Sanctus tituliert, wodurch der Anhänger frühestens im Jahr seiner Heiligsprechung 1767 angefertigt worden sein kann.64 Da die Piaristen 1776 den Standort in St. Pölten zugunsten von Krems aufgaben, böte sich für diese Medaille eine Verteilung ab 1767 und bis spätestens 1776 an; als Grabbeigabe65 in den Boden gelangte er jedenfalls bis 1779. Eine lokale Kopie des Mariengnadenbildes, zu dem möglicherweise auch lokale Prozessionen abgehalten wurden, befindet sich heute in der Franziskanerkirche.66

Abb. 12: St. Pölten, ehemaliger Stadtfriedhof. Ordensmedaillen und (mögliche) Bruderschaftsabzeichen. Funde: Stadtmuseum St. Pölten, Grabungen Domplatz. Fotos: Peter Böttcher, IMAREAL.

Die in gleicher Weise wie die Piaristen als Schulorden nach St. Pölten geholten Englischen Fräulein (ab 1706)67 sind dagegen im Medaillenspektrum nicht greifbar.

Medaillen mit der Darstellung des hl. Hieronymus68 lassen sich mit dem Hieronymitenorden in Verbindung bringen, der ab dem Ende des 17. Jahrhunderts drei Niederlassungen in Österreich unter der Enns unterhielt. Das älteste Kloster entstand 1698 in Schönbach (bis 1828), einem bereits im Spätmittelalter als Pilgerstätte belegten Wallfahrtsort, der nun der Obsorge dieses in Niederösterreich neuen Ordens übertragen wurde. Weitere Hieronymitenklöster entstanden 1718 in Wien (bis 1812) und 1759 in Kirnberg an der Mank (bis 1816).69

Geografische Bezüge nach Wien eröffnete bereits eine Mariazeller Wallfahrtsmedaille, die mit der von Kaiser Leopold I. gestifteten Dreifaltigkeitssäule gekoppelt iSt. Darüber hinaus weisen zwei religiöse Anhänger in die Residenzstadt als nächstliegenden Standort von Ordensniederlassungen: Zum einen eine Medaille der Kongregation des Oratoriums des hl. Philipp Neri70 (Abb. 12/2), die in Wien zwischen 1701 und 1783 ansässig war71, und zum anderen ein vielleicht als Abzeichen zu deutender Anhänger des Mercedarierordens mit Darstellung des Ordenswappens und des namengebenden Gnadenbildes Maria de la Merced (Abb. 12/3). Diese Gemeinschaft wurde unter Karl VI. 1717 nach Wien zur Betreuung des „Spanischen Spitals“ geholt, das bis zur Eröffnung des Allgemeinen Krankenhauses 1784 in Betrieb war.72

Für alle übrigen auf Orden und Institutionen hinweisenden Medaillen liegen derzeit keine Untersuchungen oder Hinweise vor, welche Kommunikationswege und -räume für das Vorkommen von ihnen zuordenbaren Medaillen in St. Pölten verantwortlich zeichnen. Medaillen, die sich mit dem Dominikanerorden verbinden lassen (v.a. Dominikus, Rosa von Lima, Pius V.), könnten auf Verbindungen mit Krems, Tulln, Wien u.a. zurückgehen, jene mit dem Abbild des hl. Philippus Benitius73 – abseits der Koppelung mit Loretto im Burgenland – mit dem die Wallfahrten in Maria Langegg, Jeutendorf und Schönbühel betreuenden Servitenorden74.

In welchen Ausmaßen die Verteilung dieser Medaillen über die jeweiligen Orden erfolgte bzw. ob und in welchem Ausmaß ‚Vertriebswege‘ allenfalls abseits von Klosterniederlassungen unterhalten wurden, ist auf weiten Strecken unbekannt und unerforscht. Zumindest von den Benediktuspfennigen ist überliefert, dass der Verkauf auch abseits von Benediktinerniederlassungen erfolgte (siehe Abschnitt 3.4). Für den Jesuitenorden ist bekannt, dass Medaillen mit kanonisierten Ordensangehörigen an Gläubige zur Werbung verteilt wurden.75 Inwieweit diese Praxis auch in der österreichischen Provinz gebräuchlich war, ist unbekannt. Insgesamt wird man*frau aber – trotz der derzeitigen Kenntnislücken zur Distribution von Heiligenmedaillen – Verbindungen und Beziehungen zu den nächstliegenden Ordensniederlassungen annehmen können.

Zu den in St. Pölten schriftlich überlieferten Bruderschaften76 lassen sich aus dem Fundbestand bisher keine sicher zuordenbaren Medaillen herausheben. Auf die von Fassbinder mit Sebastiansbruderschaften in Zusammenhang gebrachten figürlichen Anhänger mit Darstellung des Martyriums des Heiligen, die im Fundinventar des Stadtfriedhofs mit drei Exemplaren vertreten sind, wurde bereits hingewiesen. Eine Verbindung von Medaillen mit Rosenkranzdarstellungen und -szenen77 mit der im 17. und 18. Jahrhundert existierenden Rosenkranzbruderschaft wäre möglich, lässt sich aber mangels Titulierung nicht beweisen. Das einzige sicher als Bruderschaftsabzeichen titulierbare Stück ist eine Medaille der Michaelsbruderschaft Berg am Laim, die sich im Grab eines 30–35 Jahre alten Mannes befand (Abb. 12/4)78. Diese dem Franziskanerorden angeschlossene Vereinigung wurde 1693 bei München gegründet und erfuhr rasch großen Zulauf, sodass bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts zahlreiche Filiationen in weiten Teilen Deutschlands und in den habsburgischen Ländern entstanden.79 Für Wien wird eine Niederlassung genannt,80 für St. Pölten liegen hingegen aus dem 17./18. Jahrhundert keine Nachrichten vor.81

Der Blick auf die Region und die Stadt: Verwaltungsschriftgut als Quelle zur Modellierung von Regionalität am Beispiel von Maria Taferl und Maria Langegg

Die Wallfahrtsmedaillen zeigen ein Bild dessen, wohin die St. Pöltner gepilgert und gewallfahrtet sind oder sein könnten, weisen auf Verehrungstraditionen, Verbindungen und Kommunikationsräume hin. Warum nun die frühneuzeitlichen Wallfahrtsorte Maria Taferl und Maria Langegg82 ins Feld führen? Um, im Sinne Schmidts, ein Element des Wirkungszusammenhangs von Medien näher in den Blick zu bekommen: die Rezipient*innen.83 An den beiden ausgewählten Gnadenorten trafen unterschiedliche Wallfahrer*innengruppen – unter anderem Prozessionen aus St. Pölten – zusammen, die eines einte: Sie suchten ausgewählte Verehrungsziele auf, nahmen den mehr oder weniger weiten Weg auf sich, trugen Ideen, Eindrücke, Geschichten und Materielles wie Mitbringsel mit nach Hause und brachten jene auf diese Weise in einen neuen sozialen wie auch geografischen Raum, machten sie zum Gegenstand persönlicher Glaubenspraktiken und dienten als Multiplikatoren. Basierend auf schriftlichen, seriellen Quellen, die an den Wallfahrtsorten entstanden, wird im ersten Abschnitt versucht, Einzugsgebiete zu eruieren, die wiederum auf einen Teil des Einflussgebieteschluss folgern lassen. Das Verzeichnis externer Prediger, die in Maria Taferl Messe feierten, und die Miteinbeziehung weiterer Schriftquellen der Wallfahrtsorte erlauben es zudem, einen – wenngleich flüchtigen – Blick auf das Beziehungsgeflecht zwischen Geistlichen der näheren Umgebung, Ordensgemeinschaften und dem jeweiligen Gnadenort zu werfen.

Die verschiedenen Gruppen, die am Gnadenort zusammentrafen, konstruierten an einem geografisch mittels Koordinaten klar definierbaren Ort unterschiedliche Räume.84 Das schließt nicht nur Prozessionen mit ein, sondern auch Bewohner*innen, Händler*innen, Handwerker*innen, geistliche wie weltliche Herrschaft u.v.m., die durch ihre Praktiken sowohl soziale und sakrale Räume, Kommunikations- und Medien- als auch Wirtschaftsräume schufen. Gleiches gilt daher auch für die Medienproduktion und -distribution im Schmidt’schen Sinne, die hier aber aus Platzgründen nur in aller Kürze erwähnt werden kann.85

Zwei Marienwallfahrtsorte entlang der Donau: Maria Taferl und Maria Langegg

So ähnlich die Ausgangslage der beiden Gnadenorte scheint – entlang der Donau, nahe St. Pölten, vor der Etablierung als Wallfahrtsort nicht oder kaum besiedelt, Entstehung im 17. Jahrhundert ohne mittelalterliche Vorläufer –, so unterschiedlich entwickelten sie sich in Bezug auf Einzugsgebiet, Betreuung, Kommunikant*innenzahlen, Finanzkraft etc. bereits in den ersten Jahren. Wie bei Maria Langegg und Maria Taferl handelte es sich bei einem Großteil der Wallfahrtsneugründungen der Frühen Neuzeit um Marienwallfahrtsorte als bewusste Zeichen der Gegenreformation86 – so auch im protestantisch dominierten Waldviertel, in der Wachau und im Gebiet des Dunkelsteinerwaldes.87

Maria Langegg liegt südlich der Donau im Dunkelsteinerwald etwa auf halber Strecke zwischen den beiden Benediktinerstiften Melk und Göttweig und gehörte bis 1783 zur Pfarre Arnsdorf. Das sogenannte „Schlössl“ wurde ab 1599 von Matthäus oder Matthias Häring, Verwalter der fürsterzbischöflich-salzburgerischen Besitzungen Wölbling, Traismauer und Arnsdorf, bewohnt. Als seine kleine Tochter Maria Clara 1604 schwer erkrankte, wandte er sich an die Gottesmutter Maria und gelobte den Bau einer Kapelle, die ein Jahr später etwa 300 Meter von seinem Hof entfernt auf einer Anhöhe fertiggestellt wurde und in welche er das von ihm hochverehrte Marienbild, eine Kopie des Lukasbildes von S. Maria del Popolo in Rom, angefertigt um die Mitte des 16. Jahrhunderts, übertrug. Nach einer überstandenen Krankheit, während der sich Abt Kaspar von Melk nach Maria Langegg verlobt hatte, unterstützte dieser finanziell den Neubau der Kirche, die 1631 eingeweiht werden konnte.88 Um die beständige Seelsorge am Gnadenort zu garantieren, übernahmen 1645 die Serviten mit Unterstützung des Benediktinerpaters Modestus Mayr und der Gattin Ferdinands III., Eleonore von Gonzaga, die Betreuung des Wallfahrtsortes, erbauten ein Kloster und schließlich auch die heutige Wallfahrtskirche, in welche 1773 das Gnadenbild übertragen wurde.89

Maria Taferl, etwa 9 km (Luftlinie) westlich des Stiftes Melk und ca. 25 km südwestlich von Maria Langegg, liegt auf einer Anhöhe nördlich der Donau über dem Ort Krummnußbaum und gehörte bis 1783 zur Pfarre Klein-Pöchlarn. Im Zentrum der beiden Ursprungslegenden rund um die Heilung des Hirten Thomas Pachmann sowie des Försters und Dorfrichters Alexander Schinagl stand eine Eiche, an der ein Kruzifix und später eine Pietà befestigt waren. Schinagl erwarb diese Statue der schmerzhaften Muttergottes 1642 um zwei Gulden von Franciscus Meuß, Schulmeister, Organist und Maler in Klein-Pöchlarn, und ließ sie an besagtem Baum befestigen.90 1659 wurden zahlreiche Engels- und Lichterscheinungen rund um das sogenannten taferl wahrgenommen. In diesem Jahr kam es zu einem stetig wachsenden Zulauf aus Krems, Stein, Linz, Melk, Ybbs etc.91, wovon die etwa 48 Votivtafeln zeugten, die laut einem Bericht des regensburgischen Kommissars vom 11. Dezember rund um das Gnadenbild befestigt worden waren (Abb. 13).92 Die Interventionen Schinagls, des Pflegers sowie des Pfarrers von Pöchlarn bedingten letztlich im Dezember 1659 eine umfangreiche Zeugenbefragung von insgesamt 51 Personen durch eine Kommission der Diözese Passau und die offizielle Anerkennung der Wallfahrt.93 1660 wurde die erste Messe am Josephitag gelesen und der Grundstein zur Kirche gelegt, die jedoch erst 1724 fertiggestellt wurde.94 Die Obsorge über die Wallfahrt wurde schon früh zwischen geistlicher und weltlicher Herrschaft – den Hochstiften Passau und Regensburg – geregelt: Der Ort sollte stets von weltlichem Klerus und niemals durch einen Orden betreut werden.95

Abb. 13: Woher stammten die Votanten der ersten Votivtafeln Maria Taferl im Jahr 1659? Datengrundlage: OpenStreetMap Humanitarian Data Model [© Open­StreetMap-Mitwirkende; www.openstreetmap.org]; Kartierung: Karin Kühtreiber, Regine Puchinger.

Serielle Quellen zur Wallfahrt: ihr Potenzial und ihre Tücken

Für Maria Langegg wurde unter anderem das von den Serviten geführte Diarium Conventus im Hinblick auf das Einzugsgebiet ausgewertet.96 Nur wenige, unzureichende Eintragungen wie variis ex locis Transdanubianis97 machten eine exakte Lokalisierung unmöglich. Die untersuchten Jahre, ausgewählt anhand der Schriftquellen, sind: 1617 (vor den Serviten), ca. 1677, 1697, 1717, 1737, 1757 sowie 1777.98

In Maria Taferl begann man früh, Kirchenbücher über externe Messzelebranten, Prozessionen und Kommunikant*innenzahlen zu führen. Leider haben sich nur drei Exemplare erhalten.99 Die chronologischen Prozessionsverzeichnisse mit Angaben zu Herkunftsorten enden im ersten Buch schon nach wenigen Jahren. Für die anschließende Analyse wurde aufgrund der Vollständigkeit jenes des Jahres 1698 herangezogen. 83 % der eingetragenen Herkunftsorte konnten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit lokalisiert werden. Erschwerende Faktoren sind: Einerseits schrieb der Eintragende die Herkunftsorte nieder, wie er sie akustisch verstand. Andererseits erfolgten manche Herkunftsangaben nur als aus Märrn,100 von dißer gegent101 oder unweit auß dieser gegent102. Hinzu kommt, dass einige niedergeschriebene deutschsprachige Namensversionen böhmischer oder mährischer Orte und Ortsnamen, die von mehreren Orten getragen wurden und werden, nicht eindeutig zugeordnet werden konnten.

Waren einerseits mehr Prozessionen in die Verzeichnisse eingetragen worden als erwartet,103 sind andererseits Prozessionen von Orten, die man*frau zu finden gedacht hatte, nicht auffindbar. Weiß man*frau beispielsweise aus Mirakelbüchern von Prozessionen aus Ungarn und Kroatien, findet sich hierzu im Prozessionsverzeichnis 1698 kein Nachweis. Liegt es daran, dass der Eintragende den Ortsnamen nicht korrekt verstand, diese Gruppen sich nicht eintragen ließen oder in diesem Jahr nicht gekommen waren? Es stellt sich zudem die Frage, ob sich nur Prozessionen oder auch Einzelpersonen verzeichnen ließen. Angaben zu Gruppengröße oder ob Maria Taferl nur ein Ziel von mehreren war – Stichwort Mehrortewallfahrt – finden sich leider nur in Ausnahmefällen wie eodem von Wien von Dominicanern mit 13 hundert im Jahr 1697.104

Neben den Kommunikant*innenzahlen beinhalten die herangezogenen Bücher durchgehend geführte Listen über die zelebrierten Messen – darunter finden sich auch externe Geistliche. Eine Hand trug täglich die Anzahl der Messen des Administrators, der Kuraten sowie der super numeri ein, danach schrieben sich die extranei, wie es scheint, selbst hinzu. Zelebrierte ein Priester mehrmals an einem Tag, findet man*frau auch seinen Namen dementsprechend oft. Während es etwa die Hälfte der Prediger mit der Eintragung genauer nahm und den vollständigen Namen, den Herkunfts- bzw. Dienstort, das Stammkloster und die Ordenszugehörigkeit eintrug, sparte die andere Hälfte mit Details oder blieb anonym und trug schlicht extraneus oder fidelis de fidelibus ein.105 Nur in seltenen Fällen decken sich die Herkunftsorte der Priester mit den Prozessionen. Weibliche Ordensleute sucht man*frau in diesem Verzeichnis naturgemäß vergeblich.

Zur Rekonstruktion der in Abschnitt 3.4 erwähnten Devotionalien als Medien der Wallfahrtsorte wurde auf eine weitere serielle Quelle zurückgegriffen: die Rechnungsbücher. Aus Platzgründen kann auf das Potenzial dieses Verwaltungsschriftgutes allerdings hier nicht weiter eingegangen werden.106

Maria Langegg und Maria Taferl: zwei Wallfahrtsorte mit Anziehungskraft

Die beiden untersuchten Wallfahrtsorte zeigen, obschon beide als Orte der Nahwallfahrt zu sehen sind, wesentliche Unterschiede in Bekanntheitsgrad und Verbreitung: 1697 lag die Zahl der Prozessionen nach Maria Langegg bei nur 24. Sie erreichte in den untersuchten Jahren ihren Höhepunkt im Jahr 1777 mit 80 Prozessionen aus 69 unterschiedlichen Orten. Im Gegensatz dazu empfing Maria Taferl 1698 von März bis Oktober 226 Prozessionen aus etwa 170 unterschiedlichen Ortschaften. Zahlen anderer Wallfahrtsorte zum Vergleich: Der bedeutendste Wallfahrtsort Österreichs, Mariazell, zählte 1675 134 Prozessionen, Maria Rafings im Waldviertel im Jahr 1765 etwa 43, für Szentkút/Heiligenbrunn in Ungarn konnten 30 Ortschaften im Mirakelbuch identifiziert werden, nach Celldömölk/Kleinmariazell kamen Wallfahrer*innen aus etwa 500, nach Marianka/Mariatal, das in der heutigen Slowakei liegt, aus etwa 70 Orten.107

Im Folgenden wird die Ausdehnung der Einzugsgebiete grafisch mittels Kartierung wie auch anhand der Reisedauer der jeweiligen Prozessionen in Tagen und Wochen angegeben. Basis dafür ist die Annahme, dass die Prozessionsgruppen im Durchschnitt 30 Kilometer pro Tag zurücklegten.108

Das Einzugsgebiet Maria Langeggs

Im Jahr 1617 stammten die acht identifizierbaren Prozessionen aus einem Umkreis von einer Tagesreise hin und retour. Bis etwa 1677 war die Zahl der Prozessionen auf 69 angestiegen. Beinahe die Hälfte von ihnen benötigte zwei Tage, um nach Maria Langegg und wieder nach Hause zu gelangen, 3,1 % bis zu fünf Tage. Nach einem Rückgang 1697 zeigt sich ab 1717 ein ähnliches Bild wie 1677, ab 1737 stiegen auch die Prozessionszahlen stetig. Der Großteil braucht zwei Tage, kaum eine Prozession ist jedoch länger als drei Tage unterwegs. Ein Einzugsgebiet erstreckte sich zwischen den Städten St. Pölten, Herzogenburg und Krems an der Donau, folgte dann dem Verlauf der Donau bis Melk. Dieses Gebiet verdichtete sich über die Jahre. Ein weiterer Schwerpunkt lag von Beginn an südlich der Donau – von hier kamen Pfarren wie Marbach an der Donau, Purgstall an der Erlauf, Texing und Mank. Dieses Gebiet veränderte sich jedoch kaum über die Jahre. Die Abbildungen 14 und 15 belegen die Erweiterung des Einzugsradius und die Reisedauer.

Wallfahrtsziel Maria Taferl

In Maria Taferl präsentierten sich nicht nur die Prozessionszahlen anders. Von den 187 Prozessionen mit identifizierbaren Herkunftsorten waren 38,5 % zwischen einem Tag und vier Tagen unterwegs und weitere 47,1 % bis zu acht Tage (Abb. 16). Dennoch stammte der Großteil (76,4 %) der Wallfahrer*innen aus einem Umkreis von einer Wochenreise. Jene Wallfahrer*innen, die länger als eine Woche unterwegs waren, kamen aus dem heutigen Tschechien, Ungarn, der Slowakei und Bayern. Eine Mehrortewallfahrt ist nicht auszuschließen, jedoch anhand der herangezogenen Quelle nicht nachweisbar. Beinahe 15 % der 174 Prozessionen suchten den Gnadenort mehrmals pro Jahr auf. Auf acht Eintragungen im Jahr 1698 brachten es die Orte Marbach (etwa 3 km Fußmarsch in eine Richtung) und Waidhofen an der Thaya (circa 80 km zu Fuß in eine Richtung).

Das Haupteinzugsgebiet Maria Taferls im Jahr 1698 lag nördlich der Donau (Abb. 17). Ein Schwerpunkt zeigte sich im Waldviertel und über die Grenzen hinaus bis nach Slavonice/Zlabings.109 Eine weitere Schneise führte nordöstlich in Richtung Langenlois bis ins Weinviertel und hier über die heutigen Grenzen hinaus nach Znojmo/Znaim, Dolní Věstonice/Unterwisternitz und Kurdějov/Gurdau. Ein dritter „Arm“ zog sich von Linz nördlich Richtung Freistadt, Dolní Dvořiště/Unterhaid bis Budejovice/Budweis. Südlich der Donau erstreckte sich das Einzugsgebiet in einem Radius von etwa 20–25 km.

Marlene Hawel wertete in ihrer Diplomarbeit die gedruckten Mirakelbücher Maria Taferls auch in Hinblick auf Herkunftsorte aus. Das Einzugsgebiet deckt sich in den Grundzügen, die prozentuelle Verteilung variiert jedoch. Während die Wallfahrer*innen aus Niederösterreich um etwa 1705 in den Mirakelbüchern einen Anteil von 63 % ausmachten, stammten laut Prozessionsverzeichnis von 1699 75 % aus diesem Bundesland.110 Traten laut Mirakelbuch die oberösterreichischen Pilger*innen mit 21 % an die zweite Stelle, hielt das Prozessionsverzeichnis keine zehn Jahre zuvor nur 5,4 % fest. Hawel führt weiters aus: 2 % stammten aus Böhmen und Salzburg, 1 % aus der Steiermark und ebenso viele aus Bayern.111 Die Prozessionsverzeichnisse belegten aber bereits 1698 eine hohe Anzahl böhmischer und mährischer Prozessionen – 20 % aus dem heutigen Tschechien, 1,1 % aus der heutigen Slowakei.112 Ab 1759 wurden immerhin auch im Mirakelbuch 11 % der Wallfahrer*innen aus Mähren und 9 % aus Böhmen verzeichnet.113 Für die von Hawel genannten Gebiete Schlesien, Siebenbürgen, Ungarn und Krain gibt es nur vereinzelte Nennungen in den erhaltenen Prozessions- und Predigerverzeichnissen.

Die Zahlen aus dem von Hawel analysierten, jüngsten Mirakelbuch deuten auf einen Rückgang der Prozessionen aus Gebieten außerhalb der Landesgrenzen bis 1777 hin. Die Predigerverzeichnisse von 1777 zeichnen hier jedoch ein anderes Bild. Die Prozentzahlen der Prediger aus dem heutigen Tschechien, Slowenien und Bayern waren von 1687 bis 1777 angestiegen. Die Verwendung der Mirakelbücher zu ‚Werbezwecken‘ darf nicht aus den Augen gelassen werden. Die Auswahl der gedruckten Mirakel richtete sich an eine bestimmte Zielgruppe, deren zu erweckenden Bedürfnisse und vielleicht auch jene geografischen Räume, die man*frau erreichte und erreichen wollte. Anzunehmen ist auch, dass nicht jeder*jede Wallfahrer*in und jede Prozession Mirakelberichte für Maria Taferl im Gepäck hatte, was bereits zu einer Selektion vor der Selektion führte.

Wallfahrer aus Böhmen und Mähren

[…] weillen dises gotteshaus jährlich wärn 8000 persohnen aus Böheimb frequentieren […]114

Wallfahrten aus Böhmen und Mähren ins Waldviertel sind nicht nur für Maria Taferl nachweisbar und zeugen von einem regen grenzüberschreitenden Verkehr. So schrieb Abt Bernhard Linck von Zwettl im 17. Jahrhundert über Vorkommnisse von 1588 in Maria Rafings und erwähnte hierbei „etliche tausende“ Wallfahrer aus den Gebieten Böhmen, Mähren und Schlesien sowie aus weiter entfernten Gebieten.115 Eine Erwähnung böhmischer Gläubiger, welche die Pietà am „Taferlberg“ aufsuchten, findet sich bereits in der Zeugenbefragung 1659, wenngleich nur einmal: Christoph Rueprecht sagte aus, gehört zu haben, dass Personen aus Böhmen zum täferl gehen würden. Gehört hätte er dies von den Böhmen selbsten.116 Aufgrund der großen Anzahl von Prozessionen aus den böhmischen und mährischen Gebieten vereinbarten Vertreter aus Passau und Regensburg 1691, dass die Priester, die für ein Amt in Maria Taferl in Betracht kämen, sovil möglich der sprachen, sonderbar aber der böhmischen kundigen117 sein sollten. In einer Liste zu Verbesserungsvorschlägen, die wohl aus dem 18. Jahrhundert stammt, heißt es: gnadenbüchl a 7 kr in böhm. sprach wegen der c. 30000 hierher wallf. Böhmen sehr gut. Medien- und Betreuungsangebot hatten sich im Laufe der Zeit an den großen Zustrom aus diesen Gebieten angepasst und ihn gefördert.118

Als Teil der Dreiortewallfahrt – gemeinsam mit Mariazell und Sonntagberg – profitierte Maria Taferl von der Beliebtheit der anderen Gnadenorte, vor allem von der überregionalen Bedeutung von Mariazell.119 Die Znaimer und Brünner Prozessionen reisten beispielsweise über Retz, Krems, Wilhelmsburg und Annaberg nach Mariazell. Ihr Rückweg führte sie über Scheibbs nach Maria Taferl, von wo sie mit dem Schiff wiederum nach Stein an der Donau fuhren, um ihren Heimweg fortzusetzen.120

Die „extranei“ von Maria Taferl

Das Einzugsgebiet der externen Messzelebranten in Maria Taferl konzentrierte sich in den Jahren 1699 wie 1777 auf das Waldviertel (Abb. 18). Die Donau war für die Prediger weniger Grenze als vielmehr Teil der Reisestrecke, vor allem für Angehörige bayerischer Klöster. Ein weiterer Arm des Einzugsgebietes führte über Altmünster am Traunsee und Salzburg ins heutige Bayern bis Tegernsee. Prediger aus Tschechien stammten vor allem aus größeren Städten wie Praha/Prag, Brno/Brünn, Znojmo/Znaim, Olomouc/Olmütz, Jihlava/Iglau, Třebíč/Trebitsch. Nach Süden finden sich Einzugsgebiete entlang der Erlauf und weiter Richtung Steiermark. Ein Ast bewegte sich über Seitenstetten bis Garsten. Dennoch stammte der Großteil der Prediger (90 %) wie auch der Prozessionen aus einem Umkreis von höchstens einer Wochenreise.121 Bis 1777 nahmen die Distanzen merklich zu, wobei noch immerhin 76,6 % nicht länger als eine Woche und 16 % bis zu zwei Wochen unterwegs waren.122 (Abb. 19)

Die Anzahl der extranei aus Österreich nahm von 1699 bis 1777 ab. Mit 81,9 % im Jahr 1777 bildeten sie dennoch eine deutliche Mehrheit. Diese setzen sich wiederum jeweils aus etwa 78 % aus Niederösterreich, zwischen 11 % und 14 % aus Oberösterreich und knapp unter 3 % aus der Steiermark zusammen. Aus Salzburg kamen 1699 lediglich zwei Prediger nach Maria Taferl, 1777 immerhin sieben. Im selben Jahr konnten drei Geistliche aus Kärnten und ein extraneus aus Tirol verzeichnet werden. Die restlichen etwa 6 bzw. 18 % der Geistlichen stammten aus Bayern, Tschechien und Slowenien. Dieses Gebiet erweiterte sich 1777 um die Slowakei und Italien. 1698 bis 1777 stieg die Zahl der Geistlichen aus Tschechien um etwa 8 % und aus Bayern um 4 %.

Welchem Orden gehörten die Ordensgeistlichen an, die in Maria Taferl die hl. Messe lasen? Die Benediktiner nahmen in beiden Jahren den ersten Rang unter den Orden ein, gefolgt von Franziskanern, Augustinern und Zisterziensern (Abb. 20). Die prozentuellen Anteile der Benediktiner (-12,5 %), der Franziskaner (-6,5 %) und Dominikaner (-4 %) sanken deutlich, während die Augustiner Chorherren mit 14 % eine stabile Gruppe bildeten.123 Die Zisterzienser jedoch steigerten ihren Anteil an extranei um 3 %, die Kapuziner sogar um 11 %. Der Anstieg der Kapuziner könnte mit der Gründung der Niederlassung in Scheibbs, die 1684 von Bischof Jodok Höpfner geweiht wurde, und der seit 1731 jährlich stattfindenden Wallfahrt in Zusammenhang gestanden haben.124 Eine weitere Stadt, aus der mehrmals im Jahr Prozessionen nach Maria Taferl kamen und die seit 1658 über eine Kapuzinerniederlassung verfügte, war Waidhofen an der Ybbs. Weiters wurden Patres aus Linz, Mähren und Böhmen genannt.

Bei den genannten Serviten im Jahr 1699 handelte es sich ausschließlich um Ordensmitglieder aus Maria Langegg. 1777 stammten die Serviten hingegen nicht nur von dieser Niederlassung, sondern auch aus Schönbühel und Mähren. Wie die Serviten aus Maria Langegg bewarben sich auch die Pauliner aus Unterranna ab 1694 bis etwa 1705 immer wieder um die Betreuung Maria Taferls. Der Administrator beklagte, dass der Prior der Pauliner vor Ort Leute befragte oder sich Ordenssammler (Spendensammler, Haussammler) der Serviten umsehen würden.125 Vier Pauliner wurden im Jahr 1699 und sechs verschiedene Geistliche dieses Ordens 1777 notiert – jedoch ohne Herkunftsort.

Auffallend ist die zunehmende Anzahl der Minoriten, die aus Niederlassungen in Wien, Krems und Brünn stammten. Die Jesuiten verschwanden in den Aufzeichnungen des Jahres 1777 aufgrund der Aufhebung des Ordens wenige Jahre zuvor. Weitere Orden wie der Somasker-Orden (1699), die Prämonstratenser (1699 zwei Nennungen, 1777 eine Nennung), die Kartäuser (1777), Karmeliten, Trinitarier und Piaristen (je zwei Nennungen 1777), deren Orden sich nach der Auflösung des Jesuitenordens in Krems angesiedelt hatte, treten nur vereinzelt auf.

Der Überhang von externen Geistlichen aus Niederösterreich erklärt sich aus einer Instruktion für den Administrator aus dem Jahr 1678 mit Angaben darüber, wie er sich gegenüber jenen Geistlichen, die Prozessionen begleiteten, anderen Reisenden und den Religiosen, die bei großem Andrang aushalfen, Messe zu lesen und Beichte zu hören, zu verhalten hätte: […] in freindlicher derselben einladung zum mittagmahl hospital erzaigen, denen selben auch die selbige tags bestellte ybrige votiv mesßen, die er mit seinen mitcuraten ohne das nicht verrichten khann, guettwillig offerieren, auch das jenige geld, so von denen fromen peregrinanten darführ gericht […].126 Besonders die Religiosen der umliegenden Klöster, allen voran die Benediktiner aus Melk, die Franziskaner aus Ybbs an der Donau und die Zisterzienser aus Säusenstein – alle zwischen sieben und 15 Kilometer und damit keine Tagesreise vom Gnadenort entfernt –, halfen an besucherstarken Tagen aus. Nachzulesen ist dies beispielsweise in einem Protokoll der Verhandlungen um die Anstellung eines weiteren Kuraten in Maria Taferl 1691: […] daß sye damit zu zeit nit vollständig gefolgen könnte, sondern die Franciscaner zu Ybbß zu hilf zunemmen sich gemässiget befindtn. Im Jahr 1777 scheint auch die Beziehung zu den Hieronymiten von Schönbach eng gewesen zu sein, auch wenn diese etwa 35 km Fußweg entfernt lagen. Der Hieronymit Bonaventura hielt an sechs unterschiedlichen Tagen Messe in Maria Taferl.

Die Priester der nahegelegenen Pfarren wie Marbach oder Laimbach am Ostrong halfen, wie die umliegenden Klöster, regelmäßig aus. Diese zelebrierten zumeist mehrmals pro Tag: Joannes Melchior Opilio, parochus in Klein-Pöchlarn, feierte am 9. Juni 1699 fünfmal Messe, Max Schober, Pfarrer von Marbach, am selben Tag dreimal, Philippus Ziegling, Pfarrer von Laimbach am Ostrong, am 11. September viermal. Gleiches gilt für die Religiosen der umliegenden Klöster, die den Gnadenort unterstützten, wie beispielsweise Pater Stephanus aus Säusenstein (zwei Messen am 7. September, drei Messen am 8. September), wenn auch in einem wesentlich geringeren Ausmaß.127

Die Rechnungsbücher und deren penible Aufzeichnungen über Kredit-, Darlehensvergabe und Geldanlagen verraten noch weitere bestehende, ökonomische Beziehungen zwischen Klöstern, Pfarren und dem Gnadenort Maria Taferl.128 In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden folgende Obligationen angezeigt: 5.000 Gulden Benediktinerstift Melk, 100 Gulden Kartause Aggsbach, 4.000 Gulden Zisterzienserstift Säusenstein, 2.000 Gulden Zisterzienserstift Lilienfeld und dieselbe Summe Pfarre Pöchlarn. 1760 wird angegeben, dass gesamt 2.000 Gulden beim Augustiner-Chorherrenstift St. Florian in Österreich ob der Enns angelegt worden sind.129

Eine weitere Beziehungsebene zwischen Maria Taferl und auswärtigen Geistlichen kann in den Mirakelbüchern eruiert werden. Geistliche traten mitunter als Votanten auf.130

Maria Langegg und Maria Taferl – ihre Einzugsgebiete im Vergleich

In ihrer Ausdehnung und den zurückgelegten Wegstrecken unterscheiden sich die beiden Einzugsgebiete der untersuchten Wallfahrtsorte erheblich, wobei hier wie dort die meisten Prozessionen kaum über eine Woche hin und retour unterwegs waren. Während sich in den Verzeichnissen in Maria Taferl Einträge aus dem heutigen Österreich, Italien, der Slowakei, Slowenien, Tschechien, Bayern und Ungarn befinden, beschränken sich die eingetragenen Prozessionen Maria Langeggs auf Österreich. Die Gebiete überschneiden sich jedoch zum Teil, wie es die geografische Nähe der Gnadenorte vermuten lässt. Jene Orte, die sich entlang der Donau zwischen Maria Taferl und Maria Langegg befinden, scheinen in den Besucherverzeichnissen beider Wallfahrtsstätten auf. Die Donau spielte nicht nur eine zentrale Rolle hinsichtlich des Haupteinzugsgebietes, sie stellte auch eine wesentliche Grenze dar: Während sich das Haupteinzugsgebiet Maria Taferls nördlich dieses Flusses gen Norden, Nordwesten und Nordosten erstreckte bzw. wie bei den Predigern entlang der Donau lag, dehnte sich das Einzugsgebiet Maria Langeggs vorrangig südlich und südöstlich der Donau aus. Das Gebiet Herzogenburg–St. Pölten gab den Aufzeichnungen zufolge Maria Langegg klar den Vorzug, wobei sowohl für Herzogenburg als auch für St. Pölten regelmäßige Wallfahrten nach Maria Taferl belegt werden können.131

Wandte sich Maria Taferl vorrangig an die Franziskaner von Ybbs an der Donau, an die Zisterzienser Säusensteins und an das Benediktinerstift Melk, wenn Unterstützung nötig war oder sich hoher Besuch anmeldete, so kamen vor allem die Franziskaner St. Pöltens gleich mehrere Tage nach Maria Langegg, um vor der Übernahme durch die Serviten auszuhelfen, und auch die Benediktiner Göttweigs fanden sich ein. Das Benediktinerstift Melk findet sich hier wie da unter den unterstützenden Klöstern, ebenso die Pfarrer der nächstgelegenen Ortschaften.132

Scheint es auch auf Basis der Prozessions- und Predigerverzeichnisse so, als ob zwischen Maria Taferl und St. Pölten keine religiös motivierte Mobilität stattgefunden hätte, findet man*frau jedoch immer wieder markante Ausreißer wie beispielsweise Jakob Grimb, Stadtrichter und Handelsmann aus St. Pölten, der eine der ersten Votivtafeln 1659, im Jahr vor der offiziellen Gründung, nach Maria Taferl brachte.133

Ein weiterer besonderer Fall, der sehr wohl für Wallfahrten aus dem Gebiet um St. Pölten nach Maria Taferl steht, ist der Ort Pyhra, etwa sechs Kilometer südlich von St. Pölten entfernt. Hier entstand rund um einen Kupferdruck, der seinen Weg als Erinnerungsstück hierher fand, eine Sekundärwallfahrt Maria Taferls. Ein besonderer Verehrer dieses Gnadenbildes hatte den Druck gerahmt, an einem Baum befestigt und ein Holzscheit als Betschemel verwendet. Als der Müller, der vermeintlich hinter dieser Privatandacht steckte, verstarb, stießen die Bewohner Pyhras darauf; vor allem der Jugend schien es dieser Ort angetan zu haben. In kürzester Zeit war der Zulauf groß und besonders die Englischen Fräulein St. Pöltens galten als Förderinnen dieser Wallfahrt.134

Devotionalien: ihr medialer Wert und ihre Verbreitung

Die geografische Verbreitung der Verehrung des jeweiligen Gnadenbildes ist eng mit dem Einsatz von Wallfahrtsmedien verbunden. Neben der notwendigen Infrastruktur wie Wasser, Übernachtungsgelegenheiten und Straßen135 wurden auch die medialen Angebote im Laufe der Zeit immer weiter ausgebaut. Diese folgten einerseits ökonomischen, administrativen, sozialen und sakralen Überlegungen, andererseits der Nachfrage durch die Wallfahrer*innen, die mit den Wallfahrtspraktiken und -ritualen, die sich über Jahrhunderte hinweg entwickelt hatten, und den materiellen Konfigurationen136 von Orten wie Mariazell entweder durch persönliches Erleben oder Erzählungen vertraut waren und sie gewissermaßen einforderten. Darunter fielen Devotionalien, die durch das Anrühren am Gnadenbild selbst zu wirkmächtigen Objekten wurden, oder die als Erinnerung respektive als Beweis der Wallfahrt, als „stellvertretende Reliquie“137 oder Stellvertreter des Gnadenbildes, als Heilmittel gegen Krankheiten oder Brände, und als Teil der persönlichen Frömmigkeit mit nach Hause getragen werden konnten.

Die Verwendung von Mirakelbüchern als Träger von Werbebotschaften begann in Maria Taferl bereits im ersten Jahr des Bestehens.138 In der Frühen Neuzeit erlaubten die neuen technischen Möglichkeiten die Herstellung von immer günstigeren Massendrucken wie dem Andachtsbild, das nun auch – im Gegensatz zu Mirakelbüchern – finanzschwächeren Bevölkerungsgruppen zugänglich war.139 Brauneck spricht in diesem Zusammenhang von „Wallfahrtsindustrie“.140 Die Devotionalien visualisierten den Glauben und erhöhten die Popularität eines Ortes – Gugitz sah im Andachtsbild Maria Taferls sogar einen der wesentlichsten Faktoren der Verbreitung.141 1760 wurden insgesamt 137.034 Stück von 16 unterschiedlichen Druckarten an die Wallfahrtskirche Maria Taferl geliefert.142 Zahlen wie diese unterstreichen den Charakter derselben als Massenware und belegen das Potenzial dieser Mediengattung. Wie an den Beispielen Pyhra oder Großjedlersdorf zu sehen ist, konnten Andachtsbilder eine Bedeutungsveränderung erfahren und selbst zu Gnadenbildern aufsteigen.

Als eine verwandte Devotionaliengruppe seien Skapuliere und Skapulierbilder, ob auf Papier, Leinen oder Seidentaft, hervorzuheben, die an beiden Gnadenorten durch die Sieben-Schmerzen-Bruderschaft verteilt wurden. Die Bruderschaften unterstützten die Wallfahrtsorte nicht nur finanziell, sie erweiterten das liturgische Angebot143, vermehrten die zu gewinnenden Ablässe und stellten auch in medialer Hinsicht einen Mehrwert für jeden Gnadenort dar.144

Ein weiteres wesentliches Medium der Wallfahrt aus der Gattung der Devotionalien stellen die metallischen Zeichen dar. Sie traten in die Fußstapfen der Pilgerzeichen, deren Verkauf sich bereits ab der Mitte des 12. Jahrhunderts an Pilgerzielen nachweisen lässt, oder auch der Pilgermuscheln aus Santiago de Compostela.145 Die Wallfahrer*innen konnten sie vor Ort günstig erwerben und mit nach Hause nehmen. Wie auch die Druckwerke transportierten sie bildlich die wesentlichen Grundzüge der Andacht: das Gnadenbild, die Ursprungslegende und/oder die Ansicht der Kirche.146 Sowohl für Maria Langegg als auch für Maria Taferl kann die Produktion und der Vertrieb von sogenannten zinnzaichen (Maria Langegg) oder wahrzaichen (Maria Taferl) nachgewiesen werden. Die bereits früh einsetzende Herstellung dieser Devotionalien entwickelte sich in beiden Orten von einer lokalen Produktion hin zu einem überregionalen System von Professionisten und spezialisierten Händler*innen.147

Der Devotionaliengruppe der Wallfahrtsmedaillen eröffnete die Mehrortewallfahrt einen neuen Absatzmarkt. Medaillen, die das Motiv Maria Taferls auf einer Seite trugen, waren nicht mehr an den Gnadenort gebunden, sondern konnten auch an anderen Wallfahrtsorten erworben werden. Die Distribution der Wallfahrtsmedien findet nicht mehr nur vor Ort und an ankommende Prozessionen statt, sondern löst sich von den Andachtsorten. In Maria Langegg sind es vor allem die Spendensammlungen der Serviten, die den Vertrieb mobilisierten. Diese beschränkten sich nicht mehr auf Devotionalien mit Motiven des Gnadenortes, sondern sie verteilten unter anderem Benediktuspfennige und Amulette.148

Fazit

In der Zusammenschau eröffnen beide Mediengruppen auf verschiedenen Ebenen und aus unterschiedlichen Blickwinkeln ‚Wallfahrtsräume‘ für den niederösterreichischen Zentralraum des 17. und 18. Jahrhunderts.

Das Bild, welches die Medaillen zeichnen, ist im Vergleich zu den Schriftquellen grobmaschiger, greift regional aber weiter aus: Die Wallfahrtsmedaillen weisen nicht nur in die relative Nähe der Stadt (Maria Taferl, Mariazell, Sonntagberg) und damit in Regionen, die in wenigen Tagen erreichbar sind, sondern machen auch potenzielle Pilgerunternehmungen sichtbar, für die mehrwöchige Reisen erforderlich waren, wie nach Italien, Bayern, die Schweiz, Böhmen, Mähren und Schlesien sowie mit Stücken aus dem heutigen Belgien sogar in die „Österreichischen Niederlande“ des 18. Jahrhunderts. Die auf religiöse Institutionen, allen voran Orden, hinweisenden Medaillen (Heiligen- und Institutsmedaillen) lassen sich dagegen mit Akteuren aus der engeren Region verbinden: Einerseits zeigen sie auf Ordensniederlassungen in der Stadt selbst (Karmeliterorden, Franziskaner, Piaristen), andererseits auf nächst St. Pölten liegende Klöster und Stifte in Niederösterreich, etwa der Benediktiner, Jesuiten, Hieronymiten und Dominikaner, oder in Wien, wo im Speziellen die Mercedarier und die Kongregation des Oratoriums des hl. Philipp Neri sichtbar werden. Ein direkter Zusammenhang zwischen den auf dem Stadtfriedhof gefundenen Medaillen und ihrer Verbreitung durch die lokalen Ordensniederlassungen kann bis dato nur vermutet werden – schriftliche Nachrichten zu entsprechenden Distributionspraktiken liegen bis dato nicht vor. Für die Karmelitinnen in St. Pölten ist aber immerhin bekannt, dass sie Kupferstiche mit dem Prager Jesulein an die örtliche Bevölkerung verteilten149 – gut möglich daher, dass auch ‚metallene Andachtsbilder‘ mit karmelitischen Motiven (Maria vom Berg Karmel, hl. Teresa von Ávila, hl. Anastasius u.a.) auf diese Weise ihren Weg zu den Gläubigen fanden.

Die räumlichen Netze, welche die Schriftquellen nachvollziehen lassen, präsentieren sich dagegen vergleichsweise engmaschig um die beiden untersuchten Wallfahrtsorte Maria Taferl und Maria Langegg. Prozessionen, Prediger oder Votivgaben kamen vor allem aus dem Gebiet des heutigen Niederösterreich. Das Einzugsgebiet Maria Taferls, das seine Anziehungskraft der Mehrortewallfahrt Mariazell – Maria Taferl – Sonntagberg verdankte, greift dabei im Vergleich zu Maria Langegg deutlich weiter und mitunter auch weit über die Landesgrenzen hinausgehend aus. Prozessionen aus Böhmen, Mähren, Ungarn, der Slowakei und aus Bayern machen dies deutlich, vereinzelt kamen Wallfahrer*innen sogar aus Schlesien, Siebenburgen und Krain angereiSt. Die Herkunftsorte der externen Prediger reichen mit Nachweisen aus Italien bzw. Rom sogar darüber hinaus. Das Einzugsgebiet der Prozessionen nach Maria Langegg erstreckt sich dagegen wesentlich kleinräumiger auf einen Radius von rund 35 km (Luftlinie).

Aus dem bereits Dargelegten werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der durch die Medaillen und seriellen Schriftquellen erzeugten ‚Wallfahrtsräume‘ deutlich: So weisen beide Mediengruppen etwa nach Böhmen, nach Mähren und nach Bayern, einerseits in Form von Wallfahrtsmedaillen, andererseits durch Prozessionen und Geistliche aus diesen Regionen, wie sie das Schriftgut ausweiSt. Die in den Medaillen sehr deutlich erkennbare Orientierung nach Italien findet in Maria Taferl vereinzelte Entsprechungen (externe Prediger), in Maria Langegg hingegen nicht. Der Frage, welche Hintergründe für die vergleichsweise hohe Präsenz von nach Italien weisenden Medaillen in St. Pölten verantwortlich zeichnen, wäre in Hinkunft weiter nachzuspüren.

Gemeinsames und Trennendes lässt sich bei den ermittelten Entfernungskategorien bzw. Gehzeiten feststellen, die mit den jeweiligen Quellengattungen erarbeitet werden konnten: Der nach den Distanzen gemeinsame Überschneidungsraum sind Entfernungen, die bis zu vier Wochen Gehzeit erforderten. Allerdings lassen die dezidiert ortsbezogenen Medaillen aus St. Pölten, d.h. die Gruppe der Wallfahrtsmedaillen für den Nahbereich, also die nächstliegenden und innerhalb eines Tages bewältigbaren Wallfahrts- und Prozessionsziele im direkten Umfeld der Stadt, in keiner Weise einen Nachvollzug zu. In den Schriftquellen fehlen hingegen die nach den Medaillen am weitesten entfernt liegenden Räume entweder völlig, wie die Schweiz und Belgien, oder sie sind nur marginal fassbar, wie Italien bzw. Rom.

Damit wird deutlich, dass die Heranziehung von verschiedenen Quellen bzw. Medien unerlässlich ist, um ein ansatzweise umfassendes Bild von „Regionalität von Wallfahrt“ in einem gewählten Arbeitsgebiet zu zeichnen. Jede Quellengattung für sich eröffnet Räume. In der Zusammenschau können sich in manchen Bereichen gemeinsame Überschneidungsgebiete zeigen, auf anderen Ebenen aber keinerlei Überlappungen erkennen lassen, womit zugleich Kenntnislücken geschlossen werden. Im Falle des Forschungsfeldes „Wallfahrt“ wären überdies etwa auch Flurdenkmale und die Produktion bzw. der Vertrieb von Druckgrafik (Andachtsbilder, Gebetszettel etc.) in einer Gesamtschau zu berücksichtigen. Möge diese Studie dazu anregen, weitere vergleichende Untersuchungen von Wallfahrtsmedien national und international anzustoßen und damit bisher unbekannte ‚Wallfahrtsräume‘ zu erschließen.

Siglenverzeichnis

B – Bücher
DASP – Diözesanarchiv Sankt Pölten
HistLexWien – Historisches Lexikon der Stadt  Wien (Czeike 1995)
KlAML – Klosterarchiv Maria Langegg
KonvA – Konventakten
LCI – Lexikon der Christlichen Ikonographie (Braunfels [Hg.] 1968–1976)
LThK³ – Lexikon für Theologie und Kirche (Kasper u.a. [Hg.] 1993–2001)
KR – Kirchenrechnungen
PA – Pfarrakten
PAMT – Pfarrarchiv Maria Taferl

Quellenverzeichnis

  • Diözesanarchiv Sankt Pölten, Klosterarchiv Maria Langegg, 01/02c Origo, miracula 1604–1677.
  • Diözesanarchiv Sankt Pölten, Klosterarchiv Maria Langegg, 01/04 Diarium officiorum divinorum in ecclesia Langeggensi ad prioratum 1764.
  • Diözesanarchiv Sankt Pölten, Klosterarchiv Maria Langegg, 01/08–11 Diarium conventus 1692–1808.
  • Diözesanarchiv Sankt Pölten, Klosterarchiv Maria Langegg, KonvA 2, BB 1 Kirchenrechnungen 1615–1643.
  • Pfarrarchiv Maria Taferl, Kirchenrechnungen 1–31.
  • Pfarrarchiv Maria Taferl, Bücher – 8/1 Sacra lecta, Processiones, Communiantes 1697–1703.
  • Pfarrarchiv Maria Taferl, Bücher – 8/2 1760–1777.
  • Pfarrarchiv Maria Taferl, Bücher – 8/3 Zelebrierende Priester 1801–1869.
  • Pfarrarchiv Maria Taferl, Pfarrakten 1, Nr. 21, Attestation herrn Jacob Grimb der käyl. viertl statt S. Pöldten statt richter betr., 3. September 1659.
  • Pfarrarchiv Maria Taferl, Pfarrakten 1, Specification der einigen miraculos […] 1659.
  • Pfarrarchiv Maria Taferl, Pfarrakten 1, Faszikel 31, Verbesserungsvorschläge.
  • Pfarrarchiv Maria Taferl, Pfarrakten 1, Österreichischer Myrrhen-Berg Num. 1, p. 28. (undatiert, Tpq 1744).
  • Pfarrarchiv Maria Taferl, Pfarrakten 2, Gemeinsames Conferenz Prothocoll 1691.
  • Pfarrarchiv Maria Taferl, Pfarrakten 2 – Bericht Wiesbergers an den Bischof von Passau, 28. Jänner 1694.
  • Pfarrarchiv Maria Taferl, Pfarrakten 5, Faszikel 66 „Notata“ (ca. 1768).

Fußnoten

  1. Projektwebsites: www.imareal.sbg.ac.at/projekte/religioese-wearables bzw. www.mobiledinge.at/. .
  2. Risy 2019; Risy/Kanz 2019, S. 35–38, S. 44–46; http://www.stadtmuseum-stpoelten.at/STADTARCHAeOLOGIE/Domplatz_2010-2019.
  3. Hier eingeschlossen sind auch figürliche Anhänger (z.B. Martyrium des hl. Sebastian, Abb. 12/5) und Gittergüsse (wie Abb. 12/6, 7). – Für die Möglichkeit der Bearbeitung des Materials ist Ronald Risy (Stadtarchäologie St. Pölten) herzlich zu danken. Ursula Egger nahm im Rahmen der Restaurierung des Materials eine Erstbestimmung der Medaillen vor, wofür ebenfalls Dank auszusprechen ist.
  4. Die Grabfunde aus Wien 1, St. Stephan, erbrachten Fundlagen, die auf eine Verwendung von Medaillen als Anhänger von Halsketten hinwiesen und sie als Bestandteile von Breverln zeigen; Kühtreiber 2021, S. 236, Abb. 3.
  5. Für sämtliche „silberfarbenen“ Medaillen wurde aufgrund ihres durchwegs hervorragenden Erhaltungszustands Silber und nicht Zinn als Material angenommen. Anhaltspunkt für diese Vermutung sind chemische Analysen von Medaillen aus Wien 1, St. Stephan, wo makroskopisch vergleichbare Objekte (sieben Medaillen) ausschließlich Silber bzw. Silber-Kupferlegierungen ergaben. Zinn konnte lediglich bei einer Medaille mit einem Anteil von 4 % nachgewiesen werden, darüber hinaus setzte sich dieses Stück aus 79±1,7 % Kupfer und 17±0,6 % Zink zusammen (Kühtreiber 2021, Nr. 1). Letztgültige Sicherheiten für die Materialansprache können freilich nur chemische Untersuchungen bieten.
  6. Fnr. 11_KF_1258.
  7. Fnr. 16_KF_1063, Fnr. 17_KF_5, Fnr. 17_KF_15.
  8. Fnr. 17_KF_56. – Peus 1982, S. 18; Fassbinder 2003, S. 32f.; Nachweise auch in Wien 1, St. Stephan, siehe Kühtreiber 2021, Nr. 2, Nr. 21.
  9. Alberto Hamerani (AH): Fnr. 15_KF_246. – Paul Seel (PS, SP), Georg Messenlechner (GM): 14_KF_867 (GM), Fnr. 14_KF_1462 (PS), Fnr. 14_KF_1903 (PS). – Jakob Neuß (IN): Fnr. 14_KF_1884. – Zu diesen Produzenten: Tadić 2003; Mayrhofer 2010, S. 35–39, mit weiterführender Literatur.
  10. Zu dieser: Herrmann 1917, S. 446–451.
  11. Eine erste Übersicht zum Motivspektrum der Medaillen aus St. Pölten in: Kühtreiber 2021.
  12. Detaillierter zu diesem Motiv: Kühtreiber 2021, S. 240f.
  13. Die erste Prozession von Mariazell nach Sonntagberg ist für 1636 überliefert; Überlacker 1963, S. 26.
  14. Höfken 1910, S. 82. – Medaille z.B. in: Mayrhofer u.a. 2010, Nr. 6.391, hier die Mariazeller Madonna als „PATRONA – VIENNENSIVM“ bezeichnet. Weitere Beispiele/Nennungen angeführt in: Zeller 1894, Nr. 141; Peus 1982, Nr. 2207. – Zu Maria Pötsch: Winkelbauer 2003, Bd. 2, S. 195.
  15. Zu Mariazell siehe Winkelbauer 2003, Bd. 2, S. 214–223.
  16. Im hier behandelten Datensample ein Stück (Fnr. 18_KF_1019), darüber hinaus enthält das Fundinventar noch einen weiteren Leopoldspfennig (Fnr. 15_KF_1359).
  17. Winkelbauer 2003, Bd. 2, S. 203–208.
  18. Fassbinder 2003, S. 156f., mit weiterführender Literatur; Mayrhofer 2010, S. 39; Miesgang 2021, S. 127–137.
  19. Zur Zuweisung siehe Kühtreiber 2021, S. 244f.
  20. In der Franziskanerkirche (bis 1783 Karmeliterkirche) ist heute nördlich des Chores in der ehemaligen Sakristei eine Loretokapelle eingerichtet. Die hier verehrte Loretomadonna soll sich ursprünglich im Besitz der Familie des hl. Aloysius von Gonzaga in Mantua befunden haben, kam in der Folge in den Besitz der Familie von Dietrichstein und wurde 1706 dem Franziskanerkloster in Wien übertragen. Dieses überließ die Statue 1741 der Ordensniederlassung in St. Pölten, wo sie zunächst auf dem Hochaltar der alten Franziskanerkirche in der Wiener Straße (Nr. 38) aufgestellt worden war und schließlich mit der Übersiedelung des Ordens in die ehemalige Karmeliterkirche 1784 an ihren heutigen Aufstellungsort gelangte (Herrmann 1917, S. 610; Dehio NÖ-Süd 2003, S. 1991f.; Flögel 1984, S. 147; Wiegele 2000, S. 106f.).
  21. Im Karmelitinnenkloster (1707/08–1782; jetzt Prandtauerkirche Maria vom Berg Karmel; im ehem. Kloster sind heute Kulturverwaltung und Stadtmuseum untergebracht) befand sich innerhalb der Klausur im 18. Jahrhundert eine Loretokapelle; für diesen Hinweis sei Frau Walpurga Oppeker sehr herzlich gedankt (Prüller 1992, S. 61, S. 168, S. 192; Dehio NÖ-Süd 2003, S. 1994f.; Oppeker 2008, S. 624, Anm. 192).
  22. Fnr. 14_KF_408, Fnr. 14_KF_1315, Fnr. 17_KF_8; weitere Heilig-Jahr-Medaillen liegen außerhalb des Datensamples vor.
  23. Fnr. 13_KF_638; zum Heiligen Nagel im Mailänder Dom siehe Schulze-Dörrlamm 2010, S. 119–128, S. 162.
  24. Fnr. 16_KF_1038.
  25. Fnr. 17_KF_277.
  26. Fnr. 15_KF_1406, Fnr. 17_KF_227. Zu diesem Motiv vgl. Gallamini 1989, S. 39, Abb. 32. – Wie diese Medaillen funktional zu deuten sind (Wallfahrtsandenken? Zusammenhang mit einer Bruderschaft?), kann noch nicht beantwortet werden.
  27. Fnr. 13_KF_637. Das Motiv in der Musterkollektion der Hamerani-Werkstatt in Rom siehe Pennestrì 2019, Nr. 467.
  28. Fassbinder 2003, S. 95; Kühtreiber 2006, S. 277–279.
  29. Fassbinder 2003, S. 162.
  30. Fassbinder 2003, S. 147.
  31. Fnr. 15_KF_132. Das Stück entspricht im Wesentlichen Fassbinder 2003, S. 173, Nr. 70; Taf. 13/3. – Die ehemalige Karmeliterkirche (heute Franziskanerkirche) in St. Pölten trug bis 1785 das Patrozinium Prager Jesulein; Dehio NÖ-Süd 2003, S. 1991.
  32. Fnr. 15_KF_1177, ohne Grabzusammenhang. – Zu diesem Wallfahrtsort Kriss 1950, S. 153f.
  33. Nicht im Datensample: Fnr. 12_KF_596, Fnr. 15_KF_1319.
  34. Vocelka 2003, S. 93–97.
  35. Datengrundlage Google Maps, Fußwege.
  36. Es wurde von einer durchschnittlichen Gehgeschwindigkeit von 4 km/h und einer Tagesleistung von 30 km ausgegangen; vgl. dazu Ohler 1995, S. 141.
  37. Dabei wird angenommen, dass die einfache Wegstrecke von 40 km in einem Tag bewältigt wird; vgl. dazu die erste, 40 km weite Tagesetappe der Wallfahrtsprozessionen von St. Pölten nach Mariazell mit Zwischenstation in Türnitz (vgl. Sekyra 2016, S. 313–318).
  38. Erfolgversprechend dazu wäre eine Auswertung der Sterbematriken von St. Pölten, welche ab 1680 erhalten und online zugänglich sind: St. Pölten, Dompfarre, Sterbebuch 1680–1726; Sterbebuch 1727–1767; Sterbebuch 1768–1796.
  39. Hagen 1973, S. 51; Tadić 2003, S. 82. – Für Ferdinand II. wird in Erwägung gezogen, dass er seiner Mutter von einer Loretoreise im Jahr 1598 Medaillen mitgebracht hätte, vgl. Dimt 1990, S. 203; darauf Bezug nehmend: Fassbinder 2003, S. 49. – Siehe dazu auch den Beitrag von Prokisch in diesem Band.
  40. Herrmann 1917, S. 429f.
  41. Sekyra 2016, S. 313–318.
  42. Herrmann 1917, S. 430, S. 489, S. 605; Überlacker 1963, S. 105f.
  43. Sonntagberg: Überlacker 1963, bes. S. 70–79; Überlacker 2014, S. 182 unten; die Kartierung der Herkunftsorte von Prozessionen des 18./19. Jahrhunderts führt St. Pölten an. – Maria Taferl: Hawel 2008, S. 166, Abb. 18. – Nach Loretto am Leithagebirge werden in der von Mohl 1894 veröffentlichten Monografie keine Prozessionen von St. Pölten genannt (Mohl 1894, S. 87–89).
  44. Herrmann 1917, S. 430, S. 472–474; Gugitz 1955–1958, Bd. 2, S. 84.
  45. Kühtreiber/Puchinger (in Vorbereitung).
  46. Höfken 1918, S. 85–87; das Gnadenbild gekoppelt mit Philippus Benitius.
  47. Vgl. dazu auch Fassbinder 2003, S. 359–365.
  48. Fassbinder 2003, S. 232–242.
  49. Fassbinder 2003, S. 236.
  50. Fassbinder 2003, S. 243; Kühtreiber 2021, S. 249.
  51. Fassbinder 2003, S. 352.
  52. Zur Zuweisung dieser Anhänger zu Bruderschaften siehe Fassbinder 2003, S. 353, Sebastian Typ 1; auch er wirft ein, dass eine zweifelsfreie Zuordnung nicht gewährleistet iSt. – Scheiblin 1941, S. 17, führt für das 16. Jahrhundert eine „Sebastianszeche“ an. 1623 wird in den Ratsprotokollen eine Sebastiansbruderschaft genannt, die offenkundig 1639 nicht mehr existent war, da zu dieser Zeit mit dem Propst über eine Erhebung beraten wurde. Im Pestjahr 1645 beschloss der Rat, die Bruderschaft wieder zu gründen, welche nach Herrmann in der Folge in der zeitgleich gegründeten Rosenkranzbruderschaft aufgegangen sein dürfte (Herrmann 1917, S. 430, S. 431, Anm. 2, S. 472). In der Zusammenstellung von Bielsky 1863 zu den 1784 in St. Pölten aufgehobenen Bruderschaften scheint die Vereinigung nicht auf 
  53. Herrmann 1917, S. 436f.
  54. Fassbinder 2003, S. 332; Kühtreiber 2021, S. 251.
  55. Fidler 1787, S. 195–197; Herrmann 1917, S. 602–606, S. 610; Gutkas 1986, S. 84f., S. 87–89; Prüller 1992; Oppeker 2000.
  56. Fassbinder 2003, S. 362.
  57. Fnr. 14_KF_586,2.
  58. Fassbinder 2003, S. 217f.
  59. Prüller 1992, S. 97, S. 114f.
  60. Fnr. 17_KF_80; Fnr. 18_KF_92.
  61. Kerschbaumer 1875, S. 288 f.; Herrmann 1917, S. 433–436; Sonnleitner 1981.
  62. Fidler 1787, S. 484; Herrmann 1917, S. 621–627; Winner 1952, S. 247–309; Gutkas 1986, S. 86f.
  63. Winner 1952, S. 270.
  64. LThK³ 5, Sp. 1005.
  65. Das Stück befand sich im Grab eines jugendlichen Individuums (Befund 14190, Grab 6016, 16–18 Jahre; anthropologische Daten: Fabian Kanz, Medizinische Universität Wien, Zentrum für Gerichtsmedizin, Fachbereich Forensische Anthropologie), bei dem es sich demnach um einen Schüler des Piaristenkollegs gehandelt haben könnte. – Zu den Piaristen in St. Pölten: Winner 1952, S. 281–292.
  66. Aurenhammer 1956, S. 102, Nr. 50.
  67. Herrmann 1917, S. 599–601; Gutkas 1986, S. 84f.
  68. Objekte Fnr. 13_KF_1091, Fnr. 15_KF_1285. – Zu Hieronymus LCI 6, Sp. 519–530; LThK³ 5, Sp. 91–93.
  69. Gugitz 1955–1958, Bd. 2, S. 177f.; Winner 1967, S. 276, S. 279f.; http://osh.at/der-orden-in-osterreich/.
  70. Fnr. 13_KF_637.
  71. Tomek 1914, S. 280; Ebner 1891, S. 58–66; LThK³ 7, Sp. 1088–1089; Winner 1967, S. 167; Pennestrì 2019, S. 290, Nr. 467 (Gnadenbild). – Seit 1978 ist die Vereinigung wieder in Wien niedergelassen; http://www.rochuskirche.at/oratorium/geschichte/.
  72. LThK³ 7, Sp. 140–142; HistLexWien 4, S. 603f., s.v. Priesterseminarkirche; Krause u.a. 2013, S. 57–59; Schäfer 2021.
  73. Philippus Benitius scheint auch auf der Kanonisationsmedaille von 1671 auf.
  74. Gugitz 1955–1958, Bd. 2, S. 52 (Jeutendorf), S. 178f. (Schönbühel). Zu Maria Langegg siehe Abschnitt 3.1.
  75. Nach Fassbinder 2003, S. 382, für den Raum Trier überliefert.
  76. In St. Pölten werden für das 16. Jahrhundert u.a. folgende Vereinigungen genannt: Unserer-Lieben-Frauen-Zeche, Vierzehn-Nothelfer-Zeche, St. Sebastians-Zeche, St. Anna-Zeche, Peter-Zeche, St. Hippolyt-Bruderschaft, St. Gilgen-Zeche (Scheiblin 1941, S. 17) und im 17. Jahrhundert eine Sebastians- sowie eine Rosenkranzbruderschaft (Herrmann 1917, S. 430f.). Ab 1756 rief der Piaristenorden eine marianische Kongregation namens „Maria Treu“ ins Leben; Winner 1952, S. 272f. Zu den 1784 aufgelassenen Fraternitäten gehören eine Gürtelbruderschaft, eine Christenlehr-Bruderschaft und die Rosenkranzbruderschaft (Bielsky 1863).
  77. Z.B. Maria umgeben von einem doppelläufigen Rosenkranz (Fnr. 15_KF_1128, Fnr. 15_KF_2051, Fnr. 17_KF_52, Fnr. 18_KF_53), wie Fassbinder 2003, S. 298, Rosenkranzmaria Typ 1-3. – Maria übergibt den Rosenkranz dem hl. Dominikus (Fnr. 16_KF_304).
  78. Fnr. 15_KF_266, Befund 14380, Grab 6151; anthropologische Daten: Fabian Kanz, Medizinische Universität Wien, Zentrum für Gerichtsmedizin, Fachbereich Forensische Anthropologie.
  79. Fassbinder 2003, S. 222–225; Mayrhofer 2010, S. 40.
  80. Börner 1988, S. 357.
  81. In Bielsky 1863, Herrmann 1917 und Scheiblin 1941 finden sich keine Hinweise auf eine Michaelsbruderschaft im betreffenden Zeitraum; eine solche entstand in St. Pölten erst 1861; Samek 2016.
  82. An dieser Stelle möchte ich Sarah Pichlkastner danken, die in diesem Projekt fabelhafte Vorarbeit geleistet und sich mit dem Archivbestand Maria Langeggs im Diözesanarchiv St. Pölten ausführlich auseinandergesetzt hat, und auf deren Auswertungen ich dankenswerterweise zurückgreifen konnte.
  83. Schmidt 2013, S. 3–5.
  84. Rau 2017, S. 65; Haslinger 2020, S. 27.
  85. Schmidt 2013; mehr zum Thema in Kühtreiber/Puchinger (in Vorbereitung).
  86. Niederkorn-Bruck 2019, S. 34.
  87. Noichl 1989, S. 96; zum Protestantismus in der Region siehe weiters Hawel 2008, S. 9f., S. 16–18; sowie Eheim 1967; Gutkas 1983; Reingrabner 2000.
  88. Dressler 1985, S. 33–35.
  89. Zur Übernahme durch die Serviten und den Klosterbau: Dressler 1985, S. 43–60.
  90. Hawel 2008, S. 24. – Franciscus Meuß erhielt in den Jahren 1666 bis 1668 halbjährlich ein verwilligtes allmuesen deputat in der Höhe von 7 Gulden 30 Kreuzern. Siehe PAMT, Akten, KR 2 und 3.
  91. Aufzählung nach Noichl 1989, S. 99.
  92. Die Kartierung basiert auf den Angaben lt. PAMT, PA 1 Specification der einigen miraculos (…) 1659; siehe Noichl 1989, S. 100–103.
  93. Zeugenberichte aus dem Jahr 1659 besagen, dass es schon vor den Wundern jeden Ostermontag eine Prozession der Pfarre Klein-Pöchlarn zur Eiche am Taferlberg gegeben hat. Binder 1860, S. 389–445. – Zum Beginn der Flurprozessionen siehe auch Plesser 1928, S. 21; Hawel 2008, S. 22f.
  94. Zu den Anfängen der Kirche beim Täferl siehe Hawel 2008, S. 31–33, S. 39–49.
  95. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren nur für kurze Zeit die Bartholomäer tätig; eine lose Verbindung weltlicher Priester, die 1640 von Bartholomäus Holzhauser ins Leben gerufen wurde, um Seelsorge und Moral zu stärken, vertreten u.a. durch Administrator Andreas Wispöck in Maria Taferl, sehr zum Missfallen Passaus. Mehr zum Gründer Holzhauser siehe Arneth 1993 sowie Frank 2005, S. 70.
  96. DASP, KlAML 01/02c, 01/04 sowie 01/08-11.
  97. DASP, KlAML 01/09.
  98. Nicht eindeutig identifizierbare Orte wurden nicht in die Auswertung miteinbezogen. Wenn mehrere Orte denselben Namen trugen, wurde dem nächstgelegenen der Vorzug gegeben.
  99. PAMT, B 8/1–8/3.
  100. PAMT, B 8/1.
  101. PAMT, B 8/1.
  102. PAMT, B 8/1.
  103. Zum Teil finden sich Eintragungen von bis zu zwei Prozessionen aus einem Ort am selben Tag: Hatte sich eine Gruppe aufgeteilt und war zu unterschiedlichen Zeiten eingetroffen oder hatten sich verschiedene Gruppen eines Ortes auf den Weg gemacht? Hatten zwei Personen dieselbe Gruppe angemeldet oder hatte der Eintragende übersehen, die Prozession schon einmal eingetragen zu haben?
  104. PAMT, B 8/1; Plesser führt für das Jubiläumsjahr 1760 6.000 bis 7.000 Teilnehmer*innen an der Wiener Prozession und 4.000 bis 5.000 Menschen aus Brünn an. Plesser 1928, S. 152; siehe dazu auch die Beiträge von Oppeker und Holubová u.a. in diesem Band.
  105. PAMT, B 8/1.
  106. An dieser Stelle muss auf einen geplanten Beitrag der Autorin (R. Puchinger) im Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich 2022 verwiesen werden.
  107. Wonisch 1947, S. 42; scheint die Zahl für Mariazell zwar gering, so waren die Prozessionen durchaus größer als jene nach Maria Taferl. 1695 führte Fürst Paul Esterházy beispielsweise 11.200 Personen an den Gnadenort in der Obersteiermark. Siehe Pirker 1991, S. 20; Haslinger 2020, S. 59f.; Forgó 2019, S. 143.
  108. Wie kommt es zu dieser Zahl? Markus Mayr setzte die Entfernungen für Reisende des Mittelalters unter anderem mit folgenden Werten fest: Pilger/Fußreisende 20–40 km, Flussschiff mit der Strömung 100–150 km. Mayr 2000, S. 153f. – Eine Prozessionsgruppe von St. Pölten nach Mariazell konnte pro Tag durchaus etwa 50 Kilometer zurücklegen und verbrachte sodann einen ganzen Tag in Mariazell, bevor sie die Rückreise antrat. Sekyra 2016, S. 313–325. – Die Znaimer Prozession hingegen wählte auf ihrer weiten Reise nach Mariazell mit etwa 14,5 km kürzere Tagesetappen. Bei den zurückgelegten Wegstrecken ist außerdem mitzubedenken, dass manche Prozessionen zumindest eine oder einen Teil der Wegstrecke mit dem Schiff zurücklegten, wie es beispielsweise die Mehrortewallfahrten aus Brünn oder Znaim taten. Valešova 2019, S. 170. Nicht eingerechnet wurden zudem die zurückzulegenden Höhenunterschiede und die unbekannte Dauer der zahlreichen ‚Gebetsstopps‘ sowie die Gesamtreisezeit einer Mehrortewallfahrt.
  109. Aus diesem Ort führte nachweisbar im Jahr 1765 auch eine Prozession nach Maria Rafings: Haslinger 2020, S. 281.
  110. Auch in Mariazell stammte 1675 die Mehrheit der Prozessionen aus Niederösterreich. Wonisch 1947, S. 42.
  111. Hawel 2008, S. 82f.
  112. Der Großteil der böhmischen Prozessionen nach Maria Taferl kam aus Südböhmen. Holubová verweist angesichts der Wallfahrten zum Heiligen Berg darauf hin, dass die meisten böhmischen Pilger*innen aus Regionen stammten, in denen der katholische Glaube homogener vertreten war als etwa im Nordosten oder in mittelböhmischen Gebieten. Siehe Holubová 2019, S. 154f.
  113. Hawel 2008, S. 83f.
  114. PAMT, PA 2 – Gemeinsames Conferenz Prothocoll 1691.
  115. Haslinger 2020, S. 263.
  116. Nach Binder 1860, S. 389–445.
  117. PAMT, PA 2 – Gemeinsames Conferenz Prothocoll 1691.
  118. PAMT, PA 1 – Faszikel 31, Verbesserungsvorschläge.
  119. Zur Beliebtheit Mariazells bei böhmischen, mährischen und ungarischen Wallfahrer*innen siehe Wonisch 1947, S. 10f.
  120. Valešova 2019, S. 170.
  121. Zu bedenken ist die große Zahl derer, die sich ohne Herkunftsort in den Verzeichnissen eingetragen haben.
  122. Dieses Bild trübt jedoch die Tatsache, dass 1697 knapp ein Viertel der etwa 122 unterschiedlichen Geistlichen keinen Herkunftsort angegeben hat. 1777 hat die Hälfte der extranei auf eine Ortsangabe verzichtet.
  123. Die Gruppe der genannten Augustiner Chorherren war im Gegensatz zu den anderen stark vertretenen Orden in ihrer regionalen Zusammensetzung inhomogener. Auffallende Gruppen sind hier lediglich 1699 jene Geistlichen aus dem Stift Waldhausen – immerhin vier unterschiedliche Religiosen an verschiedenen Tagen – und 1777 fünf Augustiner aus Dürnstein an drei unterschiedlichen Terminen.
  124. Hawel 2008, S. 88.
  125. PAMT, PA 2 – Bericht Wiesbergers an den Bischof von Passau, 28. Jänner 1694.
  126. PAMT, PA 1 Österreichischer Myrrhen-Berg.
  127. PAMT, PA 1, Specification der einigen miraculos […] 1659.
  128. Die Rechnungsbücher wurden in Zehnjahresschritten ab 1659 ausgewertet.
  129. PAMT, KR 1–31.
  130. Hawel 2008, S. 80.
  131. Z.B. die jährliche Wallfahrt Herzogenburgs ab dem Jahr 1718. Hawel 2008, S. 87f.
  132. Nachweise dieser Beziehungen finden sich in den Rechnungsbüchern Maria Langeggs: DASP, KlAML, KonvA 2 BB 1.
  133. PAMT, PA 1, Nr. 21, Attestation herrn Jacob Grimb der käyl. viertl statt S. Pöldten statt richter betr. – 1630 wurde ein Votivbild von einem gewissen Jacob Grimm, Händler aus St. Pölten, nach Maria Langegg gestiftet, weil das Kind Grimms von der Frais geheilt worden war. Dressler 1985, S. 85. Ob es sich hier um dieselbe Person handelt, kann nicht eindeutig nachgewiesen werden.
  134. Zedinek 1984, S. 77–81. Plesser 1928, S. 141–145. Der Aufstieg eines Andachtsbildes aus Maria Taferl zum eigenständigen Gnadenbild ist kein Einzelfall. Auch in Großjedlersdorf entstand eine Wallfahrt rund um ein solches Bild im Jahr 1748, das im Gegensatz zu Maria Taferl sogar von Maria Theresia höchstselbst besucht wurde, sowie in Gloggnitz im 19. Jahrhundert. Zu Großjedlersdorf siehe Hawel 2008, S. 143f. Vgl. den Beitrag von Oppeker in diesem Band.
  135. Die Bedeutung der Wallfahrtskirche selbst als regionaler Arbeitgeberin war groß. Die detaillierten Aufzeichnungen in den Rechnungen von Maria Taferl, die bereits 1659 einsetzten, sowie die erhaltenen Tagzettel der Tagelöhner*innen geben Aufschluss über die beim Bau involvierten Personen und Gewerke, aber auch jene Menschen der Umgebung, die darüber hinaus im Dienste der Wallfahrtskirche für Spendensammlungen, Ausbesserungen, Lebensmittel oder Botengänge bezahlt wurden.
  136. Schatzky 2016.
  137. Haslinger 2020, S. 11.
  138. Neben Büchern, die am Wallfahrtsort ausgegeben und im Auftrag des Gnadenortes hergestellt wurden, gab es auch noch jene, die an den Herkunftsorten der Wallfahrer*innen entstanden (Reiseführerähnliche Druckwerke oder Liederbücher, die den Wallfahrer*innen bei der Vorbereitung auf die Prozession dienlich waren und sie auf ihrem Weg begleiteten).
  139. Gugitz 1950, S. 28.
  140. Brauneck 1978, S. 16.
  141. Gugitz 1950, S. 82.
  142. Auswertungen basierend auf dem Pfarrarchiv Maria Taferl, Kirchenrechnungen mit Belegen. Die Rechnungen wurden auszugsweise in Zehnjahresschritten von 1659 bis 1779 untersucht.
  143. Durch die Verbindung der Bruderschaft Maria Taferls mit der Christenlehrbruderschaft Passaus wurden zusätzlich zu Bruderschaftsmessen u.a. täglich mehrmals Sittenreden in der Schatzkammer sowie die regelmäßige Verkündung der Christenlehre üblich.
  144. Zur Bedeutung von Bruderschaften für Wallfahrtsorte siehe Winkelbauer 2018.
  145. Haasis-Berner 2006, S. 237.
  146. Lauter 1965, S. 136–139.
  147. Mehr zu den metallischen Zeichen in Kühtreiber/Puchinger (in Vorbereitung); weiters Roll 1914, S. 180, S. 192, S. 198, S. 249, S. 254 sowie S. 259.
  148. Zur Mitnahme von Geschenken bei Sammlungen von Serviten und Franziskanern siehe Lobenwein 2013, S. 272 sowie S. 292. Während bei der Verteilung durch die Serviten das Moment der Anrührung und/oder Segnung noch durchaus zu erwarten sein könnte, ist dies für Händler abseits des Wallfahrtsortes zu bezweifeln.
  149. Prüller 1992, S. 97, S. 114f.

Bibliografie

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Kühtreiber, Thomas: Die Ausgrabungen in der Alten Universität in Wien (1997–2002). Dissertation Wien 2006.
Wird erwähnt in Fußnote: [28]

Lauter, Christine: Die Ursprungslegenden auf den österreichischen Wallfahrtsbildchen. Dissertation Wien 1965.
Wird erwähnt in Fußnote: [146]

Lobenwein, Elisabeth: Wallfahrt – Wunder – Wirtschaft. Die Wallfahrt nach Maria Luggau (Kärnten) in der Frühen Neuzeit. Boschum 2013.
Wird erwähnt in Fußnote: [148]

Mayr, Markus: Geld, Macht und Reliquien: wirtschaftliche Auswirkungen des Reliquienkultes im Mittelalter. Innsbruck 2000.
Wird erwähnt in Fußnote: [108]

Mayrhofer, Christoph/Neuhardt, Johannes/Pinezits, Heidi: Medaillen & Anhänger. In: Keller, Peter (Hg.): Glaube & Aberglaube. Amulette, Medaillen & Andachtsbildchen. Katalog zur 36. Sonderschau des Dommuseums zu Salzburg. Salzburg 2010, S. 116–245.
Wird erwähnt in Fußnote: [14]

Mayrhofer, Christoph: Religiöse Medaillen. In: Keller, Peter (Hg.): Glaube & Aberglaube. Amulette, Medaillen & Andachtsbildchen. Katalog zur 36. Sonderschau des Dommuseums zu Salzburg. Salzburg 2010, S. 34–43.
Wird erwähnt in Fußnote: [9] [18] [79]

Miesgang, Sabine: „Biß nach, und nach alles abgenohmen hat“. Die Verehrung des kanonisierten Babenbergers Leopold III. in der Frühen Neuzeit. Dissertation Wien 2021.
Wird erwähnt in Fußnote: [18]

Mohl, Adolf: Der Gnadenort Loreto in Ungarn. Eisenstadt 1894. Online: http://phaidra.univie.ac.at/o:48778.
Wird erwähnt in Fußnote: [43] [43]

Niederkorn-Bruck, Meta: Aneignung und Sakralisierung von Landschaft. In: Telesko, Werner/Aigner, Thomas (Hg.): Sakralisierung der Landschaft. Inbesitznahme, Gestaltung und Verwendung im Zeichen der Gegenreformation in Mitteleuropa (Beiträge zur Kirchengeschichte Niederösterreichs, Bd. 21; Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt, Bd. 38). St. Pölten 2019, S. 22–39.
Wird erwähnt in Fußnote: [86]

Noichl, Elisabeth: Die regensburgische Herrschaft Pöchlarn und die Anfänge der Wallfahrt Maria Taferl nach Quellen des Bayerischen Hauptstaatsarchivs. In: Feigl, Helmuth/May, Wolfgang/Rosner, Willibald (Hg.): Die bayerischen Hochstifte und Klöster in der Geschichte Niederösterreichs: Vorträge und Diskussionen des siebenten Symposions des Niederösterreichischen Institutes für Landeskunde, Waidhofen an der Ybbs, 7.–9. Juli 1986 (Studien und Forschungen aus dem Niederösterreichischen Institut für Landeskunde, Bd. 11). Wien 1989, S. 91–117.
Wird erwähnt in Fußnote: [87] [91] [92]

Ohler, Norbert: Reisen im Mittelalter, 4. Auflage. München 1995.
Wird erwähnt in Fußnote: [36]

Oppeker, Walpurga: Barocker Bauwurm auch bei den Bettelorden? In: Bachhofer, Heidemarie/Andraschek-Holzer, Ralph (Hg.): Bettelorden in Mitteleuropa. Geschichte, Kunst, Spiritualität (Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesan-Blatt, Bd. 32). St. Pölten 2008, S. 583–629.
Wird erwähnt in Fußnote: [21]

Oppeker, Walpurga: Beiträge zur Baugeschichte des Karmeliterklosters in St. Pölten. In: Hippolytus. St. Pöltner Hefte zur Diözesankunde 2000 (Neue Folge, Bd. 25), S. 18–32.
Wird erwähnt in Fußnote: [55]

Pennestrì, Serafina: Catalogo del campionario di medaglie devozionali della bottega Hamerani. In: Pennestrì, Serafina/Teklemariam Bache, Fr. Yohannes (Hg.): Il campionario di medaglie devozionali della bottega Hamerani. Simboli e luoghi del sacro a Roma e in Europa tra Seicento e Ottocento (Notiziario del Portale Numismatico dello Stato, Bd. 13 [2]). Rom 2019, S. 5–414.
Wird erwähnt in Fußnote: [27] [71]

Peus, Busso: Wallfahrtsmedaillen des deutschen Sprachgebietes. Dr.-Busso-Peus-Nachf. (Münzhandlung Katalog, Bd. 306). Frankfurt am Main 1982.
Wird erwähnt in Fußnote: [8] [14]

Pirker, Johanna: Die Bedeutung der Wallfahrt für Struktur und Entwicklung der Stadt Mariazell. Diplomarbeit Wien 1991.
Wird erwähnt in Fußnote: [107]

Plesser, Alois: Beiträge zur Geschichte der Wallfahrt und Pfarre in Maria Taferl. In: Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt X. St. Pölten 1928, S. 1–278.
Wird erwähnt in Fußnote: [93] [104] [134]

Prüller, Monika: Das Karmelitinnenkloster „Unsere Liebe Frau vom Berge Karmel“ zu St. Pölten (1706–1782). Mit einem Beitrag von Karl Gutkas (Studien und Forschungen aus dem Niederösterreichischen Institut für Landeskunde, Bd. 14). Wien 1992.
Wird erwähnt in Fußnote: [21] [55] [59] [149]

Rau, Susanne: Räume. Konzepte, Wahrnehmungen, Nutzungen. Frankfurt am Main 2017.
Wird erwähnt in Fußnote: [84]

Reingrabner, Gustav: Als man um die Religion stritt … Reformation und Katholische Erneuerung im Waldviertel 1500–1660. Ausstellungskatalog Horn 2000.
Wird erwähnt in Fußnote: [87]

Risy, Ronald/Kanz, Fabian: Ein erster Einblick in neun Jahre archäologische Untersuchungen am Domplatz von St. Pölten, Niederösterreich. In: Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich 2019 (35), S. 27–52.
Wird erwähnt in Fußnote: [2]

Roll, Karl: Die Medaillen-Stempel-Sammlung des Benediktiner-Stiftes St. Peter in Salzburg. Ein Beitrag zur Geschichte der Weihepfennige. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 1914 (54), S. 167–262, Taf. I–V.
Wird erwähnt in Fußnote: [147]

Samek, Richard: Die Bruderschaft vom heiligen Erzengel Michael in der Diözese St. Pölten, 1861 bis 1881. Masterarbeit Wien 2016.
Wird erwähnt in Fußnote: [81]

Schäfer, Joachim: Mercedarierorden. In: Ökumenisches Heiligenlexikon. Online. https://www.heiligenlexikon.de/Orden/Mercedarier.htm.
Wird erwähnt in Fußnote: [72]

Schatzky, Theodore: Materialität und soziales Leben. In: Kalthoff, Herbert/Cress, Torsten/Röhl, Tobias (Hg.): Materialität. Herausforderungen für die Sozial- und Kulturwissenschaften. Paderborn 2016, S. 63–88.
Wird erwähnt in Fußnote: [136]

Scheiblin, Anton: Reformation und Gegenreformation in St. Pölten (Nddon.) I. In: Jahrbuch für Geschichte des Protestantismus 1941 (62), S. 5–32.
Wird erwähnt in Fußnote: [52] [76] [81]

Schmidt, Siegfried J.: Medien – Materialität – Räume: Zur Analyse eines Wirkungszusammenhangs. In: Medienräume. innsbruck university press. Innsbruck 2013, S. 37–49. Online: https://books.openedition.org/iup/728.
Wird erwähnt in Fußnote: [83] [85]

Schulze-Dörrlamm, Mechthild: Heilige Nägel und Heilige Lanzen. In: Daim, Falko/Drauschke, Jörg (Hg.): Byzanz – das Römerreich im Mittelalter. Teil 1: Welt der Ideen. (Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Bd. 84 [1]). Mainz 2010, S. 97–171.
Wird erwähnt in Fußnote: [23]

Sekyra, Horst Rainer: Ober-Grafendorf, der Ötscher und das Pielachtal in der Barockzeit. Aus den Aufzeichnungen des St. Pöltner Augustiner-Chorherrn und Pfarrers von Ober-Grafendorf Aquilin Joseph Hacker (1701–1764). (Beiträge zur Kirchengeschichte Niederösterreichs, Bd. 19). St. Pölten 2016.
Wird erwähnt in Fußnote: [37] [41] [108]

Sonnleitner, Augustin: Das Franziskanerkloster zu St. Pölten. Von seinen Anfängen bis zu seiner Verlegung von der Wiener Straße zum Rathausplatz im Jahre 1784. Diplomarbeit Wien 1981.
Wird erwähnt in Fußnote: [61]

Tadić, Antonio: Salzburger Wallfahrtsmedaillen: Geschichte, Produktion, Vertrieb und Funktion eines barocken Massenartikels mit einem Beitrag zum Wallfahrtsverhalten der Salzburger Bevölkerung anhand der Analyse archäologischer Funde. Diplomarbeit Salzburg 2003.
Wird erwähnt in Fußnote: [9] [39]

Tomek, Ernst: Das kirchliche Leben und die christliche Charitas in Wien. In: Mayer, Anton (Hg.): Geschichte der Stadt Wien: V. Vom Ausgange des Mittelalters bis zum Regierungsantritt der Kaiserin Maria Theresia, 1740 (II. Teil), Wien 1914, S. 160–330.
Wird erwähnt in Fußnote: [71]

Überlacker, Franz: Die Geschichte der Wallfahrt auf den Sonntagberg. Dissertation Wien 1963.
Wird erwähnt in Fußnote: [13] [42] [43]

Überlacker, Franz: Sonntagberg. Vom Hirtentraum zum Wallfahrtsort. Atzenbrugg 2014.
Wird erwähnt in Fußnote: [43]

Vocelka, Karl: Glanz und Untergang der Höfischen Welt. Repräsentation, Reform und Reaktion im habsburgischen Vielvölkerstaat (Österreichische Geschichte 1699–1815). Wien 2003.
Wird erwähnt in Fußnote: [34]

Wiegele, Monika: Der Loretokult im Habsburgerreich von Trsat bis Prag. Dissertation Wien 2000.
Wird erwähnt in Fußnote: [20]

Winkelbauer, Thomas: Bruderschaft und Wallfahrt im 17. und 18. Jahrhundert. Niederösterreichische, böhmische und mährische Beispiele für die enge Verbindung zweier Einrichtungen der katholischen Konfessionalisierung. In: Lobenwein, Elisabeth/Scheutz, Martin/Weiß, Alfred Stefan (Hg.): Bruderschaften als multifunktionale Dienstleister der Frühen Neuzeit in Zentraleuropa (Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Bd. 70). Wien 2018, S. 117–134.
Wird erwähnt in Fußnote: [144]

Winkelbauer, Thomas: Ständefreiheit und Fürstenmacht. Länder und Untertanen des Hauses Habsburg im Konfessionellen Zeitalter, 2 Bände (Österreichische Geschichte 1522–1699). Wien 2003.
Wird erwähnt in Fußnote: [14] [15] [17]

Winner, Gerhard: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien (Forschungen zur Kirchengeschichte Österreichs, Bd. 3). Wien u.a. 1967.
Wird erwähnt in Fußnote: [69] [71]

Winner, Gerhard: Studien zur Geschichte der Piaristen in Österreich von den Anfängen bis an den Beginn des 19. Jahrhunderts. Dissertation Wien 1952.
Wird erwähnt in Fußnote: [62] [63] [65] [76]

Wonisch, Othmar: Geschichte von Mariazell (Mariazeller Wallfahrtsbücher, Bd. I). Mariazell 1947.
Wird erwähnt in Fußnote: [107] [110] [119]

Zedinek, Wilhelm: Pyhra als Wallfahrtsort. In: Eder, Alois/Grabler, Anton/Gugerell, Franz (Hg.): 900 Jahre Pfarre Pyhra. Beiträge zur Pfarr- und Marktgeschichte. Pyhra 1984, S. 77–81.
Wird erwähnt in Fußnote: [134]

Zeller, Gustav: Medaillen von Peter und Paul Seel und diesen verwandten Meistern. Mittheilungen des Clubs der. Münz- und Medaillenfreunde. Wien 1894.
Wird erwähnt in Fußnote: [14]