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Markéta Holubová
Kontakt: holubova@eu.cas.cz
Website: http://www.eu.avcr.cz/en/about-us/staff/marketa-holubova/
Institution: Czech Academy of Sciences | Institute of Ethnology | Department of Critical Heritage Studies
GND: 132328011
ORCID: 0000-0003-3600-8410
Martin Omelka
Kontakt: martin.omelka@praha.eu
Institution: Archiv hlavního města Prahy
GND: 1230883940
Otakara Řebounová
Erstveröffentlichung: April 2022
Lizenz: Sofern nicht anders angegeben Creative Commons License
Medienlizenzen: Medienrechte liegen, sofern nicht anders angegeben, bei den Autoren.
Letzte Überprüfung aller Verweise : 15.04.2022
Empfohlene Zitierweise: Holubová, Markéta/Omelka, Martin/Řebounová, Otakara: Regionalität der Wallfahrt in Böhmen und Mähren im Spiegel von Wallfahrtsmedaillen und Wallfahrtsdruckmedien, in: MEMO Sonderband 1 (2022): Kühtreiber, Thomas (Hg.): Wallfahrt und Regionalität in Mitteleuropa in der Frühen Neuzeit (17.–18. Jahrhundert), S. 144–166, Pdf-Format, doi: 10.25536/2022sb01_07.
Übersicht Abbildungen

Abstract

Im ersten Teil der Studie werden die Besonderheiten der barocken Wallfahrt in Böhmen und Mähren erläutert. Es werden die wichtigsten Pilgerziele jener Zeit mitsamt einer Übersicht zu den gedruckten, mit diesen Wallfahrtsorten verbundenen Medien (insbesondere Mirakelbücher, Pilgerhandbücher, Bänkellieder, Heiligenbilder) präsentiert sowie deren Charakteristik und Informationswert diskutiert. Im zweiten Teil gilt der Fokus den archäologischen Funden von Marienwallfahrtsmedaillen. Dabei wird ein grundlegender Überblick über die lokalen Funde dieser Medaillen geboten, die hauptsächlich aus archäologischen Aushebungen von Gräbern stammen, welche in Böhmen und Mähren ab den 1930er-Jahren bis ins Jahr 2018 durchgeführt wurden. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Aspekt der sog. „Zwitterpfennige“ gewidmet.

Keywords: Tschechische Republik, Archäologie, Ethnologie, Barock, Wallfahrtsorte, Wallfahrtdruckmedien, Marienmedaillen

Abstract (englisch)

The first part of the study describes the specifics of Baroque pilgrimage in Bohemia and Moravia. It presents the most important pilgrimage sites of the time and an overview of the printed media associated with these places of pilgrimage (especially miracle books, pilgrimage manuals, cantastoria songs, images of saints), along with their characteristics and informative value. The second part focuses on the archaeological finds of Marian pilgrimage medals. It provides a basic overview of the local finds of these medals originating mainly from archaeological excavations of burial grounds, which were carried out in Bohemia and Moravia from the 1930s until 2018. Special attention is paid to the aspect of the so-called “Zwitterpfennige”.

Keywords: Czech Republic, archeology, ethnology, baroque, religious pilgrimages, printed media, Marian medals

Inhaltsverzeichnis

Einleitung*

*Diese Studie ist mit Unterstützung der langfristigen konzeptionellen Entwicklung der Forschungsorganisation RVO: 68378076, Ethnologisches Institut der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, entstanden.

Der an Überzeugung grenzende Glaube, dass an einem bestimmten, genau definierten Ort die Anwesenheit Gottes stärker zu spüren sei als anderswo, gehörte zu den entscheidenden Faktoren, die in der Zeit nach der Schlacht am Weißen Berg zur Entstehung von Pilgerstätten beitrugen.1 Der Wallfahrtskult mit mittelalterlichen Gnadenbildern und Gnadenstatuen war eng verknüpft mit den jeweiligen legendarischen Prototypen und der Geschichte, die mit dem konkreten Objekt der Verehrung verbunden war.2 Zu häufigen Motiven gehörten Überlieferungen über wundersame Erscheinungen oder das Auffinden von Marienbildnissen in der Erde – wie das zum Beispiel im Palladium von Altbunzlau der Fall war –, häufiger jedoch in der Nähe von Brunnen, an Bäumen oder in Sträuchern. Als Symbole des Sieges der katholischen Kirche über die Häresie wurden legendarische Topoi mit Motiven der wundersamen Rettung von Marienstatuen und Marienbildern vor den Hussiten und Nichtkatholik*innen, zum Beispiel in Bohosudov/Mariaschein (Tschechische Republik), sowie auch Momente der Bestrafung und anschließenden Bekehrung der Schänder*innen dieser Kultobjekte präsentiert. Im Rahmen barocker legendarischer Topoi sind einige geografische Unterschiede zu beobachten. Im Unterschied zu Böhmen wurde nämlich in Mähren – neben der Verehrung mittelalterlicher mährischer Legenden im Kampf gegen die Tatar*innen – eine ganze Reihe von Wallfahrtsorten gegründet, die vor allem der Zeit des Großmährischen Reiches und der mit ihr verbundenen Tradition der Slawenapostel Kyrill und Method gewidmet waren, zum Beispiel in Tuřany u Brna/Brünn-Turas (Tschechische Republik). Augenscheinliche Orte der Verehrung waren auch zahlreiche Wunderbrunnen, die sich an den Pilgerorten befanden und durch die Gnade der Jungfrau Maria oder anderer Heiliger (z.B. der hl. Anna, des hl. Nikolaus) Genesung bringen sollten.

Neben mittelalterlichen Statuen und Bildern heimischer Herkunft erfreuten sich auch Importe von Gnadenbildern aus dem barocken Europa großer Beliebtheit.3 Bei der Gründung von Ablegern barocker Pilgerstätten wurde sodann den Repliken oder Varianten der jeweiligen Gnadenbilder oder ‑statuen im Prinzip die gleiche Wunderwirkung zugeschrieben wie ihren Originalen. Besonders Mariahilf-Gnadenbilder sind in die Wallfahrtsgeschichte eingegangen.4 Dieser Trend machte auch um die böhmischen Länder keinen Bogen. So wurde zum Beispiel das ostböhmische Chlumek u Luže/Chlumek bei Lusche (Tschechische Republik), wo sich eine Kopie des Gnadenbildes Mariahilf befand, zu einem sehr beliebten Wallfahrtsort. Der Loreto-Kult entwickelte sich in der Blütezeit der barocken Frömmigkeit fast schon zu einer Modeangelegenheit und erfasste auch die böhmischen Länder. Die italienische Santa Casa wurde praktisch zum obligatorischen Vorbild für alle Loreto (tschechisch: Loreta)-Kapellen in Böhmen und Mähren (z.B. in Praha/Prag, Římov/Rimau, Starý Hrozňatov/Kinsberg, Golčův Jenikov/Wohanschitz, Hájek u Prahy/Waldl, Mikulov/Nikolsburg, Vratěnín/Fratting, Fulnek/Fulnek, alle Tschechische Republik).5 Die Jesuiten in Jičín/Jitschin (Tschechische Republik) verehrten ab 1637 in ihrer Kirche des hl. Ignatius von Loyola eine Kopie der Ikone der Jungfrau Maria von Vladimir, auch Jungfrau Maria Rušánská genannt, die als Ersatz für die von den Schweden geraubte Statue der Jungfrau Maria von Foyen, der Hausheiligen der Jesuiten, installiert worden war.6 Ihre Verehrung in der Kirche von Jitschin bildete im mitteleuropäischen Raum eine böhmische Besonderheit.

Die meisten Wallfahrten fanden in regionalem Ausmaß mit jeweils spezifischem geografischem Radius statt.7 In jeder Diözese existierten mehrere lokale oder regionale Pilgerziele, zum Beispiel in Böhmen: Kájov/Gojau (Tschechische Republik), Chlum sv. Maří/Maria Kulm (Tschechische Republik), Bohosudov/Mariaschein (Tschechische Republik), Hejnice/Haindorf (Tschechische Republik), Bezděz/Schlossbösig (Tschechische Republik), Klatovy/Klattau (Tschechische Republik); in Mähren: Tuřany u Brna/Brünn-Turas (Tschechische Republik), Křtiny/Kiritein (Tschechische Republik), Vranov/Wranau bei Brno/Brünn (Tschechische Republik), Žarošice/Scharoschitz (Tschechische Republik), Svatý Kopeček/Heiligenberg bei Olomouc/Olmütz (Tschechische Republik); in Schlesien: Frýdek/Friedek (Tschechische Republik).

Nur in Ausnahmefällen hatten die Wallfahrtsorte auch landesweite Bedeutung, wie es zum Beispiel bei Stará Boleslav/Altbunzlau (Tschechische Republik) oder beim Svatá Hora/Heiligenberg bei Příbram/Freiberg (Tschechische Republik) der Fall war. An diese Orte zogen zu festgelegten Terminen hierarchisch geordnete, fromme Prozessionen, bei denen jeweils entsprechende Gegenstände mitgeführt bzw. vorangetragen wurden (z.B. Wimpel, Tragbühnen, Kruzifixe, Laternen, Gnadenstatuen oder -bilder und Votivkerzen). Außerdem fanden in der Bevölkerung auch individuelle Pilgerreisen zu bedeutsamen gesamteuropäischen oder mitteleuropäischen Wallfahrtsorten Anklang (so z.B. nach Loreto und Rom in Italien, nach Mariazell in der Steiermark, nach Neukirchen beim Heiligen Blut sowie nach Altötting in Bayern, nach Tschenstochau in Polen oder nach Šaštín in der Slowakei).

Druckmedien

Das mit Wallfahrten und Pilgerorten verbundene literarische Schaffen ist sehr reichhaltig und – was die vertretenen Genres angeht – auch äußerst vielfältig. Neben gewöhnlichen Kompendien und marianischen Atlanten, die einen geografisch-hagiografischen Überblick über die verehrten marianischen Gnadenbilder und -statuen boten, spielten auch Wallfahrtsdrucke eine wichtige Rolle. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, Prestige und Ruhm der Pilgerstätten zu stärken und die Wallfahrtskulte unter den Gläubigen zu verbreiten. Die Produktion von Wallfahrtsdrucken diente in der Zeit nach der Schlacht am Weißen Berg als wichtiges Instrument der Rekatholisierung. Der Werbecharakter dieser Literatur rückte immer mehr in den Vordergrund und war jeweils auch auf den Leserkreis, der angesprochen werden sollte, abgestimmt. Ein bedeutsames Kriterium dafür, wie und von wem die Publikationen angenommen wurden, war auch die jeweilige Sprachausgabe. Lateinisch verfasste Drucke waren für gebildete Leserkreise bestimmt. Die in den Nationalsprachen, d.h. in Deutsch und Tschechisch, formulierten Drucke waren an die im sozialen Gesellschaftsgefüge niedriger gestellten Bevölkerungsschichten gerichtet, dementsprechend waren auch die Texte angepasst.

Häufig waren Wallfahrtstexte auch in die Makrostruktur eines Wallfahrtsbuches8 integriert. Jene lieferten – einhergehend mit organisatorischen Hinweisen und praktischen Ratschlägen für das geistige Wallfahrtserlebnis – Zeugnisse über konkrete Formen der Religiosität, wie sie in den einzelnen Bevölkerungsschichten gelebt wurden. Wallfahrtshandbücher waren auf ganz konkrete Pilgerorte zugeschnitten, insbesondere auf marianische, wie in Bohosudov/Mariaschein, Svatá Hora/Heiligenberg bei Příbram/Freiberg, Stará Boleslav/Altbunzlau, Křtiny/Kiritein, Tuřany u Brna/Brünn-Turas, Svatý Kopeček/Heiligenberg bei Olomouc/Olmütz, Vranov/Wranau bei Brno/Brünn, aber auch auf Christus bezogene, wie z.B. in Štramberk/Stramberg (Tschechische Republik), Jaroměřice/Jarmeritz (Tschechische Republik), oder auf Wallfahrtsorte, die bestimmten Heiligen gewidmet waren, z.B. der hl. Anna in Stará Voda/Altwasser (Tschechische Republik). Drucke böhmischer Herkunft wurden in dreisprachigen Varianten herausgegeben, nämlich auf Tschechisch, Deutsch und Latein.

Die Beliebtheit der Wallfahrten nach Mariazell in der Steiermark, die im 18. und 19. Jahrhundert in Böhmen, Mähren und Schlesien Aufschwung nahmen, führte zur Herausgabe zahlreicher Wallfahrtsführer für dieses Pilgerzentrum. Die meisten Mariazeller Wallfahrtshandbücher trugen den Titel Der Weg (Cesta) und wurden ausschließlich in tschechischer Sprache herausgegeben. Die einzige Ausnahme bildete die erste Ausgabe des Wallfahrtsbuches, die der Leitomischler Drucker Johann Kamenický 1749 unter dem Titel Žíznivý Poutník Svato-Cellenský herausgab (Der durstige Mariazell-Pilger)9 (Abb. 1).

In der Mehrheit der Wallfahrtshandbücher wurde eine relativ einheitliche Struktur der Pilgerreisen empfohlen, zudem waren für die einzelnen Reisetage typische Formen barocker Spiritualität – Gebete, Litaneien, Meditationen und Gesänge – vorgeschrieben. Unter den Wallfahrtshandbüchern befinden sich sowohl bescheidene Hefte als auch exklusiv aufgemachte Werke, die künstlerisch anspruchsvolle Originalkompositionen und einen attraktiven Bildteil enthielten. Als ein Beispiel, das für alle stehen kann, sei hier die Publikation Svatá cesta (Der heilige Weg) des Jesuiten Johann Tanner (1641–1694) angeführt,10 die Ende des 17. Jahrhunderts in drei Sprachausgaben erschien und den Wallfahrer*innen, die von Praha/Prag nach Stará Boleslav/Altbunzlau pilgerten, Hilfe und Leitfaden sein sollte. In Tanners Büchern waren Stiche abgedruckt, die Reproduktionen von Malereien präsentierten, die sich in den kleinen Kirchen und Kapellen entlang des Pilgerweges tatsächlich befanden. Die Verbindung von Texten (Gebeten) mit Bildern (Stichen) kam hier den barocken emblematischen Büchern, einer beliebten Form in der Kultur der Epoche des Hochbarock, sehr nahe.

Schon seit dem Mittelalter sind an vielen Wallfahrtsorten handschriftliche Sammlungen von Wunderberichten, sog. Mirakelbücher, belegt.11 Diese Sammlungen, die Aussagen von Zeug*innen der Wunder enthielten, wurden in Klöstern aufgeschrieben und von Autoritätspersonen der Kirche geprüft. Mit der Entwicklung und Ausbreitung des Buchdrucks konnten Berichte über wundersame Erhörungen auch in gedruckter Form verbreitet werden.12 Passagen über Erhörungen von Wallfahrer*innen machten einen wesentlichen Teil der Abhandlungen über die Geschichte des jeweiligen Pilgerortes aus und waren ebenfalls Bestandteil der Wallfahrtshandbücher. Die Art und Weise der Darstellung dieser Wunderberichte war sehr vielfältig. Sie reichte von der einfachen Aufzählung einer ganzen Reihe wundersamer Gesundungen, mit denen der*die Autor*in seinen Text ausschmückte (z.B. Arsenius von Radbusa-Stará Boleslav/Altbunzlau), über nachgedruckte archivierte Zeugnisse von Personen, denen Wunder widerfahren waren, bis hin zu Auszügen aus handschriftlichen Büchern, die an dem jeweiligen Wallfahrtsort aufbewahrt wurden. In den meisten Werken über Pilgerstätten wurden Wunder beschrieben, die sich in einem bestimmten Zeitraum zugetragen hatten (z.B. in Svatá Hora/Heiligenberg bei Příbram/Freiberg, Bohosudov/Mariaschein, Tuřany u Brna/Brünn-Turas, Křtiny/Kiritein, Chlumek u Luže/Chlumek bei Lusche, Hájek u Prahy/Waldl). Diese waren entweder chronologisch geordnet oder thematisch gegliedert, wobei jedes Kapitel einer bestimmten Form der Erhörung gewidmet war. Vereinzelt tauchten auch beide Varianten parallel auf (z.B. bei Bohuslav Balbín: Der Svatá Hora/Heiligenberg bei Příbram/Freiberg).

Nach der Strukturierung der Aufzeichnung konnten die Berichte in zwei Kategorien unterteilt werden. Die erste Gruppe bildeten Berichte, die mit der Jahreszahl versehen waren, in dem sich das Wunder ereignet hatte. Zum Teil wurde die Zeitangabe auch präsiziert und es wurden Monat und Tag angeführt. Wenn ein genaues Datum angegeben wurde, so bezog sich dieses meist erst auf den Tag, an dem die Person, die um Erhörung gebeten hatte, das von ihr abgelegte Gelübde erfüllte. Der Bericht umfasste in der Regel auch den Namen der betroffenen Person, die Gründe für ihre Bitte, das Gelübde, das gegeben wurde, sowie die wundersame Genesung und die Gaben, die dafür dargebracht wurden (z.B. in Bohosudov/Mariaschein, Svatá Hora/Heiligenberg bei Příbram/Freiberg, Tuřany u Brna/Brünn-Turas, Chlumek u Luže/Chlumek bei Lusche). Die zweite Gruppe erinnert entfernt an eine vorbildlich geführte Matrikel der Erhörten, in der die Ereignisse in Kurzfassung beschrieben wurden (z.B. in Jičín/Jitschin, Stará Boleslav/Altbunzlau).

Gedruckte Sammlungen von Wunderberichten erschienen in der Regel in den Nationalsprachen Tschechisch und Deutsch. Vertreten waren aber auch Schriften in lateinischer Sprache. Außerdem ist die Existenz von Mirakelbüchern, die in zwei- bis dreisprachigen Ausgaben erschienen sind, belegt (z.B. in Svatá Hora/Heiligenberg bei Příbram/Freiberg). Zur Verkaufsförderung enthielten die Drucke ein sogenanntes Frontispiz. Dieser Bildertitel befand sich auf der zweiten, dem Titelblatt gegenüberliegenden Seite, oder er erschien als ganzseitiger Kupferstich, sog. Kupfertitel, vor der Titelseite und diente in der Regel zur symbolischen Hinführung zum Inhalt des Druckes. Oft waren legendarische Topoi des jeweiligen beschriebenen Pilgerortes als Bild gerahmt und häufig auch in eine allegorische Szene eingebettet dargestellt. Illustrationen in Verbindung mit Texten sollten die Sinne der Wallfahrer*innen ansprechen und ihre etwaigen unstetigen Gedanken gezielt lenken. Sie sollten helfen, die Liebe zu Gott zu wecken und wurden im 17. Jahrhundert – vor allem durch die Jesuiten – als Instrument für die Erziehung zur religiösen Hingabe eingesetzt.13

Eine spezifische Rolle im Rahmen von Wallfahrten spielten Erzähllieder (Bänkelgesänge),14 die als zeitgenössisches Medium vor allem die niederen Bevölkerungsschichten ansprechen sollten. In kleinen Heften, die zwei Seiten, oft aber auch vier oder acht, und hin und wieder sogar zwölf oder sechzehn Blätter umfassten, war in der Regel ein Lied abgedruckt; gelegentlich enthielten sie auch einen Zyklus von mehreren thematisch zusammenpassenden Liedern. Neben den Liedtexten beinhalteten die Drucke ab und zu auch einen Bildteil, der am Anfang oder am Ende zu finden war und entweder eine semantisch-informative (narrativer Holzschnitt) oder eine dekorativ-visualisierende Funktion erfüllen sollte. Der Bildteil musste nicht immer notwendig mit dem Inhalt des Lieds korrespondieren, manchmal diente er auch einfach nur zur Werbung. Als traditionelle Technik für die Herstellung des Bildteils kamen Holzschnitte zur Anwendung. Oft enthielten sie auch textliche Hinweise zur Melodie. Äußerer Aspekt war ihre Distribution durch den Verkauf in Kaufmannsläden, Marktbuden und an Verkaufsständen am Wallfahrtsort, oder durch Hausierer (Abb. 2).

Abb. 2: Bänkellied mit Abbild der Jungfrau Maria vom Heiligen Berg, Holzschnitt, 18. Jahrhundert. Institut für Ethnologie der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, Sign. KT XXXVII 243–267 [258].

Abb. 2: Bänkellied mit Abbild der Jungfrau Maria vom Heiligen Berg, Holzschnitt, 18. Jahrhundert. Institut für Ethnologie der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, Sign. KT XXXVII 243–267 [258].

Bänkellieder wurden meist am Weg zum Pilgerziel oder direkt vor Ort gesungen. Hefte mit Bänkelgesängen waren aber auch beliebte Mitbringsel von einer Wallfahrt. Inhalt der Lieder war oftmals die Beschreibung der Entstehung bzw. die Geschichte eines Wallfahrtsortes, oder der legendarische Topos des am Pilgerort verehrten Gnadenbildes bzw. der Gnadenstatue. Die an den Wallfahrtsort geknüpften wundersamen Ereignisse wurden in den Liedern in Form von Erörterungen oder Meditationen, aber auch als episodische Abhandlungen bzw. Erinnerungen im Rahmen eines moralisierenden Kontextes besungen. In anderen Liedern wurde das Wunder an sich monothematisch nacherzählt. In den meisten Fällen wurden Ereignisse besungen, in denen es um wundersame Heilungen oder Genesungen ging, um Rettung aus der Not oder um Strafen für Versündigung oder Gotteslästerung. In anderen Bänkelliedern wurde über tragische Ereignisse berichtet, die sich während einer Wallfahrt oder am Pilgerort zugetragen hatten (z.B. Unglück während einer Wallfahrt, Brand am Wallfahrtsort). Sinn und Zweck der Lieder war es immer, der Verehrung des*der Heiligen Ausdruck zu verleihen, diese Person zu rühmen und zu ihr Fürbitte zu leisten.

Drucke mit Bänkelgesängen gab es sowohl als kleine, lose Heftchen als auch als Konvolute.15 Diese bestanden aus Liederdrucken, die ohne Rücksicht auf Format und oft auch auf ihre Thematik, in Bündeln zusammengeheftet wurden, und so in Ausnahmefällen auch mehr als einhundert Bänkelgesangbüchlein umfassen konnten. Kleinere Bündel waren nicht fest gebunden und am Rücken nur einfach zusammengeheftet. Umfangreichere Konvolute wurden von den Menschen per Hand zusammengestellt, indem die einzelnen Blätter gesammelt und nach und nach zusammengeheftet oder, fertig geheftet, in Mappen eingelegt wurden, die aus unterschiedlichem Material bestehen konnten (z.B. aus Papier, Leinwand, Leder oder Filz).16 So wurden sie zu persönlichen Gesangbüchern mit vielfältigem und zuweilen auch thematisch profiliertem Inhalt, die die Menschen als eine Art kleines Handbuch mit sich führen konnten.

Die Beliebtheit dieser Drucke hing auch eng damit zusammen, dass dadurch Legenden, Wunderberichte und göttliche Symbole mithilfe von Bildern, Texten und Melodien direkt in die Häuser der Gläubigen hineingetragen wurden, wohingegen Gnadenstatuen und -bilder oder auch die Ausschmückung von Kirchen nur am konkreten Ort, an dem sie installiert waren, visuelle Wirkung auf die Gläubigen ausüben konnten. Der*Die Pilger*in hatte somit also die Möglichkeit, Beweise für die Existenz Gottes direkt bei sich zu tragen, die Bilder zu berühren und zu küssen.

Abb. 3: Kleine Devotionsgrafik mit dem Bildnis der Jungfrau Maria von Brünn-Turan (Unsere liebe Frau in den Dornen), Holzschnitt, 18. Jahrhundert. Mährisches Landesarchiv Brno, Staatliches Bezirksarchiv Jihlava, Plakate- und Kleindruck-Sammlung Telč, alte Sign. Q 43.

Abb. 3: Kleine Devotionsgrafik mit dem Bildnis der Jungfrau Maria von Brünn-Turan (Unsere liebe Frau in den Dornen), Holzschnitt, 18. Jahrhundert. Mährisches Landesarchiv Brno, Staatliches Bezirksarchiv Jihlava, Plakate- und Kleindruck-Sammlung Telč, alte Sign. Q 43.

Großer Beliebtheit unter den Gläubigen erfreuten sich auch kleine Devotionalgrafiken, im Volksmund schlechthin „Andachtsbilder“ genannt.17 Auf den Druck dieser Bildchen hatte sich eine ganze Reihe von Druckwerkstätten in größeren Städten spezialisiert. Die Entwürfe dafür wurden u.a. auch von bekannten Künstlern wie zum Beispiel Karel Škréta, Petr Brandl u.a. geliefert. Andachtsbilder wurden zudem aus dem Ausland eingeführt, hauptsächlich aus Augsburg. Ihr von kirchlichen Orden imprimiertes einheitliches Darstellungsschema ähnelte dem Votivbild: Unten befand sich ein Text, über dem Text war der Wallfahrtsort abgebildet, und oben am Himmel oder auf einer Wolke bzw. von einem Heiligenschein umgeben war proportional überdimensioniert die jeweilige Gnadenstatue oder das jeweilige Heiligenbild dargestellt. Zum Druck der Bildchen wurden verschiedene Materialien verwendet, so Papier, Pergament, Leinwand, Seide, aber auch Bast von Wunderbäumen, Eimembranen und Ähnliches. Kleine Devotionalgrafiken entwickelten sich zu einem wichtigen Medium hinsichtlich der Verbreitung antireformatorischer Themen. Sie wurden darüber hinaus zu verschiedenen Anlässen gedruckt, wie zum Beispiel im Jahr 1732, als drei Krönungen von Marienbildern stattfanden (nämlich in Svatá Hora/Heiligenberg bei Příbram/Freiberg, in Brno/Brünn und am Svatý Kopeček/Heiligenberg bei Olomouc/Olmütz)18 (Abb. 3).

Es sind sowohl vergoldete Bilder bekannt als auch solche, die u.a. als Assemblagen aus Schmetterlingsflügeln, Vogelfedern oder Geflechten aus menschlichen Haaren, durchzogen von Stickereien mit bunten Fäden, angefertigt wurden. Devotionalgrafiken gab es in unterschiedlichen Größen, angefangen von kleinen Mosaiken (meist bestehend aus neun viereckigen Bildchen), die als Amulette (sog. „Beverl“)19 in Kombination mit Stoffstücken, die mit der Gnadenstatue oder dem Gnadenbild in Berührung gekommen waren und mit getrockneten Blumen oder anderen Erinnerungsgegenständen vom Wallfahrtsort am Körper getragen wurden (meistens als Anhänger um den Hals), bis hin zu großen gerahmten Bildern, die in der guten Stube in der „heiligen Ecke“ oder anderswo aufgehängt wurden. Devotionalbilder der Jungfrau Maria, von Jesus Christus oder von Heiligen wurden auch im Rahmen von Heilungsprozessen in die Wundverbände eingelegt oder den Betroffenen auf die kranken Körperstellen aufgelegt. Sehr beliebt waren auch sog. „Schluckbilder“.20 Das waren Miniaturbilder, die die betroffene Person im Glauben an eine baldige Genesung bzw. im Angesicht einer drohenden Krankheit hinunterschlucken sollte. Abgesehen von ihrer inhaltlichen Thematik sollte die schützende oder heilende Kraft kleiner Devotionalgrafiken durch einen heiligenden Akt, wie zum Beispiel durch die Berührung des entsprechenden Gnadenbildes, verstärkt werden. Als Beleg dafür, dass ein Heiligenbild mit seinem Original in Berührung gekommen war, wurde ein kleines weißes Tüchlein aus feinem Stoff mit Siegel an das Bild angeheftet.

Marienwallfahrtsmedaillen

Im zweiten Teil unseres Beitrages wenden wir uns einer weiteren Art barocker Pilgerartikel zu – den Marienwallfahrtsmedaillen, mit besonderem Augenmerk auf diejenigen, die aus den heimischen archäologischen Untersuchungen stammen (Abb. 4). Diese kleinen Nachweise über den Pilgerverkehr stellen nämlich eine der verbreitetsten Arten archäologischer Funde dar, die in Grabeinheiten aus der Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts auf dem Gebiet Böhmens und Mährens dokumentiert wurden.21 In der Regel handelt es sich um runde oder ovale Medaillen bzw. um komplizierter geformte Plaketten geringer Größe, zu deren Herstellung unterschiedliche Materialien benutzt wurden, gegebenenfalls auch Materialkombinationen (Metall, Holz, Glas, Knochen, Keramik, Emaille, Wachs, Textilien, Papier). Zu den am häufigsten erhaltenen Stücken gehören gänzlich metallene Exemplare, normalerweise aus Messing, Zinn oder Bronze, in Ausnahmefällen aus Silber oder Eisen gegossen, einseitig, überwiegend jedoch beidseitig mit einem Motiv in Reliefausführung versehen. Die überwiegende Mehrheit davon diente als Rosenkranzanhänger. Darüber hinaus erscheinen sie in den Gräbern als Bestandteil von Skapulieren, Gebeinschreinen oder in einer Position, die von freiem Umhängen um den Hals zeugt.

Abb. 4: Typenübersicht zu archäologischen Funden von Wallfahrtmedaillen aus dem Gebiet der Tschechischen Republik. Grafik: Martin Omelka und Otakara Řebounová.

Das Potenzial der Aussagekraft der archäologischen Funde von Wallfahrtsmedaillen ist zweifelsohne bedeutsam, insbesondere da es sich um Funde aus dem Grabkontext eines konkreten Areals für Beisetzungen (Krypten, Friedhöfe) handelt, also um Medaillen, die aus den Grabbeigaben einer Kommunität von Menschen eines fest abgegrenzten regionalen Gebietes und Zeitrahmens, gegebenenfalls einer spezifischen sozialen Stellung oder im Hinblick auf gesellschaftliche bzw. familiäre Bindungen stammen. Die Medaillen können die örtlich üblichen religiösen Praktikten belegen, die die traditionellen Wallfahrten und regelmäßigen Prozessionen widerspiegeln; sie können aber auch auf die Popularität und die lokale Aufnahme von Kulten einzelner Pilgerzentren sowie auf die gesellschaftliche Reichweite außergewöhnlicher Ereignisse, die an einzelnen Wallfahrtsorten stattfanden, aufmerksam machen.

Ein nicht zu vernachlässigender Wert in den Funden von Wallfahrtsmedaillen liegt gleichermaßen darin, dass sie Auskünfte über Aspekte geben können, zu denen sich die erhaltenen Schriftquellen vergleichsweise schweigsam verhalten, wie beispielsweise hinsichtlich privater, individueller Wallfahrten von Einzelpersonen der jeweiligen Kommunität, die mit einem konkreten persönlichen Ziel, zum Beispiel zur Erbittung der Genesung von einer Krankheit, durchgeführt wurden. Zuletzt können die Wallfahrtsmedaillen die Tätigkeit der religiösen Orden und Konfraternitäten bzw. Bruderschaften belegen. Die Bruderschaften und Orden waren einerseits die Hauptinitiatoren und Organisatoren der regelmäßigen Prozessionen zu nahen und ferneren Wallfahrtszielen, andererseits oftmals auch Verwalter von Pilgerstätten und Distribuenten von Medaillen.

Leider muss an dieser Stelle gesagt werden, dass wir uns in Böhmen, Mähren und im ‚tschechischen‘ Schlesien bisher nur auf einige wenige Fundorte stützen können, die so gut bearbeitet sind, dass man*frau das Material aus diesen als repräsentative Proben mit breiterer Aussagekraft bezeichnen kann. Es handelt sich hierbei überwiegend um Untersuchungen unterschiedlicher Typen von Bestattungsorten, bei denen der Großteil der Funde auf das Ende des 17. Jahrhunderts bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts datiert wurde. Bis 2017 gelang es, aus insgesamt 25 Fundorten in der gesamten Tschechischen Republik archäologische Wallfahrtsmedaillenfunde zu untersuchen (Abb. 5).22

Abb. 5: Archäologische Fundorte von Marienwallfahrtsmedaillen in der Tschechischen Republik (bis 2017). Karte: Martin Omelka und Otakara Řebounová.

Überwiegend handelt es sich um die Überreste von Grabbeigaben, die den Stadtbewohner*innen katholischen Glaubens gehört hatten – siehe die Untersuchung der Straße Šporkova in Praha/Prag, den Fundort U Zvonu in Plzeň/Pilsen, die Friedhöfe an der St.-Bartholomäus-Kirche in Rakovník/Rakonitz und der Kirche Johannes des Täufers in Jindřichův Hradec/Neuhaus. Wenn man*frau über den Grund der zeitlichen Eingrenzung nachdenkt, kommt man*frau zu dem Schluss, dass es sich um sterbliche Überreste handelt, die vornehmlich in jüngeren Bestattungsphasen und keinesfalls im letzten Stadium vor der Auflassung des jeweiligen Friedhofs beigesetzt worden waren. Die jüngsten, noch nicht zersetzten Schichten der Begräbnisstätten von aufgelassenen Friedhöfen wurden aufgrund einer Anordnung von Kaiser Joseph II. mehrheitlich entfernt („abgefahren“). Bei mehrlagigen Friedhöfen, die im Barock in diesem Gebiet üblich waren, wurden ältere Grabstellen sehr oft durch jüngere zerstört; aus Platzmangel wurden ältere Gräber durch das Einlassen bei jüngeren Beisetzungen entweder in Mitleidenschaft gezogen oder gänzlich entfernt, d.h. die sterblichen Überreste wurden gehoben und an eine andere Stelle auf dem Friedhof verlegt, zum Beispiel in ein Beinhaus oder in ein Massengrab. Dies führte einerseits zum weitgehenden Verlust an Übersichtlichkeit und dem assoziativen Wissen um mögliche Beziehungen zwischen den Bestatteten, andererseits zu einer Verzerrung der ursprünglichen realen Auslastung des Beerdigungsdistriktes. In der Straße Šporkova wurde zum Beispiel anhand der Aufzeichnungen im Personenstandsregister nachgewiesen, dass die Zahl der 906 anatomisch bestatteten Einzelpersonen, die hier bei archäologischen Untersuchungen freigelegt wurden, der Anzahl an Beerdigungen entspricht, die an diesem Ort im Zeitraum von nur einem Jahrzehnt durchgeführten worden waren.23 Weder für den Zeitabschnitt des 19. Jahrhunderts noch für jenen des 16. Jahrhunderts24 steht uns gegenwärtig ausreichend publiziertes archäologisches Material zur Verfügung. Aus diesem Grund ist es notwendig, für die Tschechische Republik diese Lücke vorerst zumindest teilweise durch Material mit Sammelcharakter bzw. mit Ergebnissen archäologischer Untersuchungen aus dem Ausland zu schließen.

An 25 untersuchten Fundorten (Abb. 5) wurden Marienwallfahrtsdevotionalien mit Motiven von 39 verschiedenen Pilgerstätten geborgen. Konkret gehörten elf zu tschechischen Marienwallfahrtsorten (Bezděz/Schlossbösig, Bohosudov/Mariaschein, Brandýs nad Labem/Brandeis an der Elbe, Broumov/Braunau, České Budějovice/Budweis, Chlum sv. Máří/Maria Kulm, Kájov/Gojau, Klatovy/Klattau, Praha/Prag – St. Jakobskirche, Stará Boleslav/Altbunzlau und Svatá Hora/Heiligenberg bei Příbram/Freiberg), fünf zu mährischen (Křtiny/Kiritein, Brno-Tuřany/Brünn-Turas, Vranov/Wranau, Svatý Kopeček/Heiligenberg bei Olomouc/Olmütz, Žarošice/Scharoschitz), vier zu schlesischen (Frýdek/Friedeck, Opava/Troppau, Vambeřice/Albendorf, Warta/Warthe – die zwei letzteren gehörten bis zum Jahr 1742 zu den Ländern der Tschechischen Krone). Weiters wurden fünf deutsche (Altötting, Donauwörth, Ettal, Neukirchen, Wessobrunn), zwei österreichische (Mariazell, Maria Taferl), zwei italienische (Mondovi, Rom Monte Santo), ein polnischer (Tschenstochau), ein ungarischer (Šaštín/Schoßberg), ein schweizerischer (Einsiedeln), ein französischer (Paris), ein spanischer (Monserrat), ein luxemburgischer (Luxemburg) und ein belgischer (Montaigu, auch Scherpenheuvel) Wallfahrtsort(e) nachgewiesen, wo das Bild oder die Statue der Jungfrau Maria verehrt worden war.

Bei der Dreiergruppe der Marienwallfahrtsmotive – mit den Abbildungen der Jungfrau Maria von Loreto, der Lieben Frau vom Berge Karmel und des Gnadenbildes Mariahilf – ist die Bestimmung einer konkreten Pilgerstätte aufgrund der hohen Zahl an kopierten, jedoch ebenfalls berühmten Bildnissen diverser Wallfahrtsorte besonders beschwerlich. Die Medaillen reproduzieren zwar den Typ ihrer ortsspezifischen Gnadenbilder normalerweise getreu nach, dennoch ist es nahezu unmöglich, die genaue Lokalität zu bestimmen, wenn die Umschrift fehlt, die spezifiziert, um welches Wallfahrtsziel es sich konkret handelt. Im Fall der Medaillen mit einer Abbildung der Jungfrau Maria von Loreto kann man*frau nur ausnahmsweise mit Sicherheit sagen, ob sie der*die Pilger*in in Prag erwarb (Loreto auf dem Hradčany/Hradschin), in Hájek bei Prag/Waldl, im mährischen Mikulov/Nikolsburg, in Italien, in Loretto bei Wien, oder an einem der weiteren Pilgerziele, die der Madonna von Loreto geweiht sind. Allein auf dem Gebiet der einstigen Tschechischen Krone wurden der Jungfrau Maria von Loreto um die 50 Kapellen geweiht. Bei Mariahilf wird Passau als jener Ort in Erwägung gezogen, an dem das ursprüngliche wundersame Bild platziert gewesen war, des Weiteren auch Wien sowie einige der vielen übertragenen Wallfahrtsorte in Böhmen (Praha-Hradčany/Prag-Hradschin: der Veitsdom, Praha-Nové Město/Prag-Neustadt: die Kirche der Jungfrau Maria Schnee, Praha-Strahov/Prag-Strahau: die Kirche Mariä Himmelfahrt, Praha-Staré Město/Prag-Altstadt: die Teiner Kirche der Jungfrau Maria, Chlumek u Luže/Chlumek bei Lusche, Brno-Líšeň/Brünn-Lösch: die Kirche des hl. Ägidius, u.a.), oder andere Stätten im Ausland. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass es sich dabei nicht um eine Wallfahrtsmedaille handelt, denn im Laufe der Zeit war das Bildnis der Jungfrau Mariahilf als Beschützerin des Habsburgerreiches zum Gegenstand weit verbreiteter Verehrung geworden. Aus diesem Grund wurden jene Medaillen nicht in den Karten vermerkt, obwohl sie zu den verhältnismäßig zahlreich vertretenen Fundtypen zählen.25 Bestätigt werden kann somit lediglich die allgemeine Verbreitung und Popularität um die Kultbilder von Loreto und Mariahilf sowie jenes vom Berge Karmel.

Welche Schlussfolgerungen bieten nun also die oben angeführten Aufzählungen und die Verteilung der Funde von Marienwallfahrtsmedaillen? Sie sind in erster Linie ein Beleg für die große Beliebtheit sowie für die Massenproduktion dieses Artikels im 17. und 18. Jahrhundert. Auf Basis der Anzahl an vertretenen Motivtypen ist es in weitererer Folge möglich, die Popularität der einzelnen Wallfahrtsmarienkulte festzustellen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, befindet sich auf dem ersten Platz der Beliebtheitsskala eindeutig die Kirche zur Jungfrau Maria auf dem Svatá Hora/Heiligenberg bei Příbram/Freiberg. Dieses Ergebnis gewinnt durch Zeugnisse aus einigen schriftlichen Quellen an Beweiskraft.26 Gerade Medaillen mit dem Motiv dieser Gnadenstatue, zumindest auf einer Seite des Anhängers ausgeführt, gehören in einzelnen Sammlungen von Funden zu den zahlreichsten überhaupt; das Motiv wurde unter den in die Karte eingetragenen Funden (Abb. 5)27 quer durch Böhmen und Mähren insgesamt 52 Mal gezählt. Mit den Aussagen der archäologischen Quellen korrespondiert in diesem Fall ebenso die hohe Zahl an verschieden Typen von Kultgegenständen im Zusammenhang mit der Jungfrau Maria vom Heiligenberg, die in Museumssammlungen erhalten sind. Auf dem zweiten Rang folgt, was nicht verwunderlich ist, der österreichische Wallfahrtsort Mariazell: Die Motive der thronenden Jungfrau von Mariazell und das Schatzkammerbild schmücken 32 der auf der Karte markierten Fundstücke.

Aufmerksamkeit verdient auch das vergleichsweise vernachlässigbare Aufkommen von Medaillen mährischer Pilgerorte in böhmischen Fundsammlungen, und – vice versa – böhmischer in mährischen. Wenn überhaupt, sind nur Medaillen vom Svatá Hora/Heiligenberg bei Příbram/Freiberg oder vom nordböhmischen Mariaschein vertreten.28 Dies legt die Vermutung nahe, dass Wallfahrten zwischen diesen zwei Regionen nicht sehr üblich waren. Aus der durchgeführten Analyse der publizierten Fundsammlungen aus dem böhmischen und mährischen Gebiet geht hervor, dass Böhmen eher auf bayrische und österreichische Pilgerziele ausgerichtet war und Mähren nur auf österreichische. Wallfahrten aus beiden Regionen führten auch in das Gebiet des heutigen Polen sowie nach Rom.

Zu den hinsichtlich ihres Informationsgehalts interessantesten Kategorien von Wallfahrtsmedaillen zählen jene, die Themen von mindestens zwei verschiedenen Pilgerstätten kombinieren. In der deutschen Fachliteratur werden sie als „Zwitterpfennige“ bezeichnet, die tschechische Literatur hat dafür vorerst noch keinen festen Ausdruck. Unserer Beurteilung nach kann gerade der Zwitterpfennig als einer der aussagekräftigsten Belege für die Beliebtheit bestimmter Wallfahrtswege dienen. Ein sehr häufig auftretendes Motiv ist beispielsweise die Abbildung der Gnadenstatue der Jungfrau Maria vom Svatá Hora/Heiligenberg bei Příbram/Freiberg auf der Vorderseite der Medaille in Kombination mit dem Marienkultbild der Wallfahrtsorte Stará Boleslav/Altbunzlau oder Neukirchen (eventuell auch in der Verbindung von Klatovy/Klattau und Neukirchen) auf der Rückseite der Medaille. Mariazell tritt am häufigsten in Kombination mit örtlichen Mariengnadenbildern auf (mit thronender Jungfrau Maria und Schatzkammerbild). Aber auch die Verbindung mit anderen österreichischen Pilgerorten, wie dem Sonntagberg (gefunden bspw. in der Straße Šporkova in Praha/Prag), mit Klatovy/Klattau oder dem bayerischen Wallfahrtsziel Neukirchen, ist über entsprechende Funde nachweisbar. Derartige Zwitterpfennige29 indizieren zudem regionale und überregionale Pilgerwege zwischen den Kultzentren Warta/Warthe und Vambeřice/Albendorf (z.B. der Fund aus der Straße Šporkova in Praha/Prag), Warta/Warthe und Tuřany/Turas (aus Břeclav/Lundenburg), Vranov/Wranau und Tuřany/Turas (aus Litovel/Littau), bzw. Příbram/Freiberg, Křtiny/ Kiritein und Broumov/Braunau (aus Plzeň/Pilsen) oder Žarošice/Scharoschitz und Sonntagberg (aus Opava/Troppau) (Tab. 1).

Tab. 1: Übersicht über die bis dato belegten barocken Zwitterpfennige mit marianischen Wallfahrtsmotiven (Böhmen, Mähren, Schlesien, Ausland). Grafik: Martin Omelka und Otakara Řebounová.

Bei den Funden mit heimischen Motiven kann eine tatsächlich durchgeführte Wallfahrt oder Prozession zum Wallfahrtsort, der jeweils als Motiv am Kultgegenstand zu finden, vorausgesetzt werden. Nichtsdestotrotz sollte bei der Beurteilung dessen, wie die jeweilige Medaille an ihren Fundort gekommen sein kann, der Fundkontext eine wichtige Rolle spielen – im Falle von Grabfunden ist er nämlich oft mit der Identität der Verstorbenen verknüpft. Ein Beispiel ist die Begräbnisstätte bei der Kirche zur hl. Maria Magdalena in Plzeň/Pilsen, wo aufgrund der Aufzeichnung im Personenregister der Verstorbenen festgestellt wurde, dass der Friedhof vor allem der Bestattung von ‚Nicht-Pilsener*innen‘ gedient hatte. Hier wurden vornehmlich Menschen beigesetzt, die geschäftlich oder zu Ausbildungszwecken nach Pilsen gekommen waren und dort fernab ihrer Heimat starben. Fast niemand auf diesem Friedhof gehörte zu den Einwohner*innen von Plzeň/Pilsen. So lässt sich erklären, warum u.a. ein Zwitterpfenning bei den Grabfunden dieses Friedhofs entdeckt wurde, der die Wallfahrtsverbindung vom mährischen Křtiny/Kiritein und dem ostböhmischen Broumov/Braunau30 andeutet, also ein Pilgerweg, den Pilsener*innen in der Regel nicht auf sich genommen haben.

Eine besondere Kategorie bilden die Medaillenfunde mit Motivverbindung zu – für tschechische Verhältnisse – ‚exotischen‘ Wallfahrtsorten (Abb. 6). Das betrifft vor allem die Medaillen mit der Jungfrau Maria von Luxemburg (Aspricoll), die in der Straße Šporkova in Praha/Prag gefunden wurden, mit der Jungfrau Maria von Montaigne, die ebenda entdeckt wurden, aber ebenso mit der Jungfrau Maria von Einsiedeln (Funde aus der Straße Šporkova, aus der Basilika zum hl. Georg in der Prager Burg und der Kirche zur hl. Maria Magdalena in Plzeň/Pilsen), oder mit der Jungfrau Maria von Altötting (hier vertreten durch Funde aus Kladruby/Kladrau und Břeclav/Lundenburg).

Abb. 6: Ein Überblick über die Funde marianischer Wallfahrtsmedaillen aus 25 archäologischen Stätten in der Tschechischen Republik (insgesamt: Medaillen mit Motiven von 39 verschiedenen marianischen Wallfahrtsorten). Grafik: Martin Omelka und Otakara Řebounová.

Bei diesen Fällen muss immer in Betracht gezogen werden, dass es sich nicht unbedingt um eine Wallfahrt zum ursprünglichen Pilgerort gehandelt haben musste, sondern eventuell nur um eine Wallfahrt zu jenem Ort in Tschechien,31 zu dem der jeweilige Kult als Filiale übertragen worden war. Es könnte aber auch sein, dass der Gegenstand bspw. durch Ordensleute bzw. Mitglieder religiöser Gemeinschaften, die den jeweiligen Ursprungs- oder Filialort verwalteten, hierhergekommen ist.

Als hervorragendes Beispiel dazu kann der Kult um die Jungfrau Maria von Luxemburg (Aspricoll) angeführt werden, die in Luxemburg genauso wie die Jungfrau Maria von Montaigne (oder auch die Jungfrau Maria von Sichem) verehrt wurde und den Beinamen „Trösterin der Betrübten“ trug. Die Statue der Jungfrau Maria Aspricoll war das Palladium der Stadt Luxemburg. Ab dem Jahr 1625 existierte eine ihr geweihte Kapelle, die anno 1639 zur Wallfahrtskapelle erhoben wurde. Die Verwaltung der Wallfahrten oblag den Jesuiten. Die Statue der Jungfrau Maria von Aspricoll, Mater Gratiarum (Mutter der Gnaden) genannt, wurde angeblich im Jahr 1629 in Belgien erworben. Sie wurde ebenfalls in der Kirche zum hl. Nikolaus auf der Prager Kleinseite verehrt.32

Es stellt sich nun die Frage, auf welche Art und Weise die Medaille mit jenem Bild zu der Frau gelangt war, die damit auf dem Kleinseitener Friedhof in der Straße Šporkova bestattet wurde. Eine Wallfahrt der hier begrabenen Person nach Luxemburg ist natürlich möglich, aber genauso könnte die Devotionalie in der Pfarrei zum hl. Nikolaus erworben worden sein, und zwar entweder durch Kauf oder als Geschenk, bspw. von einem der Jesuiten, der sie möglicherweise aus Luxemburg ‚importiert‘ hatte. Nicht immer also können Funde von Wallfahrtsdevotionalien direkt mit einer Teilnahme an einer Wallfahrt zum ursprünglichen Verehrungsort verbunden werden. Dementsprechend kann man*frau vermutlich einige archäologische Medaillenfunde genauso einstufen, wenn auf einer Medaille zwar ein tschechisches Pilgerziel abgebildet ist, der Fundort dieser Medaille aber außerhalb der Tschechischen Republik liegt.33

In Anbetracht der bereits erwähnten Fakten scheint es naheliegend, dass Wallfahrtsmedaillen ein wichtiges, ja ideales Massenmedium zur Steigerung der Bekanntheit und Beliebtheit eines Pilgerzentrums waren. Sie hatten dafür alle nötigen Voraussetzungen: Durch die Abbildungen waren sie auch für nicht schreib- und lesekundige Gläubige verständlich, sie waren transportabel, aus beständigem Material, darüber hinaus Artikel, an die Ablässe gebunden waren, also für einen barocken Menschen ein Gegenstand heiliger Verehrung und sozusagen primären Bedarfs. Diese Vorteile wurden sodann von Verwalter*innen der Wallfahrtsorte und von Promotor*innen der einzelnen Kulte genutzt. In den Ländern der Tschechischen Krone führten dies die Orden bzw. religiösen Gemeinschaften durch, allen voran die Jesuiten, die in der Zeit nach den Hussitenkriegen in vielen Pfarren den Mangel an Weltpriestern ausglichen und zu dessen Hauptbemühungen die Stärkung der programmatisch deklarierten katholischen Tradition im Land mittels verstärkter Verehrung von Landespatron*innen und mittelalterlichen Heiligen zählte. Dazu gehörte auch die Bemühung, die Jungfrau Maria zur Königin des Böhmischen Königreichs zu machen.

Das typischste Beispiel für den Landespatriotismus der Jesuiten in Böhmen stellte der Kult des Palladiums von Stará Boleslav/Altbunzlau dar, präsentiert als altertümliches Symbol des heimischen Christentums verbunden mit der Verehrung von Landespatron*innen. Dadurch konnte die Kontinuität des Katholizismus in Böhmen besiegelt werden.34 In den Ländern der Habsburgermonarchie existierte eine ununterbrochene Verehrung der Landespatron*innen, deren Pantheon auch von tschechischen Protestant*innen geachtet wurde. Der Sieg der katholischen Kirche über die Häretiker*innen zeigte sich symbolisch in den legendarischen Topoi mit Erzählungen von der wundersamen Rettung von Mariensäulen und -bildern vor Hussit*innen und Nicht-Katholik*innen, aber auch von den Momenten deren Bestrafung und der anschließenden Konvertierung der Schänder*innen dieser Kultobjekte. Aus ähnlichen Gründen erfreute sich auch die Pietà von Mariaschein der Verehrung.35

Aus dem Blickwinkel der Kultpropaganda um Wallfahrtsstätten mittels Medaillen lässt sich eine Medaillenkategorie erkennen, deren Ziel es offenbar war, Interesse für den Pilgerort zu wecken. Jene Medaillen riefen die Beliebtheit des jeweiligen Ortes gezielt und künstlich hervor. Derlei Artikel wurden oft in exklusiven Produktionszentren hergestellt, zu denen zum Beispiel die Werkstatt Seel in Salzburg oder die Werkstatt der Familie Hamerani in Rom zählten, und sodann von den Verwalter*innen oder offiziellen Kultpromotor*innen der jeweiligen Wallfahrtsorte bestellt. Entsprechende Medaillenfunde aus Böhmen und Mähren wurden offensichtlich in den Werkstätten der Hamerani (eventuell auch der Seels) hergestellt, und zwar mit dem Motiv der Jungfrau Maria von Svatá Hora/Heiligenberg bei Příbram/Freiberg, der Jungfrau Maria von Stará Boleslav/Altbunzlau, der Jungfrau Maria von Klatovy/Klattau, der Jungfrau Maria von Chlumek u Luže/Chlumek bei Lusche, der Jungfrau Maria von Chlum sv. Máří/Maria Kulm und der Jungfrau Maria von Brno-Tuřany/Brünn-Turas. In all diesen Fällen handelt es sich um vornehmlich von Jesuiten verwaltete und propagierte Pilgerorte. Bei einigen sind die Bestellungen beim Hersteller mittels zeitgenössischer schriftlicher Quellen nachgewiesen.

Eine weitere Kategorie stellen Kultgegenstände dar, die von den offiziellen Rekatholisierungsmaßnahmen profitierten, so beispielsweise Bücherproduktionen von hauptsächlich kirchlichen Autor*innen, welche die Geschichten und Wunder verarbeiteten, die mit dem jeweiligen Wallfahrtsort verbunden waren.36 An dieser Stelle gilt es anzumerken, dass manche solcher Bücher auch die geografische Verbindung von einzelnen Pilgerstätten und Heiligen belegen, zum Beispiel über den Zusammenhang ihrer Legenden.37 Dies erweist sich bspw. am Konnex zwischen dem Palladium in Altbunzlau und dem Gnadenbild der Jungfrau Maria von Mariazell.38 In diesem Fall ging es offenbar auch um ideell-politische Bande und die Bemühung, die Beziehungen zwischen Böhmen und den Habsburgern durch die Verbindung der böhmischen und österreichischen Kultobjekte zu stärken. Derartige Devotionalien konnten, aber mussten nicht aus berühmten Werkstätten stammen; die Auftraggeber*innen oder Hersteller*innen waren mitunter gewöhnliche Geschäftsleute oder Bruderschaften. Hier muss man*frau die Obliegenheit barocker Konfraternitäten und Priesterbruderschaften im Hinblick auf die Verbreitung von Wallfahrtskulten und die Etablierung festgelegter Pilgerrouten betonen. Viele Bruderschaften hatten in ihren Satzungen die regelmäßige Teilnahme an Wallfahrten und Prozessionen zu nahegelegenen, aber auch weiter entfernten Zielorten deklariert. Aus diesem Grund besteht die Möglichkeit, dass auch einige Zwitterpfennige das Reiseprogramm von Bruderschaften abbildeten und von ihnen direkt in Auftrag gegeben worden waren.

Als Beispiel dient die Bruderschaft von der Heimsuchung Mariä bei der Schottenkirche in Wien, gegründet 1632, die später mit anderen Bruderschaften zusammengeschlossen wurde. Im Jahr 1721 einigten sich die Mitglieder darauf, einmal jährlich eine Wallfahrt nach Mariazell zu veranstalten. Anlässlich der 50. Wallfahrt ließ die Bruderschaft eine Jubiläumsbruderschaftsmedaille anfertigen.39 Ein Zwitterpfennig mit den Motiven der Pilgerzentren Sonntagberg und Žarošice/Scharoschitz, gefunden in Opava/Troppau, dürfte wohl auch in Zusammenhang mit der Bruderschaft stehen.

Bei den Devotionalienhändler*innen, deren Absicht es war, einen einfachen und sicheren Gewinn zu erzielen, lässt sich voraussetzen, dass sie sich beim Einkauf, gegebenenfalls bei der eigenen Herstellung, bemühten, bewährte Güter feilzubieten, die leicht an den Mann bzw. an die Frau gebracht werden konnten. Die Produktion für den Handel könnte somit ein Indikator für die tatsächliche Popularität von Pilgerorten quer durch breite Bevölkerungsschichten sein, ebenso von gut bekannten und viel begangenen Wallfahrtsstrecken. Ein anschauliches Beispiel, das an die tschechische Umgebung geknüpft ist, stellt die Bestellung des Zwitterpfennigs mit dem Bild der Jungfrau Maria von Svatá Hora/Heiligenberg bei Příbram/Freiberg auf der einen und der Jungfrau Maria von Neukirchen auf der anderen Seite dar, die ein bayerischer Händler und Ringmacher aus Neukirchen, Georg Altmann, im Jahr 1674 bei der Werkstatt der Familie Seel in Salzburg in Auftrag gegeben hatte.40 Eventuell betrifft dies auch die Bestellung eines weiteren Händlers aus Neukirchen, Georg Frisch, der im Jahr 1673 500 Stück der „böhmischen Pfennige“ bei den Seels orderte; anno 1675 bezog er Pfennige mit dem Motiv der Jungfrau Maria Neukirchen, die er vorrangig nach Böhmen schicken ließ.41

Fazit

Der vorliegende Beitrag fokussierte den Stand des Wissens über das neuzeitliche Wallfahrtswesen im Bezug auf die bekannten Druckerzeugnisse und archäologischen Funde von Wallfahrtsmedaillen auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik. Ziel war es, lediglich die grundlegenden Fragen vorzustellen, die sukzessive und am besten kollektiv zu beantworten sind. Im ersten Teil der Studie wurden einige Spezifika der Pilgerschaft auf dem Gebiet von Böhmen und Mähren während der Barockzeit erläutert, in der die Verehrung der Jungfrau Maria vorherrschend war. Weiters wurden die bedeutendsten Pilgerzentren der Zeit vorgestellt. Es folgte eine Übersicht zu gedruckten Medien, die mit diesen Wallfahrtsorten verbunden waren und womit für diese Orte in bedeutendem Maße geworben wurde. In der Barockzeit rückte der Werbecharakter der literarischen Werke immer mehr in den Vordergrund; unter diesem Aspekt wurde auch die mögliche soziale Struktur des Zielpublikums angedacht. Zu einem wichtigen Kriterium in Bezug auf die Reichweite der Werke wurden die Sprachversionen (Latein, Deutsch, Tschechisch) der jeweiligen Ausgabe. Sehr oft wurden die Pilgertexte in die Makrostruktur eines Pilgerbuches kompiliert. Darin befanden sich zudem praktische Anweisungen, wie die Wallfahrt zu veranstalten sei und wie man*frau dabei ein spirituelles Erlebnis erzielen könne. In den Handbüchern galt das Hauptaugenmerk konkreten Wallfahrtsorten, insbesondere den marianischen, aber auch den Verehrungszielen mit Christus- oder Heiligenbezug. Bereits ab dem Mittelalter wurden an vielen Pilgerstätten die Wunder in handgeschriebenen Sammlungen (sog. Mirakelbüchern) erfasst, die, in Klöstern ausgefertigt, von bedeutenden Vertreter*innen der Kirche überprüft und um Zeug*innenaussagen ergänzt wurden. Mit der Entwicklung des Buchdruckes wurden die wunderbaren Erhörungen auch in gedruckter Form veröffentlicht. Eine spezifische Relevanz hatten sog. Bänkelgesänge, die als damaliges Medium vor allem die unteren Bevölkerungsschichten ansprachen. Einer großen Beliebtheit unter den Gläubigen erfreute sich auch die kleine Devotionalgrafik. Diese wies ein festes, von den kirchlichen Orden geprägtes Schema auf und wurde auf Papier, Pergament, Leinen, Seide sowie auf weitere, weniger gebräuchliche Materialien gedruckt. Die kleine Devotionalgrafik wurde zu einem wichtigen Medium, mit deren Hilfe die Gedanken der Gegenreformation verbreitet wurden. Die beschützende und heilende Macht der kleinen Devotionalgrafik wurde neben ihrem jeweiligen Thema auch durch den Akt der Weihe gestärkt.

Der zweite Teil der Studie konzentrierte sich auf die barocken Marienwallfahrtsmedaillen, d.h. jene kleinen religiösen Medaillen mit einem Durchmesser von etwa 1–5 cm, die motivisch zumindest auf einer Seite mit einem barocken Marienwallfahrtsort in Verbindung stehen. Dabei handelt es sich um Objekte, die häufig in den archäologischen Grabfunden frühneuzeitlicher Gräberfelder auftauchen und daher einen erheblichen Aussagewert aufweisen können. Bis 2017 ist es gelungen, in der gesamten Tschechischen Republik archäologische Funde von Wallfahrtsmedaillen zu untersuchen, die aus insgesamt 25 archäologischen Ausgrabungen stammen. Bei diesen Funden wurden Motive von 39 verschiedenen Pilgerorten identifiziert. Die am häufigsten abgebildeten Marienwallfahrtsmotive auf den gefundenen Medaillen waren die diversen Typen von Kultbildern der Jungfrau Maria vom Svatá Hora/Heiligenberg bei Příbram/Freiberg in Böhmen (52 Mal) und das Motiv der Jungfrau Maria von Mariazell (32 Mal). Zu den aussagekräftigsten Kategorien in puncto Wallfahrtsmedaillen zählen die sogenannten Zwitterpfennige, die wesentliche Belege für die Beliebtheit bestimmter Pilgerwege erbringen. Ein sehr häufig auftretendes Motiv ist beispielsweise die Abbildung der Gnadenstatue der Jungfrau Maria vom Svatá Hora/Heiligenberg bei Příbram/Freiberg auf der Vorderseite in Kombination mit dem Marienkultbild der Pilgerziele Stará Boleslav/Altbunzlau oder Neukirchen, eventuell auch in der Verbindung von Klatovy/Klattau und Neukirchen. Mariazell tritt am häufigsten in Kombination mit örtlichen Mariengnadenbildern (der thronenden Jungfrau Maria und dem Schatzkammerbild) auf. Eine besondere Kategorie bilden die Medaillenfunde mit – für tschechische Verhältnisse – ‚exotischen‘ Wallfahrtsmotiven, bei denen es sich nur um sozusagen übertragene Bildnisse handeln kann, die in heimischen Filialen als Kopien von Kultbildern ferner Pilgerstätten mit großer Wirkmacht zu finden waren. Aus der durchgeführten Analyse der publizierten Fundsammlungen auf dem böhmischen und mährischen Gebiet geht insgesamt hervor, dass Böhmen eher auf bayrische und österreichische Pilgerziele ausgerichtet war, Mähren hingegen ausschließlich auf österreichische. Wallfahrten aus beiden Regionen führten auch in das Gebiet des heutigen Polen sowie nach Rom, während Wallfahrten zwischen den Regionen Böhmen und Mähren nicht besonders üblich waren.

Fußnoten

  1. Mihola (Hg.) 2010, S. 31–174.
  2. Dějiny hmotné kultury 1997, S. 630–640.
  3. Royt 1999, S. 183–280.
  4. Mikulec 2013, S. 63f.
  5. Bukovský 2000, S. 24–30.
  6. Royt 1999, S. 124–131.
  7. Holubová 2020a, S. 176–189.
  8. Holubová 2020b, S. 182–191.
  9. Holubová 2018, S. 196–206.
  10. Havlík 2018, S. 669–672.
  11. Tüskés/Knapp 1988, S. 79–103.
  12. Holubová 2001–2002, S. 116–132.
  13. Fredberg 1989, S. 181–189.
  14. Holubová 2014, S. 59–79.
  15. Zur Analyse der Bündel ausführlicher bei Ryšavá 2008, S. 205–209.
  16. Ryšavá 1997, S. 13f.
  17. Kafka 2009, S. 186–196.
  18. Royt 1999, S. 132–169.
  19. Kriss-Rettenbeck 1963, S. 46f.
  20. Kriss-Rettenbeck 1963, S. 45.
  21. Als Beispiel für einen hohen Anteil dient ein Befund aus der St.-Nikolaus-Kirche in České Budějovice/Budweis (Tschechische Republik), wo insgesamt 27 Medaillen ausgegraben wurden. 14 Medaillen davon (etwa 52 %) wiesen ein Motiv mit Bezug zu einem Marienwallfahrtsort auf. Im Fundensemble von 37 Medaillen aus der Krypta der St.-Nikolaus-Kirche in Znojmo/Znaim (Tschechische Republik) erreichte der Anteil an Wallfahrtmedaillen 24 %. Eine ähnliche Quote an Wallfahrtsmedaillen (23 %) wurde auch bei der St.-Johannes-Kirche in der Straße Šporkova in Praha-Malá Strana/Prag-Kleine Seite festgestellt; zu den Wallfahrtsmedaillen gehörten hier 68 aus der Gesamtzahl der 293 gefundenen Medaillen. Im Falle des Klosters St. Georg in der Prager Burg in Prag, wo insgesamt 46 Barockmedaillen ausgegraben wurden, betrug der Prozentsatz der Wallfahrtsmedaillen 24 %.
  22. Die tschechischen Fundorte (13): die Basilika zum hl. Georg in der Prager Burg (Borkovský 1975); das Agneskloster in Praha/Prag (Borkovský 1945); der Friedhof bei der nicht mehr erhaltenen Kirche zum hl. Johannes in Obora in Praha-Malá Strana/Prag-Kleine Seite in der heutigen Straße Šporkova (Omelka/Řebounová 2012, S. 233–250); eine Rettungsgrabung in der Trojická Straße in Praha/Prag (Beranová 1989, S. 269–280); der Friedhof bei der Kirche zum hl. Bartholomäus in Rakovník/Rakonitz (Čiháčková u.a. 2011, S. 1029–1049); der Friedhof bei der Kirche zum hl. Johannes in Blovice/Blowitz (Kostrouch/Kodera 2010, S. 183–202); Dýšina/Deyschina (Rettungsgrabung des Westböhmischen Museums in Pilsen, Nr. AV 175/13, nicht publiziert); der Klosterfriedhof auf dem Areal des Klosters in Kladruby/Kladrau (Nováček [Hg.] 2010); das Spitalsareal mit der Kirche zur hl. Maria Magdalena in Plzeň/Pilsen, U Zvonu Str. (Dudková/Orna [Hg.] 2015); der Friedhof bei der Pfarrkirche in Litíč/Littitsch (Dudková u.a. 2018, S. 35–49); die Kirche zum hl. Nikolaus in České Budějovice/Budweis (Hanušová/Thomová 2012, S. 209–229); die Kirche zum hl. Johannes dem Täufer in Jindřichův Hradec/Neuhaus (Omelka u.a. 2013, S. 379–395); der Friedhof bei der Kirche zum hl. Antonius in Liberec/Reichenberg (Brestovanský/Stará 1998, S. 46–56). Die mährischen und schlesischen Fundorte (12): die Kirche zum hl. Wenzeslaus in Břeclav/Lundenburg (Králíková 2005, S. 285f.); die Klosterkirche zum hl. Hippolitus in Znojmo-Hradiště/Znaim-Hradiště (Dostál 1968, S. 7–68); die Krypta der Kirche zum hl. Nikolaus in Znojmo/Znaim (Cimbůrková 2007, S. 183–192); Brno/Brünn, Antonínská Straße (Králíková 2007, S. 111–122); der Friedhof bei der Kirche zum hl. Jakobus in Brno/Brünn (Zůbek 2013); die Pfarrkirche zum hl. Markus in Litovel/Littau (Šlézar 2008; Klobouková 2008); die Kirche zur hl. Maria Magdalena in Přerov/Prerau (Klobouková 2010); die Kirche der Erhöhung des Heiligen Kreuzes in Uničov/Mährisch Neustadt (Klobouková 2008, S. 51–59); die Kirche zum hl. Jakobus in Jihlava/Iglau (Omelka/Šlancarová 2013, S. 73–132); die Kapelle zum hl. Johannes dem Täufer in Staré Město u Uherského Hradiště/Altstadt bei Ungarisch Hradisch (Omelka u.a. 2014); die Gruft im Dominikanerkloster in Opava/Troppau (Šikulová 1968/1970, S. 67–70; Šikulová 1976/1978, S. 87f.; Šikulová 1982, S. 206–208); der Friedhof bei der Kapelle zum hl. Lukas in Ostrava/Ostrau (Moravec [Hg.] 2014).
  23. Omelka/Řebounová 2012, S. 249.
  24. Für die Zeit des 16. Jahrhunderts kann nur die Grabstätte der tschechischen Brüder in der Nähe von Solnice bei Rychnov nad Kněžnou (Ostböhmen) als repräsentativste Stichprobe im Gebiet Böhmens angegeben werden. Jenes konnte anhand zeitgenössischer schriftlicher Quellen auf den Zeitraum zwischen 1533 und 1610 datiert werden (Beková 2007, S. 283). Die Verstorbenen wurden dort üblicherweise in gewebten Leichentüchern und nur ausnahmsweise in Särgen begraben. Dies galt für Protestant*innen wie für Katholik*innen vor allem in besagtem Zeitraum auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik; im Gegensatz zu späteren katholischen Beisetzungen enthalten Gräber aus jener Zeit kaum eine andere Bestattungsausrüstung bzw. Beigaben und sind daher hinsichtlich ihrer Zeitstellung und sozialen Dimension für Archäolog*innen schwer zu fassen und interpretieren.
  25. Gleiches gilt für die relativ häufigen Funde von Devotionalien mit dem Motiv der Pietà ohne nähere Identifikationsinschrift.
  26. Laut den erhaltenen Quellen (Diarium Residentiae) erreichte hier der Zustrom an Pilger*innen in den Jahren 1700–1772 in der Regel ein Ausmaß von mehr als 100.000 Kommunikant*innen pro Jahr (siehe Holubová 2009, S. 60, Grafik 8). 1761 trafen sogar 206.000 Kommunikant*innen ein (Holubová 2009, S. 58).
  27. Zwecks detaillierter Ausführung zu einzelnen Funden der Medaillen in Verbindung mit dem Fundort siehe Omelka/Řebounová 2020, S. 34–51.
  28. Mariaschein galt neben dem Pilgerziel in Svatá Hora/Heiligenberg bei Příbram/Freiberg als einer der beliebtesten Wallfahrtsorte in Böhmen. Zwischen 1699 und 1770 zog es jährlich zwischen 60.000 und 120.000 Kommunikant*innen hierher (siehe Holubová 2009, S. 50, Grafik 2).
  29. Fassbinder 2003, S. 49.
  30. Omelka/Řebounová 2015, Nr. 366.
  31. Z.B. in der Prager Kleinen Seite wurden in der Nähe des Theatinerklosters (1672–1791 in Betrieb), in Český Krumlov/Böhmisch Krumau (Südböhmen, im Bereich des Minoritenklosters, in Betrieb seit 1686) sowie an fünf weiteren Orten in Böhmen und Mähren Kapellen zu „Unserer Lieben Frau“ errichtet, in denen jeweils eine Kopie des Schweizer Originals von Einsiedeln verehrt wurde. Es existierte auch eine Kapelle, die der Jungfrau Maria von Altötting in Praha/Prag gewidmet war (in Kajetánka in Praha-Břevnov, verwaltet vom Theatinerorden, in Betrieb zwischen 1665 und 1783).
  32. Štajnochr 2000, S. 176.
  33. Dies gilt z.B. für den Fund einer Medaille mit dem Motiv der Jungfrau Maria von Klatovy/Klattau in einem Jesuitengrab in der Stadtpfarrkirche St. Martin, dokumentiert in Ettlingen (Kreis Karlsruhe, Baden) – siehe dazu Fassbinder 2003, S. 459, Kat. Nr. 86, Taf. 8.2.; oder für den Lesefund mit dem Marienmotiv des Gnadenortes Gojau aus Waldshut (Gemeinde Waldshut-Tiengen, Kreis Waldshut, Baden) – siehe dazu Fassbinder 2003, S. 561, Kat. Nr. 653, Taf. 8.3.
  34. Royt 2011, S. 91.
  35. Holubová 2009, S. 27.
  36. Z.B. Autoren wie Balbín, Dlauhoveský, Hammerschmid, Tanner u.a.
  37. Z.B. Tanners Werk aus dem Jahr 1680 (Tanner 1680) oder bei Zyvalda (Zyvalda 1667).
  38. Der hl. Wenzel erschien dem mährischen Markgrafen Heinrich, während dieser sich in Wien versteckt hielt, in einem Traum und befahl ihm, nach Mariazell zu reisen. Kaiser Leopold war (angeblich) unter dem Altbunzlauer Palladium geboren worden (siehe Tanner 1680, S. 40: Einleitung, die der Jungfrau von Mariazell gewidmet ist).
  39. Döry 1980, S. 115.
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