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Christian Krötzl
Erstveröffentlichung: 1989

Abstract

Medium Aevum Quotidianum 19 (1989) 13-28

Abstract (englisch)

Medium Aevum Quotidianum 19 (1989) 13-28

Inhaltsverzeichnis

Migrations- und Kommunikationsstrukturen
im finnischen Mittelalter
CHRISTIAN KRÖTZL
Formen der Migration werden seit einigen Jahren auch im Rahmen der Geschichtswissenschaft
vermehrt untersucht, wobei man bestrebt ist, über die
Untersuchung der einzelnen Teilgebiete zu umfassenderen Darstellungen von
Kommunikationsräumen zu gelangen1. In Gebieten mit reicherer Quellenüberlieferung
stoßen jedoch breiter angelegte Darstellungen auf große Schwierigkeiten.
Finnland mit seiner vergleichsweise übersichtlichen und vorwiegend auf das
Spätmittelalter konzentrierten Quellenlage bietet günstigere Voraussetzungen
für Überblicksdarstellungen2• Der vorliegende Artikel stellt einen Versuch in
diese Richtung dar, wobei vor allem die städtischen, die bäuerlichen sowie die
kirchlich-religiösen Migrations- und Kommunikationsstrukturen Südfinnlands
behandelt werden, bei bewußter Weglassung der durch (Macht-)Politik, Verwaltung,
Besteuerung und Großhandel bedingten Strukturen.
Finnland war vom 13. Jahrhundert an integrierter Bestandteil des schwedischen
Reiches, nicht etwa Untertanenland. Auf den Aland-Inseln und entlang
des größten Teiles der finnischen Küste hat sich eine schwedischsprachige
Bevölkerung (heute ca. 6 %) erhalten, deren Einwanderung nach neueren Erkenntnissen
im wesentlichen vor der Mitte des 14. Jahrhunderts stattgefunden
haben soll3• Die schwedische Einwanderung nach Finnland wird in der Forschung
meist auf eine bewußte Kolonisationsinitiative der schwedischen Krone
1 Zu verweisen ist auf den Sammelband von Gerhard Jaritz und Albert Müller (Hg.), Migration
in der Feudalgesellschaft (Studien zur Historischen Sozialwissenschaft 8) Franlc:furt/
Main-New York 1988.
2 Der größte Teil des mittelalterlichen Urkundenmaterials findet sich in zwei Werken: Finlands
Medeltidsurkunder (FMU) I-VIII, hg. R. Hausen, Helsingfors 1910-1935 sowie Registrum
Ecclesiae Aboensis (REA), hg. R. Hausen, Helsingfors 1890. Die übrige schriftliche
Überlieferung (liturgische Texte, Kirchenbücher etc.) ist von geringem Umfang.
3 Carl Fredrik Meinander, Om svenskarnes invandringar till Finland. In: Historisk Tidskrift
för Finland (HTF) 68 (1983) 237, 243. Die Datierung und die Unterbrüche der früheren
germanisch-schwedischen Einwanderung vor dem 12. Jahrhundert sind getrennt zu betrachten,
cf. J. Vahtola, En garnmal germansk invandring till västra Finland i bynamnens belysning.
In: HTF 68 (1983) 252-279.
13
zurückgeführt. Interessant ist jedoch im Vergleich, daß die ansehnliche schwedische
Einwanderung im benachbarten Estland auf die Zeit von ca. 1270-1450 datiert
wird, obschon Estland seit Beginn des 13. Jahrhunderts in dänischem Besitz
war, 1368 an den Deutschen Orden verkauft und erst 1561 von Schweden erobert
wurde. Ein wesentlicher Teil der schwedischsprachigen Einwanderer Estlands
kam nicht direkt aus Schweden, sondern auf dem Umweg über den schwedisch
besieddten Küstenstreifen Finnlands zwischen Hangö und Borgä., wobei
diese Einwanderung aus den schwedischen Teilen Finnlands bis ins 17. Jahrhundert
anhielt4 •
STÄDTISCHE UND BÄUERLICHE MIGRAT IONSSTRUKTUREN
Stadtartige Siedlungen bestanden in Finnland bereits vor der schwedischen Eroberung.
Schriftliche Quellen liegen dazu jedoch kaum vor und archäologische
Untersuchungen bringen erst langsam Licht in die Fragen nach ihrer Größe,
Bevölkerungsstruktur und Funktion5 • Während der Zeit der schwedischen
Herrschaft entstanden entlang der finnischen Süd- und Westküste sieben Städte.
Äbo (finnisch Thrku), die Hauptstadt Finnlands bis 1812, erhielt die Stadtrechte
in den 90er Jahren des 13. Jahrhunderts, dann folgten Viborg (Viipuri),
Borgä (Porvoo), Raseborg (Raasepori, Stadtcharakter unsicher), Ulfsby (Ulvila),
Raumo (Rauma) und Nädendal (Naantali), welches als letzte mittelalterliche
Stadt im Jahre 1443 gegründet wurde. Der Anteil der Stadtbürger
an der finnischen Gesamtbevölkerung von ca. 200.000 betrug 3-4 %, was den
Verhältnissen in den übrigen peripheren Gebieten Europas entspricht. Äbo
( ca. 2500 Einwohner) zählte nach Stockholm ( ca. 6000 Einwohner) und Kalmar
zu den größten der rund 40 Städte im Schwedischen Reich, und Finnland
bildete die nördlichste Stadtregion Europas im Spätmittelalter.
4 P. Johanson, Nordische Mission. Revals Gründung und die Schwedensiedlung in Estland
( Kungliga Vitterhets Historie och A ntikvitets Akademiens HandliDgar 74) Stockholm 1951,
bes. 114 ff.; P. Johansen-H. von Zur Mühlen, Deutsch und Undeutsch im mittelalterl ichen
und frühneuseitlichen Reval. Köln-Wien 1983, 101.
5 Cf. R. Dencker, Finnlands Städte und hansisches Bürgertum. In: Hansische Geschichteblätter
77 (1959) 17; M. Jokipii, Su ome n vanhimmista kaupungeista ja Itämeren piirin kaupunkijärjestelmäatä
keskiaja.lla. In: Suomen Museo 92 (1985) 37-85. Dabei stößt man auch
auf überraschende Fu nde : gegenüber der im 13. Jahrhundert angelegten Burg Tavastehus
(Hämeenlinna) sind beispielsweise in den lebten Jahren Ü berreste einer bislang unbekannten
städtischen Handelssiedlung aus dem 9.-12. Jahrhundert r:um Vorschein gekommen (Va.rikonniem
i), welche die bisherige Theorie des FehJens städtischer Siedlungen im Inneren des
Landes in Frage stellt. Zu den vorgesch ichtlichen Kommunikationsstrukturen des finnischen
Binnenlandes s. J. Masonen, Hämee n Härkatie. Synty ja varhaisvaiheet (Tiemuseon julkaisuja
4) Hel sinki 1989.
14
Die meisten finnischen Städte waren im Mittelalter dreisprachige Gebilde.
Bei der Mehrzahl der Städtegründungen wird eine Initiative deut&cher Kaufleute
angenommen und die Deutschsprachigen blieben bis zum Ende des 15.
Jahrhunderts die in schriftlichen Quellen am häufigsten auftauchende Schicht,
die das politische und wirtschaftliche Leben bestimmte. Im Zeitraum 1310-
1471 waren beispielsweise 42 % der in den Urkunden erwähnten Aboer Bürger
deutscher Herkunft (vor 1400 gar 77 %), während die Schweden 39 % stellten.
Die Finnen waren mit 13 % in den schriftlichen Quellen sicher unter ihrem
tatsächlichen Anteil vertreten und dürften wohl stets die anderen Gruppen zahlenmäßig
überflügelt haben. Von den aufgeführten Bürgermeistern und Ratsherren
trug die überwiegende Mehrzahl deutsche Namen, obschon König Magnus
Eriksson bereits im 1350 erlassenen Stadtrecht bestimmt hatte, daß mindestens
die Hälfte des Rates in den schwedischen Städten aus Nicht-Deutschen zu
bestehen habe6• Die Herkunftsgebiete der Deutschen lagen in Norddeutschland
(Westfalen), Preußen und im Baltikum. Die Urkundensprache der finnischen
Städte war überwiegend Niederdeutsch, das auch von den Vögten des schwedischen
Königs in Abo, Raseborg und Viborg weitgehend angewandt wurde.
Die deutschsprachige Bevölkerung der finnischen Städte war untereinander
stark verschwägert und pflegte enge Beziehungen zum Bürgertum der eigentlichen
Hansestädte Reval, Danzig, Lübeck und Wisby sowie zum deutschen
Bürgertum von Stockholm. Die engsten Beziehungen bestanden nach Reval,
wobei temporäre und permanente Migrationsbewegungen in beide Richtungen
stattfanden, wie zahlreiche Urkunden über Erbschaften, Besitzstreitigkeiten
u. ä. belegen, die vor allem die finnischen Städte Abo und Wiborg betreffen.
Auch schwedisch- und finnischsprachige Einwohner dieser Städte siedelten
nach Reval über. Enge Beziehungen und gegenseitige Migrationsbewegungen
sind auch nach Lübeck und Danzig festzustellen, so fuhren beispielsweise in
einem einzigen Jahr {1476) 67 Schiffe von Abo nach Danzig. Man trifft im Urkundenmaterial
des öfteren auf nahe Verwandte, z. B. Geschwister, von denen
der eine in Abo, der andere in Reval und ein dritter in Danzig lebte. Der Besitz
von z. T. wertvollen Grundstücken und Häusern in anderen Städten der Ostsee
wird häufig verzeichnet 7•
Die finnischen, d. h. vorwiegend schwedischsprachigen Küstenbauern und
Fischer betrieben während des ganzen Mittelalters mit ihren eigenen Booten
einen regen Auslandshandel, der sie bis nach Riga und Danzig führte, dies
ungeachtet der im 14. Jahrhundert einsetzenden Bemühungen und Vorschriften
der schwedischen Krone zur Monopolisierung des Außenhandels auf einige
6 Denclcer, op. cit., 51-53.
7 Denclcer, op. cit., 55-77.
15
wenige Zollhäfen. Ein Schlaglicht auf die sehr intensiven Handels- und anderen
Kontakte zwischen der nördlichsten Hansestadt Reval und den vorwiegend
ländlichen Gebieten der finnischen Südküste werfen die aus der Zeit von
1507-1542 datierenden Schuldbücher des Revaler Kaufmanns Helmich Ficke8•
Während sich Fickes Kontakte an der schwedischen Ostküste vor allem auf
Stockholm und andere Städte beschränkten, fällt in Finnland das Nebeneinander
von Stadtbürgern und Bauern resp. Fischern als Kunden und Lieferanten
auf. Die Bürger von Raumo und Abo sowie die Bauern und Fischer der Küstenund
Schärengebiete begaben sich auch für kleinere Warenlieferungen und Besorgungen
regelmäßig mit ihren eigenen Booten nach Reval, wobei auffällt,
daß auch Bürgersfrauen aus Raumo als selbständige Kunden Fickes verzeichnet
sind, d. h. regelmäßig mit eigenen Booten nach Reval segelten. Interessant sind
die feststellbaren sozialen Vernetzungen: gewöhnliche finnische Küstenbauern
und Fischer konnten in der Hansestadt Reval als Bürgen für Schulden von
Stockholmer Bürgern auftreten!9 Bereits 1385 hatte sich der Vogt von Viborg
beim Rat der Stadt Reval für finnische Bauern aus seiner Gegend eingesetzt,
die offenbar in Reval Handel treiben wollten und dabei mißhandelt wurden:
“ … dat se weren unmaten Övel handelt sunder ere schult; se wörden s(la)hen
und er hart ut getogen, und worden bi dem barde let of de strate und worden
set in de hechte. Dit klagede se unmaten sere … „10 • Der Bauernhandel
wurde auch in Kriegszeiten nicht unterbrochen: 1426-35 herrschte zwischen
Schweden und der Hanse Krieg, der Rat von Reval sicherte jedoch in einem
Schreiben an den Vogt von Raseborg den Bauern seiner Provinz ausdrücklich
freien Handel in der Stadt Reval zu1 1 • Der Bauernhandel war weitgehend auf
dem System der „Freunde“ aufgebaut, die gleichen Bauernfamilien besuchten
Jahr für Jahr denselben Kaufmann. Es gibt auch Hinweise auf den „Zebrahandel“
der Bauern an den gegenüberliegenden Ufern des Finnischen Meerbusens:
die estnischen und finnischen Bauern besuchten sich gegenseitig und tauschten
ihre Waren ohne Geld12• Reval wies auch einen ansässigen finnischsprachigen
Bevölkerungsteil auf – nach den Esten, Deutschen und Schweden die größte
Gruppe -, der vorwiegend den unteren sozialen Schichten angehörte13.
8 Gunvor Kerkkonen, Borgare och bondeseglare (Historiallisia tutlrimuksia 106) Helsingfors
1977.
11 Kerkkonen, op. cit., 157, 242.
1° FMU I, Nr. 942, c!. duu auch Dencker, op. cit., 65.
11 FMU II, Nr. 1834; Dencker, op. cit., 73.
12 G. Mickwitz, Aus Revaler Handelsbüchern. Zur Technik des Ostseehandels in der ersten
Hälfte des 16. Jahrhunderts {Societas Scientiarum Fennica, Commentationes Humanarum
Litterarum IX:8) Helsingfors 1938.
13 Johansen-Zur Mühlen, op. cit., 101 ff.
16
Neben der Stadt Viborg, deren Wohlstand nicht unwesentlich auf dem Rußlandhandel
beruhte, betrieben auch die Bauern der finnischen Küstengebiete
eigenen Kleinhandel mit den Russen. Bereits König Magnus hatte 1347 den
Bauern der Provinz Viborg die Erlaubnis zum Pferdehandel erteilt, diesen jedoch
auf Tiere eingeschränkt, die nicht jünger als acht Jahre und nicht teurer als
vier Mark waren14• 1420 wandte sich der Vogt des finnischen Raseborg an den
Rat von Reval und beklagte sich über die unrechtmäßige Behandlung finnischer
Bauern beim Handel mit Russen in der Stadt Narwa, die zum Deutschordensgebiet
gehörte, jedoch unmittelbar an das Territorium Nowgorods angrenzte:
“ … dat spade in dem herves mins heren des koninges arme gebur segelden in de
N arwe mit ereme quecke und mit anderen erer kopenscap mit minen love und
kopslageden mit den Russen, de dar waren … „. Der Vogt von Narwa habe die
finnischen Bauern beraubt und gefangengesetzt: „Dar baven nam de vaget van
der narwe mins heren armen gebur, wes se badden an penninge und an aderen
war, also gots als XII mark Rig. und iv laste kornes, dat si stan badden mit
den Russen, dat wolde och hebben genommen ( … ) also sint de arme lude eres
korn ok quit, und doet den armen luden groten scaden, dar to lede he si in der
toren und hilt si dar bi water und bi brode XIV dage, of si vurreder ofte misdeder
gewest hadden. Dat en donket mi nicht, det he mime heren dem koninge
gode naberscop an bewiset … „15• Der Vogt von Narwa sandte daraufhin eine
Erklärung an den Rat von Reval und betonte, die finnischen Bauern hätten
ihre Pferde wohl den Deutschen oder Esten, jedoch nicht den Russen verkaufen
dürfen, während Getreide an alle verkauft werden durfte: „ld schach, dat overm
jare spade im herveste ut Sweden lude gesegelt quemen in de Narwemunde up
unsen holm mit achte perden und v koien, dar wi stedes enen dener liggende
hebben. Des worden se van em gevroget, oft se de perde vorkopen wilden. Se
spraken ja. Also dat se den kop to hoge setteden, dat dar van nicht en wart, do
seide to en unse dener vorbenomet und warnde se, sprekende: de perde moge
gi vorkopen den Outsehen eft den Eesten, unsen luden wor gi willet, und den
Russen nicht, bi live und bi gude; dat quick vorkopet, wor gi willet. Seet dar
enboven segelden se des nachtes defHiken und vorkofi“ten de perde den Russen.
( … ) Dar na se wedder up den holm quemen, dat wi vornemen, und setten se in
de torne … „. Der Vogt von Narwa bestritt zudem, die finnischen Bauern auf
Wasser und Brot gesetzt zu haben, vielmehr habe man ihnen “ … to etene, wes
dem dage tidich was, vleisch des vleischdages, vische des vaschdages, dunnebeer
to drinkende … “ gegeben16•
H FMU I, Nr. 522.
15 FMU II, Nr. 1619.
16 FMU II, Nr. 1620.
17
Die vielfältigen Kontakte zwischen Finnland und Stockholm waren nicht
nur politisch-administrativer Natur. Die Aland-Inseln sowie die finnischen
Küstengebiete gehörten zum engeren wirtschaftlichen Einzugsgebiet der Reichshauptstadt,
und die Beziehungen Stockholms zu Finnland waren z. T. weit
intensiver als zu geographisch nähergelegenen Regionen des schwedischen Mutterlandes,
wie bei detaillierter Untersuchung der Steuer- und Rechtsquellen
deutlich wird. Neben dem Großhandel der Kaufleute betrieben nicht nur die
finnischen Stadtbürger, sondern auch die Bauern und Fischer der Küstengebiete
regelmäßigen Kleinhandel in Stockhol.m. Die Finnen stellten einen bedeutenden
Teil der mittelalterlichen Bevölkerung der Reichshauptstadt, wobei die finnischsprachigen
Finnen vor allem den unteren Schichten angehörten, während
die schwedischsprachigen Finnen auch in höhere Positionen des bürgerlichen
Lebens der Hauptstadt aufstiegen17.
KIRCHLICH-RELIGIÖSE MIGRATIONSSTRUKTUREN
Die einerseits von der Ausbildung und Amtsausübung des Klerus und der Klosterinsassen
sowie andererseits von der Glaubensausübung der Laien bedingten
Migrationsbewegungen waren für das finnische Mittelalter von großer Bedeutung.
Der südwestliche Teil Finnlands wurde im 13. Jahrhundert in das
Schwedische Reich und in die christliche Kirche eingegliedert, selbst wenn erste
christliche Einflüsse und Gemeindebildungen bereits früher anzusetzen sind.
Das erste Klo&ter Finnlands wurde 1249 von den Dominikanern in Turku
gegründet und dem bekanntesten nordischen Heiligen Olav geweiht. Die Dominikaner
blieben lange der einzige in Finnland vertretene Orden und hatten
großen Einfluß auf die Glaubensausübung; im Unterschied zu den übrigen
schwedischen Bistümern übernahm Thrku im 14. Jahrhundert den Dominikanerritus
zur Grundlage der gesamten Liturgie18• Papst Bonifatius IX. erteilte
1392 die Erlaubnis zur Gründung des zweiten Dominikanerklosters in Viborg19,
wo wenige Jahre später auch ein Franziskanerkloster entstand. Ein zweites
Franziskanerkloster Wird 1449 in der Stadt Ra.umo erstmals erwähnt, während
17 Cf. Göran Dahlbäck, I medeltidens Stockholm. Stockholm 1987, 9, 52-53, 74.
18 Jarl Gallen, L􀆖 Province de Dacie de l’Ordre des Freres Precheurs. Helsingfors 1946,
51-57 sowie Aarno Malin(iemi), Der Heiligenkalender Finnlands. Seine Zusammensetzung
und Entwicklung (Suomen Kirkkohistoriallisen Seuran Toimituksia XX) Helsingfors 1925,
bes. 182 ff.
19 FMU I, Nr. 1005. Im päpstlichen Brief wird zur Begründung ausdrücklich auf die Nähe
der ungläubigen Russen hingewiesen: “ … que quidem terra, castrum seu opidum (ac) christifideles
in eis degentes propter vicinitatem Rutheonorum et aliarum infidelium nationum
ipsorum Ruthenerum et infidelium incursibus sepius molestantur … „.
18
ein drittes auf der einsamen, jedoch an einem wichtigen Fährweg gelegenen Insel
Kökar entstand. 1438 wurde der Beschluß zur Gründung eines Klosters der
schwedischen Birgittinernonnen in Nä.dendal (Vallis Gratiae) gefaßt, welches
durch zahlreiche Schenkungen rasch zum reichsten und angesehensten Kloster
Finnlands anwuchs.
Die Tätigkeit dieser drei in Finnland direkt vertretenen Orden war für die
Ausbildung der Migrationsstrukturen innerhalb des Landes sowie nach außen
von großer Bedeutung20• In diesem Zusammenhang ist zudem auf das estnische
Zisterzienserkloster Padis bei Reval zu verweisen, das 1351 von König Magnus
von Schweden die Patronatsrechte über die an der gegenüberliegenden finnischen
Küste gelegene Kirche sowie die Kapellen in Borgä. erhielt und diese bis
zur Abtretung an den Bischof von Abo im Jahre 1429 innehatte. Die Zisterziensermönche
verfügten auch über ansehnlichen Landbesitz an der südfinnischen
Küste sowie über das Recht zur einträglichen Lachsfischerei im Helsing-Fluß21•
Die Dominikaner und später auch wohl die Franziskaner übten eine ausgedehnte
Missions- und Predigttätigkeit im lnnern des Landes aus. Das Dominikanerkloster
in Abo, der „Conventus Finlandensis“, war während der zweiten
Hälfte des 13. sowie während des 14. Jahrhunderts alleine für die Missions- und
Predigttätigkeit zuständig. In zwei päpstlichen Briefen aus den 1240er Jahren
werden den Dominikanern weitgehende Rechte – auch zum vorübergehenden
Abweichen von den kanonischen Bestimmungen -in Finnland zugestanden22•
Viele der noch heute erhaltenen mittelalterlichen Kirchen Finnlands weisen
Außenkanzeln auf, die vermutlich von den Bettelmönchen benutzt wurden. Wegen
der Weite des Landes verfügten sie zudem über das Recht zur Verwendung
von Reisealtären, was jedoch auch Konflikte schuf. Papst Benedikt XII. hatte
im Mai 1340 einen Streitfall zu entscheiden, bei dem sich der Priester der im Innern
des Landes ( ca. 200 km von Abo) gelegenen Kirche von Sääksmäki Henrik
Hartmansson darüber beklagte, daß die Dominikanermönche aus Abo “ … in
parrochia dicte ecclesie Saxamaeke super altare portatili missam et alia divina
officia celebrare et ad missam et divina huiusmodi parrochianos dicte ecclesie
convocare et oblaciones recipere ac in usus suos convertere propria temeritate
presumunt, in eorundem rectoris et ecclesie preiudicium et gravamen“23• Einen
Monat später verurteilte Benedikt XII. die Bauern von Sääksmäki zur Zahlung
2° Cf. r:ur weiteren Bedeutung monastischer Migrationsstrukturen G. Jaritz, Monastische
Kommunitäten und räumliche Mobilität in Mittelalter und früher Neuzeit. In: ders.-A. Müller
(Hg.), op. cit., 157-178.
21 Cf. REA Nr. 138, 431 sowie W. Schmidt, Die Zisterzienser im Baltikum und in Finnland
(Suomen Kirkkohistoriallinen Seura, Vuosikirja 29-30) 1939-40, 68-131.
22 Gallen, op. cit., 56-57, 246-247.
23 REA, Nr. 98.
19
von Geldbußen, da sie sich geweigert hatten, ihrem Priester den Kirchenzehnt
zu entrichten – auf Anstiftung der Dominikaner?24• Ansonsten liegen jedoch
kaum Hinweise auf Konflikte zwischen dem Weltklerus und den Bettelmönchen
vor, letztere verfügten ja auch über großen Einfluß im höheren Klerus des Landes
und stellten mehrere Bischöfe.
Besser belegt als die inneren Migrationsstrukturen der Mönche und Nonnen
sind die Bewegungen über die Grenzen Finnlands hinaus. Die finnischen
Klöster waren schon rein organisatorisch in Strukturen eingebunden, die nicht
den Bistums- oder Reichsgrenzen folgten und enge Verbindungen nach außen
bedingten. Im Rahmen der von Reval bis Schleswig und Trondheim reichenden
Dominikanerprovinz Dacia bildete das Kloster in Abo mit jenen in Reval und
Visby (Insel Gotland) die Gruppe der „conventus maritimi“25. Es ist anzunehmen,
daß das mehr als hundert Teilnehmer umfassende Generalkapitel der Dominikanerprovinz
Dacia zuweilen auch in Finnland abgehalten wurde, obschon
die sehr fragmentarisch überlieferten Urkunden der nordischen Dominikaner
keine direkten Belege dafür liefern. Regelmäßige Visitationen wurden durch
die Ordensregeln vorgeschrieben26• Einzelne Dominikanermönche wechselten
häufig von einem Kloster zum anderen, z. B. aus Sigtuna, Visby, West-Götaland
oder Skänninge nach Abo oder von Abo nach Stockholm, Visby und Kalmar.
Ein wichtiges Motiv war dabei die Ausbildung, wie bei Petrus Dacus de Finlandia,
der 1291 zum Studium der Logik ins dänische (heute südschwedische) Ahus
überwechselte27• Die nordischen Dominikaner erhielten erst 1505 ein zentrales
Studium generale im schwedischen Västeräs, die Provinz hatte jedoch bereits
im 13. Jahrhundert das Recht auf je zwei Studienplätze an den Universitäten
von Paris, Bologna, Oxford, Köln und Montpellier. Der Dominikaner Petrus de
Abo studierte offenbar in Bologna und fungierte in den 1330er und 1340er Jahren
als Poenitentiarius der Skandinavier, die die päpstliche Kurie in A vignon
aufsuchten. Ein Beispiel für die studienbedingte Migration eines Dominikaners
ist der Weg Martin Skyttes. Nachdem er die Schule der Franziskaner in der finnischen
Stadt Raumo sowie die Kathedralschule in Abo besucht hatte, wurde
er in den Dominikanerkonvent im schwedischen Sigtuna aufgenommen. Die
nächste Station war eine deutsche Universität, möglicherweise Rostock, Erlurt
oder Leipzig. 1491 wurde er von seinen Oberen zum Studium der T heologie
nach Neapel entsandt, wo er 1493 in einer Urkunde aufscheint und 1500 zum
24 REA Nr. 99, 100. Cf. dazu auch Gallen, op. cit., 153.
25 Gallen, op. cit., 56.
26 Jarl Gallen, Saarnaveljelcset – eräs keslciaikainen kansainvälinen järjestö. In: Academia
Scientiarum Fennica – Year Book 1977, 97-108.
27 Gallen, La Province, 251-53, 256, 259, 260, 261-62, 264-66.
20
„Baccalaureus pro forma et gradu magisterii“ ernannt wurde. 1501 kehrte er
nach Skandinavien zurück und scheint 1508 als Prior in Sigtuna auf. 1513
war Skytte Vertreter der Provinz Dacia beim Generalkapitel in Genova. 1528
wurde Martin Skytte von König Gustav Wasa zum (lutherischen) Bischof von
Abo eingesetzt28 • Das Studium generale der nordischen Franziskaner wurde
1438 in Lund eingerichtet. 1481/82 erreichte der aus dem finnischen Franziskanerkloster
auf der Insel Kökar stammende Stephanus Laurentii in Rom den
Grad eines Doktors der Theologie, er wurde später zum Vorsteher der nordischen
Franziskanerprovinz ernannt29•
In Abo bestand spätestens seit der Gründung des Domkapitels im Jahre
1276 eine eigene Kathedralschule zur Ausbildung der einheimischen Kleriker.
Von den Lehrern dürfte zu Beginn der größte Teil Ausländer gewesen sein und
auch die finnischen Lehrer erhielten ihre Ausbildung außerhalb des Landes,
wie z. B. Magnus Johannis, der 1473 in der Rostocker Universitätsmatrikel
aufscheint und 1480 als Schulmeister und Magister in Abo fungierte30• Ein
Beleg für das Niveau der Aboer Kathedralschule ist der Umstand, daß in den
Quellen auch Schüler aus Schweden, Estland und Deutschland auftauchen.
Die Aboer Kathedralschule sowie die Klosterschulen der Dominikaner und
Franziskaner genügten jedoch nicht zur Ausbildung des höheren Weltklerus,
der seine Ausbildung außerhalb der Landesgrenzen zu suchen hatte. Die Studienreüen
der Finnen im Mittelalter sind eingehend untersucht worden31• Im
schwedischen Mutterland entstand erst 1477 eine Universität in Uppsala, von
der jedoch bis zum Ende des Mittelalters lediglich Belege für vier Studenten
aus Finnland vorliegen. Die Finnen besuchten aus die􀅷em Grunde vor
allem die Universitäten Mittel- und Südeuropas. Man hat bis anhin 170 Belege
und Matrikeleintragungen von insgesamt 139 Studenten gefunden – es wurden
28 Gallen, Saarnaveljelcset, 102-03.
29 KLNM XVII, Sp. 341.
3° K. Grotenfelt, Suomalaiset ylioppilaat ullcomaan yliopistoissa ennen v. 1640. In: H istoriallinen
Arlcisto XIII (1893) 105.
31 Cf. Grotenfelt, Suomalaiset ylioppilaat, 96-125; K. Pirinen, Turun tuomiolcapituli keslciajan
lopulla (mit deutscher Zusammenfassung: Das Domkapitel von Abo gegen Ende des
Mittelalters) (Suomen Kirlclcohistoriallisen Seuran toimituksia 58) Helsinlci 1956, bes. 422-
440; S. Hein inen-J. Nuorteva, Ur nordisk kulturhistoria. Studiebesök i utlandet före 1660
(Studia historica J yväslcyliensia 22:1) J y väslcyli. 1981, 67-118; A.-I. Leht inen, Suomalaisia
teologeja Sorbonnen lcollegion kirjastossa 1400-luvulla. In: Opusculum 7 (1987) 147-178.
Für einen vergleichenden Ü ber bliclc über die Studien der Skandinavier cf. S. Bagge, Nordic
Students at Foreign Universities unti l 1660. In: Scandinavian Journal o f History 9 (1984)
1-29.
21
oft mehrere Universitäten besucht32• Diese Zahl wirkt gering gegenüber den
mehr als 200.000 Matrikeleintragungen allein an deutschen Universitäten im
14. und 15. Jahrhundert33, sie muß jedoch in Relation gesetzt werden zur Einwohnerzahl
des Landes sowie zu den kulturell-sprachlichen, klimatischen und
geographischen Erschwernissen. Abo gehörte zudem im Spätmittelalter zu den
skandinavischen Bistümern mit der höchsten Anzahl von Universitätsstudenten
im Vergleich zur Einwohnerzahl. Nach dem bereits erwähnten Dominikaner in
Ahus 1291 tauchen die ersten Finnen an einer weltlichen Universität 1313 in
Paris auf. Paris blieb bis zum Ende des Mittelalters der bevorzugte Studienort
der Finnen, dies im Unterschied zu den übrigen skandinavischen Ländern,
aus denen nach 1450 kaum mehr Studenten nach Paris reisten3•. Die Finnen
gehörten in Paris meist der englischen (deutschen) Nation an, deren Vorsitzenden
sie zuweilen stellten. Der aus Abo stammende Magister Conradus wurde
am 24. November 1347 von der englischen Nation „ex parte et in expensis rectoris
et facultatis artium { … ) ad litigandum contra dominos theologos“ an
die päpstliche Kurie nach Avignon entsandt und Olavus Magnus vertrat die
Nation 1437 am Basler Konzil35• Die Finnen bekleideten auch höhere Stellen
in der Universitätshierarchie, übernahmen Lehraufträge, und mindestens zwei
Finnen – die späteren Bischöfe Johannes Petri und Olavus Magnus – wurden
zu Rektoren der philosophischen Fakultät gewählt. Der nach Paris beliebteste
Studienort der Finnen war Rostock, gefolgt von Leipzig, Prag, Greifswald, Erfurt,
Köln, Louvain und Krakau38• Das Aboer Domkapitel betrieb eine aktive
Politik der Studienförderung und -finanzierung und erhob einen gesonderten
„census studencium“, der meist aus Butter und Getreide bestand. Auch testamentarische
Schenkungen erfolgten zugunsten der Studenten. Eine übliche Art
der Studienfinanzierung war die „Studentenbutter“: das Domkapitel sandte
dem finnischen Studenten ein Butterfaß, das dieser selbst oder durch Vermittlung
eines Kaufmanns in einem Hafen der südlichen Ostsee entgegenzunehmen
und zum bestmöglichen Preis zu verkaufen hatte37 •
Als Folge dieser Auslandstudien wies der finnische Klerus einen hohen Bildungsstand
auf. Die Hälfte der Mitglieder des Domkapitels verfügte über einen
akademischen Grad. Fast alle katholischen Bischöfe des finnischen Spätmit-
32 20 Finnen besuchten zwei, 5 Finnen drei und einer vier Universitäten; Heininen-Nuorteva,
op. cit., 67.
33 Rainer Christoph Schwinges, Migration und Austausch. Studentenwanderungen im Deutschen
Reich des Späten Mittelalters. In: Jaritz-Müller (Hg.), op. cit., 141.
3• Bagge, op. cit., 13.
35 FMU VIII, Nr. 6580; Heininen-Nuorteva, op. cit., 71-72.
38 Heininen-Nuorteva, op. cit., 68.
37 Pirinen, op. cit., 154, 253-254, 425-426.
22
telalters hatten in Paris studiert38 • Ein bedeutender Teil des niederen Klerus
auf dem Lande hatte ebenfalls im Ausland studiert. Der niedere Klerus rekrutierte
sich im Spätmittelalter fast ausschließlich aus Einheimischen, was einen
markanten Unterschied zum benachbarten Liv- und Estland darstellte: dort
bestand die Priesterschaft fast ausschließlich aus Deutschen, die der Volkssprachen
nicht mächtig waren39•
Einige Mitglieder des höheren Klerus nutzten ihre Auslandskontakte auch
zur Betreibung eines regen Auslandshandels aus, der sowohl kirchlichen als
auch persönlichen Interessen diente. Dies wird aus der von 1509-16 datierenden
Briefsammlung des Archidiakons und späteren Dompropstes in Abo Paulus
Scheel ersichtlich, der eine intensive Korrespondenz mit Kaufleuten in Danzig,
Lübeck, Stralsund, Reval und Stockholm führte. Der bedeutendste Ausfuhrposten
war Butter, dann folgten Pelze, Häute und Fische. Die Einfuhren des
Klerikers bestanden aus Salz, Hopfen zum Bierhrauen, Wein aus dem Rheinland,
Griechenland und Spanien, „Kyrssedrank“ (Kirschlikör?) aus Stralsund
(28 Faß während eines Jahres) und Lüheck, Stoffen aus England und Flandern,
Zinngefäßen, Möbelstücken, Gewürzen, Medizin, aus Danzig eine ganze „Apotheke“,
Mehl usw. Neben diesen eigentlichen Handelswaren erhielt der Kleriker
von seinen Handelspartnern auch eine beeindruckende Menge von Geschenken
und Warenmustern der verschiedensten Art, wie Kleider, Gewürze, Parfüme,
Gebäck usw. Die Einfuhren waren wohl kaum nur für den kirchlichen Bedarf
bestimmt, auch wenn sich darunter eine größere Ladung Kupfer für das Dach
der Domkirche befand. Die Kaufleute vermittelten zudem Handwerker für die
Bau- und Ausbesserungsarbeiten der finnischen Kirche, was jedoch zuweilen an
den hohen Gehaltsforderungen der norddeutschen Fachleute scheiterte. 1514
versuchte man durch Vermittlung eines Stralsunder Kaufmanns einen deutschen
Arzt für den Bischof von Abo anzustellen, was jedoch zu jenem Zeitpunkt
nicht gelang, da sich der vorgesehene Arzt bereits heim Herzog von Holstein
verpflichtet hatte40• Die Kontakte Seheeis mit seinen Geschäftspartnern waren
auch persönlicher Natur, der Revaler Bürger Hans Suurpää sowie der Danziger
Kaufmann Hans Chonnert entsandten ihre Söhne während längerer Zeit
zu Paulus Scheel; der Danziger Kaufmannssohn sollte in Abo Latein, Finnisch
und Schwedisch lernen 4 1 • In den Geschäftsbriefen finden sich regelmäßig Infor-
38 Cf. dazu Paulus Juusten, Catalogus et ordinaria successio episcoporum Finlandensium.
Ed. Simo Heininen (mit deutscher Einleitung). Societas Historiae Ecclesiasticae Fennica.
Helsinlri 1988.
39 Cf. Johansen-Zur Mühlen, op. cit., 332-335 sowie L. Arbusow, Die Einführung der Re­
formation in Liv-, Est- und Kurland. Leipzig 1921, 55-56.
4° FMU VII, Nr. 5751.
41 Pirinen, op. cit., 253-254, 440-458.
23
mationen allgemeiner Natur, z. B. über das Erdbeben in Konstantinopel 1509,
Kriegsgeschehnisse und politische Entwicklungen. Auch Flugblätter wurden
den Geschäftsbriefen beigelegt.
Der zum Teil mit eigenen Schiffen abgewickelte Außenhandel des finnischen
Klerus war von beträchtlichem Umfang – allein bei Scheel betrug der
jährliche Wert mindestens 400 Schwedische Mark – und führte zu Reibereien
mit der Bürgerschaft und den Kaufleuten von Abo, wobei sich der Klerus jedoch
mit Unterstützung des Erzbischofs von Uppsala erfolgreich gegen Einschränkungsversuche
wehren konnte.
Die Bedeutung der Pilgerfahrten als ein zentraler Mobilitätsfaktor im Hochund
Spätmittelalter zeichnet sich in der Forschung immer stärker ab42• Für die
Pilgerfahrten innerhalb Finnland& gibt es nur wenig dokumentarische Belege,
was jedoch bei Berücksichtigung der fragmentarischen Quellenüberlieferung
und der Forschungslage nicht als Beweis für ihre geringe Bedeutung angesehen
werden kann. Auch in Skandinavien läßt sich bei eingehender Untersuchung ein
dichtes Netz von lokalen Pilgerorten feststellen43• Der einzige kanonisierte Heilige
Finnlands, der nach der Legende um 1156 als Märtyrer gestorbene Bischof
Henrik wurde in Nousis (Nousiainen) begraben, von wo Ende des 13. Jahrhunderts
die Translatio eines Teils der Reliquien in den Neubau der Domkirche
zu Abo stattfand. Die Kapelle am Ort seines Märtyriums in Kjulo (Köyliö ),
die Kirche von Nousis sowie die Kathedrale von Abo waren die Stationen seines
Kultes44• Die Mirakelsammlung Henriks umfaßt acht Mirakel, bei denen
eine Wallfahrt angenommen werden kann. Stücke des mittelalterlichen Pil
􀅸erweges konnten bei Ausgrabungen freigelegt werden und Ortsnamen sowie
Uberlieferungen in der Volksdichtung zeugen von seiner Bedeutung. Die Beatificatio
des 1366 verstorbenen Bischofs Hemming von Abo, der ein guter Freund
der Hl. Birgitta war und in ihrem Auftrage Papst Clemens VI. in Avignon aufsuchte,
fand 1499 statt. Der prachtvolle, aus Holz geschnitzte spätgotische
Reliquienschrein Hemmings kann noch heute in Abo besichtigt werden und
war im Mittelalter das Ziel von Pilgerfahrten. Für viele der mittelalterlichen
Kirchen Finnlands liegen päpstliche und bischöfliche Ablaßbriefe vor, in denen
zu Pilgerfahrten aufgefordert wird. Die Heilig-Kreuz-Kirche in Hattula
kann von ihrer Anlage und Ausschmückung her als Wallfahrtskirche ange-
42 Cf. dazu L. Schmugge, Kollektive und individuelle Motivstrukturen im mittelalterlichen
Pilgerwesen. In: Jarits-Müller (Hg.), op. cit., 263-290 sowie die angegebene Literatur.
U Cf. dazu Ch. Daxelmüller-M. L. Thomsen, Mittelalterliches Wallfahrtswesen in Dänemark.
In: Jahrbuch für Volkskunde NF 1 (1978) 155-204.
U Zum Kult cf. Aarno Maliniemi, De S. Henrico Episcopo et Martyre. Die mittelalterliche
Literatur über den Apostel Finnlands (Suomen Kirkkohistoriallisen Seuran Toimitulcsia 45)
Helsinlri 1942.
24
sehen werden und taucht als einziger finnischer Pilgerort im Testament der
dänischen Unionskönigin Margarethe zu Beginn des 15. Jahrhunderts auf45.
In der Gründungsurkunde der Stadt N ädendal wird ausdrücklich auf deren
Funktion als Beherbergungsort der Pilger hingewiesen, die das dortige Birgittinerkloster
aufsuchten46•
Die Finnen suchten auch Pilgerorte im übrigen Skandinavien auf. Die bekannteste
nordische Pilgerfahrt zum Hl. Olav in Trondheim wird in den finnischen
schriftlichen Quellen überraschend selten erwähnt, obschon der Olavskult
mit Patrozinien und Reliquien sehr verbreitet und Olav der häufigste Personenname
Finnlands war. Vadstena mit den Reliquien der Hl. Birgitta und ihrer
Tochter Katharina wird auch als Ziel von Bußwallfahrten erwähnt47• Drei
Pilger aus Finnland scheinen in der den Kanonisationsakten beigefügten Mirakelsammlung
der Hl. Birgitta auf sowie je einer in den Katharina-, Nikolaus(
von Linköping) und in den Stockholmer Defixio-Domini-Mirakeln. Eine von
einem Eingeweideleiden geheilte Finnin suchte Vadstena mit ihrem Mann und
einem weiteren Dorfbewohner auf und ein siebenjähriges Mädchen, das sich
zehn Tage im Wald verirrt hatte, wurde auf ihrer Dankwallfahrt von ihrem
Vater und einer „multa vicinorum turba“ begleitet , während es dagegen in
einem Katharinamirakel heißt, der geheilte finnische Bauer haben wegen der
großen Distanz nur einen Zeugen mitnehmen können: „Testern super miraculo
suprascripto unum tantum secum propter distanciam domus sue ultra centumquinquaginta
m.iliaria alamanica ab opido Wastzstenensis distancia et non plures
producere potuit … „48• Ein gut erhaltenes Pilgerzeichen aus Vadstena mit
einer Darstellung der Hl. Birgitta konnte in Akaa aufgefunden werden, während
die Zuordnung eines fragmentarischen Pilgerzeichens aus Kjulo unsicher ist49•
45 FMU II, Nr. 1220, 1364.
46 Privilegier, Resolutioner och Förordningar för Sveriges Städer I (1251-1523). Hg. v.
N. Herlitz. Stockholm 1927, 86-87.
47 FMU II, Nr. 1501, III, Nr. 2266.
48 Acta et processus canonizacionis beate Birgitte. Hg. v. I. Collijn. Stockholm 1924-31, 137,
138, 142; Processus seu negocium canonizacionis B. Katerine de Vadstenis. Hg. v. I. Collijn.
Stoclcholm 1942-46, 195; Miracula Defixionis Domini. Hg. v. T. Lunden. In: Göteborgs
Högskolas Ärskrift 1949, 64. Zu den skandinavischen Mirakelberichten und ihren Analysemöglichkeiten
s. Ch. Krötzl, Parent-Child Relations in Medieval Scandinavia according to
Mirade Collections. In: Scandinavian Journal of History 14 (1989) 21-37.
49 T. Edgren, En pilgrimsampull fr&n Letala i sydvästra Finland. In: Finskt Museum 1978,
52-60 sowie als neueste umfassende Darstellung der Pilgerzeichenfunde in einem bestimmten
Teil Europas L. Andersson, Pilgrimsmärken och vallfart. Medeltida pilgrimskultur i Skandinavien
(Lund Studies in Medieval Archeology 7) Kumla 1989, 33, 130. Andersson stellt auch
interessante Überlegungen zu den Migrationsstrukturen an.
25
Von den Pilgerort en außerhalb Skandinavien& werden Rom und Santiaga
de Compostela am häufigsten erwähnt, wobei Rom in erster Linie vom höheren
Klerus aus beruflichen Gründen aufgesucht werden mußte. Die Pflicht des alle
drei Jahre zu erfolgenden Rombesuches ad limina apostolorum betraf auch die
finnischen Bischöfe, selbst wenn diese gelegentlich Fristerstreckungen erbaten.
Die Erlangung höherer kirchlicher Ämter setzte oft einen regen Briefwechsel,
ansehnliche Geldsummen und persönliche Besuche in Rom voraus. Die Zehnten
der finnischen Kirche wurden meist nicht direkt, sondern durch die Vermittlung
von Hansekaufleuten und Bankhäusern überbracht, wobei die Geldsendungen
von Abo nach Rom ca. sieben Wochen unterwegs waren. Angehörige
der päpstlichen Kurie dürften Finnland nur selten aufgesucht haben 5°. Einen
Hinweis darauf, daß Rom als Pilgerziel auch von Leuten unterer sozialer Schichten
vielleicht häufiger aufgesucht wurde als die spärlichen Quellen zu erkennen
geben, liefert das Denkelbuch von Stockholm vom Ende des 15. Jahrhunderts,
wo BuBwallfahrten von Finnen nach Rom erwähnt werden. In den Offenbarungen
der Hl. Birgitta wird ein Finne erwähnt, der in Rom keinen Beichtvater
fand, der seine Sprache verstanden hätte und deshalb Birgitta um Hilfe bat 51•
Häufiger als Rom wird jedoch Santiago de Compostela als Ziel finnischer Pilger
erwähnt, wobei das Spektrum der Motive von Devotion über testamentarische
Verordnungen bis hin zu Bußwallfahrten reicht, die im schriftlichen Quellenmaterial
aus Skandinavien die größte Gruppe darstellen 52• In einem Falle lassen
sich auch die Kosten erschließen. Laurens Swerdsliper (Schwertschleifer) verkaufte
1488 sein Grundstück in Abo für 48 Mark und überließ davon 20 Mark
seiner in Abo bleibenden Frau. Die Kosten der Pilgerfahrt nach Santiaga veranschlagte
er also auf 28 Mark53. Jerusalem wird einige Male als Pilgerziel
erwähnt.
Eine interessante Frage ist die der auJländiJchen Pilger in Finnland. Im
übrigen Europa bekannte Wallfahrtszentren wie Trondheim oder Vadstena hatte
Finnland nicht vorzuweisen und um den Bekanntheitsgrad des bedeutendsten
finnischen Heiligen Henrik stand es bereits im schwedischen Mutterland nicht
allzu gut: ein Aboer kehrte im schwedischen Westgötaland bei einem Pfarrer
ein und wollte nach dem Abendessen auf den finnischen Heiligen anstoßen “ …
et in sero post coenam bibisset memoriam sancti Henrici, sacerdos hoc audiens
50 Pirinen, op. cit., 410 ff.; L. Oe Anna, Conoscenza e immagine della Finlandia et del
Settentrione nella cultura classico-medievale (Annales Universitatis Thrkuensis B 180) Thrku
1988, 266-280.
51 FMU IV, Nr. 3829, 3855; Birgitta, Revelationes VI c 115.
52 Zur Santiagawallfahrt aus Skandinavien s. Ch. Krötzl, Om nordbornas vallfarter till Santiago
de Compostela. In: Historisk Tidskrift för Finland 72 (1987) 189-200.
53 Krötzl, Om nordbornas, 197.
26
derisit, et dixit: Si ille sanctus est, irascatur mihi si potest.“ Die verdiente
Strafe für den Zweifler blieb natürlich nicht aus 54•
Interessant ist ferner die Frage nach der Aussagekraft des erwähnten Testamentes
der dänischen Unionskönigin Margarethe für Wallfahrten nach Finnland.
In ihrem 1405 ausgestellten und 1411 bekräftigten Testament übergab
sie den Äbten der Zisterzienserklöster Esrom und Soro 2000 lübische Mark, um
Pilger nach 44 Orten in ganz Europa auszurüsten. Die bedeutenderen Orte
mußten von mehreren Pilgern aufgesucht werden, z. B. Santiago von drei Pilgern.
Es handelt sich um eines der schönsten Beispide für ein bewußt angelegtes
Pilgerprogramm, dessen Orte die aktuellen „Modeströmungen“ widerspiegeln.
Heilig-Kreuz-Kirchen waren außer in Finnland in Norwegen, Schweden und
Dänemark aufzusuchen 55•
1512 wird von einem Deutschen mit Namen Jacob Lothernikth berichtet,
der als Pilger die Jakobskirche im finnischen Renko aufsuchte; besuchte er alle
Kirchen seines Namensheiligen ?56 Die klimatisch-geographischen Bedingungen
stellten sicherlich ein Hindernis für Pilgerfahrten nach Finnland dar, wie im
Falle eines 1493 wegen Totschlages zum Besuch aller skandinavischen Domkirchen
verurteilten Dänen deutlich wird: er konnte im strengsten Wintermonat
Februar, als das Meer zwischen Schweden und Finnland zugefroren war, nicht
nach Abo gelangen und erbat sich vom Erzbischof von Uppsala einen Dispens57•
* * *
Südfinnland scheint im Spätmittelalter in ein dichtes Netz von temporären
und permanenten Migrations- und Kommunikationsstrukturen aller sozialer
Schichten eingebunden, wobei sich einige – noch als vorläufig anzusehende –
Charakteristika abzeichnen:
– Die Ostsee kann als ein grundlegender Kommunikationsraum angesehen werden,
der wiederum in verschiedene sich schneidende sowie sozial, räumlich und
funktionell unterschiedliche Kommunikationsräume engeren Charakters gegliedert
war.
– Die geographische Distanz war nicht entscheidend, wichtiger waren neben
den geographischen und klimatischen Bedingungen die zur Verfügung stehenden
Verkehrsmittel und die Reise- bzw. Überbringungszeiten. Seeverbindun-
54 Scriptores Rerum Suecicarum 11:1, 335.
55 N.-K. Liebgott, Heilige Maend og Kvinder. Hojbjerg 1981, 36-39, wobei Hattula auf der
Karte und in der Erläuterung falsch lokalisiert wird.
56 FMU VIII, Nr. 6696.
57 FMU V, Nr. 4472, 4512.
27
gen ermöglichten ein dichteres Netz und die Überbrückung weitaus längerer
Strecken als Landverbindungen.
– Die Sprachverhältnisse waren von großer Bedeutung für den Kommunikationsraum
Ostsee, wobei verschiedene, auch sozial unterschiedliche Schichten
festzustellen sind. Die deutschsprachigen Einwohner der finnischen und schwedischen
Städte standen in engem Kontakt untereinander sowie zu den Einwohnern
der Hansestädte. Die schwedischsprachigen Einwanderer, Bauern und
Fischer, an der finnischen und estnischen Küste standen untereinander in Kontakt.
Die oberen Schichten der schwedischen und finnischen Bevölkerung konnten
auch in das deutsche Bürgertum Finnlands aufsteigen und wandelten dieses
langsam um. Der Kleinhandel schuf Kontakte zwischen den Sprach- und Sozialgruppen,
führte jedoch selten zum Aufstieg. Das Ausmaß der Kontakte
zwischen den Sprachgruppen sowie der Mehrsprachigkeit bedarf noch näherer
Untersuchung.
– Die soziale Herkunft sowie Bildung und Sprache waren von Bedeutung für die
Empfindung von Ferne/Nähe, die auf jeden Fall anders war als in Mittel- und
Südeuropa. Ein finnischer Bauer empfand die Distanz nach Vadstena als groß,
während der höhere Klerus sich scheinbar ohne größere Anpassungsschwierigkeiten
im 2000 km entfernten Paris aufhielt und enge persönliche Verbindungen
mit Hansekaufleuten in Danzig und Lübeck pflegte.
– Die politischen und kirchlich-administrativen Grenzen waren von geringer
Bedeutung für die tatsächliche Ausgestaltung der Kommunikationsräume, und
staatliche Zentralisierungsbestrebungen ließen sich noch nicht durchsetzen. Der
Groß- und Fernhandel konnte reguliert werden, nicht jedoch der Kleinhandel
der Bauern und Fischer.
– Die hier untersuchten Migrationsstrukturen waren überwiegend männlich dominiert,
eine aktive und selbständige Teilnahme von Frauen zeichnet sich bei
kürzeren und mittleren Pilgerfahrten sowie bei städtischen Formen des Kleinhandels
ab.
28
MEDIUM AEVUM QUOTIDIANUM 19
QUOTIDIANUM FENNICUM
DAILY LIFE IN MEDIEVAL FINLAND
EDITED BY
CHRISTIAN KRÖTZL AND JAAKKO MASONEN
KREMS 1989
Gedruckt mit Unterstützung der Kulturabteilung
des Amtes der Niederösterreichischen Landesregierung
Herausgeber: Medium Aevum Quotidianum. Gesellschaft zur Erforschung der materiellen
Kultur des Mittelalters. Kornermarkt 13, A-3500 Krems, Österreich. – Für den Inhalt
verantwortlich zeichnen die Autoren, ohne deren ausdrücldiche Zustimmung jeglicher Nachdruck,
auch in Auszügen, nicht gestattet ist. -Druck: HTU-Wirtschaftsbetrieb Ges. m. b. H.,
Wiedner Hauptstraße 8-10, A-1050 Wien.
Inhaltsverzeichnis
Jaakko Masonen:
Finnland im Mittelalter. Zur Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
Christian Krötzl:
Migrations- und Kommunikationsstrukturen im finnischen Mittelalter . . . . 13
Luigi de Anna:
ll nutrimento del pregiudizio. Codici alimentari riferiti
agli abitanti della Finlandia e del Settentrione nelle fonti occidentali 29
Jaakko Masonen:
Zum Krankheitsbegriff im finnischen Mittelalter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
Marko Nenonen:
Hexenglauben, Mensch und Gemeinschaft in Finnland.
Spätmittelalter und frühe Neuzeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
Jussi-Pekka Taavitsainen:
Finnish Limousines. Fundamental Questions
about the Organizing Process of the Early Church in Finland . . . . . . . . . . . . . 75
Helena Edgren:
The Dance of Death in Inkoo.
A Medieval Church Painting as a Source of Local History . . . . . . . . . . . . . . . . 89
Verzeichnis der Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
Informationen an die Mitglieder von „Medium Aevum Quotidianum“ . . . 103
Verzeichnis der Mitarbeiter
De Anna, Luigi. Dr.phil. Lektor.
Hat in Florenz studiert (Dott. in lettere), lebt seit 1973 in Finnland. Dissertation am Institut
für Kulturgeschichte der Universität Turku: Conoscenza e immagine della Finlandia e del
Settentrione nella cultura classico-medievale (Annales Universitatis Turkuensis B 180) Turku
1988. Interessen&- und Forschungsgebiete: Bild Finnlands und der arktischen Völker in der
westlichen Kultur, Beziehungen zwischen der Ostsee- und der Mittelmeerkultur im Mittelalter.
L. de Anna ist Herausgeber der Zeitschrift „Settentrione“ (Turku). Publikationen:
L’immagine della Finlandia nella cultura medievale. In: Quaderni medievali 23 (1987), 55-
71. Adresse: Dipartimento di Studi Italiani, Universita di Turku, Henrikinkatu 2, SF-20500
Turku 50.
Edgren, Helena. Lic. phil. Kurator.
Studierte in Helsinki Archäologie, Kunstgeschichte und Ethnologie sowie in Kopenhagen
Kunst und Ikonographie des Mittelalters. Hat in der Staatlichen Museumsverwaltung als
Leiterin des Archäologischen Dienstes sowie als Forscherin bei Kirchenrenovationen gearbeitet,
z. Z. angestellt als Forscherin des ikonographischen Archives mit Schwerpunkt Kunst des
Mittelalters. H. Edgren ist Redaktionsmitglied von ICO (Nordic Review of Iconography).
Publikationen: De skrivande djävlorna i Finlands medeltida kyrkor (Die schreibenden Teufel
in den mittelalterlic hen Kirchen Finnlands). In: Finskt Museum 86 (1979); Hästhandel i
Finlands medeltida lcyrlcor (Pferdehandel in den mittelalterlichen Kirchen Finnlands). In:
Finskt Museum 92 (1985); Dominilcanmunken i St. Marie lcyrlca (Der Dominikanermönch in
der Marien-Kirche). In: Monastisk lconst i Norden. Stoclcholm 1988; Kapeil eller icke lcapell
– det är fragan. In: Finskt Museum 94 (1987). Adresse: Museovirasto, Nervanderinkatu 13,
SF-00100 Helsinki 10.
Krötzl, Christian. Lic. phil.
Forschungsassistent der Akademie von Finnland. Geb. 1956. Hat in Zürich Geschichte und
Romanistik studiert. Arbeitet an einer Dissertation zum mittelalterlichen Pilgerwesen der
Slcandinavier. Publikationen: Om nordbornas vallfärder till Santiago de Compostela. In:
Historisi: Tidskri!t för Finland 72 (1987) 189-200; Parent-Child-Relations in Medieval Scandinavia
according to Mirade Collections. In: Scandinavian Journal of History 14 (1989)
21-37. Adresse: Historisches Institut der Universität Tampere, PL 607, SF-33520 Tampere
52.
Masonen, Jaakko. Dr.phil.
Forscher am Finnischen Straßenmuseum. Geb. 1957. Beschäftigt sich mit der archäologischen
und historischen Untersuchung der alten Verkehrswege Finnlands sowie mit Medizin und
Sozialwesen im finnischen Mittelalter. Hat in Tampere und Helsinki studiert, Dissertation:
Hämeen häri:ätie. Synty ja varhaisvaiheet (Tiemuseon julkaisuja 4) Helsinn 1989 (with
English summary: The Häme Oxen Road from the end of the iron age to early medieval
times). Publikationen: Ancient land communications research in Finland. In: Fennoscandia
Archaeologica V (1988). Adresse: Pellervonkatu 2 C 44, SF-33540 Tampere 54.
101
Nenonen, Marko. Lic. phil.
Geb. 1956. Hat in Tampere studiert und arbeitet an einer Dissertation über Zauberei, Hexerei
und Hexenprozesse in Finnland. Publilcationen: Noidat ja noitavainot Hämeessa ja Yli.­
Satalcunnasa (Hexen und Hexenverfolgungen in Häme und Ober-Satalcunta). In: Tampere:
tutlcimulcsia ja lcuvaulcsia IX. Tampere 1988; Paholaislcultista lconfülctiteoriaan eli Ieuinka
selittää noitavainot (Vom Satanskult zur Konfliktthone oder die Erlclärung der Hexenverfolgungen).
In: Ylcsilö ja yhteislcunnan muutos (Acta Universitatis Tamperensis, Ser. A
vol. 202) Tampere 1986. Adresse: Pispalan valtatie 85 B, SF-33270 Tampere 27.
Taavitsainen, Jussi-Pekka. Lic. phil.
Geb. 1951. Arbeitet als Forscher an der prähistorischen Abteilung der Staatlichen Museumsverwaltung.
Publilcationen: Keslciajan lcangaslcaupasta lcirjallisten ja esineellisten lähteiden
valossa (On the Medieval Cloth Trade to Finland in the Light of Written Sources and Earth
Finds). In: Suomen Museo 89 (1982) 23-43; Wide-Range Hunting and Swidden Cultivation
as Prerequisites of Iron Age Colonization in Finland. In: Suomen Antropologi 12 (1987)
213-233. Adresse: Tehtaankatu 22 G 52, SF-OOHO Helsinlci 14.
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MITTEILUNGEN AN DIE MITGLIEDER
VON „MEDIUM AEVUM QUOTIDIANUM“
Das vorliegende Heft von Medium Aevum Quotidianum widmet sich der Auseinandersetzung
mit Alltag und materieller Kultur des Mittelalters in der finnischen
Forschung. Es setzt damit die in Heft 15 begonnene „Länderserie“
fort. Unser Dank gilt den beiden Herausgebern des Heftes, Christian Krötzl
und Jaakko Masonen, sowie den Autoren der Beiträge. Die angesprochene
„Länderserie“ soll in zwangloser Folge fortgesetzt werden. Diesbezügliche vorbereitende
Kontakte wurden vor allem mit ungarischen, schwedischen und jugoslawischen
Kollegen geknüpft.
Neben den bereits in Medium Aevum Quotidianum 18 angekündigten, für 1990
geplanten Heften wird im Februar/März 1990 Medium A evum Quotidianum.
ErgänzungJband 1 erscheinen. Dieser Band leitet eine Reihe ein, die in unregelmäßigen
Abständen umfangreichere Abhandlungen zu Alltag und materieller
Kultur des Mittelalters aufnehmen soll. Wir freuen uns, die Leistungen
der Gesellschaft für ihre Mitglieder damit neuerlich erweitern zu können.
Der genannte ErgänzungJband 1 wird sich mit der „Bedeutung von Schlaf
und Traum im Mittelalter“ auseinandersetzen. Dabei handelt es sich um
eine überarbeitete und erweiterte Dissertation von Maria E. Wittmer-Butsch
(Zürich), die bei Ludwig Schmugge am Historischen Seminar der Universität
Zürich verfaßt wurde und in ihrer Methode in starkem Maße von alltagsgeschichtlichen
Ansätzen ausgeht.
Gerhard Jaritz, Herausgeber
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